Wer die Wahrheit sucht
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #12
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 3-7645-0099-9
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
«Caroline ist in der Stadt. «Debiere bückte sich zum Backrohr hinunter und zog vorsichtig ein Blech heraus, auf dem dampfend eine zweite Ladung Fischstäbchen lag und neue unangenehme Gerüche verbreitete. Er schnitt ein Gesicht:»Wie können sie das nur essen?«
«Hauptsache, die Eltern finden es furchtbar«, meinte Frank.
Debiere knallte das Blech auf die Arbeitsplatte und beförderte die Stäbchen mit einem Holzlöffel auf einen Teller. Aus der Tiefkühltruhe nahm er einen Beutel gefrorene Pommes Frites, kippte sie auf das Blech und schob dieses wieder ins Rohr.
Auf dem Herd stand ein brodelnder Topf, der dichte Dampfwolken in die Luft sandte. Sie hingen wie der Geist von Mrs. Beeton über Debiere, als der sich jetzt darüber beugte und einen Löffel voll Erbsen heraushob, giftgrün, als wären sie künstlich gefärbt. Er musterte sie mit zweifelnder Miene und warf sie wieder ins kochende Wasser.»Wäre gescheiter, wenn sie das machen würde. Sie kann's besser als ich. Ich bin ein hoffnungsloser Fall.«
Frank wusste, dass sein ehemaliger Schüler ihn nicht angerufen hatte, um sich beim Kochen helfen zu lassen, aber ihm war auch klar, dass er es nicht mehr lange aushalten würde, in dieser Küche zu schmoren. Kurzerhand packte er deshalb selbst an, suchte ein Sieb heraus, goss die Erbsen ab und deckte sie sowie die grauenvollen Fischstäbchen mit Folie ab, während die Pommes Frites vor sich hin brutzelten. Dann öffnete er das Fenster und sagte zu Debiere, der dabei war, für seine Söhne den Tisch zu decken:»Warum wollten Sie mich sprechen, Nobby? Was gibt's denn?«
«Sie ist in der Stadt«, antwortete er.
«Das sagten Sie, ja.«
«Auf Arbeitssuche. Fragen Sie mich, wo.«
«Meinetwegen. Wo?«
Debiere lachte ganz ohne Erheiterung.»Bei der Bürgerberatung.
Und fragen Sie mich, was sie da macht.«
«Nobby. «Frank war müde.
«Sie schreibt ihnen ihre beschissenen Informationsblätter«, sagte Debiere und lachte wieder, so schrill diesmal, dass es beinahe ein bisschen verrückt klang.»Von der Architectural Review zur Bürgerberatung! Und das hat sie mir zu verdanken. Ich habe ihr geraten, ihre Stellung aufzugeben. Schreib deinen Roman, hab ich gesagt. Versuch, deine Träume zu verwirklichen. Genau wie ich es getan habe.«
«Es tut mir Leid, dass es so gekommen ist«, sagte Frank.»Sie wissen gar nicht, wie sehr.«
«Nein, wahrscheinlich nicht. Aber der richtige Tritt in den Hintern kommt erst noch: Es war alles Schaumschlägerei. Von Anfang an. Ist Ihnen das klar? Oder wussten Sie es die ganze Zeit?«
Frank runzelte die Stirn.»Wie? Was war — ?«
Debiere nahm die Schürze ab, die er getragen hatte, und legte sie über die Lehne eines Küchenstuhls. Es war verrückt, aber es sah aus, als machte ihm das Gespräch großen Spaß, und diese Freude schien sich mit seiner nächsten Enthüllung noch zu steigern. Was Guy sich da aus Amerika habe kommen lassen, das seien nicht gültige Pläne gewesen. Er habe sie mit eigenen Augen gesehen, und sie seien rechtlich nicht einwandfrei gewesen. So weit zu erkennen, seien es nicht einmal Pläne für ein Museum gewesen. Was Frank davon halte.
«Er hatte gar nicht vor, ein Museum zu bauen«, sagte Debiere.»Das Ganze war nur ein Spiel nach dem Motto: Bau sie auf und mach sie nieder. Und wir waren bei dem Spiel die Kegel. Sie, ich, Henry Moullin und wer sonst noch dazu gehörte. Erst mit tollen Plänen unsere Erwartungen hochschrauben und dann zuschauen, wie wir uns winden, wenn sie zusammenfallen: Das wollte er. Leider hat's nur bis zu mir gereicht. Dann hat ihn jemand umgebracht, und nun hängt ihr anderen plötzlich in der Luft und überlegt krampfhaft, wie ihr das Projekt ohne seinen >Segen< wieder auf die Beine bringen könnt. Aber ich wollte, dass Sie auch erfahren, was da gespielt worden ist. Ich wollte nicht der Einzige sein, dem es vergönnt ist, Guys makabren Humor zu würdigen«, sagte er sarkastisch.
Frank hatte Mühe, diese Neuigkeiten aufzunehmen. Sie widersprachen allen seinen Erfahrungen mit Guy. Guys Tod und die Testamentsbedingungen hatten dem Museumsprojekt ein Ende gesetzt. Aber dass nie die Absicht bestanden haben sollte, das Museum zu bauen. Daran durfte Frank jetzt nicht denken. Jetzt nicht und niemals. Der Preis war zu hoch.
«Die Pläne«, sagte er.»Die Pläne, die die Amerikaner mitgebracht haben.?«
«Augenwischerei«, sagte Debiere beinahe vergnügt.»Ich habe sie mir angeschaut. Der Mann aus London brachte sie mir. Ich weiß nicht, wer sie gezeichnet hat und wofür sie sind, aber für ein Museum neben der St. Saviour's-Kirche sind sie ganz bestimmt nicht.«
«Aber er muss doch. «Was? dachte Frank. Was muss er? Gewusst haben, dass jemand sich die Pläne genauer ansehen würde? Wann denn? An dem Abend? Er hatte eine professionelle Zeichnung eines Gebäudes vorgestellt und behauptet, das wäre der von ihm ausgewählte Entwurf. Kein Mensch hatte daran gedacht, ihn nach den Plänen zu fragen.»Er muss reingelegt worden sein«, sagte Frank.»Ich weiß, dass er das Museum bauen wollte.«
«Mit welchem Geld?«, fragte Debiere.»Sie haben doch selbst gerade gesagt, dass er in seinem Testament keinen Penny für einen Bau vorgesehen hatte, Frank, und er hat auch Ruth keinerlei Anweisungen hinterlassen, ihn zu finanzieren, falls ihm etwas zustoßen sollte. Nein. Guy hat sich von niemandem reinlegen lassen. Er hat uns reingelegt. Alle miteinander. Und wir haben es uns gefallen lassen.«
«Das muss ein Irrtum sein. Ein Missverständnis. Vielleicht hat er in letzter Zeit mit seinen Investments Pech gehabt und das Geld verloren, das er für den Bau vorgesehen hatte. Das wollte er natürlich nicht an die große Glocke hängen. Er wollte ja nicht bei den Leuten hier das Gesicht verlieren. Also hat er weitergemacht, als wäre nichts geschehen. Damit keiner erfährt.«
«Glauben Sie das wirklich?«Debiere bemühte sich nicht, seine Ungläubigkeit zu verbergen.»Das glauben Sie allen Ernstes?«
«Was für eine Erklärung soll es sonst.? Die Sache war schon angekurbelt, Nobby. Er hätte sich doch verantwortlich gefühlt. Sie hat- ten Ihre Stellung aufgeben und sich selbstständig gemacht. Henry hatte in seine Glaskunstwerkstatt investiert. Die Zeitungen brachten Artikel, die Leute hatten große Erwartungen. Wenn er das Geld für den Bau wirklich nicht mehr gehabt hätte, hätte er nur entweder reinen Tisch machen oder so tun können, als liefe alles ganz normal, in der Hoffnung, dass die Leute mit der Zeit das Interesse verlieren würden, wenn er die Sache lange genug verschleppte.«
Debiere, der am Tisch saß, verschränkte die Arme.»Das glauben Sie wirklich?«, fragte er wieder. Sein Ton legte nahe, dass aus dem früheren Schüler der Lehrer geworden war.»Ja, klar. Ich kann verstehen, warum Sie unbedingt an diesem Glauben festhalten möchten.«
Frank meinte, plötzliches Begreifen in Debieres Gesicht aufblitzen zu sehen: dass er, der einen ihm offensichtlich teuren Schatz an Andenken aus Kriegszeiten besaß, diese Kostbarkeiten niemals ans Licht der Öffentlichkeit gelangen lassen wollte. Doch selbst wenn das den Nagel auf den Kopf traf, konnte Nobby Debiere unmöglich den Grund dafür wissen. Nie wäre er auf so etwas gekommen. Was ihn anging, gehörte Frank Ouseley ganz einfach auch zu den Enttäuschten, die auf hochfliegende Pläne gebaut hatten, aus denen nichts geworden war.
Frank sagte:»Ich bin völlig fertig wegen dieser Geschichte. Ich kann einfach nicht glauben. Es muss eine Erklärung geben.«
«Die habe ich Ihnen doch gerade präsentiert. Schade, dass Guy nicht hier ist und sich über den Erfolg seiner Machenschaften freuen kann. Warten Sie, ich zeige Ihnen was. «Er trat zur Arbeitsplatte, wo die Familie in einer Ecke die Post aufzubewahren schien. Hier sah es, ganz anders als im restlichen Haus, ziemlich unordentlich aus. Da lagen Briefe, Zeitschriften, Kataloge und Telefonbücher wild durcheinander. Ganz unten aus diesem Papierberg zog Debiere ein loses Blatt heraus und reichte es Frank.