Der Duellant
- Автор: Тургенев Иван Сергеевич
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Der Duellant». Краткое содержание книги:
Kister fing an böse zu werden.
»Gestatten Sie die Frage«, sagte er schließlich, »welchen Zweck hat Ihr Besuch? Sie haben mich seit drei Wochen nicht gegrüßt, und nun kommen Sie zu mir anscheinend in der Absicht, sich über mich lustig zu machen. Ich bin kein grüner Junge, sehr geehrter Herr, und werde es niemand gestatten ...« »Aber erlauben Sie«, unterbrach ihn Lutschkow »aber erlauben Sie, Fjodor Fjodorowitsch: Wer wagt es denn, sich über Sie lustig zu machen? Im Gegenteil, ich komme zu Ihnen mit der ergebensten Bitte: Erklären Sie mir gefälligst Ihr Benehmen mir gegenüber! Gestatten Sie die Frage: Haben Sie mich nicht gewaltsam mit der Familie Perekatow bekannt gemacht? Haben Sie nicht Ihrem ergebensten Diener versichert, daß er seelisch ›aufblühen‹ wird? Und haben Sie mich nicht schließlich auch mit der tugendsamen Maria Ssergejewna zusammengeführt? Warum soll ich dann nicht annehmen dürfen, daß ich Ihnen für die gewisse letzte Aussprache zu danken habe, über die man Sie wohl schon in gebührender Form unterrichtet hat? Dem Bräutigam pflegt doch die Braut alles zu erzählen, besonders ihre unschuldigen Streiche. Warum soll ich dann nicht annehmen dürfen, daß ich Ihnen die großartige Nase zu verdanken habe, die man mir gedreht hat? Sie haben doch einen solchen Anteil an meinem ›Aufblühen‹ genommen!«
Kister ging einmal durchs Zimmer.
»Hören Sie mal, Lutschkow«, sagte er endlich. »Wenn Sie wirklich im Ernst von dem, was Sie sagen, überzeugt sind, was ich, offen gestanden, nicht glaube, so gestatten Sie mir, Ihnen zu sagen: Es ist eine Schande und eine Sünde, meine Handlungen und Absichten in einem so verletzenden Sinne zu deuten. Ich will mich nicht rechtfertigen. Ich appelliere an Ihr eigenes Gewissen, an Ihr Gedächtnis.«
»Ja, ich erinnere mich, daß Sie ständig mit Maria Ssergejewna getuschelt haben. Außerdem gestatten Sie mir noch diese Frage: Sind Sie nicht bei den Perekatows nach dem bewußten Gespräch mit mir gewesen? Nach jenem Abend, als ich Ihnen, wie ein Narr, als meinem besten Freund, von dem mir gewährten Stelldichein erzählte?«
»Wie? Sie verdächtigen mich, daß ...«
»Ich verdächtige keinen Menschen einer Handlung«, unterbrach ihn Awdej mit einer geradezu tödlichen Kälte, »deren ich mich selbst nicht verdächtige; doch ich habe auch die Schwäche zu glauben, daß die anderen nicht besser sind als ich.«
»Sie irren«, entgegnete Kister aufbrausend. »Die anderen sind besser als Sie.«
»Wozu ich Ihnen gratuliere«, versetzte Lutschkow ruhig. »Aber ...«
»Aber«, unterbrach ihn seinerseits Kister gereizt, »aber erinnern Sie sich nur, in welchen Ausdrücken Sie mir von dem Stelldichein erzählten und von ... Diese Erklärungen werden, übrigens, wie ich sehe, zu nichts führen ... Denken Sie von mir, was Ihnen beliebt, und tun Sie, was Ihnen beliebt.«
»Das lasse ich mir gefallen!« versetzte Awdej. »Endlich sprechen Sie aufrichtig.«
»Was Ihnen beliebt!« wiederholte Kister.
»Ich verstehe vollkommen Ihre Lage, Fjodor Fjodorowitsch«, fuhr Awdej mit geheuchelter Teilnahme fort. »Sie ist unangenehm, wirklich unangenehm. Ein Mensch hat seine Rolle gespielt, niemand sieht ihm den Schauspieler an, und plötzlich ...«
»Wenn ich annehmen könnte«, unterbrach ihn Kister mit zusammengepreßten Zähnen, »daß aus Ihnen nur verschmähte Liebe spricht, so würde ich mit Ihnen Mitleid haben und Ihnen verzeihen. Doch in Ihren Vorwürfen, in Ihren Verleumdungen höre ich nur den Schrei eines verletzten Ehrgeizes, und ich spüre nicht das geringste Mitleid mit Ihnen. Sie haben Ihr Los selbst verschuldet.«
»Ach, mein Gott, wie spricht dieser Mensch!« versetzte Awdej halblaut. »Der Ehrgeiz«, fuhr er fort, »mag sein; ja, ja, mein Ehrgeiz ist, wie Sie richtig bemerken, tief und unerträglich verletzt worden. Wer ist aber nicht ehrgeizig? Vielleicht Sie? Ja, ich bin wohl ehrgeizig und werde es zum Beispiel niemand erlauben, mit mir Mitleid zu haben.«
»Sie werden es nicht erlauben?« entgegnete Kister stolz. »Was sind das für Ausdrücke, mein Herr! Vergessen Sie bitte nicht: Das Band zwischen uns haben Sie selbst zerrissen. Ich bitte Sie, sich mir gegenüber wie gegen einen Fremden zu benehmen.«
»Zerrissen! Das Band ist zerrissen!« wiederholte Awdej. »Begreifen Sie mich doch: Ich grüßte und besuchte Sie nicht, nur aus Mitleid mit Ihnen; Sie werden mir doch erlauben, mit Ihnen Mitleid zu haben, wenn Sie selbst mit mir Mitleid haben! ... Ich wollte Sie nicht in eine schiefe Lage bringen und in Ihnen Gewissensbisse wecken. Sie reden vom Band zwischen uns, als ob Sie nach Ihrer Verheiratung noch mein Freund hätten bleiben können! Hören Sie auf! Sie haben mit mir auch früher nur darum verkehrt, weil Sie sich an Ihrer vermeintlichen Überlegenheit erfreuen wollten!«
Awdejs Verleumdungen ermüdeten und empörten Kister.
»Brechen wir doch dieses unangenehme Gespräch ab!« rief er endlich aus. »Offen gestanden, verstehe ich nicht, warum Sie mir die Ehre Ihres Besuches erwiesen haben!«
»Sie verstehen nicht, warum ich zu Ihnen gekommen bin?« fragte Awdej neugierig.
»Ich verstehe es absolut nicht.«
»N ...nein?«
»Ich sage Ihnen ja ...«
»Sonderbar! Das ist wirklich sonderbar! Wer hätte das von einem solchen klugen Menschen wie Sie erwartet!«
»Nun, wollen Sie sich doch endlich erklären!«
»Ich komme zu Ihnen, Herr Kister«, sagte Awdej, sich langsam von seinem Platz erhebend, »ich komme zu Ihnen, um Sie zu einem Duell zu fordern, verstehen Sie es jetzt? Ich will mich mit Ihnen schlagen. Sie glaubten wohl, Sie könnten mich so einfach abfertigen? Wußten Sie denn nicht, mit wem Sie es zu tun hatten? Hätte ich es je erlaubt ...«
»Sehr schön«, unterbrach ihn Kister kurz und kühl. »Ich nehme die Forderung an. Wollen Sie mir Ihren Sekundanten schicken.«
»Ja, ja«, fuhr Awdej fort, dem es wie einer Katze leid tat, sein Opfer so schnell zu verlassen. »Ich gestehe, es wird mir ein Vergnügen sein, morgen den Lauf meiner Pistole auf Ihr ideales, blondes Haupt zu richten.«
»Mir scheint, Sie wollen mich nach der Forderung noch beschimpfen«, entgegnete Kister mit Verachtung. »Wollen Sie bitte gehen. Ich muß mich für Sie schämen.«
»Na ja, man kennt es ja: Delikatesse! ... Ja, Marja Ssergejewna, ich verstehe nicht Französisch!« brummte Lutschkow, während er sich die Mütze aufsetzte, »Auf angenehmes Wiedersehen, Fjodor Fjodorowitsch!«
Er grüßte und entfernte sich.
Kister ging einige Male durchs Zimmer. Sein Gesicht glühte, seine Brust hob und senkte sich mächtig. Er empfand weder Angst noch Zorn, aber er ekelte sich vor dem Gedanken, daß er diesen Menschen einst für seinen Freund gehalten hatte. Der Gedanke an das Duell freute ihn beinahe. Sich auf einen Schlag von der ganzen Vergangenheit befreien, über diesen einen Stein springen und dann den ruhigen Strom entlang schwimmen ... Schön, dachte er sich, ich werde mir mein Glück erkämpfen. Das Bild Maschas schien ihm zuzulächeln und den Sieg zu verheißen. Ich komme nicht um! Nein, ich komme nicht um! wiederholte er mit ruhigem Lächeln vor sich hin.
Auf dem Tisch lag der Brief an seine Mutter ... Sein Herz krampfte sich für einen Augenblick zusammen. Er beschloß, ihn für alle Fälle noch nicht abzuschicken. Kister empfand jene erhöhte Lebenskraft, die jeder Mensch vor einer Gefahr an sich wahrnimmt. Er überlegte sich ruhig die möglichen Folgen des Zweikampfes, setzte sich und Mascha in Gedanken allen Prüfungen des Unglücks und der Trennung aus und blickte hoffnungsvoll in die Zukunft. Er gab sich das Wort, Lutschkow nicht zu töten.
Unwiderstehlich zog es ihn zu Mascha hin. Er suchte sich einen Sekundanten, brachte eilig seine Angelegenheiten in Ordnung und fuhr gleich nach dem Essen zu den Perekatows. Während des ganzen Abends war Kister lustig, vielleicht viel zu lustig.