Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Es folgte verlegenes Schweigen. Pham erwiderte Ritas wütenden Blick, stritt aber nicht weiter. Nach einem Augenblick zuckte er auf eine Weise abrupt die Achseln, die alle zu deuten wussten: Trinli war übertrumpft worden, aber nicht bereit, zurückzuweichen oder sich zu entschuldigen.
Eine Stimme vom Nachbartisch brach das Schweigen: »He, Trud!«
Silipan stand in der Tür zum Salon und schaute zu ihnen hoch. Er trug die Aufsteiger-Paradeuniform vom Vortag, doch jetzt hatten die Seidenlumpen neue Flecke, und das waren keine künstlerischen Feinheiten.
Das Schweigen löste sich auf, Leute riefen Fragen, luden Trud ein, hochzukommen und mit ihnen zu reden. Trud stieg durch die Reben zu Jau Xins Tisch hoch. Es war kein Platz mehr frei, also drehten sie einen zweiten Tisch um und machten einen Doppeldecker. Jetzt saß Ezr Silipan fast Auge in Auge gegenüber, wenn auch das Gesicht des anderen kopfüber zu seinem ausgerichtet war. Die Menge von anderen Tischen schwärmte nahe heran und suchte sich Halt an den Ranken.
»Wann werdet ihr also die Blockierung durchbrechen, Trud? Ich habe Blitzköpfe abgestellt, die auf Antworten warten.«
»Ja, wieso bist du hier, wenn…?«
»… Die reine Hardware hat ihre Grenzen, und…«
»Allmächtiger Herr des Handels, so lasst ihn doch zu Wort kommen!«, dröhnte Phams Stimme, laut und unwirsch. Es war eine typische Trinli-Wendung, immer die aufsässige Kanone, die aber in jede Richtung zielte, und er immer gut aussah. Es brachte auch, wie Ezr bemerkte, die Menge zum Schweigen.
Silipan warf Pham einen dankbaren Blick zu. Die Großspurigkeit des Technikers war heute ziemlich brüchig. Er hatte dunkle Ringe um die Augen, und seine Hand zitterte leicht, als er das Getränk hob, das Benny vor ihn hingestellt hatte.
»Wie geht es ihr, Trud?« Jau stellte die Frage in mitfühlendem, ruhigem Ton. »Wir haben gehört… wir haben gehört, sie sei hirntot.«
»Nein, nein.« Trud schüttelte den Kopf und lächelte schwach. »Reynolt müsste sich vollkommen erholen, minus vielleicht ein Jahr Gedächtnisverlust. Es wird ein bisschen drunter und drüber gehen, bis wir sie wieder im Dienst haben. Tut mir Leid wegen der Blockierung. Na ja, ich hätte das inzwischen repariert« — etwas von der alten Selbstsicherheit schlich sich wieder in seine Stimme —, »aber ich bin für etwas Wichtigeres eingeteilt worden.«
»Was ist wirklich mit ihr passiert?«
Benny kreuzte mit Schrimptentakeln auf, seinem besten Hauptgericht. Silipan machte sich hungrig darüber her und schien die Frage zu ignorieren. Das war das aufmerksamste Publikum, das Trud jemals gehabt hatte, buchstäblich atemlos auf seine Meinung gespannt. Ezr sah, dass der Bursche das merkte, dass er seine plötzliche und zentrale Bedeutung genoss. Zugleich war Trud beinahe zu müde, um geradeaus schauen zu können. Seine einst perfekte Uniform stank schlechthin. Seine Gabel bewegte sich auf einem unsteten Weg vom Speisencontainer zum Mund. Nach einer Weile sah er den Fragenden mit verschwommenem Blick an. »Was passiert ist? Wir sind uns nicht sicher. Das letzte Jahr oder so ist Reynolt allmählich weggedriftet — natürlich noch im Fokus, aber nicht gut geeicht. Das war eine diffizile Sache, etwas, das nur ein Profi bemerken konnte. Ich hätte es fast selber übersehen. Sie schien sich auf irgendein Unterprojekt zu versteifen — ihr wisst, wie besessen Blitzköpfe sein können. Das Problem ist nur, Reynolt eicht sich selber, also konnte ich nichts machen. Ich sag euch, mir war deswegen verdammt unwohl. Ich war im Begriff, dem Hülsenmeister Meldung zu machen, als…«
Trud zögerte, schien zu erfassen, dass diese Prahlerei Konsequenzen hatte. »Es sieht jedenfalls so aus, als ob sie versucht hätte, manche von den Kontrollschaltungen des MRT anzupassen. Vielleicht wusste sie, dass ihre Abstimmung wegdriftete. Ich weiß nicht. Sie hatte die Sicherheitshaube abgenommen und machte Diagnostik. Anscheinend war da eine Art situationsbedingter Aussetzer in der Steuer-Software; wir versuchen noch, das nachzuvollziehen. Jedenfalls kriegte sie einen Steuerimpuls direkt ins Gesicht. Da war ein kleines Stück von ihrer Kopfhaut an dem Pult hinter der Steuerung, wo sie zusammengebrochen ist. Zum Glück war die stimulierte Drogenerzeugung Alpha-Retrox. Sie hat eine Gehirnerschütterung und eine Überdosis Retrox… Wie gesagt, es ist alles reparabel. Noch vierzig Tage, und wir haben unsere liebe alte Reynolt wieder.« Er lachte schwach.
»Minus ein paar neuere Erinnerungen.«
»Natürlich. Blitzköpfe sind keine Hardware; ich habe keine Sicherheitskopien.«
Am Tisch wurde unbehaglich gemurmelt, doch es war Rita Liao, die den Gedanken in Worte fasste: »Das passt alles gar zu gut. Es sieht aus, als ob jemand sie erledigen wollte.« Sie zögerte. Früher am Tage war es Rita gewesen, die die Gerüchte über Ritser Brughel verbreitete. Es zeigte, wie weit es mit diesen Aufsteigern gekommen war, dass sie ihre Nasen in Dinge steckten, die womöglich ein Hülsenmeister-Konflikt waren. »Hat Hülsenmeister Nau den Freiwachen-Status des Vize-Hülsenmeisters überprüft?«
»Und seine Agenten?« Das kam von einem Dschöng-Ho-Mann hinter Ezr.
Trud haute seine Gabel auf den Tisch. Seine Stimme klang ärgerlich und gequetscht. »Was glaubt ihr denn! Der Hülsenmeister untersucht die Möglichkeiten… sehr sorgfältig.« Er holte tief Luft und schien zu erkennen, dass der Preis des Ruhms zu hoch war. »Ihr könnt absolut sicher sein, dass der Hülsenmeister das ernst nimmt. Aber schaut — die Retroxüberschwemmung war einfach eine massive Überdosis, ungezielt, genau, was man bei einem Unfall erwarten würde. Der Gedächtnisverlust wird lückenhaft sein. Jeder Saboteur, der so etwas täte, wäre ein Dummkopf. Sie könnte tot sein, und es hätte ganz genauso nach einem Unfall ausgesehen.«
Einen Augenblick lang schwiegen alle. Pham ließ seinen Blick über sie schweifen.
Silipan nahm die Gabel wieder in die Hand, legte sie abermals hin. Er starrte in seinen halbleeren Container mit den Schrimptentakeln. »Gott, ich bin so müde. In zwanzig… verdammt, in fünfzehn Kilosek habe ich wieder Dienst.«
Rita streckte die Hand aus und klopfte ihm sacht auf den Arm. »Also ich bin froh, dass du rübergekommen bist und uns gesagt hast, was Sache ist.« Unter den Leuten ringsum wurde Zustimmung gemurmelt.
»Bil und ich werden den Laden jetzt eine Zeit lang schmeißen. Es hängt alles von uns ab.« Trud schaute von Gesicht zu Gesicht und suchte Trost. Seine Stimme klang zugleich prahlerisch und jammernd.
Sie trafen sich später am Tag in dem Pufferraum unter der Außenhülle des Temps. Das Treffen war lange vor der Einweihung des Seeparks vereinbart worden. Ezr hatte es mit Ungeduld und Angst erwartet — das Treffen, wo er mit Pham Nuwen über Fokus Klartext reden wollte. Ich habe meine kleine Rede zu halten, meine kleinen Drohungen auszusprechen. Wird das genügen?
Ezr bewegte sich schweigend an Fongs Setzling-Töpfen vorbei. Das helle Licht und der Geruch von Trebyun-Gemüse hinter ihm wurden schwächer. Die Dunkelheit, die blieb, war für unbewaffnete Augen zu tief. Vor acht Jahren, bei seinem ersten Treffen mit Nuwen, hatte es schwaches Sonnenlicht gegeben. Jetzt zeigte die Kunststoffhülle nur Dunkelheit.
Doch nun verfügte Ezr über andere Möglichkeiten zu sehen… Er gab dem Orter, der auf seiner Schläfe saß, ein Signal. Eine geisterhafte Sicht erstand. Die Farben waren nur Schattierungen von Gelb, wie man sie sehen kann, wenn man den Finger fest seitlich gegen den Augapfel drückt. Doch das Licht war kein zufälliges Muster. Ezr hatte lange und hart an Phams Übungen gearbeitet. Jetzt zeigte das gelbe Licht die gekrümmten Wände der Ballons und der Außenhülle. Manchmal war die Sicht gestört. Manchmal lag der Blickpunkt unter seinen Füßen oder hinter seinem Kopf. Doch mit den richtigen Befehlen und viel Konzentration konnte man sehen, was ohne Hilfsmittel niemand sah. Pham sieht immer noch besser. Im Laufe der Jahre hatte es Hinweise gegeben. Nuwen benutzte die Orter wie ein privates Imperium.