Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Pham zog sich auf Höhe des Tunneleingangs. Seine Fernsteuerung hatte sich schon an der Luke zu schaffen gemacht. Alles in diesem Park war orterkompatibel, Gott sei Dank. Die Tür ging lautlos auf. Und als er hindurchgeglitten war, hatte er keine Mühe, sie hinter sich zu schließen.
Ihm blieben vielleicht zweihundert Sekunden.
Er stieß sich rasch den engen Tunnel entlang. Hier gab es keine Illusion. Diese Wände waren nackter Kristall, der Rohstoff von Diamant Eins. Pham stieß sich schneller voran. Die Karten, die sich vor seinen Augen entfalteten, zeigten, was er vorher gesehen hatte. Tomas Nau hatte vor, den Seepark zu seinem Hauptwohnsitz zu machen; nach dieser Einweihungsfeier würde der Zugang für Außenstehende strikt eingeschränkt sein. Nau hatte die letzten von den Thermograbmaschinen verwendet, um diese engen Tunnel anzulegen. Sie boten ihm direkten körperlichen Zugang zu den kritischen Ressourcen von Hammerfest.
Phams winzige Spione zeigten ihm, dass er nur dreißig Meter vom neuen Eingang zur Fokus-Klinik entfernt war. Nau und Reynolt waren auf der Party. Alle MRT-Techniker waren auf der Party oder auf Freiwache. Er würde seine Zeit in der Klinik haben, genug Zeit für etwas Sabotage. Pham drehte sich herum und benutzte die Hände als Bremsen an den Wänden.
Sabotage? Sei doch ehrlich. Es war Mord. Nein, es ist eine Hinrichtung. Oder ein Tod, der dem Feind im Kampf zugefügt wird. Pham hatte sein Teil Menschen im Kampf getötet, und nicht immer am Ende einer Geschossbahn von Schiff zu Schiff. Dies hier ist nichts anderes. Und wenn Reynolt jetzt just ein fokussierter Automat war, Naus Sklavin? Es hatte eine Zeit gegeben, als ihre Bosheit bewusst gewesen war. Pham hatte genug über die Xevalle-Clique erfahren, um zu wissen, dass deren Schurkerei nicht nur eine Erfindung jener war, die sie vernichtet hatten. Es hatte eine Zeit gegeben, da Anne Reynolt wie Ritser Brughel gewesen war, wenn auch zweifellos wirksamer. Dem Aussehen nach hätten die beiden Zwillinge sein können: blasshäutig, mit rötlichem Haar und kalten, mörderischen Augen. Pham versuchte das Bild einzufangen, es in seinem Geist zu verstärken. Eines Tages würde er das Regime von Nau und Brughel stürzen. Eines Tages würde Pham in die Unsichtbare Hand eindringen und die Gräuel beenden, die Brughel dort verübte. Was ich mit Anne Reynolt tue, ist nichts anderes.
Und Pham wurde sich bewusst, dass er vor dem Klinikeingang schwebte, die Finger im Begriff, den Befehl zum Öffnen zu geben. Wie viel Zeit habe ich vergeudet? Die Zeitskala, die er am Rande seines Gesichtsfeldes laufen ließ, sagte: nur zwei Sekunden.
Er tippte seine Finger wütend zusammen. Die Tür glitt auf, und er schwebte hindurch in den stillen Raum. Die Klinik war hell erleuchtet, doch das Bild hinter seinen Augen war plötzlich dunkel und leer. Er bewegte sich vorsichtig, wie jemand, der plötzlich mit Blindheit geschlagen ist. Die Orter aus dem Tunnel und was er aus seiner Kleidung schüttelte breiteten sich um ihn aus und gaben ihm allmählich den Blick zurück. Er bewegte sich rasch zum MRT-Steuerpult und versuchte, das Fehlen von Sicht in den Ecken und toten Winkeln zu ignorieren. Die Klinik war ein Ort, wo Orter nicht lange überdauern konnten. Wenn die großen Magneten ihre Impulse aussandten, zerstörten sie die Elektronik in den Ortern. Trud hatte begonnen, sie abzusaugen, nachdem ein vom Magneten beschleunigtes Staubkörnchen ihm ins Ohr geschnitten hatte.
Doch Pham Nuwen hatte nicht vor, die Magneten in Betrieb zu nehmen, und seine kleinen Spione würden wohlbehalten die Zeit überstehen, die er brauchte, um seine Falle zu stellen. Er bewegte sich durch den Raum und registrierte, was an Ausrüstung vorhanden war. Wie immer war die Klinik ein geordnetes Labyrinth von blassen Pulten. Drahtlose Übertragung kam hier nicht in Frage. Optikkabel und kurze Laserstrecken verbanden Automatik und Magneten. Supraleitende Kabel wandten sich zurück in Bereiche, die er nicht einsehen konnte. Ah. Seine Orter trieben zum Befehlspult hin. Es war genauso eingestellt, wie Trud es verlassen hatte, als er neulich hier gewesen war. Pham verbrachte jetzt viele Kilosekunden von jeder Wache mit Trud in der Klinik. Pham Trinli schien nie spezielles Interesse für die Arbeitsweise der Fokus-Ausrüstung zu haben, doch Trud gab gern an, und allmählich erfuhr Pham immer mehr.
Fokus konnte nur zu leicht jemanden töten. Pham schwebte an den Ausrichtungsspulen entlang. Der innere Bereich des MRT maß keine fünfzig Zentimeter im Durchmesser, nicht einmal groß genug, um den ganzen Körper abzubilden. Doch diese Apparatur war nur für den Kopf vorgesehen, und Abbildung war nur ein Teil der Angelegenheit. Es war die Reihe Hochfrequenz-Modulatoren, die dies hier von allen konventionellen Geräten unterschied. Gesteuert von Programmen — die entgegen Truds Behauptungen größtenteils von Anne Reynolt gewartet wurden —, konnten die Modulatoren das Fokus-Virus im Kopf des Opfers trimmen und anregen. Kubikmillimeter für Kubikmillimeter konnte die Geistfäule in ihrer psychoaktiven Sekretion abgestimmt werden. Selbst wenn es perfekt gemacht wurde, musste die Krankheit alle paar Megasekunden neu abgestimmt werden, oder der Blitzkopf würde in Katatonie oder Hyperaktivität abdriften. Kleine Fehler konnten Fehlfunktionen hervorrufen — etwa ein Viertel von Truds Arbeit musste wiederholt und korrigiert werden. Mittelgroße Fehler konnten leicht das Gedächtnis zerstören. Große Fehler konnten einen massiven Schlaganfall auslösen, an dem das Opfer noch schneller als Xopi Reung starb.
Anne Reynolt stand solch ein massiver Hirnschaden bevor, wenn sie sich das nächste Mal selbst neu abstimmte.
Er war seit fast hundert Sekunden vom Seepark fort. Jau Xin nahm kleine Gruppen zu Bootsfahrten mit. Jemand war endlich in den See gefallen. Gut. Das verschafft mir mehr Zeit.
Pham zog die Haube der Steuereinheit ab. Dort gab es Schnittstellen zu den Supraleitern. Derlei Dinge konnten, bei seltenen Gelegenheiten, ohne Vorwarnung versagen. Die Schaltung schwächer machen, die Steuerprogramme so manipulieren, dass sie Reynolt erkannten, wenn sie nächstes Mal das Gerät an sich selbst verwendete…
Seit er die Klinik betreten hatte, hatten sich die mitgebrachten Orter über die Klinik verteilt. Es war ein wenig wie Licht, das immer weiter ins absolute Dunkel vordrang, mehr und mehr vom Zimmer erkennen ließ. Er hatte die Bilder mit verminderter Aufmerksamkeit verfolgt, während er die Supraleiter-Schaltung mit nahezu mikroskopischer Sicht untersucht hatte.
Das Aufflackern einer Bewegung. Er erhaschte einen Blick auf ein Hosenbein auf einem der Hintergrundbilder. Jemand verbarg sich im toten Winkel hinter den Pulten. Pham orientierte sich nach den Ortern und sprang in den freien Raum über den Pulten.
Eine Frauenstimme: »Festhalten und keine Bewegung!«
Es war Anne Reynolt. Sie kam zwischen den Pulten hervor, knapp außerhalb seiner Reichweite. Sie hielt ein Zeigergerät, als sei es eine Art Waffe.
Reynolt verschaffte sich Halt an der Decke und wackelte mit dem Lichtzeiger vor ihm. »Gehen Sie Hand über Hand zur Wand zurück.«
Für einen Moment war Pham drauf und dran, frontal anzugreifen. Der Zeiger konnte ein Bluff sein, und selbst wenn eine Kanone mit ihm gekoppelt war, was spielte es für eine Rolle? Das Spiel war aus. In Frage kam nur noch rasche und überwältigende Aktion, hier und mit den Ortern überall in Hammerfest. Vielleicht auch nicht… Pham zog sich wie befohlen zurück.
Reynolt kam hinter den Pulten hervor. Sie hakte einen Fuß unter eine Halterung. Der Zeiger in ihrer Hand zitterte nicht. »So — Pham Trinli. Wie schön, es endlich zu wissen.« Mit der freien Hand strich sie sich das Haar aus dem Gesicht zurück. Ihre Datenbrille war durchsichtig, und er konnte ihr gut in die Augen schauen. Etwas an ihr war seltsam. Ihr Gesicht war so blass und kalt wie immer, aber die übliche Ungeduld und Gleichgültigkeit war überlagert von einer Art Triumph, einer bewussten Geringschätzung. Und… auf ihren Lippen lag ein Lächeln, schwach, aber unverkennbar.