Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Nun, mein Lieber«, sagte Fürst Wasili scherzend, »du brauchst bloß ja zu mir zu sagen, dann schreibe ich selbst an sie, und wir schlachten ein gemästetes Kalb.«
Aber Fürst Wasili hatte seine scherzhafte Wendung kaum völlig ausgesprochen, als Pierre mit einer Wut im Gesicht, die an seinen Vater erinnerte, ohne dem Fürsten in die Augen zu sehen, flüsternd sagte:
»Fürst, ich habe Sie nicht aufgefordert, zu mir zu kommen; gehen Sie, bitte, gehen Sie!« Er sprang auf und öffnete ihm die Tür. »Gehen Sie!« wiederholte er; er traute sich selbst nicht und war erfreut über den Ausdruck von Verwirrung und Angst, der auf dem Gesicht des Fürsten Wasili sichtbar wurde.
»Was hast du? Bist du krank?«
»Gehen Sie!« sagte Pierre noch einmal mit zitternder Stimme. Und Fürst Wasili sah sich genötigt wegzugehen, ohne irgendwelche Erklärung empfangen zu haben.
Acht Tage darauf fuhr Pierre, nachdem er von seinen neuen Freunden, den Freimaurern, Abschied genommen und ihnen eine größere Geldsumme als Almosen zurückgelassen hatte, auf seine Güter. Seine neuen Brüder gaben ihm Briefe nach Kiew und Odessa an die dortigen Freimaurer mit und versprachen ihm, an ihn zu schreiben und ihn in seiner neuen Tätigkeit zu leiten.
VI
Pierres Affäre mit Dolochow war vertuscht worden, und trotz der damaligen Strenge des Kaisers hinsichtlich der Duelle hatte die Sache weder für die beiden Gegner noch für ihre Sekundanten üble Folgen gehabt. Aber die skandalöse Vorgeschichte des Duells, die durch Pierres Bruch mit seiner Frau eine Bestätigung fand, sprach sich in der Gesellschaft herum. Pierre, den man mit herablassender Gönnermiene angesehen hatte, solange er ein illegitimer Sohn war, und den man umschmeichelt und gepriesen hatte, als man in ihm einen der besten Heiratskandidaten im ganzen russischen Reich sah, hatte schon nach seiner Heirat, als die jungen Mädchen und die Mütter nichts mehr von ihm zu erwarten hatten, in der Meinung der Gesellschaft stark verloren, um so mehr, da er sich weder darauf verstand noch darauf ausging, sich das Wohlwollen der Gesellschaft zu erwerben. Jetzt nun maß man ihm allein alle Schuld an dem Vorgefallenen bei; man sagte, er sei von einer sinnlosen Eifersucht und leide an ähnlichen Anfällen blutdürstiger Raserei wie sein Vater. Und als nach Pierres Abreise Helene nach Petersburg zurückkehrte, wurde sie nicht nur freudig, sondern auch mit einem Beiklang von Ehrerbietung, der ihrem Unglück galt, von allen ihren Bekannten empfangen. Sobald sich das Gespräch auf ihren Mann wandte, nahm Helene jedesmal eine ernste, würdige Miene an, die sie sich mit dem ihr eigenen Takt zurechtgemacht hatte, ohne eigentlich ihre Bedeutung zu verstehen. Diese Miene besagte, daß Helene entschlossen sei, ihr Unglück zu tragen, ohne zu klagen, und daß ihr Mann ein ihr von Gott gesandtes Kreuz sei. Fürst Wasili sprach seine Meinung offener aus. Wenn von Pierre die Rede war, zuckte er die Achseln und sagte, indem er auf die Stirn deutete:
»Halbverrückt! Ich habe es ja immer gesagt.«
»Ich habe es vorhergesagt«, behauptete Anna Pawlowna mit Bezug auf Pierre. »Ich habe es damals gleich gesagt, und früher als alle andern« (sie betonte nachdrücklich ihre Priorität), »daß er ein verdrehter junger Mensch ist, den die zuchtlosen Ideen des Jahrhunderts verdorben haben. Das habe ich schon damals gesagt, als alle noch von ihm entzückt waren und er eben erst aus dem Ausland zurückgekehrt war und einmal bei mir auf einer Abendgesellschaft (besinnen Sie sich wohl noch?) sich als eine Art von Marat aufspielte. Und was ist nun das Ende vom Lied gewesen? Ich war schon damals eine Gegnerin dieser Heirat und habe alles vorhergesagt, was sich dann ereignet hat.«
Anna Pawlowna gab wie früher in ihrem Haus an dienstfreien Tagen Abendgesellschaften, für deren Arrangement sie ein einzigartiges Talent besaß. Denn erstens versammelte sich auf diesen Abendgesellschaften die Creme der wahrhaft guten Gesellschaft, die Quintessenz der Petersburger Intelligenz, wie Anna Pawlowna selbst sagte. Und abgesehen von dieser feinfühligen Auswahl der Gäste zeichneten sich Anna Pawlownas Abendgesellschaften zweitens dadurch aus, daß die Wirtin ihren Gästen dabei jedesmal eine neue, interessante Persönlichkeit wie ein delikates Gericht auftischte, und daß nirgends mit solcher Deutlichkeit und Sicherheit wie auf diesen Abendgesellschaften zum Ausdruck kam, wie die politische Stimmung der loyalen Petersburger Hofgesellschaft war.
Gegen Ende des Jahres 1806, als bereits alle die traurigen Einzelheiten über die Vernichtung der preußischen Armee durch Napoleon bei Jena und Auerstedt und über die Übergabe eines großen Teiles der preußischen Festungen bekanntgeworden waren, als unsere Truppen schon in Preußen eingerückt waren und unser zweiter Krieg mit Napoleon begonnen hatte, gab Anna Pawlowna wieder eine Abendgesellschaft in ihrem Haus. Die Creme der wahrhaft guten Gesellschaft bestand an diesem Abend aus der bezaubernden, unglücklichen, von ihrem Mann verlassenen Helene, aus Mortemart, aus dem entzückenden Fürsten Ippolit, der soeben aus Wien angekommen war, aus zwei Diplomaten, der lieben Tante, einem jungen Mann, dem im Salon die ziemlich vage Bezeichnung: »ein Mann von großen Verdiensten« zuteil wurde, einer neu ernannten Hofdame nebst ihrer Mutter und aus einigen anderen minder bedeutenden Persönlichkeiten.
Diejenige Person, welche Anna Pawlowna an diesem Abend ihren Gästen wie eine neue Delikatesse vorsetzte, war Boris Drubezkoi, der soeben als Kurier von der preußischen Armee eingetroffen war und bei einer sehr hochgestellten Persönlichkeit die Stelle eines Adjutanten bekleidete.
Der Stand des politischen Thermometers, welcher an diesem Abend zur Kenntnis der Gesellschaft gebracht wurde, war folgender: »Wie sehr auch alle Herrscher und Feldherrn Europas zu meiner und unser aller Empörung und Kränkung sich bemühen mögen, diesem Bonaparte Liebenswürdigkeiten zu erweisen, unsere Meinung über Bonaparte kann dadurch nicht verändert werden. Wir werden nicht aufhören, unsere Anschauungen in dieser Hinsicht ungeschminkt zum Ausdruck zu bringen, und können dem König von Preußen und den andern nur sagen: ›Ihr werdet den Schaden davon haben. Tu l’as voulu, George Dandin.‹ Das ist alles, was wir darüber sagen können.« Das war es, was das politische Thermometer auf Anna Pawlownas Abendgesellschaft besagte. Als Boris, der den Gästen vorgestellt werden sollte, in den Salon trat, war schon fast die ganze Gesellschaft beisammen, und das von Anna Pawlowna geleitete Gespräch drehte sich um unsere diplomatischen Beziehungen zu Österreich und um die Aussichten auf ein Bündnis mit diesem Staat.
Boris, der eine elegante Adjutantenuniform trug, in seiner ganzen Erscheinung männlicher geworden war und recht frisch und gesund aussah, trat mit ungezwungenem Benehmen in den Salon, wurde zunächst, wie es sich gehörte, beiseite geführt, um die liebe Tante zu begrüßen, und dann der allgemeinen Gruppe beigesellt.