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Nie sollst Du vergessen

Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:

In einer regnerischen Nacht wird Eugenie Davies in London von einem Autofahrer getötet. Ein Unfall ist definitiv auszuschließen: Die Frau wurde frontal angefahren und danach mehrmals absichtlich mit dem Wagen überrollt. Doch was hatte Eugenie Davies so spät am Abend überhaupt in der Stadt zu suchen? Und warum trug sie einen Zettel mit dem Namen genau des Mannes bei sich, der später ihre Leiche findet? Für Inspector Thomas Lynley, in dessen Privatleben sich zur selben Zeit dramatische Veränderungen ankündigen, sind diese Fragen nur der Auftakt zu Ermittlungen, in deren Verlauf er auf einem gefährlich schmalen Grat zwischen persönlicher Loyalität und beruflicher Ehre wandert. Denn schon bald stellen Lynley und Sergeant Barbara Havers betroffen fest, dass ihr Chef Superintendent Webberly, der mehr über Eugenie Davies zu wissen scheint, als er preisgibt, versucht, sie bei der Auswertung von Erkenntnissen zu behindern. Für Lynley und Havers steht ihre berufliche Laufbahn auf dem Spiel, doch sie sind schon viel zu tief in den Fall eingedrungen, um sich noch zurückziehen zu können. Denn die Familie Davies nährt einen tödlichen Kreislauf aus Versagen, Wut und Gewalt, der immer weitere Opfer fordert…
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
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»Aber ich will nach Disney World«, erklärte er eigensinnig.

»Bestimmt nicht halb so sehr, wie ich wünsche, ich könnte mit dir hinfahren.«

Sie schlug mit der Hand leicht an den Türpfosten und ging hinüber ins andere Zimmer, das sie mit Katja teilte. Dort ließ sie sich auf dem Bett nieder und lauschte den morgendlichen Geräuschen in der Wohnung: Sie hörte Daniel aus dem Bett hüpfen und ins Badezimmer hinüberlaufen; sie hörte Katja, die in der Küche die kleinen Pfannkuchen backte; hörte das Zischen, wenn Katja den Teig in die gebutterte Pfanne gab, hörte das Geschirrklappern, als sie Teller aus dem Küchenschrank holte, das Klicken des elektrischen Wasserkochers, der sich ausschaltete, und dann Katjas Stimme: »Daniel? Heute gibt's Pfannkuchen. Ich hab dir dein Lieblingsfrühstück gemacht.«

Warum?, überlegte Yasmin und hätte gern gefragt, aber sie hätte damit weit mehr hinterfragt als das morgendliche Ritual des Pfannkuchenbackens.

Sie strich mit einer Hand über das ungemachte Bett, das noch die Abdrücke ihrer beiden Körper trug. In den Kissen waren noch die Mulden, in denen ihre Köpfe gelegen hatten, und der Wirrwarr der Decken erinnerte sie daran, wie sie beieinander gelegen hatten: Sie in Katjas Armen, während Katjas warme Hände ihre Brüste umfassten.

Sie hatte sich schlafend gestellt, als Katja zu Bett gekommen war. Das Zimmer war dunkel - nie wieder würde Licht aus einem Gefängniskorridor in die Schwärze eines nächtlichen Zimmers fallen, in dem Yasmin Edwards lag -, daher war sie sicher, dass Katja nicht erkennen konnte, ob ihre Augen offen oder geschlossen waren. »Yas?«, hauchte Katja, aber Yasmin antwortete nicht. Und als Katja die Decke hob und ins Bett glitt wie ein Schiff in den vertrauten Hafen, empfing Yasmin sie mit dem schläfrigen Murmeln einer Frau, die in ihren Träumen gestört worden ist, und bemerkte, dass Katja einen Moment lang erstarrte, als wollte sie abwarten, ob Yasmin ganz wach werden würde.

Dieser Moment der Reglosigkeit verriet Yasmin etwas, auch wenn sie nicht genau wusste, was es zu bedeuten hatte. Sie drehte sich deshalb zu Katja herum, als diese die Decke zu ihrer Schulter hinaufzog, und nuschelte schläfrig, während sie ihr Bein über Katjas Hüfte schob: »Hey, Baby, wo warst du?«

»Morgen«, antwortete Katja flüsternd. »Das würde jetzt zu lang dauern.«

»Zu lang? Wieso?«

»Schschsch, schlaf jetzt.«

»Ich hab Sehnsucht nach dir gehabt«, murmelte Yasmin und prüfte Katja, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollte, prüfte sie, obwohl sie nicht wusste, was sie dann mit dem Ergebnis der Prüfung anfangen würde. Sie hob der Geliebten den Mund zum KUSS entgegen. Sie schob ihre Hand zu dem weichen Schoß. Katja erwiderte den KUSS wie immer und rollte Yasmin nach einem Augenblick behutsam auf den Rücken. »Du Verrückte«, flüsterte sie leise mit rauer Stimme.

»Verrückt nach dir«, antwortete Yasmin und hörte Katjas kehliges Lachen.

Was verriet schon eine Umarmung in der Dunkelheit? Was verrieten Liebkosungen von Lippen und Fingern, zärtlicher Kontakt mit weichem Fleisch? Was konnte man erfahren, wenn man sich der Strömung überließ, bis diese so reißend wurde, dass es egal war, wer das Schiff in den Hafen lenkte, Hauptsache, es gelangte ans Ziel? Was, zum Teufel, brachte einem das?

Ich hätte Licht machen sollen, dachte Yasmin. Ich hätte erkannt, was los ist, wenn ich ihr Gesicht hätte sehen können.

Sie habe keine Zweifel, und Zweifel seien ganz natürlich, versicherte sie sich selbst gewissermaßen in einem Atemzug. Sie hielt sich vor, dass es im Leben keine Sicherheit gab. Trotzdem spürte sie, wie die Ungewissheit ihr die Luft raubte, ganz so, als zöge eine unsichtbare Hand eine Schlinge fester und fester. Sie wollte die Zweifel ignorieren, aber das konnte sie ebenso wenig, wie sie einen lebensbedrohenden Tumor in ihrem Körper hätte ignorieren können.

Ungeduldig schüttelte sie diese Gedanken ab. Der kommende Tag verlangte sein Recht. Sie stand vom Bett auf und begann, Kissen und Decken zu richten. Wenn das Schlimmste wahr sein sollte, würden sich andere Gelegenheiten bieten, Gewissheit zu erlangen.

Danach ging sie zu Katja in die Küche, wo es nach den kleinen Pfannkuchen duftete, die Daniel so gern aß. Katja hatte genug für alle gebacken und sie im Rohr warm gestellt. In einer Pfanne brutzelten, eine Konzession an englische Gepflogenheiten, mehrere Scheiben Schinkenspeck.

»Ah, da bist du ja«, sagte Katja lächelnd. »Der Kaffee ist fertig. Für Daniel hab ich Tee gemacht. Wo ist denn unser Kleiner? Duscht er etwa? Das ist was Neues, nicht? Gibt es vielleicht eine Frau in seinem Leben?«

»Keine Ahnung«, antwortete Yasmin. »Wenn ja, hat er mir nichts davon gesagt.«

»Die Mädchen werden auf jeden Fall nicht mehr lang auf sich warten lassen. Heutzutage werden die Kinder ja so furchtbar schnell erwachsen. Hast du schon mal mit ihm geredet? Du weißt schon.«

Yasmin goss sich einen Becher Kaffee ein. »Du meinst, ob ich ihn aufgeklärt habe?«, fragte sie. »Ob ich ihm erklärt habe, wie die Kinder gemacht werden?«

»Naja, das könnte doch nicht schaden. Oder hat schon jemand mit ihm geredet? Früher, meine ich.«

Sie sagte nicht: »Als er in Pflege war.« Yasmin wusste, dass Katja diese Worte stets sorgfältig vermied, um bei ihr nicht die Erinnerungen zu wecken, die damit verbunden waren. Es war immer Katjas Art gewesen, in die Zukunft zu schauen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. »Was glaubst du denn, wie ich es hier, hinter diesen Mauern, aushalte?«, hatte sie einmal zu Yasmin gesagt. »Indem ich Pläne mache. Ich denke über die Zukunft nach, nicht über die Vergangenheit.« Und Yasmin, hatte sie hinzugefügt, täte gut daran, sich an ihr ein Beispiel zu nehmen.

»Du musst dir darüber im Klaren sein, was du tun wirst, wenn du hier raus kommst«, hatte sie gesagt. »Du musst dir darüber im Klaren sein, was du sein willst. Und dann musst du es verwirklichen. Das geht. Aber du musst jetzt schon damit anfangen, diesen neuen Menschen aus dir zu machen, solange du hier drinnen bist und die Möglichkeit hast, dich ganz darauf zu konzentrieren.«

Und du?, dachte Yasmin jetzt, während sie die Freundin beobachtete, die die Pfannkuchen auf die Teller verteilte. Was ist mit dir, Katja? Was hast du für Pläne gemacht, als du im Gefängnis warst, und was ist das für ein Mensch, der du sein möchtest?

Zum ersten Mal fiel ihr auf, dass Katja ihr das nie genau gesagt hatte. Sie hatte immer nur gemeint: »Dafür ist Zeit, wenn ich wieder frei bin.«

Wofür?, dachte Yasmin.

Sie hatte nie zuvor darüber nachgedacht, welches Maß an Sicherheit die Gefangenschaft bot. Die Fragen waren einfach, wenn man im Gefängnis saß, genau wie die Antworten. In der Freiheit war alles viel komplizierter.

Mit einem Teller in der Hand, wandte Katja sich vom Herd ab.

»Wo bleibt der Junge? Wenn er sich nicht beeilt, werden die Pfannkuchen zäh wie Gummi.«

»Er möchte in den Weihnachtsferien nach Disney World«, bemerkte Yasmin.

»Wirklich?« Katja lächelte. »Na ja, vielleicht können wir ihm den Wunsch erfüllen.«

»Wie denn?«

»Ach, es gibt immer Mittel und Wege«, meinte Katja. »Er ist so ein gutes Kind, unser Daniel. Er soll haben, was er will. Und du auch.«

Ein gutes Stichwort. Yasmin griff es sogleich auf. »Und wenn ich dich will«, sagte sie. »Wenn das alles ist, was ich will?«

Katja lachte, stellte Daniels Teller auf den Tisch und trat zu Yasmin. »Siehst du, wie einfach es ist?«, fragte sie. »Du brauchst deinen Wunsch nur zu äußern, und sofort wird er erfüllt.« Sie küsste Yasmin und ging wieder an den Herd. »Daniel!«, rief sie laut. »Deine Pfannkuchen sind fertig. Du musst jetzt kommen. Komm!«

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