Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Er sagt, er sei nicht verletzt«, versicherte mir Jamie, indem er sich von dem Loch abwandte und sich eine Seilrolle von seiner Schulter hob.
»Gut«, sagte ich. »Aber wo ist die Schlange?« Ich blickte nervös in das Häuschen, konnte aber nichts sehen außer den silbrigen Zederbohlen und den dunklen Tiefen der Sickergrube.
»Da lang«, sagte Ian mit einer vagen Geste auf den Pfad, den ich entlanggekommen war. »Der Junge bekam sie nicht vors Ziel, also habe ich dem Biest ’nen kleinen Stups mit dem Stock verpasst, und da ist es doch einfach auf mich losgegangen, geradewegs den Ast hoch! Es hat mir einen solchen Schreck eingejagt, dass ich losgebrüllt hab und mir der Ast hingefallen ist, und ich bin an den Jungen gestoßen und – na ja, so ist es passiert«, schloss er schwach.
Er schlich näher an die Grube, wobei er darauf achtete, Jamies Blick auszuweichen, beugte sich vor und rief befangen: »Hallo! Ich bin froh, dass ich dir nicht den Hals gebrochen habe!«
Jamie warf ihm einen Blick zu, der ganz deutlich besagte, dass, wenn hier ein Hals gebrochen wurde … enthielt sich dann aber im Interesse einer prompten Befreiung Williams aus seiner Oubliette weiterer Bemerkungen. Diese Prozedur wurde ohne weiteren Zwischenfall durchgeführt und der Möchtegern-Schütze aus der Grube gehoben, wobei er sich an den Strick klammerte wie eine Raupe an ihren Faden.
Glücklicherweise war genug Jauche in der Grube gewesen, um seinen Aufprall zu dämpfen. Seinem Aussehen nach war der neunte Graf von Ellesmere mit dem Gesicht nach unten gelandet. Lord John stand einen Moment lang auf dem Pfad, wischte sich mit den Händen über seine Kniehosen und betrachtete das verkrustete Objekt vor sich. Er rieb sich mit dem Handrücken über den Mund, vielleicht, weil er versuchte, ein Lächeln zu verbergen, oder auch, um seinen Geruchssinn zu dämpfen.
Dann begannen sich seine Schultern zu schütteln.
»Was gibt’s Neues in der Unterwelt, Persephone?«, sagte er, unfähig, das bebende Gelächter in seiner Stimme zu unterdrücken.
Ein Paar schrägstehender Augen strahlte in blauer Mordlust aus der Schmutzmaske, die die Gesichtszüge Seiner Lordschaft verbarg. Es war ein durch und durch Fraser-typischer Ausdruck, und ich spürte, wie mich bei dem Anblick ein Schauer durchlief. Ian fuhr neben mir plötzlich zusammen. Er blickte schnell vom Grafen zu Jamie und zurück, fing dann meinen Blick auf, und sein Gesicht wurde vollständig und unnatürlich ausdruckslos.
Jamie sagte irgendetwas auf Griechisch, worauf Lord John in derselben Sprache antwortete und beide Männer wie die Verrückten loslachten. Ich richtete meinen Blick auf Jamie und gab mir Mühe, Ian nicht zu beachten. Während seine Schultern noch vor unterdrückter Schadenfreude bebten, war er so freundlich, mich aufzuklären.
»Epicharmus«, erklärte er. »Wer am Orakel von Delphi nach der Wahrheit suchte, der warf eine tote Python in die Grube und verweilte dann und atmete ihre Verwesungsdämpfe ein.«
Lord John deklamierte mit ausladender Gestik. »›Der Geist himmelwärts, der Körper zur Erde.‹«
William atmete heftig durch die Nase aus, exakt auf dieselbe Weise, wie Jamie es tat, wenn man seine Geduld auf eine allzu harte Probe stellte. Ian zuckte neben mir zusammen. Lieber Himmel, dachte ich, erneut aus der Fassung gebracht. Hat der Junge denn nichts von seiner Mutter?
»Und hast du als Ergebnis deiner jüngsten m-mystischen Erfahrung irgendwelche spirituellen Einsichten erlangt, William?«, fragte Lord John und machte einen misslungenen Versuch, seine Selbstkontrolle wiederzuerlangen. Er und Jamie waren rot angelaufen vor Lachen, was meiner Meinung nach ihrer nachlassenden Nervosität nicht minder zuzuschreiben war als dem Brandy oder ihrer Ausgelassenheit.
Seine Lordschaft zog unter vernichtenden Blicken sein Halstuch aus und schleuderte es mit einem Platschen auf den Weg. Jetzt kicherte auch Ian nervös, denn er konnte sich nicht mehr zusammenreißen. Meine Bauchmuskeln zitterten ebenfalls vor Anspannung, doch ich konnte sehen, dass die freiliegenden Hautstellen über Williams Kragen die Farbe der reifen Tomaten neben dem Abort angenommen hatten. Da ich nur zu gut wusste, was passierte, wenn ein Fraser diesen Grad der Weißglut erreichte, hielt ich den Zeitpunkt für gekommen, die Festivität zu beenden.
»He-em«, sagte ich und räusperte mich. »Wenn die Herren erlauben? Wenn ich auch in der griechischen Philosophie nicht bewandert bin, so gibt es doch ein kleines Epigramm, das ich auswendig kenne.«
Ich reichte William das Gefäß mit der Seife, das ich anstatt eines Tourniquets mitgenommen hatte.
»Pindar«, sagte ich. »›Nichts geht über Wasser.‹«
Unter dem Schlamm zeigte sich so etwas wie Dankbarkeit. Seine Lordschaft verbeugte sich mit äußerster Korrektheit vor mir, wandte sich dann um, warf Ian einen kalten Blick zu und stampfte triefend durch das Gras zum Bach. Er schien seine Schuhe verloren zu haben.
»Der arme Teufel«, sagte Ian mitleidig. »Es wird Tage dauern, bis er den Gestank wieder loswird.«
»Zweifelsohne.« Lord Johns Lippen zuckten immer noch, doch der Drang, griechische Lyrik zu deklamieren, schien ihn verlassen zu haben und weniger abgehobenen Sorgen gewichen zu sein.
»Übrigens, weißt du, was aus meiner Pistole geworden ist? Derjenigen, welche William vor seinem Unglück benutzt hat?«
»Oh.« Ian sah unangenehm berührt aus. Er wies mit dem Kinn auf den Abort. »Ich … äh … also, ich fürchte sehr –«
»Ich verstehe.« Lord John rieb sich das makellos rasierte Kinn.
Jamie fixierte Ian mit einem langen Blick.
»Äh«, sagte Ian und wich ein paar Schritte zurück.
»Hol sie«, sagte Jamie in einem Tonfall, der keinen Widerspruch zuließ.
»Aber –«, sagte Ian.
»Sofort«, sagte sein Onkel und ließ den schleimigen Strick vor seinen Füßen zu Boden fallen.
Ians Adamsapfel zuckte – ein einziges Mal. Er sah mich mit großen Augen wie ein Kaninchen an.
»Zieh aber vorher deine Kleider aus«, sagte ich hilfsbereit. »Du willst doch nicht, dass wir sie verbrennen müssen, oder?«
Kapitel 26
Pest und Cholera
Kurz vor Sonnenuntergang verließ ich das Haus, um nach meinem Patienten im Maisspeicher zu sehen. Es ging ihm nicht besser, aber auch nicht sichtlich schlechter; dieselbe mühselige Atmung, dasselbe brennende Fieber. Doch diesmal begegneten seine eingesunkenen Augen den meinen, als ich den Schuppen betrat, und sie blieben auf meinem Gesicht haften, während ich ihn untersuchte.
Er umklammerte das Rabenfederamulett nach wie vor mit der Hand. Ich berührte es und lächelte ihm zu, dann gab ich ihm etwas zu trinken. Er nahm immer noch keine Nahrung an, trank aber etwas Milch und schluckte ohne Protest eine weitere Dosis meines fiebersenkenden Tees. Er lag bewegungslos da, während ich ihn untersuchte und fütterte, doch als ich ein heißes Tuch auswrang, um ihm daraus einen Brustwickel zu machen, streckte er plötzlich die Hand aus und ergriff meinen Arm.
Er schlug sich mit der anderen Hand auf die Brust und machte ein seltsames Summgeräusch. Das verwirrte mich für einen Augenblick, bis ich erkannte, dass er tatsächlich summte.
»Wirklich?«, sagte ich. Ich griff nach dem Päckchen mit den Kräutern für den Wickel und schlug sie in das Tuch. »Na gut. Lass mich nachdenken.«
Ich entschied mich für »Onward, Christian Soldiers«, was ihm zu gefallen schien – ich musste es dreimal komplett singen, ehe er zufriedengestellt zu sein schien und mit einem leichten Hustenanfall auf seine Decke zurücksank, eingehüllt in Kampferdämpfe.
Vor dem Haus blieb ich stehen und reinigte mir sorgfältig die Hände mit dem Alkohol aus der Flasche, die ich bei mir trug. Ich war mir sicher, dass ich keine Ansteckung zu befürchten hatte – ich hatte als Kind die Masern gehabt –, doch ich wollte kein Risiko eingehen, einen der anderen zu infizieren.