Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
Draußen klingelte es. Yasmin sah auf die kleine Uhr, die auf dem Herd stand. Halb acht. Wer, zum Teufel .? Sie runzelte die Stirn.
»Wer will uns denn so früh schon besuchen?«, sagte Katja, während Yasmin den Obi um den scharlachroten Kimono, den sie statt eines Morgenmantels trug, lockerte und neu band. »Es gibt hoffentlich keinen Ärger, Yas. Oder hat Daniel vielleicht die Schule geschwänzt?«
»Das möchte ich ihm nicht geraten haben.« Yasmin ging zur Tür und drückte ihr Auge an den Spion. Sie schnappte kurz nach Luft, als sie sah, wer draußen im Flur stand und geduldig darauf wartete, dass jemand ihm öffnete. Oder vielleicht doch nicht so geduldig, denn jetzt hob er die Hand und klingelte ein zweites Mal.
»Es ist dieser verdammte Bulle«, sagte sie leise zu Katja, die mit der Pfanne in der einen Hand und dem Wender in der anderen an die Küchentür gekommen war.
»Der Schwarze von gestern? Dann lass ihn doch rein, Yas.«
»Ich will nicht -«
Er klingelte zum dritten Mal, und Daniel streckte den Kopf aus dem Badezimmer. »Mam! Es hat geklingelt. Willst du nicht mal aufmachen?«, rief er laut, ohne zu bemerken, dass sie vor der Tür stand wie ein ungehorsames Kind, das die Strafe fürchtete.
»Yas«, sagte Katja. »Mach die Tür auf.« Und zu Danieclass="underline" »Komm, deine Pfannkuchen warten. Zwanzig Stück hab ich gemacht, genau so, wie du sie magst. Deine Mama hat mir erzählt, dass du in den Weihnachtsferien nach Disney World willst. Zieh dich an, dann reden wir darüber.«
»Wir fahren ja sowieso nicht«, sagte er mürrisch, während es draußen erneut klingelte.
»Ach, du kannst wohl hellsehen? Komm, zieh dich endlich an. Wir müssen darüber reden.«
»Wozu denn?«
»Weil alle Träume der Wirklichkeit näher kommen, wenn man über sie spricht. Und wenn sie der Wirklichkeit näher sind, ist die Chance größer, dass sie in Erfüllung gehen. Yasmin, mein Gott, mach endlich auf! Der Mann hat uns doch sowieso schon gehört. Er hat offensichtlich vor, so lange zu bleiben, bis du aufmachst.«
Yasmin riss die Tür so heftig auf, dass sie ihr beinahe aus der Hand flog. Daniel verschwand wieder im Bad, und Katja kehrte an den Herd zurück.
Ohne ein Wort des Grußes sagte sie zu Nkata: »Wie sind Sie hier heraufgekommen? Ich kann mich nicht erinnern, dass ich auf den Türöffner gedrückt hab.«
»Die Tür war offen«, sagte Nkata.
»Was wollen Sie noch von uns, Mann?«
»Nur eine kleine Auskunft. Ist Ihre…« Er zögerte, und sein Blick flog an ihr vorbei in die Wohnung, wo das Licht aus der Küche in einem gelben Rechteck auf die Teppichfliesen im Wohnzimmer fiel, in dem keine Lampe brannte. »Ist Katja Wolff hier?«
»Es ist halb acht Uhr morgens. Wo sollte sie sonst sein?«, versetzte Yasmin schnippisch, aber der Ausdruck seines Gesichts war ihr nicht geheuer, darum sprach sie hastig weiter. »Wir haben Ihnen alles gesagt, was es zu sagen gibt. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn Sie das alles noch mal durchkauen.«
»Es geht um was anderes«, erklärte er ruhig. »Um was Neues.«
»Mam«, rief Dan aus seinem Zimmer, »wo ist mein Schulpulli? Liegt er noch draußen? Ich kann ihn hier nirgends finden.« Er kam in Unterhose, weißem Hemd und Socken aus seinem Zimmer. Sein Haar war noch feucht von der Dusche.
»Guten Morgen, Daniel«, sagte Nkata und nickte ihm lächelnd zu. »Du machst dich wohl für die Schule fertig?«
»Lassen Sie ihn in Frieden«, fuhr Yasmin ihn an, ehe Daniel etwas antworten konnte. Dann riss sie den gesuchten Pulli von einem der Haken neben der Tür und sagte zu ihrem Sohn: »Geh jetzt endlich frühstücken, Dan. Die Pfannkuchen machen einen Haufen Arbeit. Sieh zu, dass du sie aufisst.«
»Hallo«, sagte Daniel scheu zu dem Polizisten und strahlte den Mann so bewundernd an, dass Yasmin innerlich zitterte vor ohnmächtigem Zorn. »Sie wissen noch, wie ich heiße.«
»Aber natürlich«, sagte Nkata lächelnd. »Ich heiße übrigens Winston. Gehst du gern zur Schule, Daniel?«
»Dan!«, sagte Yasmin so scharf, dass der Junge zusammenfuhr. Sie warf ihm seinen Pullover zu. »Hast du mich gehört? Zieh dich jetzt an und geh frühstücken.«
Daniel nickte. Aber er wandte den Blick nicht von dem schwarzen Polizisten. Vielmehr musterte er ihn mit so viel freimütigem Interesse und solcher Wissbegier, dass Yasmin am liebsten dazwischen getreten wäre und ihren Sohn in die eine und den Bullen in die andere Richtung gestoßen hätte.
Den Blick weiterhin auf den Polizisten gerichtet, ging Dan rückwärts zu seinem Zimmer und sagte: »Mögen Sie Pfannkuchen? Die, die's heute bei uns gibt, sind echt was Besonderes. Sie sind ganz klein. Wir haben bestimmt genug -«
»Daniel!«
»Entschuldige, Mam.« Er lächelte - ein unglaublich strahlendes Lächeln - und verschwand in seinem Zimmer.
Yasmin wandte sich Nkata zu. Sie merkte plötzlich, wie kalt die Luft war, die durch die offene Tür hereinwehte, heimtückisch um ihre nackten Beine und bloßen Füße strich, kitzelnd ihre Knie und ihre Schenkel liebkoste. Fröstelnd stand sie da, unschlüssig, ob sie dem Polizisten einfach die Tür vor der Nase zuschlagen oder ob sie ihn hereinbitten sollte.
Katja nahm ihr die Entscheidung ab. »Lass ihn rein, Yas«, sagte sie leise von der Küchentür her.
Sie trat zurück, der Polizist nickte Katja dankend zu. Yasmin schlug die Tür hinter ihm zu und nahm ihren Straßenmantel vom Garderobenhaken, gürtete ihn so eng wie einst die viktorianischeri Damen ihre Korsetts schnürten, um sich mit Wespentaille präsentieren zu können. Nkata seinerseits knöpfte seinen Wintermantel auf und lockerte den Schal, ein Gast, der zum Essen gekommen war.
»Wir frühstücken gerade«, sagte Katja zu ihm. »Und Daniel muss pünktlich weg, damit er nicht zu spät zur Schule kommt.«
»Also, was wollen Sie?«, fragte Yasmin.
»Ich wollte nur mal nachfragen, ob Sie an der Geschichte, die Sie mir neulich Abend erzählt haben, was ändern wollen.« Er richtete das Wort an Katja.
»Nein«, antwortete Katja. »Da gibt es nichts zu ändern.«
»Vielleicht sollten Sie doch mal darüber nachdenken«, riet er ihr.
Yasmin brauste auf, Zorn und Furcht triumphierten über besseres Wissen. »Das ist Schikane!«, rief sie erregt. »Das ist doch reine Schikane!«
»Yas!«, sagte Katja und stellte die Pfanne, die sie in der Hand hatte, auf den Herd. Sie selbst blieb, wo sie war, an der offenen Tür, das Licht im Rücken, so dass ihr Gesicht in Schatten getaucht war. »Lass ihn doch erst mal erklären.«
»Wir haben doch alles schon mal gehört.«
»Aber wahrscheinlich war es eben nicht alles.«
»Ich sehe nicht ein -«
»Yas!«
»Nein! Fällt mir nicht ein, mich von einem verdammten Nigger mit einem Polizeiausweis -«
»Mama!« Daniel, jetzt vollständig gekleidet, schoss aus seinem Zimmer. Er schaute so entsetzt, dass Yasmin die Beschimpfung, die zwischen ihnen in der Luft hing und sie selbst viel härter traf als den Bullen, gern zurückgenommen hätte.
»Geh frühstücken«, sagte sie kurz zu ihrem Sohn und fügte zu Nkata gewandt hinzu: »Los, sagen Sie, was Sie zu sagen haben, und dann verschwinden Sie.«
Einen Moment lang rührte Daniel sich nicht. Es war, als wartete er auf Anweisungen des Polizisten, auf die Erlaubnis des Schwarzen, dem Befehl seiner Mutter Folge zu leisten. Yasmin hätte am liebsten blindwütig auf irgendjemanden eingeschlagen, als sie das sah, aber sie bemühte sich, ruhig zu bleiben und tief zu atmen. »Dan«, sagte sie nur, und an Katja vorbei, die zur Seite trat und »Im Kühlschrank ist Saft, Daniel« sagte, drängte sich der Junge in die Küche.
Keiner von ihnen sprach, während gedämpfte Geräusche aus der Küche verrieten, dass Daniel, trotz der Vorgänge um ihn herum, immerhin den Versuch machte, zu frühstücken. Alle drei verharrten auf den Positionen, die sie eingenommen hatten, als Nkata in die Wohnung gekommen war, und bildeten so ein Dreieck, das durch Eckpunkte an der Wohnungstür, der Küchentür und dem Fernsehgerät definiert wurde. Yasmin wollte ihre Position aufgeben und zu ihrer Freundin treten, aber gerade als sie im Begriff war, den ersten Schritt zu tun, begann Nkata zu sprechen, und was er sagte, hielt sie an ihrem Platz.