Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie stellte sich hinter mich und legte mir eine Hand auf die Schulter.
»Seit wann bist du schon hier, Sassenach?«, fragte er mit sanfter Stimme.
»Schon die ganze Nacht«, sagte ich und zitterte wieder. »Ungefähr seit gestern Mittag, als das verdammte Pferd – ich glaube, es heißt Judas – mich von diesem Felsen da oben gestürzt hat.«
Ich deutete auf den Felsvorsprung. Mitten in der Wüste war eine gute Beschreibung für die Stelle, fand ich. Es hätte jede andere der tausend anonymen Talmulden in dieser Hügellandschaft sein können. Mir kam ein Gedanke – einer, der mir schon viel eher hätte einfallen sollen, wäre ich nicht so durchgefroren und erschöpft gewesen.
»Wie zum Teufel habt ihr mich gefunden?«, fragte ich. »Sag jetzt bloß nicht, das verflixte Pferd hat euch zu mir geführt?«
»Deinem Pferd sind wir nicht begegnet«, sagte Ian. »Nein, Rollo hat uns zu dir geführt.« Er strahlte den Hund stolz an, und dieser brachte es fertig, ein derart unverbindliches, würdevolles Gesicht aufzusetzen, als wären solche Suchaktionen für ihn das Normalste von der Welt.
»Aber wenn ihr mein Pferd nicht gesehen habt«, begann ich verwirrt, »wie konntet ihr dann überhaupt wissen, dass ich von den Muellers aufgebrochen war? Und wie konnte Rollo –« Ich brach ab, als ich die Blicke sah, die die Männer einander zuwarfen.
Ian zuckte leicht mit den Achseln, nickte und ließ Jamie den Vortritt. Jamie kauerte sich neben mir auf den Boden, hob den Saum meines Kleides hoch und nahm meine nackten Füße in seine großen, warmen Hände.
»Deine Füße sind eiskalt, Sassenach«, sagte er leise. »Wo hast du deine Schuhe gelassen?«
»Dahinten«, sagte ich und deutete kopfnickend auf den entwurzelten Baum. »Sie müssen immer noch da sein. Ich habe sie ausgezogen, als ich einen Bach durchqueren wollte, und habe sie dann hingestellt und konnte sie im Dunkeln nicht mehr finden.«
»Da sind sie nicht, Tante Claire«, sagte Ian. Er klang so merkwürdig, dass ich überrascht zu ihm hochsah. Er hielt immer noch den Totenschädel in der Hand und drehte ihn vorsichtig hin und her.
»Nein, das ist wahr.« Jamie hatte den Kopf gesenkt, um meine Füße zu reiben, und ich sah, wie das Morgenlicht sich kupfern in seinem Haar spiegelte, das ihm lose über die Schultern gefallen war, so zerzaust, als wäre er gerade erst aufgestanden.
»Ich war im Bett und habe geschlafen«, sagte er und griff meinen Gedanken auf. »Als das Vieh da plötzlich verrücktgespielt hat.« Er wies mit dem Kinn in Rollos Richtung, ohne aufzublicken. »Hat gebellt und geheult und sich gegen die Tür geschleudert, als stünde der Teufel draußen.«
»Ich habe ihn angebrüllt und versucht, ihn am Genick zu packen und mit Schütteln zum Schweigen zu bringen«, fügte Ian hinzu, »aber er hat einfach nicht aufgehört, egal, was ich machte.«
»Aye, er hat so getobt, dass ihm der Speichel aus dem Maul troff, und ich war mir sicher, dass er wirklich verrückt geworden war. Ich hatte Angst, dass er auf uns losgehen würde, also habe ich Ian gesagt, er solle die Tür aufriegeln, damit er hinauskonnte.« Jamie sank auf die Fersen zurück, betrachtete stirnrunzelnd meinen Fuß und nahm ein welkes Blatt von meinem Fußrücken.
»Ja, und war nun der Teufel draußen?«, fragte ich im Scherz.
Jamie schüttelte den Kopf.
»Wir haben die Lichtung vom Pferch bis zur Quelle abgesucht und haben nichts gefunden – außer denen hier.« Er griff in seinen Sporran und zog meine Schuhe heraus. Mit völlig ausdruckslosem Gesicht blickte er zu mir auf.
»Die haben nebeneinander auf der Schwelle gestanden.«
Jedes einzelne Haar an meinem Körper stellte sich auf. Ich hob die Feldflasche und trank den Brandy aus.
»Rollo ist losgerast und hat dabei gebellt wie ein Jagdhund«, sagte Ian, der begierig weitererzählte. »Aber dann kam er einen Moment später zurück und hat angefangen, an deinen Schuhen zu schnüffeln und zu winseln und zu jaulen.«
»Mir war selber auch ganz danach zumute, aye?« Jamies Mundwinkel zog sich ein wenig in die Höhe, doch ich sah die Furcht immer noch dunkel in seinen Augen.
Ich schluckte, doch mein Mund war trotz des Brandys zu trocken zum Sprechen.
Jamie zog mir erst den einen Schuh an und dann den anderen. Sie waren feucht, doch sein Körper hatte sie leicht angewärmt.
»Ich habe geglaubt, du wärst vielleicht tot, Cinderella«, sagte er leise und hielt den Kopf gesenkt, um sein Gesicht zu verbergen.
Ian merkte es nicht, so hatte ihn der Eifer des Erzählens gepackt.
»Mein schlauer Hund hier wollte losrasen, als hätte er ein Kaninchen gewittert, also haben wir uns unsere Plaids geschnappt und sind ihm hinterhergerannt, nachdem wir uns nur kurz eine Fackel vom Herd genommen und das Feuer eingedämmt haben. Er hat ein ganz schönes Tempo draufgehabt, nicht wahr, mein Junge?« Er rieb Rollo mit liebevollem Stolz die Ohren. »Und dann haben wir dich hier gefunden!«
Der Brandy ließ meine Ohren summen, und mein Verstand schien wie in eine warme, süße Decke gewickelt, doch sagte mir meine Vernunft noch gerade eben: Wenn Rollo einer Spur zu mir zurück gefolgt war … musste jemand die ganze Strecke in meinen Schuhen gegangen sein.
Inzwischen hatte ich die Reste meiner Stimme wiedergefunden und war nur noch ein wenig heiser beim Sprechen.
»Habt ihr – unterwegs – irgendetwas gesehen?«, fragte ich.
»Nein, Tante Claire«, sagte Ian, plötzlich nüchtern. »Du denn?«
Jamie hob den Kopf, und ich konnte sehen, wie eingefallen sein Gesicht vor Sorge und Erschöpfung war, wie stark seine breiten Wangenknochen unter der Haut hervortraten. Ich war nicht die Einzige, die eine lange, harte Nacht gehabt hatte.
»Ja«, sagte ich, »aber das erzähle ich euch später. Ich glaube, ich habe mich gerade in einen Kürbis verwandelt. Lasst uns nach Hause gehen.«
Jamie hatte Pferde mitgebracht, doch es gab keine Möglichkeit, sie in die Talmulde herunterzuholen; wir waren gezwungen, dem Lauf des überfluteten Baches zu folgen, durch die Untiefen zu waten und dann mühsam einen Felshang hinaufzuklettern, bis wir zu dem Felsen gelangten, wo die Pferde angebunden waren. Nach allem, was ich durchgemacht hatte, stand ich auf zittrigen Beinen und war daher keine große Hilfe bei diesem Unterfangen, doch Jamie und Ian kamen ohne großes Aufsehen damit zurecht, schoben mich über Hindernisse und reichten mich hin und her wie ein großes, sperriges Paket.
»Man soll jemandem, der an Unterkühlung leidet, wirklich keinen Alkohol geben«, sagte ich lahm, als Jamie mir während einer Rast erneut die Feldflasche an die Lippen hielt.
»Ist mir egal, woran du leidest, mit dem Brandy im Bauch merkst du weniger davon«, sagte er. Infolge des Regens war es immer noch kalt, doch sein Gesicht war vom Klettern gerötet. »Außerdem«, fügte er hinzu, während er sich die Stirn mit einer Falte seines Plaids abwischte, »kriegen wir dich leichter hoch, wenn du in Ohnmacht fällst. Himmel, es ist, als würde man ein neugeborenes Kalb aus einem Sumpf ziehen.«
»Entschuldigung«, sagte ich. Ich legte mich flach auf den Boden und schloss die Augen in der Hoffnung, mich nicht zu übergeben. Der Himmel drehte sich in die eine Richtung und mein Magen in die andere.
»Weg da, Rollo!«, sagte Ian.
Ich öffnete ein Auge, um nachzuschauen, was los war, und sah, wie Ian Rollo mit Gewalt von dem Totenschädel wegschob – ich hatte darauf bestanden, ihn mitzunehmen.
Bei Tageslicht betrachtet, war er kein sehr einnehmender Gegenstand. Fleckig und verfärbt von der Erde, in der er begraben gewesen war, ähnelte er aus der Ferne einem glatten Stein, der von Wind und Wetter ausgehöhlt und angenagt war. Einige seiner Zähne waren angestoßen oder abgebrochen, obwohl der Schädel sonst keinerlei Beschädigung aufwies.
»Was genau hast du eigentlich mit diesem Traumprinzen vor?«, fragte Jamie, der meine Errungenschaft ziemlich kritisch beäugte. Seine Röte war verblasst, und er atmete wieder regelmäßig. Er sah zu mir herunter, streckte die Hand aus und strich mir lächelnd das Haar aus den Augen.