Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Nie sollst Du vergessen - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Nie sollst Du vergessen

Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:

In einer regnerischen Nacht wird Eugenie Davies in London von einem Autofahrer getötet. Ein Unfall ist definitiv auszuschließen: Die Frau wurde frontal angefahren und danach mehrmals absichtlich mit dem Wagen überrollt. Doch was hatte Eugenie Davies so spät am Abend überhaupt in der Stadt zu suchen? Und warum trug sie einen Zettel mit dem Namen genau des Mannes bei sich, der später ihre Leiche findet? Für Inspector Thomas Lynley, in dessen Privatleben sich zur selben Zeit dramatische Veränderungen ankündigen, sind diese Fragen nur der Auftakt zu Ermittlungen, in deren Verlauf er auf einem gefährlich schmalen Grat zwischen persönlicher Loyalität und beruflicher Ehre wandert. Denn schon bald stellen Lynley und Sergeant Barbara Havers betroffen fest, dass ihr Chef Superintendent Webberly, der mehr über Eugenie Davies zu wissen scheint, als er preisgibt, versucht, sie bei der Auswertung von Erkenntnissen zu behindern. Für Lynley und Havers steht ihre berufliche Laufbahn auf dem Spiel, doch sie sind schon viel zu tief in den Fall eingedrungen, um sich noch zurückziehen zu können. Denn die Familie Davies nährt einen tödlichen Kreislauf aus Versagen, Wut und Gewalt, der immer weitere Opfer fordert…
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
1 ... 115 116 117 118 119 120 121 122 123 ... 234
Перейти на страницу:

»Wie alt waren Sie, als Ihre Eltern sich scheiden ließen, Mr. Davies?«, fragte Lynley.

»Als sie sich scheiden ließen?« Davies musste nachdenken. »Ich war acht oder neun, als meine Mutter die Familie verließ, aber die Scheidung kam erst später. Sie hätten sich nach den damaligen Gesetzen gar nicht sofort scheiden lassen können. Es wird also wohl - tja, wie lange? vier Jahre? - gedauert haben. Ich weiß es tatsächlich nicht, Inspector, das fällt mir jetzt erst auf. Aber über das Thema wurde bei uns nie gesprochen.«

»Welches Thema meinen Sie? Die Scheidung oder die Tatsache, dass Ihre Mutter gegangen war?«

»Beides. Eines Tages war sie einfach weg.«

»Und Sie haben nie gefragt, warum?«

»In unserer Familie wurde nie viel über persönliche Dinge gesprochen. Es gab allgemein - nun ja, einen hohen Grad der Zurückhaltung, könnte man vielleicht sagen. Wir waren ja nicht allein im Haus. Mit uns zusammen lebten meine Großeltern, meine Lehrerin und ein Untermieter. Das waren viele Leute. Ich vermute, es war ein Mittel, um sich abzugrenzen - man ließ jedem ein Privatleben, über das von keinem anderen gesprochen wurde. Jeder behielt seine Gedanken und Gefühle weitgehend für sich. Nun ja, das war damals sowieso der Stil.«

»Und in der Zeit nach dem Tod Ihrer Schwester?«

Davies, der Lynley bis dahin offen angesehen hatte, wandte seinen Blick ab und starrte ins Feuer. »Was meinen Sie?«

»Als Ihre Schwester ermordet wurde, hat da auch jeder seine Gedanken und Gefühle weitgehend für sich behalten? Und während des nachfolgenden Prozesses?«

Davies schloss wie in Abwehr der Fragen die Beine noch fester.

»Über das alles wurde nie gesprochen. Man könnte sagen, das Motto unserer Familie lautete: Vergessen wir's, und wir haben nach diesem Motto gelebt, Inspector.« Er hob den Kopf und richtete den Blick auf die Wand. »Mein Gott«, sagte er und schluckte.

»Ich vermute, genau aus diesem Grund ist meine Mutter gegangen. Weil nie jemand über die Dinge gesprochen hat, die in diesem Haus dringend hätten besprochen werden müssen. Damit ist sie am Ende einfach nicht mehr fertig geworden.«

»Wann haben Sie Ihre Mutter zum letzten Mal gesehen, Mr. Davies?«

»Damals.«

»Als Sie neun Jahre alt waren?«

»Mein Vater und ich gingen auf Konzertreise nach Österreich. Als wir zurückkamen, war sie fort.«

»Und Sie haben seitdem nichts von ihr gehört?«

»Nein, ich habe seitdem nichts von ihr gehört.«

»Sie hat nicht in den letzten Monaten irgendwann mit Ihnen Verbindung aufgenommen?«

»Nein. Warum?«

»Ihr Onkel sagte, sie hätte vorgehabt, Sie aufzusuchen. Sie hätte vorgehabt, sie um ein Darlehen zu bitten. Er behauptet, sie hätte ihm dann gesagt, es wäre etwas dazwischengekommen, sodass es ihr nicht möglich gewesen sei, Sie um Geld zu bitten. Ich wüsste gern, ob Sie eine Ahnung haben, was dazwischengekommen ist.«

Davies' Gesicht verschloss sich bei diesen Worten. Es war, als hätte sich ein dünner eiserner Schild vor seinen Augen herabgesenkt. »Ich habe - nun ja, sagen wir, ich hatte in letzter Zeit gewisse Schwierigkeiten mit meinem Spiel.« Er überließ es Lynley, das Weitere zu folgern: Einer Mutter, die sich um das Wohlbefinden ihres Sohnes sorgte, würde es kaum einfallen, diesen um Geld anzugehen, sei es im eigenen oder im Namen ihres nichtsnutzigen Bruders.

Das stand keineswegs im Widerspruch zu dem, was Lynley von Richard Davies gehört hatte: dass seine geschiedene Frau ihn angerufen hatte, um Näheres über das Befinden ihres gemeinsamen Sohnes zu erfahren. Aber der zeitliche Ablauf gab zu denken, wenn man glauben wollte, der Gesundheitszustand des Musikers sei der Grund dafür gewesen, dass seine Mutter ihre Bitte um ein Darlehen nicht vorgebracht hatte. Da klaffte eine Lücke von mehreren Monaten. Die traumatische Geschichte in der Wigmore Hall war im Juli geschehen. Inzwischen schrieb man November. Und wenn man Ian Staines folgte, war der Sinneswandel seiner Schwester bezüglich des Plans, ihren Sohn um Geld zu bitten, erst kürzlich eingetreten, in der jüngsten Vergangenheit. Es war nur eine kleine Ungereimtheit, aber sie durfte nicht übersehen werden.

»Ihr Vater sagte mir, dass sie ihn regelmäßig angerufen hat, um sich nach Ihnen zu erkundigen. Sie wüsste also offenbar von Ihren Schwierigkeiten«, meinte Lynley zustimmend. »Aber er erwähnte nichts davon, dass sie den Wunsch äußerte, Sie zu sehen. Sie hat sich nicht direkt mit Ihnen in Verbindung gesetzt?«

»Ich denke, dass ich mich daran erinnern würde, wenn meine Mutter mit mir Verbindung aufgenommen hätte, Inspector. Sie hat es nicht getan, und es wäre auch gar nicht möglich gewesen. Meine Telefonnummer ist nicht eingetragen. Sie hätte mich also höchstens über meinen Agenten oder meinen Vater erreichen können, oder indem sie mir bei einem Konzert eine Nachricht ins Künstlerzimmer schickte.«

»Und das hat sie nicht getan?«

»Nein, das hat sie nicht getan.«

»Und sie hat Ihnen auch nicht über Ihren Vater eine Nachricht zukommen lassen?«

»Nein«, antwortete Davies. »Vielleicht lügt also mein Onkel, wenn er behauptet, meine Mutter hätte vorgehabt, mit mir Verbindung aufzunehmen und mich um Geld zu bitten. Oder vielleicht hat auch meine Mutter meinen Onkel belogen, als sie sagte, sie würde mich um Geld bitten. Oder vielleicht hat mein Vater ihre Anrufe bei ihm erfunden. Aber das ist höchst unwahrscheinlich«, erklärte er mit großer Bestimmtheit.

»Warum halten Sie das für so unwahrscheinlich?«

»Weil mein Vater selbst ein Zusammentreffen zwischen meiner Mutter und mir wünschte. Er dachte, sie könnte mir helfen.«

»Wobei?«

»Meine Schwierigkeiten zu überwinden. Er dachte, sie könnte -« An dieser Stelle richtete Davies den Blick wieder ins Feuer. Er hatte alle Sicherheit, die er einen Moment zuvor noch gezeigt hatte, verloren. Seine Beine zitterten. Den Blick unverwandt in die Flammen gerichtet, sagte er: »Aber ich glaube nicht, dass sie mir hätte helfen können. Ich glaube nicht, dass mir überhaupt geholfen werden kann. Trotzdem war ich bereit, es zu versuchen. Vor ihrem Tod. Ich war bereit, alles zu versuchen.«

Ein Künstler, dachte Lynley, den eine tiefe Angst an der Ausübung seiner Kunst hinderte. Er hatte vermutlich nach einer Art Talisman gesucht. Er hatte glauben wollen, dass seine Mutter die Zauberkraft besaß, die ihm helfen würde, wieder zu seinem Instrument zu finden. Um sich zu vergewissern, sagte Lynley: »Wie, Mr. Davies?«

»Bitte?«

»Wie hätte Ihre Mutter Ihnen helfen können?«

»Indem sie meinen Vater bestätigt hätte.«

»Bestätigt? Worin?«

Davies dachte über die Frage nach, und als er antwortete, verriet er Lynley, welch ein Unterschied zwischen seinem tatsächlichen beruflichen Leben bestand und dem, was der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

»Indem sie bestätigt hätte, dass mir nichts fehlt; nur dass mir meine Nerven Streiche spielten. Das wollte mein Vater von ihr. Er brauchte unbedingt ihre Bestätigung, verstehen Sie. Alles andere ist undenkbar. Unaussprechlich wäre normal in meiner Familie. Aber undenkbar… ? Das wäre viel zu anstrengend.« Er lachte schwach, keine Erheiterung im Ton, nur Bitterkeit. »Aber ich hätte einem Zusammentreffen zugestimmt. Und ich hätte versucht, ihr zu glauben.«

Er hätte also allen Grund gehabt, seine Mutter lebend zu wünschen, nicht tot. Vor allem wenn er daran geglaubt hatte, dass sie ihm bei seinen Problemen helfen könnte.

1 ... 115 116 117 118 119 120 121 122 123 ... 234
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)