In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Als Rochaid den Amhara-Markt verließ und tiefer in die Stadt hineinging, stoben Taubenschwärme von den Dächern auf, aber statt den unfehlbaren Sprung zu machen, der sie gewöhnlich in den Himmel getragen hätte, stießen die Vögel zusammen, und einige flatterten runter auf den Boden. Leute starrten, die Hüter eingeschlossen, die eben noch Rochaid so argwöhnisch betrachtet hatten. Der Mann warf keinen Blick zurück, aber es hätte keinen Unterschied gemacht, hätte er es gesehen. Er wusste auch so, dass Rand in der Stadt war, ohne den Einfluss eines Ta'veren sehen zu müssen, denn sonst wäre er nicht hier gewesen.
Rand folgte Rochaid auf die Straße der Freude, die eigentlich aus zwei breiten geraden Straßen bestand, die von einer genau abgemessenen Reihe blattloser Bäume mit grauer Rinde getrennt wurden, und lächelte. Rochaid und seine Freunde hielten sich vermutlich für besonders schlau. Vielleicht hatten sie die Karte der nördlichen Ebenen von Maredo gefunden, die verkehrt herum in den Regalen des Steins von Tear gestanden hatte, oder das Buch über die Städte des Südens, das in der Bibliothek des Aesdaishar-Palasts in Chachin falsch einsortiert war oder einen der anderen Hinweise, die er zurückgelassen hatte. Kleine Fehler, die ein Mann in Eile möglicherweise machte, aber zusammengenommen malten zwei oder drei einen Pfeil, der auf Far Madding zeigte. Rochaid und die anderen hatten ihn schnell erkannt, schneller als erwartet, oder sie hatten Hilfe dabei gehabt. Letztlich spielte es keine Rolle.
Er war sich nicht sicher, warum der Murandianer vor den anderen eingetroffen war, aber er wusste, dass sie alle, Torval und Dashiva, Gedwyn und Kisman, kommen und versuchen würden, das zu vollenden, was sie in Cairhien in den Sand gesetzt hatten. Schade, dass keiner der Verlorenen so dumm sein würde, hier auf ihn Jagd zu machen. Sie würden nur die anderen schicken. Er wollte Rochaid nach Möglichkeit töten, bevor der Rest eintraf. Selbst hier, wo sie alle die gleiche Ausgangsstellung hatten, würde es klüger sein, sich einen Vorteil zu verschaffen. Rochaid war seit zwei Tagen in Far Madding, fragte offen nach einem rothaarigen Mann und stolzierte umher, als hätte er keine Sorge auf der ganzen Welt. Der Mann hatte eine Menge Leute gefunden, die mehr oder weniger seiner Beschreibung entsprachen, aber er hielt sich noch immer für den Jäger und nicht den Gejagten.
Du hast uns hergebracht, damit wir hier sterben! stöhnte Lews Thenn. Es ist fast so schlimm wie der Tod, hier sein zu müssen!
Rand zuckte unbehaglich mit den Schultern. Was Letzteres anging, stimmte er der Stimme sogar zu. Er würde genauso froh sein wie Lews Therin, wenn er diesen Ort wieder verlassen konnte. Aber manchmal blieb einem nur die Entscheidung zwischen schlecht und noch schlechter übrig. Rochaid war ein Stück vor ihm, beinahe in Reichweite. Allein das war jetzt von Bedeutung.
Die grauen, aus Steinen errichteten Läden und Gasthäuser, welche die Straße der Freude säumten, veränderten sich, je weiter sich Rand vom Amhara-Markt entfernte. Silberschmiede folgten auf Messerschmiede, die wiederum von Goldschmieden ersetzt wurden. Näherinnen und Schneider stellten Wolle statt bestickte Seidenstoffe und Brokat aus. Die Kutschen, die über die Pflastersteine ratterten, hatten jetzt Siegel auf die Türen gemalt und Gespanne aus vier oder sechs Pferden, die in Größe und Farben zusammenpassten, und viele Reiter saßen auf erstklassigen tairenischen Vollblütern oder ähnlich guten Tieren. Von Trägern transportierte Sänften wurden beinahe genauso zahlreich wie Fußgänger, und Leute in Livreen, die so hell waren wie jene der Träger, übertrafen die Zahl der Ladenbesitzer, die an Brust oder Schultern mit aufwendigen Stickereien versehene Mäntel trugen. Die Haarklammern der Männer waren nun mit Buntglas geschmückt oder gelegentlich mit Perlen oder kostbareren Edelsteinen, obwohl nur wenige Männer unterwegs waren, deren Frauen sich Juwelen leisten konnten. Allein der kalte Wind war derselbe und die Straßenhüter, die zu Dritt patrouillierten und aufmerksam nach Ärger Ausschau hielten. Es waren nicht so viele wie auf den Fremdenmärkten, aber sobald eine Patrouille aus der Sicht verschwand, tauchte eine andere auf, und dort, wo eine Straße, die größer als eine Gasse war, in die Straße der Freude mündete, gab es Wachtürme aus Stein, vor denen zwei Straßenhüter in Bereitschaft standen, falls der oben postierte Mann einen Unruhestifter erspähte. In Far Madding hielt man die Ordnung rigoros aufrecht.
Rand runzelte die Stirn, als Rochaid weiter die Straße entlangging. Konnte sein Ziel der Ratsherrinnenplatz sein, der sich in der Mitte der Insel befand? Es gab dort nichts bis auf die Ratsherrinnenhalle — ein Monument aus der Zeit vor fünfhundert Jahren, als Far Madding die Hauptstadt von Maredo gewesen war — und die Kontore der reichsten Frauen der Stadt. In Far Madding war ein reicher Mann jemand, dessen Frau ihm ein großzügiges Taschengeld zugestanden hatte oder ein Witwer, für den gesorgt worden war. Vielleicht traf sich Rochaid mit Schattenfreunden. Aber wenn dem so war, warum hatte der Mann gewartet?
Plötzlich überfiel ihn ein Schwindelgefühl und schlug wie eine Welle über ihm zusammen. Einen Augenblick lang stand ein undeutliches Gesicht vor seinem geistigen Auge, sodass er gegen einen Passanten taumelte. Der blonde Mann, der mit einer hellgrünen Livree bekleidet und größer als Rand war, rückte den großen Korb zurecht, den er trug, und wehrte Rand sanft ab. Sein sonnengebräuntes Gesicht wies auf der einen Seite eine lange, breite Narbe auf. Er senkte den Kopf, murmelte eine Entschuldigung und eilte weiter.
Rand richtete sich wieder auf und stieß einen lautlosen Fluch aus.
Du hast sie bereits vernichtet, flüsterte Lews Therin in seinem Kopf. Jetzt hast du einen anderen, den du vernichten kannst, und das vor der Zeit. Ich frage mich, wie viele wir drei vor dem Ende töten werden.
Halt den Mund!, dachte Rand wild, aber er erhielt nur gackerndes Gelächter zur Antwort. Es war nicht die Begegnung mit einem Aielmann, die ihn aufbrachte. Seit der Ankunft in Far Madding hatte er viele von ihnen ge —sehen. Aus irgendeinem Grund waren Hunderte von Aiel, nachdem sie die Wahrheit über ihre Geschichte erfahren hatten, hier gelandet und versuchten, dem Weg des Blattes zu folgen, obwohl sie nicht mehr darüber wussten, als dass sie lebenslang als Gai'schain dienen sollten. Er war nicht einmal wegen der Gleichgewichtsstörung besorgt oder wegen des unbekannten Gesichts, das er jedes Mal zur Hälfte erblickte, wenn sie ihn übermannte. Voraus ratterte eine von sechs Grauschimmeln gezogene Kutsche durch den Strom aus Sänften und dahineilenden Livrierten, und Männer und Frauen eilten in die Geschäfte und wieder hinaus, aber nirgendwo war ein roter Mantel in Sicht. Gereizt schlug er sich mit der behandschuhten Faust in die Handfläche.
Blindlings weiterzugehen wäre idiotisch. Hinterher lief er noch direkt in den Mann hinein oder wurde von ihm gesehen. Bis jetzt glaubte Rochaid, dass Rand keine Ahnung hatte, dass er in der Stadt war, ein Vorteil, der zu wichtig war, um ihn zu verschwenden. Er wusste, wo Rochaid seine Unterkunft hatte, eines jener Gasthäuser, die eigens für Ausländer reserviert waren. Er konnte morgen davor herumlungern und auf die nächste Gelegenheit warten. Vielleicht trafen die anderen ja während der Nacht ein. Er glaubte, es mindestens mit zweien von ihnen gleichzeitig aufnehmen zu können, möglicherweise sogar mit allen fünfen, aber das würde nicht ohne Aufsehen abgehen. Beim Kampf gegen alle fünf würde er Verletzungen davontragen, und bestenfalls würde er sein Schwert zurücklassen müssen, und das wollte er nur ungern. Es war ein Geschenk von Aviendha. Und schlimmstenfalls ...