Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Haydee, entgegnete der Graf, du weißt, daß wir in Frankreich sind, und daß du folglich freibist.
Frei, wozu? fragte das Mädchen.
Es steht dir frei, mich zu verlassen.
Dich verlassen?… Und warum sollte ich dich verlassen?
Was weiß ich? Wir werden andere Leutebei uns sehen.
Ich will niemand sehen.
Und wenn du unter den jungen Leuten, denen dubegegnen wirst, einen träfest, der dir gefiele, so wäre ich nicht so ungerecht…
Ich habe keinen schöneren Mann, als dubist, gesehen, und nie einen andern geliebt, als meinen Vater und dich.
Armes Kind, sagte Monte Christo, du hast kaum mit jemand anders gesprochen außer mit mir und deinem Vater.
Wohl! wasbrauche ich mit anderen zu sprechen? Mein Vater nannte mich seine Freude, du nennst mich deine Liebe, und Ihrbeide nennt mich Euer Kind.
Du erinnertst dich deines Vaters, Haydee?
Das junge Mädchen lächelte.
Er ist da und da, sagte die Griechin, ihre Hand auf ihre Augen und auf ihr Herz legend.
Und ich, wobin ich? fragte lächelnd Monte Christo.
Du, erwiderte sie, dubist überall.
Monte Christo nahm Haydees Hand, um sie zu küssen, aber das naive Kind entzog sie ihm undbot ihm die Stirn dar.
Nun weißt du, Haydee, sagte der Graf, daß du frei, daß du Gebieterin, daß du Königinbist; du kannst deine Trachtbeibehalten oder nach deiner Laune aufgeben. Dubleibst hier, wenn dubleiben willst, du fährst aus, wenn du ausfahren willst, es wird stets ein Wagen für dich angespannt sein, Ali und Myrthobegleiten dich überallhin und sind zu deinemBefehl; nurbitte ich dich um eines: Bewahre das Geheimnis deiner Geburt, sage kein Wort über deine Vergangenheit, nennebei keiner Veranlassung den Namen deines Vaters oder deiner armen Mutter!
Herr, ich habe dirbereits gesagt, daß ich niemand sehen werde.
Höre mich, Haydee, diese orientalische Abgeschlossenheit wird dir in Paris vielleicht unmöglich werden. Fahre fort, das Leben in unsern nördlichen Ländern kennen zu lernen, wie du dies in Rom, in Florenz, in Mailand und in Madrid getan hast; dies wird dir immerhin nützlich sein, magst du nunbeständig hier leben oder nach dem Orient zurückkehren.
Das Mädchen schlug seine großen, feuchten Augen zu dem Grafen auf und erwiderte: Oder obwir nach dem Orient zurückkehren, willst du sagen, nicht wahr, Herr?
Ja, meine Tochter, du weißt wohl, daß ich dich nie verlassen werde. Nicht derBaum verläßt dieBlüte, sondern dieBlüte trennt sich vomBaume. Ich werde dich auch nie verlassen, Herr, denn ich weiß, daß ich ohne dich nicht leben könnte.
Armes Kind! In zehn Jahrenbin ich alt, und in zehn Jahrenbist du noch ganz jung.
Mein Vater hatte einen langen, weißenBart; das hinderte mich nicht, ihn zu lieben; mein Vater zählte sechzig Jahre, und er kam mir schöner vor, als alle jungen Leute, die ich sah.
Doch sage mir, glaubst du, daß es dir hier gefallen wird? — Werde ich dich sehen? — Jeden Tag. Nun, Herr, warum fragst du mich dann? — Ichbefürchte, du langweilst dich.
Nein, Herr, denn am Morgen denke ich, daß du kommen wirst, und am Abend erinnere ich mich, daß du gekommenbist; dann habe ich im Herzen drei Gefühle, mit denen man sich nie langweilt: die Traurigkeit, die Liebe und die Dankbarkeit.
Dubist eine würdige Tochter des Epirus, Haydee, du Anmutige, du Poetische, und man sieht, daß du von der in deinem Lande geborenen Familie von Göttinnen abstammst. Sei also unbesorgt, meine Tochter, ich werde es so machen, daß deine Schönheit nicht verloren geht, denn wenn du mich wie deinen Vater liebst, so liebe ich dich wie mein Kind.
Du täuschest dich, Herr, ich liebte meinen Vater nicht, wie ich dich liebe, meine Liebe für dich ist eine andere Liebe; mein Vater ist tot, und ichbin nicht tot, während ich sterben müßte, wenn du sterben würdest.
Der Graf reichte Haydee die Hand mit einem Lächeln voll tiefer Zärtlichkeit; sie drückte wie gewöhnlich ihre Lippen darauf.
Und so in der rechten Stimmung für die Zusammenkunft, die er mit Morel und seiner Familie haben sollte, entfernte er sich, folgende Verse von Pindar murmelnd:
Die Jugend ist eineBlüte, deren Frucht die Liebe ist… Glücklich ist der Gärtner, der sie pflückt, nachdem er sie langsam hat reifen sehen.
Der Wagen stand seinenBefehlen gemäßbereit. Er stieg ein, und die Pferde führten ihn wie immer im Galopp fort.
Die Familie Morel
Der Graf gelangte in wenigen Minuten in die Rue Mesla Nr. 7. Das Haus war weiß, freundlich und davor ein Hof, in dem man zwei kleine Gartenstücke mit schönenBlumen erblickte.
In dem Hausmeister, der ihm die Tür öffnete, erkannte der Graf den alten Cocles, der jedoch den Grafen nicht wiedererkannte. Den ganzen zweiten Stock des freundlichen Hausesbewohnte Maximilian. Dieser überwachte soeben die Wartung seiner Pferde und rauchte eine Zigarre am Eingang des Gartens, als der Wagen des Grafen vor der Tür anhielt.
Cocles öffnete, wie gesagt; Baptistin sprang von seinemBocke und fragte, obHerr und Frau Herbault und Herr Maximilian Morel für den Grafen von Monte Christo zu sprechen seien.
Für den Grafen von Monte Christo! rief Morel, seine Zigarre wegwerfend und demBesuche entgegeneilend, ich glaube wohl, ich glaube wohl! Ah! Dank, tausendmal Dank, Herr Graf, daß Sie Ihr Versprechen nicht vergessen haben. Und der junge Offizier drückte dem Grafen so innig die Hand, daß dieser sich über die Treuherzigkeit seiner Kundgebung nicht täuschen konnte und mit dem erstenBlicke sah, daß er mit Ungeduld erwartet worden war.
Kommen Sie, sagte Maximilian. Meine Schwester ist im Garten undbricht ihre verwelkten Rosen ab; mein Schwager liest seine Zeitungenbei ihr, denn wo Frau Herbault ist, pflegt auch Herr Emanuel zu sein.
Bei dem Geräusch der Tritte hobeine junge Frau von dreißig Jahren in einem seidenen Hauskleide den Kopf. Diese Frau, die sorgfältig von einem herrlichen Rosenstock die welkenBlumen pflückte, war unsere kleine Julie, nunmehr, wie es der Vertreter des Hauses Thomson und French vorhergesagt hatte, Frau Emanuel Herbault. Sie stieß einen leichten Schrei aus, als sie einen Fremden erblickte, Maximilian aber sagte lachend: Laß dich nicht stören, Schwester; der Herr Grafbefindet sich erst seit zweibis drei Tagen in Paris, weiß aberbereits, was eine Rentière des Marais ist, und wenn er es nicht weiß, so wirst du es ihn lehren.
Ah! mein Herr, sagte Julie, Sie so hierher zu führen ist ein Verrat von meinemBruder, der nicht die geringste Eitelkeit für seine arme Schwesterbesitzt… Penelon!.. Penelon!..
Ein Greis, der eine Rabatte umgrub, steckte seinen Spaten in die Erde und näherte sich mit der Mütze in der Hand, während er so gut wie möglich den Kautabak verbarg, den er schleunigst in die Tiefen seinerBacken zurückgeschoben hatte. Einige weißeBüschel versilberten sein noch dichtes Haupthaar, indes seinebronzefarbige Gesichtshaut und sein kühnes, lebhaftes Auge den alten, unter der Sonne des Äquators gebräunten und vom Hauche der Stürme gestählten Seemann verrieten.
Ich glaube, Sie haben mich gerufen, Fräulein Julie, sagte er, hierbin ich.
Penelon hatte die Gewohnheitbeibehalten, die Tochter seines Patrons Fräulein Julie zu nennen, und war nie imstande gewesen, sich daran zu gewöhnen, sie als Frau Herbault anzureden.
Penelon, sagte Julie, melde Herrn Emanuel den angenehmenBesuch, der uns zuteil wird, während Maximilian den Herrn Grafen in den Salon führt. Dann, sich an Monte Christo wendend, fuhr sie fort: Sie werden mir wohl erlauben, auf eine Minute zu entfliehen?
Und ohne die Einwilligung des Grafen abzuwarten, eilte sie hinter eineBaumgruppe und erreichte das Haus durch eine Seitenallee.
Ah! mein lieber Herr Morel, sagte Monte Christo, ichbemerke zu meinem Schmerze, daß ich einen Aufruhr in Ihrer Familie veranlasse.