Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.
- Автор: Andre Martina
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:
»War es nicht so, dass Aldanov zunächst entkommen konnte und es vier deiner Männer den Hals gekostet hat?«
»Danach habe ich meine besten Leute auf ihn angesetzt«, rechtfertigte sich Lebenov. »Sie haben mir bei ihrem Leben und ihrer Ehre versichert, dass sie ihn eigenhändig im Terek ertränkt haben.«
»Und jetzt denkst du, er ist eine Katze und hat neun Leben.« Bash-tiri lächelte boshaft. »Wenn es nach seinem Aussehen geht, könntest du recht behalten.« Er schenkte sich einen weiteren Whiskey ein und zögerte einen Moment, als Lebenov ihm abwartend das leere Glas entgegenhielt. Mit einem leisen Schnauben goss er ihm nach.
»Was willst du von mir, Andrej?« Bashtiri wirkte sichtlich genervt. »Soll ich Superman den roten Teppich ausrollen, anstatt ihn in die ewigen Jagdgründe zu schicken? Ich halte das für keine gute Idee. Wenn wir offizielle Stellen einschalten, haben wir den FSB am Hals, und das ist das Letzte, was ich uns im Augenblick wünsche. Schaff ihn endlich weg, und wir haben unsere Ruhe.«
»Nein, bevor wir Aldanov kaltstellen, werden wir Doktor Swerew hinzuziehen. Er ist ein renommierter Wissenschaftler, der schon seit Jahren auf der Gehaltsliste unseres Unternehmens steht. Außerdem hat er nichts dagegen, sich etwas dazu zu verdienen. Er hat bereits die beiden Leichen untersucht, die wir im See gefunden haben. Sein Team kennt sich aus. Soweit ich weiß, hat er sich lange vor dieser Zeit im Auftrag der Föderation mit parapsychologischen Phänomenen beschäftigt und wie man sie für militärische Zwecke nutzen könnte. Ich werde ihm noch heute Abend eine Kopie des Tagebuches per E-Mail zukommen lassen. Außerdem hat Rebrov mir einen Bericht über den Bunker hereingegeben, der auf interessante Informationen hoffen lässt. Ich werde Swerew auffordern, hierherzukommen, damit er sich das Ding einmal anschauen kann.«
»Und was sollte das bringen?«, wollte Bashtiri wissen.
»Sergej, kapierst du es nicht? Wenn an der Sache etwas dran ist und Aldanov uns das Konzept dieser Waffe verrät, sind wir gemachte Leute. Der Präsident der Russischen Föderation wird uns nicht nur mit Lob überschütten, sondern auch mit den dazu gehörigen finanziellen Mitteln ausstatten.«
»Und was wird, wenn er es nicht tut?«
»Falls kein Interesse besteht, können wir Aldanov immer noch zur Strecke bringen, und man wird uns ehren, weil wir das Land von einem gefährlichen Terroristen befreit haben.«
Mit weichen Knien folgte Viktoria den Frauen in die abgedunkelte Jurte. Überall hatten die Dorfbewohner Kerzen aufgestellt. In dem einzigen Zimmer herrschte das reinste Chaos. Die Möbel standen nicht mehr an ihrem Platz, die Teppiche hatte jemand von den Wänden gerissen, und das wenige, was an Dekorationsgegenständen vorhanden gewesen war, lag verstreut auf dem Fußboden. Viktoria hob Leonids Bild auf und stellte es zurück auf die Kommode. Inmitten all dieser Unordnung lag der Leichnam des Makar Schirov aufgebahrt auf dem großen Sofa und bot ein Bild des Friedens. Äußerlich schien er unverletzt, und seine Gesichtszüge waren so entspannt, dass man hätte meinen können, er schliefe nur.
Leonids Großmutter beugte sich mit gefasster Miene über ihren Mann und küsste ihm die Stirn, dann machte sie ein Kreuzzeichen. Ganz langsam erhob sie sich und sah in die Runde, bis sie Viktoria entdeckte. Durch ein Spalier von schweigsamen Dorfbewohnern ging sie auf die Deutsche zu und forderte sie auf, sich zu ihr hinunterzubeugen.
Viktoria sah sie aufgebracht an. »Sie müssen die Polizei einschalten, Vera Leonardowna. Wenn es ein Mord war, können Sie es nicht auf sich beruhen lassen. Was ist, wenn es Lebenovs Männer waren?«
Leonids Großmutter ging auf ihren Vorschlag nicht ein.
»Können Sie einen Wagen fahren, Kind?«, flüsterte sie heiser.
Viktoria nickte verstört.
»Dann fahren wir beide jetzt zum Chekosee. Hier können wir ohnehin nichts mehr tun. Dort müssen wir ein Leben retten. Wir haben keine Zeit zu verlieren.«
Wie ein alter Traktor holperte der Lada durch die Nacht. Vera Leonar-downa saß schweigsam auf dem Beifahrersitz, und obwohl Viktoria i00i Fragen an sie gehabt hätte, getraute sie sich nicht, auch nur eine davon zu stellen.
»Sag Babuschka zu mir, Kind«, sagte die Großmutter aus heiterem Himmel.
»Gerne«, antwortete Viktoria. Ihre Stimme war belegt, und sie wagte es kaum, der alten Frau in die Augen zu sehen.
»Er hatte seine Seele verloren, als er aus Tschetschenien zurückgekommen ist«, begann Vera Leonardowna mit einem Mal von ganz alleine. »Er war abgemagert bis auf die Knochen, und seine Augen waren stumpf. Es lag kein Funken Glanz mehr in ihnen. Er hat Tag und Nacht geweint und war drogenabhängig. Anders konnte er das Erlebte nicht verarbeiten. Es hat zwei Jahre gedauert, bis Makar und ich ihn davon abbringen konnten, ständig irgendwelches Kraut zu rauchen oder selbstgemischte Mixturen aus Pilzen und Pflanzen zu sich zu nehmen. Nicht, dass das unter angehenden Schamanen nicht üblich wäre, aber er tat es nicht, um die Geister zu rufen, sondern um sie zu vertreiben. Ein Grund mehr, warum wir nicht wollten, dass sein Onkel ihn zu einem heiligen Mann ausbildete. Ein weiterer war, dass er nicht auffallen durfte. Die Leute im Dorf hatten ihn jahrelang nicht gesehen. Weil er sich auch äußerlich verändert hatte, konnten wir ihn als einen entfernten Cousin unseres verstorbenen Enkels ausgeben, der gelegentlich zu uns zu Besuch kam. Ich wusste, dass er geflohen war und dass er sich in Lebensgefahr befand, wenn es die falschen Leute herausfinden würden. Kannst du dir vorstellen, Kind, wie furchtbar das ist, wenn du jemanden sosehr liebst und ständig Angst um sein Leben haben musst.«
Viktoria nickte und spürte gleichzeitig, wie sich ihr die Kehle zuschnürte. Nicht fähig, etwas zu antworten, richtete sie ihren Blick auf die Straße, die allein wegen der vielen Schlaglöcher den Namen kaum verdiente.
»Und was hast du jetzt vor, Babuschka? Wir können doch nicht einfach in das Camp einmarschieren und die Herausgabe der Geisel fordern.« Sie sah Vera Leonardowna kurz an und bemerkte, dass die Alte etwas aus ihrer Schürzentasche fischte, das sie zuallerletzt in den Händen einer russischen Großmutter vermutet hätte.
»Eine Makarov PM, Kaliber 9 x 18, mit einem 12er Magazin«, erklärte die alte Frau ungerührt und hielt die Faustfeuerwaffe demonstrativ in die Höhe, damit Viktoria sie auch richtig sehen konnte.
Abrupt trat Viktoria auf die Bremse und verlangsamte das Tempo, bis der Wagen schließlich zum Stehen kam.
»Was willst du mit dem Ding? Wo hast du diese Waffe überhaupt her?«, fragte sie voller Entsetzen. »Soweit ich weiß, ist es Privatpersonen in Russland verboten, eine solche Waffe zu besitzen.«