Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
Len Cannon, Sexton, Kyle und Bryce kamen dabei nämlich auf die Vermutung, der Aviso könnte von Dunedin abgesendet sein, sie zu verfolgen, weil die Polizei, die doch von ihrer Einschiffung auf der Brigg und ihrer Abfahrt mit dieser Wind bekommen haben mochte, sie vielleicht abzufangen suchte. Freilich eine grundlose, übertriebene Befürchtung. Da erschien es doch viel einfacher, telegraphisch den Befehl abzusenden, sie beim Eintreffen in Wellington zu verhaften. Man benutzt auch kein Fahrzeug der Flotte, sich einiger Polterer von Matrosen zu bemächtigen, zumal wenn man sie im nächsten Hafen leicht dingfest machen kann.
Len Cannon und seine Kameraden sollten sich jedoch bald beruhigt sehen. Der Aviso zeigte kein Signal, mit der Brigg in Verbindung zu treten, und setzte auch kein Boot aufs Meer.
Dem »James-Cook« stand also keine Durchsuchung bevor, und die Teerjacken aus den »Three-Magpies« konnten an Bord ruhig sein.
Wenn damit auch jede Besorgnis nach dieser Seite geschwunden war, so bewahrten der Bootsmann und Vin Mod doch ihren Ingrimm wie vorher. In dieser Nacht war nichts auszurichten und am nächsten Tage lag ja die Brigg in Wellington vor Anker. Sich auf den Kapitän Gibson und die drei Matrosen zu stürzen, das wäre ohne Lärmen nicht abgegangen. Diese würden doch Widerstand geleistet, sich gewehrt und würden um Hilfe gerufen haben, was auf dem höchstens zwei bis drei Kabellängen entfernten Aviso gehört werden mußte. Die Meuterei konnte unter diesen Verhältnissen keinen Erfolg versprechen. Sie wäre durch das englische Schiff, das mit wenigen Schraubenschlägen neben der Brigg gelegen hätte, sofort unterdrückt worden.
»Tod und Teufel, fluchte Vin Mod halb für sich, da ist nichts zu machen! Wir liefen doch nur Gefahr, in der nächsten Stunde an der großen Raa des verwünschten Dampfers zu baumeln!
- Und morgen, setzte Flig Balt hinzu, werden der Reeder und Nat Gibson mit an Bord sein!«
Ein einziger Ausweg wäre der gewesen, sich von dem Aviso zu entfernen, und vielleicht hätte der Bootsmann das versucht, wenn der Kapitän nicht, statt seine Kabine aufzusuchen, den größten Teil der Nacht auf dem Deck geblieben wäre. So war es unmöglich, nach der offenen See hin zu wenden. auf die Absicht, sich der Brigg jetzt zu bemächtigen, mußte man also verzichten.
Zu früher Stunde wurde es schon wieder hell. Der »JamesCook« war gegenüber Blenheim vorbeigekommen, das an der Küste von Tawai-Pounamou, an der Westseite der Meerenge liegt; dann hatte er sich der Nicholsonspitze am Eingange der
Bucht von Wellington genähert. Um sieben Uhr des Morgens lief er endlich, gleichzeitig mit dem Aviso, in diese Bucht ein und ging in der Mitte des Hafens vor Anker.
Viertes Kapitel.
In Wellington
Die Stadt Wellington ist an der Südwestspitze der Nordinsel im Hintergrunde einer hufeisenförmigen Bucht erbaut. Sehr geschützt gegen die Winde vom offenen Meere her, bietet sie einen vortrefflichen Ankerplatz. Die Brigg war von der Witterung begünstigt gewesen, das ist aber nicht immer der Fall. Meist ist die Schiffahrt durch die Cookstraße mit ernsten Schwierigkeiten verbunden, denn hier laufen zu Zeiten Strömungen mit der Geschwindigkeit von zehn Knoten, obwohl der Wasserstand im Stillen Ozean bei Ebbe und Flut nur wenig verschieden ist. Der Seefahrer Tasman, dem man die Entdeckung Neuseelands - im Dezember 1642 - verdankt, hatte hier große Gefahren zu bestehen, teils wegen einer immer drohenden Strandung und teils wegen etwaiger Überfälle der Eingebornen. Daher der Name der »Bai des Massacres«, der unter den geographischen Bezeichnungen der Meerenge noch fortlebt. Der holländische Seefahrer verlor hier vier seiner Leute, die von den Kannibalen des Uferlandes sofort verzehrt wurden, und hundert Jahre später mußte der britische Seefahrer James Cook die Besatzung eines der Boote seines von Kapitän Furneaux befehligten Begleitschiffes in den Händen dieser Wilden zurücklassen. Endlich fand hier, zwei Jahre darauf, der französische Seefahrer Marion du Frene mit sechzehn seiner Leute den Tod durch einen Überfall, der mit der scheußlichsten Schlächterei endigte.
Im März 1840 läuft dann Dumont d'Urville mit der »Astrolabe« und der »Zelee« die Bai von Otago an der Südinsel an und besucht auch die Snaresinseln nebst der Stewartinsel an der Südspitze von Tawai-Pounamou. Dann verweilt er eine Zeitlang im Hafen von Akaroa, ohne über seinen Verkehr mit den Eingebornen zu klagen zu haben. Das Andenken an den Aufenthalt dieses berühmten Seefahrers wird durch die Insel, die seinen Namen erhielt, gesichert. Nur von Pinguinvölkern und Albatrosschwärmen bewohnt, ist sie vom Südende des Hauptlandes durch den »Frenchpaß« getrennt, worin ein so schwerer Seegang herrscht, daß sich die Schiffe beim Verlassen der Meerenge nicht gern hineinwagen.
Jetzt, wo über Neuseeland die britische Flagge weht, ist die allgemeine Sicherheit - wenigstens soweit hierbei die Maoris in Betracht kommen - hier überall gewährleistet. Die früher von der wilden Bevölkerung drohenden Gefahren sind vollständig beseitigt. Nur die, die das Meer bietet, bestehen noch fort, doch auch in vermindertem Maße, dank den sorgsamen hydrographischen Arbeiten und der Errichtung des sehr hohen Leuchtturmes auf einem einzeln aufragenden Felsen vor der Nicholsonbucht, in deren Hintergrunde sich Wellington ausbreitet.
Es war im Januar 1849, als die New-Zealand Land Company die »Aurora« absendete, die diesem entlegenen Lande die ersten Ansiedler zuführte.
Die Bevölkerung beider Inseln beträgt jetzt nicht weniger als achthunderttausend Seelen, wovon auf Wellington, die Hauptstadt der Kolonie, allein dreißigtausend kommen.
Die schön gelegene und regelmäßig erbaute Stadt hat breite, gut unterhaltene Straßen. Die meisten Häuser bestehen freilich nur aus Holz, aus Furcht vor den in der Südprovinz ziemlich häufigen Erdbeben, sogar die öffentlichen Gebäude, wie der in einem hübschen Parke gelegene Palast des Gouverneurs, und auch die Kathedrale, die ihr religiöser Charakter doch nicht gegen solche Naturereignisse schützt. Ist Wellington jetzt auch unbedeutender und dessen Industrie und Handel geringfügiger als in zwei oder drei anderen blühenden Städten Neuseelands, so wird es diese unter dem Einfluß der kolonisatorischen Geschicklichkeit Großbritanniens doch später noch sicherlich einholen. Mit seiner Universität, der gesetzgebenden Versammlung, die aus vierundfünfzig Mitgliedern - darunter vier vom Gouverneur dazu ernannten Maoris - besteht, mit der aus allgemeinem Wahlrecht hervorgegangenen Volksvertretung, seinen höheren und mittleren Schulen, seinem Museum, den stark beschäftigten Anstalten zur Herstellung gefrorenen Fleisches für die Ausfuhr, seinem Mustergefängnisse und den öffentlichen Plätzen und Parkanlagen, wo die Elektrizität schon das Gas zu verdrängen anfängt, erfreut sich Wellington doch schon heute mancher Vorzüge und Annehmlichkeiten, um die es so manche Stadt in der Alten wie in der Neuen Welt beneiden könnte.
Der »James-Cook« hatte sich nicht unmittelbar an den Kai angelegt, weil der Kapitän das Entweichen seiner Leute zu erschweren hoffte. Das Goldfieber wütete in Wellington nämlich nicht minder heftig als in Dunedin und den übrigen neuseeländischen Hafenplätzen. Auch hier sahen sich mehrere Schiffe dadurch am Auslaufen gehindert. Gibson mußte also vor allem darauf bedacht sein, seine Mannschaft vollzählig zu erhalten, und darunter sogar die Neuangeworbenen aus den »Three-Magpies«, obwohl er diese gern gegen andere ausgewechselt hätte. Übrigens sollte sein Aufenthalt in Wellington nur sehr kurze Zeit, höchstens vierundzwanzig Stunden dauern.