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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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»Vorlesen, vorlesen!« Selbstverständlich konnte ihn niemand daran hindern. Überdies war er mit seiner Festordnerschleife aufgetreten. Mit helltönender Stimme deklamierte er:

»Der vaterländischen Gouvernante der hiesigen Gegenden von einem Dichter zum Feste gewidmet.

›Sei gegrüßt uns, arme Gouvernante!‹

Rufen alle wir unisono!

Ob man deinen Wert auch oft verkannte,

Heute sei fidel und juble froh!«

»Das ist von Lebjadkin! Wirklich, von Lebjadkin!« erschollen mehrere Stimmen.

Gelächter ließ sich vernehmen; es wurde sogar applaudiert, wiewohl nicht von vielen.

»Kinder lehrst französisch du parlieren,

Wischst die rotz'gen Nasen ihnen rein,

Und du würdest dich gewiß nicht zieren,

Wollt' ein Kirchendiener um dich frei'n.«

»Hurra, hurra!«

»Doch in dieser Zeit voll Not und Jammer

Führt dich auch ein Kirchendiener nicht

Als sein Ehweib in die Hochzeitskammer,

Wenn es an Moneten dir gebricht.«

»Sehr richtig, sehr richtig! Das ist der echte Realismus! Ohne Moneten ist nichts anzufangen!«

»Aber heute wird es uns gelingen,

Schmausend, tanzend hier in diesem Saal,

Gouvernante, für dich aufzubringen,

Was du brauchst, ein tücht'ges Kapital.

Mit 'ner Mitgift kann dir's dann nicht fehlen;

Man bewirbt sich stark um deine Hand;

Wirst im Handumdrehen dich vermählen,

Und dann spuck auf deinen früh'ren Stand!«

Ich muß gestehen, ich traute meinen Ohren nicht. Dies war eine so offenkundige Frechheit, daß keine Möglichkeit blieb, Liputin auch nur mit Dummheit zu entschuldigen. Und Liputin war überhaupt nicht dumm. Die Absicht war klar, wenigstens für mich: es sollte so bald wie möglich alles in Unordnung gebracht werden. Einige Verse dieses verrückten Gedichtes, zum Beispiel der letzte, waren derartig, daß keine Dummheit sie entschuldigen konnte. Liputin schien auch selbst die Empfindung zu haben, daß er mit der Ausführung dieser seiner Heldentat zu weit gegangen sei; er bekam einen solchen Schreck über seine eigene Dreistigkeit, daß er nicht einmal von der Estrade herunterging, sondern stehen blieb, wie wenn er noch etwas hinzufügen wollte. Er hatte sicherlich angenommen, daß die Sache einen anderen Ausgang nehmen werde; aber selbst das Häuschen von Tumultuanten, das während der Ausführung des schändlichen Streiches applaudiert hatte, schwieg auf einmal, wie wenn es selbst erschrocken wäre. Das Allerdümmste war, daß viele von ihnen das ganze Gedicht zunächst als echtes Pathos aufgefaßt hatten, das heißt, nicht als ein Pasquill, sondern tatsächlich als wirkliche Wahrheit über die Gouvernanten, als eine tendenziöse Dichtung. Aber die übermäßige Ungeniertheit des Ausdrucks machte schließlich auch sie stutzig. Was nun das gesamte Publikum anlangt, so fühlte sich der ganze Saal nicht nur unangenehm berührt, sondern offensichtlich beleidigt. Ich irre mich nicht, wenn ich dies als die allgemeine Empfindung bezeichne. Julija Michailowna sagte später, sie sei nahe daran gewesen, in Ohnmacht zu fallen. Einer der achtungswertesten alten Herren veranlaßte seine Gattin aufzustehen, und beide verließen, von den aufgeregten Blicken des Publikums begleitet, den Saal. Wer weiß, vielleicht hätte dieses Beispiel noch manchen zur Nachahmung bewogen, wenn nicht in diesem Augenblicke Karmasinow selbst auf der Estrade erschienen wäre, in Frack und weißer Binde und mit einem Hefte in der Hand. Julija Michailowna richtete einen Blick voll Entzücken auf ihn wie auf einen Retter ... Ich aber war schon hinter den Kulissen; ich mußte mit Liputin sprechen.

»Das haben Sie mit Absicht getan!« sagte ich und ergriff ihn empört am Arme.

»Ich habe mir, weiß Gott, nichts dabei gedacht,« erwiderte er sofort, indem er sich zusammenkrümmte; er log und spielte den Unglücklichen. »Die Verse waren soeben gebracht worden, und ich dachte, daß sie als ein heiterer Scherz ...«

»Das haben Sie gar nicht gedacht. Halten Sie denn dieses abgeschmackte Zeug wirklich für einen heiteren Scherz?«

»Ja, das tue ich.«

»Sie lügen einfach, und das Gedicht ist Ihnen gar nicht eben erst gebracht worden. Sie haben es selbst mit Lebjadkin zusammen verfaßt, vielleicht schon gestern, um einen Skandal hervorzurufen. Der letzte Vers rührt zweifellos von Ihnen her; ebenso das von dem Kirchendiener Gesagte. Warum ist er denn im Frack auf die Estrade gekommen? Offenbar war von Ihnen alles dazu vorbereitet, daß er das Gedicht selbst vorlesen sollte, wenn er sich nicht betrunken hätte.«

Liputin blickte mich kalt und boshaft an.

»Was geht Sie das an?« fragte er auf einmal mit seltsamer Ruhe.

»Was ist das für eine Frage? Sie tragen ebenfalls diese Schleife ... Wo ist Peter Stepanowitsch?«

»Ich weiß es nicht; er wird wohl hier irgendwo sein; wieso?«

»Ich will sagen, daß ich jetzt alles durchschaue. Das ist einfach ein Komplott gegen Julija Michailowna, um das Fest durch einen Skandal zu stören ...«

Liputin warf mir wieder einen schrägen Blick zu.

»Was kümmert es Sie?« sagte er lächelnd, zuckte mit den Achseln und ging zur Seite.

Es überlief mich kalt. Alle meine bösen Ahnungen gingen in Erfüllung. Und ich hatte noch gehofft, daß ich mich irrte! Was sollte ich nun tun? Ich dachte schon daran, Stepan Trofimowitsch um Rat zu fragen; aber dieser stand vor dem Spiegel, probierte verschiedene Arten des Lächelns und blickte alle Augenblicke auf einen Zettel, auf dem er sich Notizen gemacht hatte. Er sollte unmittelbar nach Karmasinow auftreten und war nicht mehr imstande mit mir ein Gespräch zu führen. Sollte ich zu Julija Michailowna laufen? Aber dazu war es noch zu früh; für sie war eine weit stärkere Lektion erforderlich, um sie von der Einbildung zu kurieren, daß sie von Anhängern »umringt« und alle ihr »fanatisch ergeben« seien. Sie hätte mir nicht geglaubt und mich für einen Gespensterseher gehalten. Und wodurch hätte sie auch helfen können? »Ach was!« dachte ich; »was geht es mich eigentlich an? Ich werde die Schleife abmachen und nach Hause gehen, sobald die Geschichte losgeht.« Ich gebrauchte diesen Ausdruck: »sobald die Geschichte losgeht«; das ist mir noch im Gedächtnis.

Aber ich mußte hingehen und Karmasinow hören. Als ich zum letztenmal einen Blick hinter die Kulissen warf, bemerkte ich, daß sich dort ziemlich viel fremdes Volk herumtrieb, kam und ging, darunter sogar Weiber. Dieses »hinter den Kulissen« war ein ziemlich enger Raum, der vom Publikum durch einen Vorhang vollständig abgeschlossen war und nach hinten zu über einen Korridor weg mit den anderen Zimmern in Verbindung stand. Hier warteten unsere Vorleser, bis sie an die Reihe kamen. Aber mich setzte in diesem Augenblicke besonders der Lektor in Erstaunen, der auf Stepan Trofimowitsch folgen sollte. Dies war ebenfalls eine Art Professor (ich weiß auch jetzt nicht genau, was er eigentlich war), der freiwillig nach einem Studentenkrawalle von einer Hochschule abgegangen und aus irgendwelchem Grunde nach unserer Stadt gekommen war, und zwar erst vor einigen Tagen. Er hatte ebenfalls Empfehlungen an Julija Michailowna mitgebracht, und sie hatte ihn voll Verehrung aufgenommen. Ich weiß jetzt, daß er vor der Vorlesung nur an einem Abend bei ihr gewesen war, den ganzen Abend über bei ihr geschwiegen, über die Scherze und den ganzen Ton der Gesellschaft, die sich um Julija Michailowna scharte, zweideutig gelächelt und durch sein hochmütiges und gleichzeitig bis zur Schreckhaftigkeit empfindliches Wesen auf alle einen unangenehmen Eindruck gemacht hatte. Zu einer Vorlesung hatte ihn Julija Michailowna selbst angeworben. Jetzt ging er von einer Ecke in die andere und flüsterte ebenfalls, gerade wie Stepan Trofimowitsch, etwas vor sich hin, blickte aber zu Boden und nicht in den Spiegel. Er probierte nicht verschiedene Arten des Lächelns, obwohl er häufig und grimmig lächelte. Es war klar, daß auch mit ihm nicht zu reden war. Er war von Statur klein, anscheinend etwa vierzig Jahre alt, kahlköpfig, mit grauem Barte, anständig gekleidet. Aber am meisten interessierte es mich, daß er bei jeder Wendung die rechte Faust in die Höhe hob, sie in der Luft über seinem Kopfe schüttelte und dann auf einmal niederfallen ließ, als ob er einen Gegner zu Boden schmetterte. Diesen Hokuspokus machte er alle Augenblicke. Mir wurde bänglich zumute. Ich lief so schnell wie möglich hin, um Karmasinow zu hören.

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