Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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Das Stück war nicht mehr wert als drei. »Wo sind meine Wachen?«, erwiderte Dany. »Dieser Mann will mich ausrauben! « An Jorah gewandt, senkte sie die Stimme und sagte in der Gemeinen Zunge: »Vielleicht wollen sie mir nichts Böses. Seit Anbeginn aller Zeit haben Männer Frauen nachgestellt, womöglich ist es nicht mehr als das.«
Der Messinghändler ignorierte ihr Flüstern. »Dreißig? Habe ich dreißig gesagt? Was für ein Narr ich doch bin. Der Preis ist zwanzig Ehren.«
»Alles Messing an diesem Stand zusammen ist keine zwanzig Ehren wert«, konterte Dany und betrachtete weiterhin das Spiegelbild. Der alte Mann sah aus, als stamme er aus Westeros, und der Braunhäutige musste mindestens zwanzig Steine wiegen. Der Thronräuber hat demjenigen, der mich tötet, den Titel eines Lords versprochen, und diese beiden sind weit von ihrer Heimat entfernt. Oder könnten sie von den Hexenmeistern gedungen sein, um mich in einem unachtsamen Augenblick zu erwischen?
»Zehn, Khaleesi, weil Ihr eine so bezaubernde Frau seid. Ihr könnt es als Spiegel benutzen. Nur Messing von solcher Reinheit kann Eure Schönheit zeigen.«
»Ich könnte es als Nachtgeschirr benutzen. Wenn du es wegwirfst, würde ich es vielleicht aufheben, solange ich mich nicht bücken muss. Aber dafür bezahlen?« Sie drückte dem Händler den Teller wieder in die Hand. »Dir sind wohl Würmer in die Nase gekrochen und haben deinen Verstand gefressen.«
»Acht Ehren«, rief er. »Meine Frauen werden mich schlagen und einen Dummkopf schelten, aber in Euren Händen bin ich ein hilfloses Kind. Bitte, acht, dabei ist das Stück viel mehr wert.«
»Wozu brauche ich stumpfes Messing, wo Xaro Xhoan Daxos mir Speisen auf Gold serviert?« Während sie sich abwandte, ließ Dany den Blick über die Fremden schweifen. Der braune Mann war fast so dick, wie er in dem Tellerspiegel gewirkt hatte, dazu glänzte sein kahler Kopf, und er hatte die weichen Wangen eines Eunuchen. Ein langes, krummes Arakh steckte in der schweißbefleckten gelben Seidenschärpe, die er um den Bauch geschlungen hatte. Unter einer winzigen, mit Nieten besetzten Weste war sein Oberkörper nackt. Alte Narben zogen sich kreuz und quer über die baumstarken Arme, die riesige Brust und den dicken Bauch und hoben sich hell von der nussbraunen Haut ab.
Der andere Mann trug einen Reisemantel aus ungefärbter Wolle, dessen Kapuze er zurückgeworfen hatte. Das lange weiße Haar hing ihm auf die Schultern, und ein seidiger weißer Bart bedeckte die untere Hälfte seines Gesichts. Er stützte sich auf einen massiven Holzstab, der so lang war wie er selbst. Nur Narren würden mich in aller Öffentlichkeit so anstarren, wenn sie böse Absichten hätten. Trotzdem wäre es vielleicht besser, zu Jhogo und Aggo zurückzukehren. »Der alte Mann trägt kein Schwert«, sagte sie zu Jorah, während sie ihn mit sich zog.
Der Messinghändler lief ihnen nach. »Fünf Ehren, für fünf gehört es Euch, das Stück ist für Euch bestimmt.«
Ser Jorah sagte: »Ein harter Stab kann einen Schädel genauso spalten wie ein Morgenstern.«
»Vier! Ich weiß, Ihr möchtet den Teller haben!« Er tänzelte rückwärts vor ihnen her und hielt ihnen den Teller vor die Nase.
»Folgen sie noch?«
»Halt das mal ein bisschen höher«, befahl der Ritter dem Händler. »Ja, der alte Mann tut so, als würde er an einem Töpferstand nach etwas suchen, aber der Braune hat nur Augen für Euch.«
»Zwei Ehren! Zwei! Zwei!« Der Händler keuchte von der Anstrengung des Rückwärtslaufens.
»Bezahlt ihn, ehe er sich umbringt«, befahl Dany Ser Jorah und fragte sich, was sie mit einem riesigen Messingteller anstellen sollte. Sie drehte sich um, während er nach seinem Geldbeutel griff, und beabsichtigte, diesem Mummenschanz ein Ende zu bereiten. Das Blut des Drachen ließ sich nicht von einem fetten Eunuchen und einem alten Mann durch den Basar hetzen.
Ein Qartheen trat ihr in den Weg. »Mutter der Drachen, für Euch.« Er kniete nieder und hielt ihr ein Schmuckkästchen vors Gesicht.
Dany nahm es fast unwillkürlich entgegen. Das Kästchen war aus geschnitztem Holz, der Perlmuttdeckel war mit Jaspis und Chalzedon eingelegt. »Ihr seid zu großzügig.« Sie öffnete es. Darin lag ein glitzernder grüner Skarabäus aus Onyx und Smaragd. Wunderschön, dachte sie. Das wird mir helfen, unsere Überfahrt zu bezahlen. Als sie in das Kästchen hineingriff, sagte der Mann: »Es betrübt mich sehr«, aber sie hörte es kaum.
Der Skarabäus entfaltete sich zischend.
Dany erhaschte einen kurzen Blick auf ein bösartiges schwarzes Gesicht, das fast menschlich aussah, und auf einen gekrümmten Schwanz, von dem Gift troff … und dann flog das Kästchen aus ihren Händen und zerbrach. Plötzlicher stechender Schmerz schoss durch ihre Finger. Sie schrie auf und umklammerte ihre Hand, der Messinghändler brüllte, eine Frau kreischte, und plötzlich schrien die Qartheen sich an und stießen sich gegenseitig aus dem Weg. Ser Jorah schoss an ihr vorbei, und Dany fiel auf ein Knie. Wieder hörte sie das Zischen. Der alte Mann stieß mit dem Ende seines Stabs auf den Boden, Aggo sprengte durch den Stand eines Eierverkäufers hindurch heran und sprang aus dem Sattel, Jhogos Peitsche knallte über ihrem Kopf, Ser Jorah schlug dem Eunuchen den Teller auf den Kopf. Seeleute, Huren und Händler flohen oder schrien oder taten beides …
»Euer Gnaden, ich bitte tausend Mal um Vergebung.« Der alte Mann kniete vor ihr nieder. »Es ist tot. Habe ich Euch die Hand gebrochen?«
Sie krümmte die Finger und zuckte vor Schmerz zusammen. »Ich glaube nicht.«
»Ich musste es Euch aus der Hand schlagen«, begann er, doch ihre Blutreiter waren über ihm, ehe er seinen Satz beenden konnte. Aggo stieß mit dem Fuß seinen Stab zur Seite, und Jhogo packte ihn an den Schultern, zwang ihn auf die Knie und drückte ihm einen Dolch an die Kehle. »Khaleesi, wir haben gesehen, wie er dich geschlagen hat. Möchtest du die Farbe seines Blutes sehen?«
»Lasst ihn los.« Dany erhob sich. »Seht Euch das Ende seines Stabs an, Blut von meinem Blut.« Der Eunuch hatte Ser Jorah zu Boden geworfen. Sie stellte sich zwischen die beiden, als sie Arakh und Langschwert zogen. »Weg mit dem Stahl! Hört auf!«
»Euer Gnaden?« Mormont senkte die Klinge nur um einen Zoll. »Diese Männer haben Euch angegriffen.«
»Sie haben mich verteidigt.« Dany schüttelte die Hand, um den Schmerz zu vertreiben. »Der andere, der Qartheen, war der Angreifer.« Sie schaute sich um, doch er war verschwunden. »Es war ein Betrübter Mann. In dem Schmuckkästchen, das er mir gab, war ein Mantikor. Dieser Mann hat es mir aus der Hand geschlagen.« Der Messinghändler wälzte sich noch immer auf dem Boden. Sie ging zu ihm und half ihm auf. »Wurdest du gestochen?«
»Nein, gütige Dame«, antwortete er zitternd, »sonst wäre ich längst tot. Aber es hat mich berührt, iiiihhhh, als es aus dem Kästchen fiel, ist es auf meinem Arm gelandet.« Er hatte sich selbst beschmutzt, sah sie, und wunderte sich nicht darüber.
Sie schenkte ihm ein Silberstück für sein Ungemach und schickte ihn fort, bevor sie sich wieder an den alten Mann mit dem weißen Bart wandte. »Wem schulde ich mein Leben? «
»Ihr schuldet mir gar nichts, Euer Gnaden. Man nennt mich Arstan, obwohl Belwas mir auf der Reise hierher den Namen Weißbart gegeben hat.« Jhogo hatte ihn zwar losgelassen, dennoch verharrte der alte Mann auf einem Knie. Aggo hob den Stab auf, drehte ihn um, fluchte leise in Dothraki, kratzte die Überreste des Mantikors an einem Stein ab und gab den Stab zurück.
»Und wer ist Belwas?«, fragte sie.
Der riesige braune Eunuch trat großspurig vor und schob sein Arakh in die Scheide. »Ich bin Belwas. Den Starken Belwas nennen sie mich in den Arenen von Meereen. Noch nie habe ich einen Kampf verloren.« Er schlug sich auf den narbenübersäten Bauch. »Jeder Mann darf mir einen Schnitt zufügen, ehe ich ihn töte. Zählt die Narben, und Ihr wisst, wie viele der Starke Belwas schon erschlagen hat.«