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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Dann begriff ich, dass der Wind in unsere Richtung wehen musste, denn er trug ja ihre Stimmen zu uns. Nein, selbst Hunde würden uns nicht riechen. Doch würden sie die Zweige sehen, die unsere Höhle einrahmten? Gerade als ich mich das fragte, rutschte ein großer Klumpen Schnee rauschend herunter und landete mit einem leisen Plumpsen auf der Außenseite.

Jamie atmete scharf ein, und ich beugte mich über seine Schulter und starrte hinaus. Der letzte Mann war zwischen den Bäumen hervorgekommen. Er trug ein kurzes Cape aus Bärenfell über seiner Kutte, Lederleggings und Mokassins darunter – doch er trug einen schwarzen Rock, den er zum Wandern im Schnee hochgeschürzt hatte, und einen breitkrempigen schwarzen Priesterhut, den er mit einer Hand festhielt, damit er nicht fortgeweht wurde. Als ich sein Gesicht zu sehen bekam, war es mit einem blonden Bart bedeckt, und seine Haut war so hell, dass ich sogar aus dieser Entfernung erkennen konnte, wie rot Wangen und Nase waren.

»Ruf sie!«, flüsterte ich, über Jamies Ohr gebeugt. »Sie sind Christen, ganz bestimmt, sonst hätten sie keinen Priester dabei. Sie werden uns nichts tun.«

Er schüttelte langsam den Kopf, ohne die Kolonne aus den Augen zu lassen, die jetzt hinter einer schneebedeckten Felsformation verschwand.

»Nein«, sagte er halb unterdrückt. »Nein. Sie sind vielleicht Christen, aber …« Er schüttelte noch einmal den Kopf, diesmal noch entschiedener. »Nein.«

Es hatte keinen Zweck, mit ihm zu diskutieren. Ich verdrehte die Augen in einer Mischung aus Frustration und Resignation.

»Wie geht’s deinem Rücken?«

Er streckte sich vorsichtig und hielt mitten in der Bewegung mit einem unterdrückten Aufschrei inne, als hätte man ihn aufgespießt.

»Nicht so gut, hm?«, sagte ich, und mein Mitleid war mit reichlich Sarkasmus versetzt. Er warf mir einen finsteren Blick zu, ließ sich ganz langsam auf sein Bett aus zerdrücktem Laub zurücksinken und schloss seufzend die Augen.

»Du hast dir natürlich schon eine geniale Lösung ausgedacht, wie wir von diesem Berg herunterkommen, nehme ich an, oder?«, sagte ich höflich.

Er öffnete die Augen.

»Nein«, sagte er und schloss sie wieder. Er atmete ruhig, und seine Brust hob und senkte sich sanft unter dem fransenbesetzten Jagdhemd, so dass er ganz den Eindruck eines Mannes machte, dessen einzige Sorge seiner Frisur galt.

Es war ein kalter, heller Tag, und die Sonne sandte glitzernde Lichtfinger in unser ehemaliges Versteck und ließ überall um uns herum Schneekleckse wie kleine Bonbons fallen. Ich las einen davon auf und goss ihn sanft in Jamies Hemdkragen.

Er atmete mit einem scharfen Zischen durch die Zähne ein, öffnete die Augen und betrachtete mich kalt.

»Ich habe gerade nachgedacht«, informierte er mich.

»Oh. Dann entschuldige bitte die Unterbrechung.« Ich ließ mich neben ihm nieder und zog die ineinander verwickelten Umhänge über uns. Der Wind begann, durch die Löcher in unserem Unterschlupf zu pfeifen, und mir dämmerte, dass er völlig recht gehabt hatte, was die schützende Wirkung des Schnees betraf. Nur glaubte ich nicht, dass es heute Nacht schneien würde.

Dann mussten wir uns über das kleine Problem der Verpflegung Gedanken machen. Mein Magen gab schon seit einiger Zeit unterdrückte Protestlaute von sich, und Jamies äußerte jetzt seine Einwände wesentlich lauter. Er blinzelte den Übeltäter von oben herab missbilligend an.

»Ruhe«, sagte er tadelnd auf Gälisch und verdrehte die Augen himmelwärts. Schließlich seufzte er und sah mich an.

»Also gut«, sagte er. »Am besten wartest du ein bisschen, um sicherzugehen, dass diese Wilden wirklich weg sind. Dann gehst du zur Blockhütte …«

»Ich weiß nicht, wo sie ist.«

Er gab einen leisen Unmutslaut von sich.

»Wie hast du mich dann gefunden?«

»Spuren gelesen«, sagte ich nicht ohne Stolz. Ich warf durch die Nadeln einen Blick auf die stürmische Wildnis. »Ich glaube aber nicht, dass ich es umgekehrt auch kann.«

»Oh.« Er sah einigermaßen beeindruckt aus. »Tja, das war sehr umsichtig von dir, Sassenach. Aber mach dir keine Sorgen, ich kann dir sagen, wie du den Rückweg findest.«

»Gut. Und was dann?«

Er zuckte mit einer Schulter. Das Schneeklümpchen war inzwischen geschmolzen. Das Wasser lief ihm über die Brust, wobei es sein Hemd durchfeuchtete; in der Mulde an seinem Hals blieb ein kleines Tröpfchen zurück.

»Bring mir etwas zu essen und eine Decke. In ein paar Tagen müsste ich mich bewegen können.«

»Dich hierlassen?« Ich sah ihn erbost an; zur Abwechslung war ich jetzt missmutig.

»Mir passiert schon nichts«, sagte er milde.

»Dich fressen die Wölfe!«

»Ach, das glaube ich nicht«, meinte er beiläufig. »Die haben wahrscheinlich genug mit dem Elch zu tun.«

»Welchem Elch?«

Er deutete auf den Tannenhain.

»Den ich gestern angeschossen habe. Ich habe ihn am Hals erwischt, aber der Schuss hat ihn nicht sofort umgebracht. Er ist da durchgerannt. Ich war hinter ihm her, als ich mich verletzt habe.« Er rieb sich mit der Hand über die Kupfer- und Silberstoppeln an seinem Kinn.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass er weit gekommen ist. Der Schnee muss den Kadaver zugedeckt haben, sonst hätten unsere lieben Freunde ihn gesehen, da sie aus dieser Richtung kamen.«

»Du hast also einen Elch geschossen, der jetzt die Wölfe anlocken wird wie die Fliegen, und du schlägst vor, hier in der Eiseskälte liegen zu bleiben und auf sie zu warten? Du meinst wohl, wenn sie zurückkommen, um sich den zweiten Gang zu holen, bist du schon so taub gefroren, dass du es nicht mehr merkst, wenn sie anfangen, an deinen Füßen zu kauen?«

»Schrei nicht so«, sagte er. »Die Wilden sind vielleicht noch nicht so weit weg.«

Ich holte Luft, um weitere Bemerkungen zum Thema loszulassen, als er mich bremste und mir seine Hand liebkosend auf die Wange legte.

»Claire«, sagte er sanft. »Du kannst mich nicht von der Stelle bewegen. Wir können nichts anderes tun.«

»Doch«, sagte ich und unterdrückte das Zittern meiner Stimme. »Ich bleibe bei dir. Ich bringe dir Decken und etwas zu essen, aber ich lasse dich hier oben nicht allein. Ich bringe Holz mit, und wir machen ein Feuer.«

»Das ist nicht nötig. Ich komme schon zurecht«, beharrte er.

»Aber ich nicht«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen. Ich konnte mich nur zu gut daran erinnern, wie es während dieser leeren, erdrückenden Stunden in der Blockhütte gewesen war, als ich auf ihn gewartet hatte. Mir tagelang im Schnee den Hintern abzufrieren, war nicht gerade eine angenehme Aussicht, doch es war besser als die Alternative.

Er sah, dass es mir ernst war, und lächelte.

»Na gut. Am besten bringst du auch Whisky mit, wenn wir noch welchen haben.«

»Wir haben noch eine halbe Flasche«, sagte ich, und mir ging es schon besser. »Ich bringe ihn mit.«

Er legte den Arm um mich und zog mich in die Beuge seiner Schulter. Trotz des Windes, der draußen heulte, war es unter den Umhängen tatsächlich einigermaßen gemütlich, wenn ich mich eng an ihn kuschelte. Seine Haut roch warm und ein bisschen salzig, und ich konnte dem Drang nicht widerstehen, den Kopf zu heben und meine Lippen auf die feuchte Mulde an seiner Kehle zu drücken.

»Aah«, sagte er schaudernd. »Tu das nicht!«

»Magst du es nicht?«

»Nein, ich mag es nicht. Wie sollte ich auch? Mir zieht sich alles zusammen.«

»Also, ich mag es«, protestierte ich.

Er sah mich erstaunt an.

»Wirklich?«

»O ja«, versicherte ich ihm. »Ich liebe es, wenn du an meinem Hals knabberst.«

Er blinzelte mich zweifelnd an. Dann streckte er die Hand aus, nahm mich vorsichtig am Ohr und zog meinen Kopf herunter, wobei er mein Gesicht zur Seite wandte. Er ließ seine Zunge leicht über meine Kehle schnellen, hob dann den Kopf und senkte die Zähne ganz sanft in die weiche Haut an der Seite meines Halses.

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