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Электронная книга - «Der Duellant». Краткое содержание книги:

Der Duellant
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»Sie erraten noch immer nicht, wen ich meine?« fragte sie.

Kaum noch atmend, reichte ihr Kister die Hand. Mascha ergriff sie sofort mit Leidenschaft.

»Sie sind wie früher mein Freund, nicht wahr? Warum antworten Sie nicht?«

»Ich bin Ihr Freund, Sie wissen es«, murmelte er.

»Und Sie verurteilen mich nicht? Sie haben mir vergeben? Sie verstehen mich! Sie lachen nicht über ein Mädchen, das heute dem einen ein Stelldichein gewährt und morgen mit einem anderen so spricht, wie ich jetzt zu Ihnen spreche ... Nicht wahr, Sie lachen doch nicht über mich?« Maschas Gesicht glühte; sie hielt mit beiden Händen Kisters Hand fest.

»Über Sie lachen«, antwortete Kister. »Ich ... ich ... ich liebe Sie ja ... ich liebe Sie!« rief er aus.

Mascha bedeckte ihr Gesicht mit den Händen.

»Wissen Sie es denn nicht schon längst, Marja Ssergejewna, daß ich Sie liebe?«

Kap. 10

Drei Wochen nach dieser Zusammenkunft saß Kister in seinem Zimmer und schrieb folgenden Brief an seine Mutter:

»Liebes Mütterchen!

Ich beeile mich, mit Ihnen meine große Freude zu teilen: Ich heirate. Diese Nachricht wird Ihnen wohl nur darum wunderlich vorkommen, weil ich in meinen früheren Briefen auf eine so wichtige Wendung in meinem Leben nicht mal hingedeutet habe – Sie aber wissen, daß ich gewohnt bin, mit Ihnen alle meine Gefühle, Freuden und Leiden zu teilen. Die Gründe dieses Schweigens sind leicht zu erklären. Erstens habe ich erst dieser Tage selbst erfahren, daß ich geliebt werde; und zweitens habe ich auch meinerseits erst vor kurzem die ganze Kraft meiner eigenen Neigung erfaßt. In einem meiner ersten Briefe von hier schrieb ich Ihnen von den Perekatows, unseren Nachbarn, und nun heirate ich ihre einzige Tochter Maria. Ich bin fest überzeugt, daß wir glücklich sein werden. Sie hat in mir keine augenblickliche Leidenschaft geweckt, sondern ein tiefes, aufrichtiges Gefühl, in dem sich die Freundschaft mit Liebe paart. Ihr heiterer, sanfter Charakter entspricht durchaus meinem Geschmack. Sie ist gebildet, klug und spielt vortrefflich Klavier ... Wenn Sie sie doch sehen könnten! Ich schicke Ihnen ihr Portrait, das ich selbst gezeichnet habe. Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß sie hundertmal schöner ist als dieses Bild. Mascha liebt Sie schon als Tochter und kann den Tag, an dem sie Sie kennenlernen soll, kaum erwarten. Ich habe die Absicht, meinen Abschied zu nehmen, mich auf dem Lande niederzulassen und mich der Landwirtschaft zu widmen. Der alte Perekatow besitzt ein Gut mit vierhundert leibeigenen Seelen, das sich in guter Verfassung befindet. Sie sehen, daß man auch von diesem materiellen Standpunkte aus meine Wahl nicht mißbilligen kann. Ich nehme Urlaub und komme zu Ihnen nach Moskau. Erwarten Sie mich in höchstens zwei Wochen. Meine liebe, gute Mama, wie glücklich bin ich! ... Umarmen Sie mich ...« und so weiter.

Kister faltete und versiegelte den Brief, stand auf, trat ans Fenster, rauchte eine Pfeife, dachte ein wenig nach und kehrte zum Tisch zurück. Er holte einen kleinen Bogen Briefpapier hervor, tauchte die Feder sorgfältig ins Tintenfaß, fing aber lange nicht mit dem Schreiben an, sondern runzelte die Brauen, blickte zur Decke und kaute an der Feder ... Endlich entschloß er sich und verfaßte im Laufe einer Viertelstunde folgendes Schreiben:

»Sehr geehrter Herr Awdej Iwanowitsch!

Vom Tage Ihres letzten Besuches an – das heißt seit drei Wochen – grüßen Sie mich nicht, sprechen mit mir nicht und scheinen mir aus dem Wege zu gehen. Jeder Mensch ist natürlich in seinen Handlungen vollkommen frei; Ihnen beliebte es, unsere Bekanntschaft abzubrechen, und ich bitte Sie, mir zu glauben, daß ich mich an Sie nicht mit einer Klage wende. Ich habe nicht die Absicht, mich, wem es auch sei, aufzudrängen; mir genügt das Bewußtsein, daß ich im Rechte bin. Ich schreibe Ihnen heute nur aus Pflichtgefühl. Ich habe Maria Ssergejewna Perekatowa den Antrag gemacht und ihr Jawort wie auch die Zustimmung ihrer Eltern bekommen. Ich teile diese Nachricht Ihnen direkt und unmittelbar mit, um jedes Mißverständnis und jeden Verdacht unmöglich zu machen. Ich muß Ihnen offen gestehen, sehr geehrter Herr, daß ich mich nicht allzusehr um die Meinung eines Menschen kümmern kann, der selbst nicht die geringste Beachtung den Meinungen und Gefühlen anderer schenkt; ich schreibe Ihnen einzig darum, weil ich jeden Anschein vermeiden will, als ob ich hinter Ihrem Rücken handle oder gehandelt habe. Ich darf wohl sagen: Sie kennen mich und werden meinen Schritt nicht irgendeinem anderen, schlechten Gefühl zuschreiben. Indem ich mich zum letztenmal an Sie wende, kann ich nicht umhin, Ihnen in Erinnerung unserer früheren Freundschaft, jedes irdische Glück zu wünschen.

Mit aufrichtiger Hochachtung verbleibe ich

Ihr ergebenster Diener

Fjodor Kister.«

Fjodor Fjodorowitsch schickte diesen Brief an die Adresse, zog sich um und ließ den Wagen anspannen. Lustig und sorglos ging er singend in seinem kleinen Zimmer auf und ab, hüpfte sogar zweimal in die Höhe, rollte ein Liederheft zusammen und band ein blaues Bändchen darum ... Die Tür ging auf, und herein trat Lutschkow im Waffenrock ohne Epauletten, mit der Mütze auf dem Kopf. Kister blieb erstaunt mitten im Zimmer stehen; er hatte die Schleife noch nicht fertig gebunden.

»Sie heiraten die Perekatowa?« fragte Awdej in ruhigem Ton. – Kister fuhr auf.

»Mein Herr«, begann er, »wenn anständige Menschen in ein Zimmer treten, nehmen sie die Mütze ab und sagen guten Tag.«

»Entschuldigen Sie«, versetzte der Kampfhahn kurz und zog die Mütze. »Guten Tag.«

»Guten Tag, Herr Lutschkow. Sie fragen mich, ob ich Fräulein Perekatowa heirate? Haben Sie denn meinen Brief nicht gelesen?« – »Ja, ich habe Ihren Brief gelesen. Sie heiraten. Ich gratuliere.«

»Ich nehme Ihre Gratulation an und danke Ihnen. Doch ich muß jetzt fort.«

»Ich möchte mich mit Ihnen auseinandersetzen, Fjodor Fjodorowitsch.«

»Bitte sehr, mit Vergnügen«, antwortete der Gute. »Ich habe, offen gestanden, eine solche Auseinandersetzung erwartet. Ihr Benehmen mir gegenüber ist so sonderbar, und ich habe es, wie ich glaube, gar nicht verdient ... jedenfalls durfte ich es nicht erwarten ... Wollen Sie aber nicht Platz nehmen? Darf ich Ihnen eine Pfeife anbieten?«

Lutschkow setzte sich. Seine Bewegungen waren müde. Er bewegte den Schnurrbart und hob die Brauen.

»Sagen Sie mal, Fjodor Fjodorowitsch«, begann er endlich: »Warum haben Sie sich mir gegenüber so lange verstellt?«

»Wieso?«

»Warum spielten Sie so ein ... makelloses Wesen, während Sie doch genauso ein Mensch sind wie wir arme Sünder?«

»Ich verstehe Sie nicht ... Habe ich Sie vielleicht irgendwie verletzt?«

»Sie verstehen mich nicht, nehme ich an. Ich will mich bemühen, deutlicher zu sprechen. Sagen Sie mir zum Beispiel aufrichtig: Haben Sie schon seit langem eine Neigung für Fräulein Perekatowa gefaßt, oder ist es ein plötzlicher Ausbruch von Leidenschaft?«

»Awdej Iwanowitsch, ich habe keine Lust, mit Ihnen über mein Verhältnis zu Fräulein Perekatowa zu sprechen«, entgegnete Kister kühl.

»So. Ganz wie es Ihnen beliebt. Tun Sie mir aber den Gefallen und gestatten Sie mir zu glauben, daß Sie mich zum Narren gehalten haben.«

Awdej sprach sehr langsam und betonte jedes Wort.

»Das dürfen Sie nicht glauben, Awdej Iwanowitsch. Sie kennen mich ja.«

»Ich kenne Sie? Wer kennt Sie überhaupt? Eine fremde Seele ist wie ein finsterer Wald, ich will aber genau wissen, woran ich bin. Ich weiß, daß Sie deutsche Verse mit großem Gefühl und sogar mit Tränen in den Augen vorlesen; ich weiß, daß Sie an den Wänden Ihrer Wohnung verschiedene Landkarten hängen haben; ich weiß, daß Sie Ihre Person reinlich halten; das weiß ich ... sonst weiß ich aber nichts.«

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