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Ein Kampf um Rom

Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:

Dahn erzählt vom Kampf und vom Untergang der Ostgoten in Italien nach dem Tode des großen Theoderich von Ravenna. Wir erleben das Ringen um die Macht, hören von den Ostgotenkönigen Witiches und Totila bis zu dem denkwürdigen letzten Kampf der Goten unter Teja am Vesuv.
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Während Totila mit Thorismut und wenigen Reitern zur Porta Capuana hinausjagte, war der alte Isak, der unermüdlich auf den Wällen ausgeharrt hatte, die Pause des Waffenstillstandes benutzend, in seine Turmklause zurückgekehrt, die Tochter wiederzusehen und sich an Trank und Speise zu laben. Als Miriam Wein und Brot gebracht hatte und ängstlich dem Bericht Isaks von den Fortschritten der Feinde lauschte, erscholl ein hastiger, unsteter Schritt auf der Treppe, und Jochem stand vor dem erstaunten Paar.

«Sohn Rachels, wo kommst du her zu übler Stunde, wie der Rabe vor dem Unglück? Wie kommst du herein? Zu welchem Tor?» - «Das laß du meine Sorge sein. Ich komme, Vater Isak, noch einmal zu fordern deiner Tochter Hand: - zum letztenmal in diesem Leben.»

«Ist jetzt Zeit zu freien und Hochzeit zu machen?» fragte Isak unwillig, «die Stadt brennt, und die Straßen liegen voll Leichen.»

«Warum brennt die Stadt? Warum liegen voll Leichen die Straßen? Weil die Männer von Neapolis halten zu dem Volk von Edom. Ja, jetzt ist Zeit zu freien. Gib mir dein Kind, Vater Isak, und ich rette dich und sie. Ich allein kann's.» Und er griff nach Miriams Arm.

«Du mich retten?» rief diese, mit Ekel zurücktretend. «Lieber sterben!»

«Ha, Stolze!» knirschte der grimmige Freier, «du ließest dich wohl lieber retten von dem blondgelockten Christen? Laß sehen, ob er dich retten wird, der Verfluchte, vor Belisar und mir. Ha, bei den langen, gelben Haaren will ich ihn durch die Straßen schleifen und spucken in sein bleich Gesicht.»

«Hebe dich hinweg, Sohn Rachels», rief Isak, aufstehend und den Spieß fassend. «Ich merke, du hältst zu denen, die da draußen liegen! Aber das Horn ruft, ich muß hinab; das jedoch sag' ich dir; noch mancher unter euch wird rücklings fallen, eh'

ihr steigt über diese morscher Mauern.»

«Vielleicht», grinste Jochem, fliegen wir drüber wie die Vögel der Luft. Zum letztenmal, Miriam, ich frage dich: laß diesen Alten, laß den verfluchten Christen: - ich sage dir, der Schutt dieser Wälle wird sie bald bedecken. Ich weiß, du hast ihn getragen im Herzen: - ich will dir's verzeihen -, nur werde jetzt mein Weib.» Und wieder griff er nach ihrer Hand. - «Du mir meine Liebe verzeihn? Verzeihn, was so hoch über dir wie die leuchtende Sonne über dem schleichenden Wurm? Wär ich's wert, daß ihn je mein Auge gesehen, wenn ich dein Weib würde? Hinweg, hinweg von mir!»

«Ha», rief Jochem, «zu viel, zu viel! Mein Weib - du sollst es nimmer werden! Aber winden sollst du dich in diesen Armen, und den Christen will ich dir aus dem blutenden Herzen reißen, daß es zucken soll in Verzweiflung. Auf Wiedersehen.»

Und er war aus dem Hause und alsbald aus der Stadt verschwunden.

Miriam, von bangen Gefühlen bedrängt, eilte ins Freie. Es trieb sie zu beten: aber nicht in der dumpfen Synagoge, sie betete ja für ihn: und es drängte sie, zu seinem Gott zu beten. Sie wagte sich scheuen Fußes in die nahe Basilika Sankt Mariä, aus der man an Friedenstagen oft die Jüdin mit Flüchen verscheucht hatte. Aber jetzt hatten die Christen keine Zeit zu fluchen.

Sie kauerte sich in eine dunkle Ecke des Säulenganges und vergaß in heißem Gebet bald sich selbst und die Stadt und die Welt: sie war bei ihm und bei Gott. -

Inzwischen verlief die letzte Stunde der Waffenruhe; schon neigte sich die Sonne dem Meeresspiegel zu. Die Goten flickten und stopften nach Kräften die zertrümmerten Mauerstellen, räumten den Schutt und die Toten aus dem Wege und löschten die Brände. Da lef die Sanduhr zum drittenmal ab, während Belisar vor seinem Zelte seine Heerführer versammelt hielt, des Zeichens der Übergabe auf dem Kastell des Tiberius harrend.

«Ich glaub' es nicht!» flüsterte Johannes zu Prokop. «Wer solche Streiche tut, wie ich von jenem Alten gesehen, gibt die Waffen nicht ab. Es ist auch besser so: da gibt's einen tüchtigen Sturm und dann eine tüchtige Plünderung.»

Und auf der Zinne des Kastells erschien Graf Uliaris und schleuderte trotzig seinen Speer unter die harrenden Vorposten.

Belisar sprang auf «Sie wollen ihr Verderben, die Trotzigen; wohlan, sie sollen's haben. Auf, meine Feldherrn, zum Sturm. Wer mir zuerst unsre Fahne auf den Wall pflanzt, dem geb' ich ein Zehntel der Beute.»

Nach allen Seiten eilten die Anführer auseinander: Ehrgeiz und Habsucht spornten sie. Eben bog Johannes um die zerstörten Bogen des Aquädukts, welchen Belisar durchbrochen, den Belagerten das Wasser zu entziehen, da rief ihn eine leise Stimme.

Schon dämmerte es so stark, daß er nur mit Mühe den Rufenden erkannte. «Was willst du, Jude?» rief Johannes eilig. «Ich habe keine Zeit! Es gilt harte Arbeit! Ich muß der Erste sein in der Stadt.»

«Das sollt, ihr, Herr, ohne Arbeit, wenn ihr mir folgt.»

«Dir folgen? Weißt du einen Weg über die Mauer durch die Luft?»

«Nein! Aber unter der Mauer, durch die Erde. Und ich will ihn euch zeigen, wenn ihr mir tausend Solidi schenkt und ein Mädchen zur Beute zusprecht, das ich fordre.»

Johannes blieb stehen: «Was du willst, sei dein. Wo ist der Weg?» - «Hier!» sagte Jochem und schlug mit der Hand auf die Steine. - «Wie? die Wasserleitung? Woher weißt du?» - «Ich habe sie gebaut. Ein Mann kann, gebückt, durchschleichen; es ist kein Wasser mehr drin. Eben komme ich auf diesem Wege aus der Stadt. Die Leitung mündet in einem alten Tempelhaus an der Porta Capuana; nimm dreißig Mann und folge mir.»

Johannes sah ihn scharf an. «Und wenn du mich verrätst?»

«Ich will zwischen euren Schwertern gehen. Lüge ich, so stoßt mich nieder.» - «Warte!» rief Johannes und eilte hinweg.

Fünftes Kapitel

Bald darauf erschien Johannes wieder mit seinem Bruder Perseus und ungefähr dreißig entschlossenen armenischen Söldnern, die außer ihren Schwertern kurze Handbeile führten. «Wenn wir drin sind», sprach Johannes, «reißt du, Perseus, das Ausfallpförtchen auf, rechts von der Porta Capuana, im Augenblick, da die andern unsre Fahne auf dem Wall entfalten. Auf dies Zeichen stürzen von außen meine Hunnen auf die Ausfallpforte. Aber wer hütet den Turm an der Porta? Den müssen wir haben.» «Isak, ein großer Freund der Edomiten, der muß fallen.»

«Er fällt», sprach Johannes und zog das Schwert: «Vorwärts!» Er war der erste, der in den Hohlgang der Wasserleitung stieg. «Ihr beiden, Paukaris und Gubazes, nehmt den Juden in die Mitte: beim ersten Verdacht - nieder mit ihm!»

Und so, bald auf allen vieren kriechend, bald gebückt tastend, bei völliger Dunkelheit, rutschten und schlichen die Armenier ihm nach, sorgfältig jeden Lärm ihrer Waffen vermeidend: lautlos krochen sie vorwärts.

Plötzlich rief Johannes mit halber Stimme: «Faßt den Juden! Nieder mit ihm! - Feinde! Waffen! Nein, laßt!» rief er rasch, «es war nur eine Schlange, die vorüber rasselte! Vorwärts.»

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