Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Mr. Staines hat andere Erinnerungen«, bemerkte Lynley.
»Wieso?«
»Er sprach von Schlägen.«
Richard prustete geringschätzig. »Ach ja? Und wahrscheinlich hat er behauptet, er allein hätte die Prügel auf sich genommen, um die anderen zu schonen. Dann hätten Eugenie und Doug erst recht Anlass gehabt, sich in der Pflicht zu fühlen, wenn er sie um Geld anging.«
»Vielleicht hatte er etwas gegen sie in der Hand«, meinte Lynley. »Gegen seine Geschwister. Was ist aus dem Vater geworden?«
»Worauf wollen Sie hinaus?«
»Auf die Frage, welche Sünden Mrs. Davies Major Wiley beichten wollte.«
Richard schwieg. Jill sah das rasche Pochen in seiner Schläfe. Schließlich sagte er: »Ich hatte meine Frau seit beinahe zwanzig Jahren nicht gesehen, Inspector. Woher soll ich wissen, was sie ihrem Geliebten erzählen wollte.«
Meine Frau. Die Worte trafen Jill wie ein Messerstich mitten ins Herz. Blind griff sie zum Deckel des Laptop, klappte ihn zu und verschloss ihn mit mehr Sorgfalt als notwendig.
Der Inspector sagte: »Hat sie übrigens diesen Mann - Major Wiley - irgendwann im Lauf Ihrer Gespräche einmal erwähnt, Mr. Davies?«
»Wir haben immer nur von Gideon gesprochen.«
»Sie wissen also nicht von etwas, das sie innerlich stark beschäftigt haben könnte?«, bohrte der Inspector weiter.
»Herrgott noch mal, ich wusste ja nicht mal, dass sie einen Mann hatte, Inspector«, erwiderte Richard ungeduldig. »Woher soll ich da wissen, was sie mit ihm zu besprechen hatte?«
Jill suchte die Gefühle hinter seinen Worten; versuchte angesichts seiner Reaktion - und der Emotionen, die sie ausgelöst hatten - und seines Verweises auf Eugenie als seine Frau zu erkennen, was für Fossilien an Emotionen vielleicht noch da waren. Sie hatte sich am Morgen die Daily Mail besorgt und die Zeitung begierig nach einem Foto von Eugenie Davies durchgeblättert. Sie wusste jetzt, dass sie es an Schönheit nicht mit ihrer Vorgängerin aufnehmen konnte, und sie hätte den Mann, den sie liebte, gern gefragt, ob er dieser Schönheit nachtrauerte. Denn sie war nicht bereit, Richard mit einer toten Nebenbuhlerin zu teilen. Sie wollte alles oder nichts, und wenn sie nicht alles bekommen konnte, dann wollte sie das wenigstens wissen, um ihre Pläne danach zu richten.
Aber wie danach fragen? Wie das Thema zur Sprache bringen?
Der Inspector sagte: »Sie hat es vielleicht nicht direkt als etwas bezeichnet, worüber sie mit Major Wiley sprechen wollte.«
»Dann hätte ich es sowieso nicht erkannt, Inspector. Ich bin kein Gedankenleser -« Richard brach plötzlich ab. Er stand auf, und einen Moment glaubte Jill, er würde in seinem Zorn darüber, hier über seine frühere Frau sprechen zu müssen, den Polizeibeamten auffordern zu gehen. Aber er sagte stattdessen: »Was ist mit dieser Wolff? Vielleicht war Eugenie ihretwegen in Sorge. Sie hatte doch sicher auch den Brief mit der Nachricht von ihrer Entlassung bekommen. Vielleicht hatte sie Angst, denn sie hatte damals beim Prozess ausgesagt. Sie hat vielleicht gefürchtet, die Wolff könnte es auf sie abgesehen haben. Halten Sie das für möglich?«
»Gesagt hat sie das nicht zu Ihnen?«
»Nein. Aber zu diesem Wiley vielleicht. Er war ja zur Stelle, ich meine, in Henley. Wenn Eugenie Schutz gesucht hat - oder vielleicht nur eine gewisse Sicherheit, das Gefühl, dass jemand für sie da ist -, dann hätte sie das doch bei ihm gesucht. Nicht bei mir. Und wenn es so war, hätte sie ihm zuerst einmal erklären müssen, wovor sie sich fürchtete und warum.«
Der Inspector nickte mit nachdenklicher Miene. »Das ist möglich«, meinte er. »Major Wiley war nicht in England, als Ihre Tochter ermordet wurde. Das hat er uns gesagt.«
»Und wissen Sie, wo sie sich aufhält?«, fragte Richard. »Die Wolff.«
»Ja. Wir haben sie ausfindig gemacht.« Der Inspector klappte sein elegantes Büchlein zu und stand nun ebenfalls auf und dankte ihnen für ihr Entgegenkommen.
Richard sagte hastig, als wünschte er plötzlich, der Mann würde nicht gehen und sie allein lassen: »Vielleicht war sie ganz versessen darauf, sich zu rächen, Inspector.«
Lynley steckte das Büchlein ein. »Haben Sie auch gegen sie ausgesagt, Mr. Davies?«
»Ja. Die meisten von uns.«
»Dann sollten Sie vorsichtig sein, bis wir diese Geschichte geklärt haben.«
Jill sah, wie Richard schluckte. »Natürlich«, antwortete er. »Natürlich.«
Der Inspector nickte ihnen beiden kurz zu, dann ging er.
Jill hatte plötzlich Angst. »Richard!«, sagte sie. »Du glaubst doch nicht… Was ist, wenn diese Frau sie umgebracht hat? Wenn es ihr gelungen ist, Eugenie zu finden, ist damit zu rechnen, dass sie auch - du bist vielleicht auch in Gefahr, Richard…«
»Ist ja gut, Jill. Reg dich nicht auf.«
»Wie kannst du das sagen? Gerade jetzt, wo Eugenie tot ist?«
Richard trat zu ihr. »Bitte, reg dich nicht auf. Es wird nichts passieren.«
»Aber du musst vorsichtig sein. Du musst aufpassen - versprich mir das.«
»Ja. Gut. Ich verspreche es.« Er berührte sanft ihre Wange.
»Guter Gott. Du bist ja kreidebleich. Hast du ernsthaft Angst?«
»Natürlich habe ich Angst. Er hat praktisch gesagt -«
»Nicht! Das reicht jetzt. Komm, ich bringe dich nach Hause.«
Er half ihr auf und blieb bei ihr, während sie sich fertig machte.
»Du hast ihm die Unwahrheit gesagt, Jill«, bemerkte er. »Zumindest teilweise. Ich habe den Mund gehalten, aber jetzt möchte ich dich doch korrigieren.«
Jill schob ihren Laptop in die Tasche und sah Richard fragend an, während sie den Reißverschluss zuzog. »Was meinst du?«
»Du hast gesagt, ich hätte Gideon mein Leben geopfert.«
»Ach so.«
»Genau. Das war einmal zutreffend: vor einem Jahr noch. Aber heute trifft es nicht mehr zu. Natürlich wird er mir immer wichtig sein. Wie könnte es anders sein? Er ist mein Sohn. Aber er ist nicht mehr wie in den letzten zwanzig Jahren der Mittelpunkt meines Lebens, Jill. Mein Leben ist weiter geworden, durch dich.«
Er hielt ihr den Mantel. Sie schob ihre Arme hinein und drehte sich zu ihm herum. »Du bist doch glücklich, nicht?«, sagte sie.
»Über uns, über das Kind?«
»Glücklich?« Er legte eine Hand auf ihren Leib. »Ich fühle mich dir und unserer kleinen Cara unglaublich nahe.«
»Das macht mich froh«, sagte Jill und hob ihren Mund dem seinen entgegen, öffnete ihre Lippen, fühlte die Berührung seiner Zunge und verspürte die Hitze ihres erwachenden Verlangens.
Catherine, dachte sie. Sie heißt Catherine. Doch sie küsste ihn voll Sehnsucht und Begierde und war beinahe verlegen: Sie war im neunten Monat schwanger, schwerfällig wie eine Elefantin und begehrte ihn immer noch. Und plötzlich überkam sie ein solches Verlangen nach ihm, dass die Hitze in ihr umschlug in schmerzliche Sehnsucht.
»Schlaf mit mir«, flüsterte sie, Mund an Mund mit ihm.
»Hier?«, fragte er. »In meinem wackligen alten Bett?«
»Nein. Bei mir. In Shepherd's Bush. Komm, fahren wir. Schlaf mit mir, Darling.«
»Hm.« Seine Finger suchten ihre Brüste. Er drückte sie liebkosend. Sie seufzte. Er drückte stärker, und Feuer schoss in ihren Schoß.
»Bitte«, murmelte sie. »Richard.«
Er lachte leise. »Willst du das wirklich?«
»Ich vergehe vor Sehnsucht nach dir.«
»Das können wir natürlich nicht zulassen.« Er ließ sie los, legte seine Hände auf ihre Schultern und betrachtete sie prüfend.
»Aber du siehst todmüde aus.«
Jill war enttäuscht. »Richard -«