Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
«Jetzt zur Rechten!» sprach Jochem, «hier mündet die Wasserleitung in einen Tempelgang.»
«Was liegt hier? - Knochen - ein Skelett!» «Ich halt's nicht länger aus! Der Modergeruch erstickt mich! Hilfe!» seufzte einer der Männer.
«Laßt ihn liegen! Vorwärts!» befahl Johannes. «Ich sehe einen Stern.» - «Das ist das Tageslicht in Neapolis», sagte der Jude - «nun nur noch wenige Ellen.» -
Johannes' Helm stieß an die Wurzeln eines hohen Ölbaums, die sich im Atrium des Tempelhauses breit über die Mündung des Tempelgangs spannten.
Wir kennen den Baum.
Den Wurzeln ausweichend, stieß er den Helm hell klirrend an die Seitenwand: erschrocken hielt er an. Aber er hörte zunächst nur den heftigen Flügelschlag zahlreicher Tauben, die da hoch oben wild verscheucht aus den Zweigen der Olive flogen.
«Was war das?» fragte über ihm eine heisere Stimme.
«Wie der Wind in dem alten Gestein wühlt!» Es war die Witwe Arria. «Ach Gott», sprach sie, sich wieder vor dem Kreuze niederwerfend, «erlöse uns von dem Übel und laß die Stadt nicht untergehen, bis daß mein Jucundus wiederkommt! Wehe, wenn er ihre Spur und seine Mutter nicht mehr findet. O laß ihn wieder des Weges kommen, den er von mir gegangen: zeig' ihn mir wieder, wie ich ihn diese Nacht gesehen, aufsteigend aus den Wurzeln des Baumes.»
Und sie wandte sich nach der Höhlung. «Oh! dunkler Gang, darin mein Glück verschwunden, gib mir's wieder heraus! Gott, führ' ihn mir zurück auf diesem Wege.» Sie stand mit gefalteten Händen gerade vor der Höhlung, die Augen fromm gen Himmel gewendet.
Johannes stutzte. «Sie betet!» sagte er, «soll ich sie im Gebet erschlagen?» - Er hielt inne, er hoffte, sie solle aufhören und sich wenden. «Das dauert zu lange, ich kann unserm Herrgott nicht helfen!» Und rasch hob er sich aus den Wurzeln heraus. Da schaute die Betende mit den halberblindeten Augen nieder; sie sah aus der Erde steigen eine schimmernde Mannesgestalt.
Ein Strahl der Verklärung spielte um ihre Züge. Selig breitete sie die Arme aus. «Jucundus!» rief sie.
Es war ihr letzter Hauch. Schon traf sie des Byzantiners Schwert ins Herz.
Ohne Weheruf, ein Lächeln auf den Lippen, sank sie auf die Blumen: Miriams Blumen.
Johannes aber wandte sich und half rasch seinem Bruder Perseus, dann dem Juden und den ersten dreien seiner Krieger herauf. «Wo ist das Pförtchen?» - «Hier links, ich gehe zu öffnen!» Perseus wies die Krieger an.- «Wo ist die Treppe zum Turm?» - «Hier rechts», sprach Jochem es war die Treppe, die zu Miriams Gemach führte, wie oft war Totila hier hereingeschlüpft! - «still, der Alte läßt sich hören.»
Wirklich, Isak war es. Er hatte von oben Geräusch vernommen: er trat mit Fackel und Speer an die Treppe: «Wer ist da unten? Bist du's, Miriam, wer kommt?» fragte er.
«Ich, Vater Isak», antwortete Jochem, «ich wollte euch nochmal fragen...» - und er stieg katzenleise eine Stufe höher. Aber Isak hörte Waffen klirren.
«Wer ist bei dir?» rief er und trat vorleuchtend um die Ecke Da sah er die Bewaffneten hinter Jochem kauern. «Verrat, Verrat!» schrie er, «stirb, Schandfleck der Hebräer!» Und wütend stieß er Jochem, der nicht zurück konnte, die breite Partisane in die Brust, daß dieser rücklings hinabstürzte. «Verrat!» schrie er noch einmal.
Aber gleich darauf hieb ihn Johannes nieder, sprang über die Leiche hinweg, eilte auf die Zinne des Turmes und entfaltete die Fahne von Byzanz. Da krachten unten Beilschläge: das Pförtchen fiel, von innen eingeschlagen, hinaus, und mit gellendem Jauchzen jagten - schon war es ganz dunkel geworden - die Hunnen zu Tausenden in die Stadt.
Da war alles aus.
Ein Teil stürzte sich mordend in die Straßen, ein Haufe brach die nächsten Tore ein, den Brüdern draußen Eingang schaffend.
Rasch eilte der alte Uliaris mit seinem Häuflein aus dem Kastell herbei. Er hoffte, die Eingedrungenen noch hinauszutreiben, umsonst: ein Wurfspeer streckte ihn nieder. Und um seine Leiche fielen fechtend die zweihundert treuen Goten, die ihn noch umgaben.
Da, als sie die kaiserliche Fahne auf den Wällen flattern sahen, erhoben sich - unter Führung alter Römerfreunde, wie Stephanos und Antiochos des Syrers - ein eifriger Anhänger der Goten, Kastor, der Rechtsanwalt ward, da er hemmen wollte, erschlagen - auch die Bürger von Neapolis: sie entwaffneten die einzelnen Goten in den Straßen und schickten, glückwünschend und dankend und ihre Stadt der Gnade empfehlend, eine Gesandtschaft an Belisar, der, von seinem glänzenden Stab umgeben, zur Porta Capuana hereinritt.
Aber finster furchte er die majestätische Stirn, und ohne seinen Rotscheck anzuhalten sprach er: «Fünfzehn Tage hat mich Neapolis aufgehalten. Sonst lag ich längst vor Rom, ja vor Ravenna. Was glaubt ihr, daß das dem Kaiser an Recht und mir an Ruhm entzieht? Fünfzehn Tage lang hat sich eure Feigheit, eure schlechte Gesinnung von einer handvoll Barbaren beherrschen lassen. Die Strafe für diese fünfzehn Tage seien nur fünfzehn Stunden - Plünderung. Ohne Mord: - die Einwohner sind Kriegsgefangene des Kaisers - ohne Brand, denn die Stadt ist jetzt eine Feste von Byzanz. Wo ist der Führer der Goten? Tot?»
«Ja», sprach Johannes, «hier ist sein Schwert, Graf Uliaris fiel.»
«Den meine ich nicht!» sprach Belisar. «Ich meine den jungen, den Totila. Was ward aus ihm? Ich muß ihn haben.»
«Herr», sprach einer der Neapolitaner, der reiche Kaufherr Asklepiodor, vortretend, «wenn ihr mein Haus und Warenlager von der Plünderung ausnehmt, will ich's euch wohl sagen.»
Aber Belisar winkte: zwei maurische Lanzenreiter ergriffen den Zitternden. «Rebell, willst du mir Bedingungen machen? Sprich, oder die Folter macht dich sprechen.» - «Erbarmen! Gnade!» schrie der Geängstigte. «Der Seegraf eilte mit wenigen Reitern während der Waffenruhe hinaus, Verstärkung zu holen von Castellum Aurelians: er kann jeden Augenblick zurückkehren.»
«Johannes», rief Belisar, «der Mann wiegt so schwer, wie ganz Neapolis. Wir müssen ihn fangen! Du hast, wie ich befahl, den Weg nach Rom abgesperrt? Das Tor besetzt?»
«Es hat niemand nach dieser Richtung die Stadt verlassen können», sprach Johannes.
«Auf! Blitzesschnell, wir müssen ihn hereinlocken!
Zieh rasch das gotische Banner auf dem Kastell des Tiberius wieder auf und auf der Porta Capuana. Die gefangenen Neapolitaner stelle wieder bewaffnet auf die Wälle: wer ihn warnt, mit einem Augenwinken, ist des Todes. Zieht meinen Leibwächtern gotische Waffen an. Ich selbst will dabei sein! Dreihundert Mann in der Nähe des Tors. Man lasse ihn ruhig herein. Sowie er das Fallgitter hinter sich hat, läßt man's nieder. Ich will ihn lebend fangen. Er soll nicht fehlen beim Triumphzug in Byzanz.»
«Gib mir das Amt, mein Feldherr», bat Johannes. «Ich schuld' ihm noch Vergeltung für einen Kernhieb.» Und er flog zurück zur Porta Capuana, ließ die Leichen und alle Spuren des Kampfes wegschaffen und traf sonst seine Maßregeln.