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Wer die Wahrheit sucht

Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:

An einem frühen Dezembermorgen wird Guy Brouard — Millionär, Mäzen und Frauenheld — ermordet an einem Strand der englischen Kanalinsel Guernsey aufgefunden. Verdächtige und Motive gibt es mehr als genug. Nur die junge Amerikanerin China River hat keines. Doch alle Indizien weisen ausgerechnet auf sie. China hatte ihren Bruder aus Kalifornien nach Guernsey begleitet, um Guy Brouard die Architekturpläne für ein von ihm gestiftetes Museum zum Gedenken an die deutsche Besatzung der Insel im Zweiten Weltkrieg zu übergeben. Eine andere Verbindung existiert augenscheinlich nicht.
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
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Margaret starrte die Anwältin an.»Das ist doch absurd!«, sagte sie.»Natürlich war er der Eigentümer. Seit Jahren. Der Besitz gehörte ihm, genau wie alles andere. Ihm gehörte — hören Sie mal! Er war doch nicht irgendjemandes Pächter!«

«Das behaupte ich gar nicht«, erwiderte Miss Crown.»Ich sage nur, dass er möglicherweise den Besitz, der ihm zu gehören schien — den er zweifellos im Lauf der Jahre oder zumindest im Lauf der Jahre seiner Ansässigkeit auf der Insel selbst erworben hatte — , tatsächlich für jemand anderen erworben hat. Oder aber auf seine Anweisungen hin von einem Dritten erworben wurde.«

Als Margaret das hörte, spürte sie die ersten Schockwellen einer Katastrophe, die sie nicht wahrhaben, geschweige denn hinnehmen wollte.»Das ist ausgeschlossen«, hörte sie sich heiser hervorstoßen und merkte, wie ihr Körper in die Höhe schoss, als wollten Beine und Füße sich nicht länger von ihr beherrschen lassen. Ehe sie wusste, wie ihr geschah, stand sie über Julia Crowns Schreibtisch gebeugt und blies der Anwältin ihren keuchenden Atem ins Gesicht.»Das ist absoluter Blödsinn, hören Sie mich? Das ist Idiotie. Wissen Sie überhaupt, wer dieser Mann war? Haben Sie eine Ahnung, was für ein ungeheures Vermögen er angehäuft hatte? Haben Sie schon mal von Chateaux Brouard gehört? England, Schottland, Wales, Frankreich, der Himmel allein weiß, wie viele Hotels. Ein Imperium war das! Wem außer Guy Brouard hätte es gehören sollen?«

«Mutter!«Auch Adrian war aufgestanden. Als Margaret sich umdrehte, sah sie, dass er dabei war, seine Lederjacke überzuziehen, um zu gehen.»Wir wissen jetzt, was wir — «

«Wir wissen gar nichts!«, schrie Margaret.»Dein Vater hat dich dein Leben lang betrogen, und ich werde nicht zulassen, dass er dich auch noch nach seinem Tod betrügt. Er hat Konten versteckt und Grundbesitz unterschlagen, und ich werde sie finden. Ich will, dass du sie bekommst, und nichts — hörst du mich? — nichts wird verhindern, dass das geschieht.«

«Er hat dich überlistet, Mutter. Er wusste — «

«Nichts. Er wusste nichts. «Sie fauchte die Anwältin an, als hätte die ihre Pläne durchkreuzt.»Wer?«, rief sie.»Wer? Eines von seinen Flittchen? Wollen Sie das sagen?«

Miss Crown schien zu wissen, wovon Margaret sprach. Sie sagte:»Ich denke, es kann nur jemand sein, dem er vertraut hat. Rückhaltlos. Jemand, von dem er wusste, dass er über den Besitz verfügen würde, wie es seinen Wünschen entsprach.«

Da gab es natürlich nur eine Person. Das wusste Margaret, ohne dass diese Person beim Namen genannt werden musste, und sie dachte, dass sie so etwas von dem Moment an geahnt hatte, als dieses Testament im Wohnzimmer verlesen worden war. Es gab auf der ganzen Welt nur eine Person, bei der Guy sich darauf hätte verlassen können, dass er ihr alles, was er im Lauf der Zeit erwarb, schenken konnte, ohne fürchten zu müssen, dass sie etwas anderes damit täte, als es zu bewahren und zum Zeitpunkt ihres eigenen Todes — oder früher, wenn das von ihr verlangt wurde — nach seinen Wünschen darüber zu verfügen.

Warum hatte sie nicht gleich daran gedacht? fragte sich Margaret.

Die Antwort war einfach: Weil sie die Gesetze nicht gekannt hatte.

Von Kopf bis Fuß bebend vor Zorn stürmte sie aus der Kanzlei. Aber sie war nicht geschlagen. Noch lange nicht. Das wollte sie ihrem Sohn klar machen. Mit einer heftigen Bewegung wandte sie sich ihm zu.

«Das werden wir ihr sofort ausreden. Sie ist deine Tante und weiß, was recht ist. Wenn ihr noch niemand die ganze Ungerechtigkeit dieser Geschichte klar gemacht hat. Für sie war er ja nie etwas anderes als ein Gott. Sein Geist war gestört, und das hat er vor ihr verborgen. Er hat es vor allen verborgen, aber wir werden beweisen — «

«Tante Ruth hat Bescheid gewusst«, fiel Adrian ihr schroff ins Wort.»Sie hat genau gewusst, was er wollte, und sie hat mitgemacht.«

«Unmöglich!«Margaret packte ihn fest beim Arm. Es war Zeit, dass er in den Kampf zog, wenn er auch nur einen Funken Kampfgeist besaß; wenn nicht, würde sie es für ihn tun, bei Gott.»Er muss ihr erzählt haben. «Was? fragte sie sich. Was hatte Guy seiner Schwester erzählt, um sie glauben zu machen, das, was er vorhatte, diene dem Wohl aller: seinem, ihrem, dem seiner Kinder. Was hatte er gesagt?

«Es ist erledigt«, sagte Adrian.»Wir können das Testament nicht ändern. Wir können nichts daran ändern, wie er das alles ausgetüftelt hat. Wir können es nur hinnehmen. «Er schob die Hand in die Tasche seiner Lederjacke und nahm wieder das Streichholzheftchen heraus. Dazu eine Packung Zigaretten. Er zündete sich eine Zigarette an und lachte leise, obwohl seine Miene keine Spur von Erheiterung zeigte.»Der gute alte Dad«, sagte er kopfschüttelnd.»Er hat uns alle aufs Kreuz gelegt.«

Margaret fröstelte bei seinem emotionslosen Ton. Sie versuchte es anders.»Adrian, Ruth ist eine gute Seele. Sie ist absolut fair. Wenn sie erfährt, wie tief dich das verletzt hat — «

«Hat es nicht. «Adrian zupfte eine Tabakfaser von seiner Zunge, inspizierte sie und schnippte sie auf die Straße.

«Sag so was nicht. Warum musst du immer so tun, als könnte dein Vater — «

«Ich tue nicht so. Ich bin nicht verletzt. Was hätte das für einen Sinn? Und selbst wenn ich gekränkt wäre, würde es keine Rolle spielen. Es würde überhaupt nichts ändern.«

«Wie kannst du so etwas — ? Sie ist deine Tante. Sie liebt dich.«

«Sie war dabei«, sagte Adrian.»Sie kannte seine Absichten. Und, glaub mir, sie wird nicht einen Fußbreit davon abweichen. Schon gar nicht, da sie aus der Geschichte schon genau weiß, was er wollte.«

Margaret runzelte die Stirn.»>Sie war dabei<? Wo? Wann? Welche Geschichte?«

Adrian trat aus dem Schatten des Gebäudes. Er klappte den Kragen seiner Jacke hoch und setzte sich in Richtung zum Royal Court House in Bewegung. Margaret hielt das für ein Manöver, die Beantwortung ihrer Frage zu vermeiden. Sofort erwachte ihr Argwohn. Und mit ihm ein bösartiges Gefühl der Angst. Sie hielt ihren Sohn am Fuß des Kriegerdenkmals auf und stellte ihn unter dem düsteren Blick dieses schwermütigen Soldaten zur Rede.

«Was läufst du mir einfach so davon? Wir sind hier noch nicht fertig. Was war das für eine Geschichte? Warum hast du mir nichts gesagt?«

Adrian warf seine Zigarette in Richtung einer Gruppe Motorroller, die wild durcheinander geparkt nicht weit von dem Denkmal standen.»Dad wollte nicht, dass ich etwas von seinem Geld bekomme«, sagte er.»Weder jetzt noch später. Tante Ruth weiß das. Selbst wenn wir uns jetzt an sie wenden — an ihre Loyalität oder ihre Fairness appellieren oder wie du es sonst nennen willst-, sie wird nicht vergessen, was er wollte, und wird sich einzig danach richten.«

«Woher soll sie wissen, was Guy zur Zeit seines Todes wollte?«, fragte Margaret geringschätzig.»Natürlich, sie kann Bescheid gewusst haben, als diese ganze Schweinerei eingefädelt wurde. Sie muss Bescheid gewusst haben, um gemeinsame Sache mit ihm zu machen. Aber das ist doch der springende Punkt. Das wollte er damals. Die Menschen ändern sich. Ihre Wünsche ändern sich. Glaub mir, deine Tante Ruth wird das einsehen, wenn man es ihr klar macht.«

«Nein. Es war nicht nur damals«, entgegnete Adrian und wollte sich an ihr vorbei drängen, um zum Parkplatz zu gehen, wo sie den Rover abgestellt hatten.

«Verdammt noch mal, du bleibst jetzt hier«, sagte Margaret und hörte die Unsicherheit in ihrer Stimme. Das ärgerte sie, und sie richtete diesen Ärger gegen ihren Sohn.»Wir müssen planen, überlegen, wie wir vorgehen wollen. Keinesfalls werden wir die Situation so akzeptieren, wie dein Vater sie geschaffen hat — wie brave Christenmenschen, die auch noch die andere Wange hinhalten! Was wissen wir denn, vielleicht hat er diese Vereinbarungen mit Ruth in einem Anfall von Verärgerung getroffen und hat sie später bereut, aber natürlich nicht erwartet, dass er sterben würde, bevor er sie ändern könnte. «Margaret holte Luft und erklärte die tiefere Bedeutung dessen, was sie soeben gesagt hatte.»Jemand hat das gewusst«, erklärte sie.»Ja, so muss es sein. Jemand wusste, dass er vorhatte, alles zu ändern und dich so zu bedenken, wie es dir zusteht. Deshalb musste dein Vater ausgeschaltet werden.«

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