Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
Da drängte sich eine verschleierte Gestalt heran: «Um der Güte Gottes willen», flehte eine liebliche Stimme, «ihr Männer, laßt mich heran! Ich will ja nur seine Leiche, o gebt acht! Sein weißer Bart! O mein Vater.» Es war Miriam, die der Lärm plündernder Hunnen aus der Kirche nach Hause gescheucht hatte. Und mit der Kraft der Verzweiflung schob sie die Speere zurück und nahm das bleiche Haupt Isaks in ihre Arme.
«Weg, Mädel!» rief der nächste Krieger, ein sehr langer
Bajuvare, ein Söldner von Byzanz: Garizo hieß er. «Halt uns nicht auf! Wir müssen den Weg säubern! In den Graben mit dem Juden!»
«Nein, nein!» rief Miriam und stieß den Mann zurück.
«Weib!» schrie dieser zornig und hob das Beil.
Aber die Arme schützend über des Vaters Leiche breitend und mit leuchtenden Augen aufblickend blieb Miriam furchtlos stehen: - wie gelähmt hielt der Krieger inne: «Du hast Mut, Mädel!» sagte er, das Beil senkend. «Und schön bist du auch, wie die Waldfrau der Luisacha. Was kann ich dir Liebes tun? Du bist ganz wundersam anzuschauen.» - «Wenn der Gott meiner Väter dein Herz gerührt», bat Miriams herzgewinnende Stimme, «hilf mir die Leiche dort im Garten bergen - das Grab hat er sich lange selbst geschaufelt neben Sarah, meiner Mutter, das Haupt gegen Osten.» - «Es sei!» sprach der Bajuvare und folgte ihr. Sie trug das Haupt, er faßte die Knie der Leiche: wenige Schritte führten sie in den kleinen Garten: da lag ein Stein unter Trauerweiden: der Mann wälzte ihn weg, und sie senkten die Leiche hinein, das Antlitz gegen Osten. -
Ohne Worte, ohne Tränen starrte Miriam in die Grube: sie fühlte sich so arm jetzt, so allein; mitleidig, leise schob der Bajuvare die Steinplatte darüber. «Komm!» sagte er dann. «Wohin?» fragte Miriam tonlos. «Ja, wohin willst du?» - «Das weiß ich nicht! - Hab Dank», sprach sie und nahm ein Amulett vom Halse und reichte es ihm: es war von Gold, eine Schaumünze von Jordan, aus dem Tempel.
«Nein!» sagte der Mann und schüttelte das Haupt.
Er nahm ihre Hand und legte sie über seine Augen.
«So», sagte er, «das wird mir gut tun mein Leben lang. Jetzt muß ich fort, wir müssen den Grafen fangen, den Totila. Leb' wohl.»
Dieser Name schlug in Miriams Herz: - noch einen Blick warf sie auf das stille Grab, und hinaus schlüpfte sie aus dem
Gärtchen. Sie wollte zum Tore hinaus auf die Straße: aber das Fallgitter war gesenkt, an den Toren standen Männer mit gotischen Helmen und Schilden. Erstaunt sah sie um sich.
«Ist alles vollzogen, Chanaranges?» - «Alles, er ist so gut wie gefangen.» - «Horch, vor dem Wall, - Pferdegetrappel - sie sind's, zurück, Weib.»
Draußen aber sprengten einige Reiter die Straße heran gegen das Tor.
«Auf! Auf das Tor», rief Totila von weitem. Da spornte Thorismut sein Roß heran. «Ich weiß nicht, ich traue nicht!» rief er, «die Straße war wie ausgestorben und ebenso drüben das Lager der Feinde: kaum ein paar Wachtfeuer brennen.»
Da scholl von der Zinne ein Ruf des gotischen Hornes. «Der Bursch bläst ja gräßlich!» sprach Thorismut zürnend. «Es wird ein Welscher sein»! meinte Totila. «Gebt die Losung», riefs herab auf lateinisch. «Neapolis», antwortete Totila entgegen. «Hörst du's? Uliaris hat die Bürger bewaffnen müssen. Auf das Tor! Ich bringe frohe Kunde», fuhr er fort zu den oben Aufgestellten, «vierhundert Goten folgen mir auf dem Fuß: Italien hat einen neuen König.»
«Wer ist's?» fragte es leise drinnen. «Der auf dem weißen Roß, der erste.» Da sprangen die Torflügel auf, gotische Helme füllten den Eingang. Fackeln glänzten, Stimmen flüsterten.
«Auf mit dem Fallgitter», rief Totila, dicht heranreitend. Spähend blickte Thorismut vor, die Hand vor den Augen. «Sie haben gestern getagt zu Regeta», fuhr Totila fort, «Theodahad ist abgesetzt, und Graf Witichis...» -
Da hob sich langsam das Gitter, und Totila wollte eben dem Roß den Sporn geben, da warf sich vor die Hufe seines Hengstes ein Weib aus der Reihe der Krieger. «Flieh», rief sie, «Feinde über dir! Die Stadt ist gefallen!» Aber sie konnte nicht vollenden: ein Lanzenstoß durchbohrte ihre Brust.
«Miriam!» schrie Totila entsetzt und riß sein Pferd zurück.
Doch Thorismut, der längst Argwohn geschöpft, zerhieb, rasch entschlossen, mit dem Schwert, durch das Gitter hindurch, das haltende Seil, an dem das Tor auf und nieder ging, daß es dröhnend vor Totila niederschlug.
Ein Hagel von Speeren und Pfeilen fuhr durch das Gitter. «Auf das Gitter! Hinaus auf sie!» rief Johannes von ihnen: aber Totila wich nicht.
«Miriam, Miriam», rief er in tiefstem Schmerz. Da schlug sie nochmal die Augen auf, mit einem brechenden, von Liebe und Schmerz verklärten Blick: - dieser Blick sagte alles, er drang tief in Totilas Herz. «Für dich!» hauchte sie und fiel zurück. - Da vergaß er Neapolis und die Todesgefahr. «Miriam», rief er nochmals beide Hände gegen sie ausbreitend.
Da streifte ein Pfeil den Bug seines Pferdes, blitzschnell prallte das edle Tier hochschäumend zurück. Das Fallgitter fing an, sich zu heben: da faßte Thorismut nach Totilas Zügel, riß das Pferd herum und gab ihm einen Schlag mit der flachen Klinge, daß es hinwegschoß. «Auf und davon, Herr», rief er, «ja, sie müssen flink sein, die uns einholen.» Und brausend sprengten die Reiter auf der Via Capuana den Weg zurück, den sie gekommen; nicht weit verfolgte sie Johannes im Dunkel der Nacht und das Wegs unkundig. Bald begegnete ihnen die heranziehende Besatzung von Kastell Aurelians: auf einem Hügel machten sie halt, von wo man die Stadt mit ihren Zinnen, in dem Schein der byzantinischen Wachtfeuer auf den Wällen, liegen sah.
Erst jetzt raffte sich Totila aus seinem Schmerz, aus seiner Betäubung auf. «Uliaris!» seufzte er, «Miriam! Neapolis, - wir sehen uns wieder.» Und er winkte zum Aufbruch gen Rom.
Aber von Stund' an war ein Schatten gefallen in des jungen Goten Seele: mit dem heiligen Recht des Schmerzes hatte sich Miriam in sein Herz gegraben für immerdar.
Als Johannes mit den Reitern von seiner fruchtlosen
Verfolgung heimkehrte, rief er, vom Pferde springend, mit wütiger Stimme: «Wo ist die Dirne, die ihn gewarnt? Werft sie vor die Hunde.» Und er eilte zu Belisar, das Mißgeschick zu melden.
Aber niemand wußte zu sagen, wohin der schöne Leichnam geraten. Die Rosse hätten sie zertreten, meinte die Menge. Aber einer wußte es besser: Garizo, der Bajuvare. Der hatte sie im Tumult sachte, wie ein schlafend Kind, auf seinen starken Armen davongetragen in das nahe Gärtchen, hatte die Steinplatte von dem kaum geschlossenen Grabe gewälzt und die Tochter sorglich an des Vaters Seite gelegt: dann hatte er sie still betrachtet.