Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Turm - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Turm

Электронная книга - «Der Turm». Краткое содержание книги:

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der süßen Krankheit Gestern der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze — oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der roten Aristokratie im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk Ostrom, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.
1 ... 132 133 134 135 136 137 138 139 140 ... 260
Перейти на страницу:

«Na los, Richard. Knack se«, reizt Ulrich. Robert hält das Kon-Tiki-Buch des norwegischen Ethnologen und Abenteurers Thor Heyerdahl in den Händen, falls jemand daran zweifeln sollte, daß Kokosnüsse Augen haben, die man anbohren muß, wenn köstliche Milch rinnen soll. Anne hat Schalen aufgestellt. Für jeden ein Schlückchen. Richard greift zum Korkenzieher und gräbt ihn in einen schwarzen Punkt, der ein solches Auge sein könnte, wie es Heyerdahl in seinem Bericht schreibt. Richard schafft es einige Umdrehungen weit, zerrt, die Nuß zwischen den Füßen, mit aller Kraft und bekommt ein Filz-Stöpselchen sowie den Korkenzieher verbogen zurück. Die Milch will nicht rinnen. Robert weist vorsichtig darauf hin, daß Heyerdahl von grünen Nüssen schreibe, wenn er und seine Männer auf den Marquesas-Inseln Kokosmilch tränken. Barbara schüttelt die Nuß: Sie bleibt rund, kompakt und innen still und stumm. Der Seiffener Nußknacker neben dem Samowar, ein Bergmann mit Klapp-Kinnlade, ist zu klein und verletzlich geschnitzt; es bedarf brachialerer Lösungen, aber Annes Fleischhammer nützt auch nicht: nur ein paar Stückchen Sprelacart splittern von der Anrichte ab, und Ina hält sich die Ohren zu, weil Ulrich seine Hiebe in erblindender Wut führt. Richard und Ulrich gehen auf den Balkon, wo etwas Werkzeug aufbewahrt liegt, geben der Nuß mit einem Amboß harten Boden, Richard hebt einen Zimmermannshammer, die Nuß glitscht seitlich weg, trifft Ulrich am Schienbein. Ob Richard keinen Vorschlaghammer habe, jetzt reiche es ihm, er lasse sich von so einer verdammten Kokosnuß nicht kleinkriegen, und wenn er mit dem Moskwitsch drüberrollen müsse! Richard hat keinen Vorschlaghammer. Weder die Stenzel-Schwestern noch Nachbar Griesel verfügen über dieses gewichtige Argument, André Tischer aber über einen Schneidbrenner, den Ulrich als letztes Mittel der Kokosnuß androht, Richard hat einen Schraubstock. Sie drehen, bis sich die Spindel biegt. Die Nuß, ein harter Schädel, denkt nicht ans Aufgeben.»Wir könnten das Ding vom Balkon auf die Gehwegplatten schmeißen, mit Schmackes!«—»Da springen doch die Trümmer sonstwohin, und ich möchte, nein: Ich will! Schnorchel, einmal in meinem Leben so was getrunken haben! Stell dir mal vor, da ist noch Milch drin — und dann auf den Gehwegplatten!«Sie versuchen es mit einer Säge, aber die faßt nicht, rutscht auf der glatten Oberfläche immer wieder ab.»Kann sein, die hat ’nen Schraubverschluß, und ihr seht ’n bloß nich«, wagt Robert anzumerken.

Der Sommer kam. Die 12. Klassen hatten Abiturprüfungen. Fahnenappelclass="underline" Alles Gute für Ihren weiteren Lebensweg in unserer sozialistischen Gesellschaft! Blumen, Händeschütteln, noch einmal ein gemeinsamer Discobesuch, Suff und Zigaretten, abhotten.

Muriel wurde in einen Jugendwerkhof eingewiesen. Sie war verwarnt worden und hatte dennoch im Staatsbürgerkundeunterricht immer wieder ihre Meinung gesagt.

Hans und Iris Hoffmann wird Versagen bei der Erziehungsarbeit vorgeworfen, das Erziehungsrecht aberkannt.»Das Ziel der Umerziehung in einem Jugendwerkhof besteht darin, die Besonderheiten in der Persönlichkeitsentwicklung zu überwinden, die Eigenheiten im Denken und Verhalten der Kinder und Jugendlichen zu beseitigen und damit die Voraussetzungen für eine normale Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen«, sagt die Richtlinie.

II. Buch: Die Schwerkraft

37. Abend im Haus Eschschloraque

Ruckend und knirschend, erhellt vom funzeligen Licht der Bergstation und einiger Lampen im Wageninneren, setzte sich die Schwebebahn in Bewegung, sank aus der Haltebucht heraus ins Freie und an einer Schiene unter den hufeisenförmig gebogenen Stahlträgern dem Tal zu. Es war ein kühler Spätherbstabend. Judith Schevola fror im dünnen Mantel, Philipp Londoner hatte ihr seinen Schal geliehen, den sie wie einen Spanischen Kragen um den Hals gewickelt trug, so daß nur die Nasenspitze und ihre kalt beobachtenden Augen hervorlugten; tief in die Stirn gezogen, ließ eine überdimensionale flache Mütze, wie sie UFA-Stars zu Knickerbockern getragen hatten, ihren Kopf einen Fledermausschatten werfen.

«Wenn mich der Posten oben noch mal nach meinem Ausweis gefragt hätte — «

«— wären Sie explodiert. «Schevola zog den Schal herunter, streifte Philipp mit einem spöttischen Blick.»Vermutlich hat er Ihnen das angesehen, und deshalb wollte er nichts riskieren. Wer weiß, vielleicht häuft sich das in letzter Zeit bei denen, die von Barsano kommen.«

«Sie tun das ab, als wäre es nichts. Barsano hat das Papier nicht mal angeschaut. Als bekäme er so etwas inzwischen täglich. Gelächelt hat er und aufs Büfett gezeigt, wie … wie ein Spießer. Und du«, er nickte Meno zu,»hältst dich immer schön zurück, schweigst und ziehst den Kopf ein, wenn einer deiner Vorgesetzten — «

«Philipp, du weißt genau, daß du Unsinn redest«, fiel ihm Meno ruhig ins Wort,»und was soll ich zu deinen Thesen und Zahlen schon sagen? Ich kenne sie ja nicht mal.«

«Ich muß ihn verteidigen. Er hat sich für mein Buch ganz schön ins Zeug gelegt, und nur, weil Redlich ihn unterstützt hat, macht das seinen Mut nicht kleiner. Sie sind brachial dazwischengeplatzt mit Ihrem Positionspapier.«

«Papperlapapp, dazwischengeplatzt! Jetzt will ich Ihnen mal was sagen. Das Treffen war eigentlich angesetzt, um Fragen zu besprechen, wie sie im Papier des Instituts aufgeworfen werden. Was ihr Literaten da zu suchen hattet, ist mir einigermaßen schleierhaft; vielleicht hat er euch sogar nur aus Feigheit eingeladen, als Alibi … Denn irgendeiner seiner Sekretärs-Lurche wird ihn auf das Thema vorbereitet haben.«

«Philipp«, Meno nickte warnend in Richtung Schaffner, der reglos vor dem Bedienpult am anderen Ende des Wagens saß. Philipp blieb unbeeindruckt.»Schön, sind sie eben keine Lurche, sondern Schleimschwänze, Quallen! — Übrigens ist das eine typische Antwort: Kenn’ ich nicht, versteh’ ich nicht, legen Sie das den zuständigen Leuten vor!«

«Ist Barsano zuständig?«

«Judith: Begreifst du nicht, worum es geht?«

«Judith nennst du sie, aha«, warf Meno überrascht ein.»Du wirst laut«, beeilte er sich hinzuzusetzen, als er die beiden Blicke wechseln sah.

«Darauf würde Eschschloraque einen geistreichen Spruch parat haben, etwa: Beethoven bleibt Beethoven, egal, wo der Lautstärkeregler steht«, sagte Philipp in ziemlich hochmütigem Ton. Schevola hauchte eine Fensterscheibe an, wischte, versuchte etwas zu erkennen.»Und du meinst, wir sind ihm willkommen? Nicht jeder mag unangekündigten Besuch. Hier in Ostrom schon gar nicht. Vielleicht ist er ein Abendmensch und schreibt gerade an einem seiner Stücke, in denen Nachtwächter verkleidete Staatsratsvorsitzende sind.«

«Daß ich komme, weiß er, daß ihr kommt, nicht. Überraschungen regen ihn an, sagt er. — Übrigens hast du mir auf meine Frage nicht geantwortet, Schätzchen.«

Philipp, fand Meno, hatte hin und wieder einen merkwürdigen Sinn für Humor. Judith Schevola schien der Spitzname zu amüsieren, vielleicht hatte sie ihn schon mehrmals gehört.»Setzen wir das doch draußen fort, Genosse Professor. Wir sind gleich da. «Sie hob das Gesicht und mimte abgebrühte Halbweltdame.»Schnuckelchen.«

Philipp klingelte, als der Kosmonautenweg in Sicht kam. Der Wagen glitt in die Halteinsel, kam schaukelnd zum Stehen; auf der anderen Seite hielt der Gegenwaggon, Meno sah zwei Passagiere darin sitzen; sie nickten ihm zu: Musikkritiker Däne und Rechtsanwalt Joffe, sie schienen in angeregtem Gespräch zu sein. Vielleicht über die Semperoper, deren Wiedereröffnung am dreizehnten Februar bevorstand, vielleicht erkundigte sich Rechtsanwalt Joffe nach einem Opernkomponisten bei Däne, denn er hatte ein Kriminal-Libretto geschrieben, aus dem Erik Orré im vergangenen Winter blutrünstige Moritaten zum besten gegeben hatte. Die Türen schnarrten auf, Philipp reichte Judith Schevola die Hand zum Aussteigen, eine seiner inkonsequent bürgerlichen Galanterien, wie Marisa gesagt hätte; Meno reizte es, sich nach ihr zu erkundigen, unterließ es aber. Der Schaffner ließ den leeren Wagen nach kurzer Wartezeit, in der niemand zustieg, weiterfahren. Der Kritiker und der Rechtsanwalt schwebten eifrig gestikulierend den Berg hinan.

1 ... 132 133 134 135 136 137 138 139 140 ... 260
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)