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Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]

Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:

Abner Marsh, Flußschiffer auf dem Mississippi und ein Koloß von einem Mann, steht nach der Flutkatastrophe von 1857 vor dem wirtschaftlichen Ruin. Da bietet ihm der Aristokrat Joshua York die Partnerschaft an, um das schnellste Dampfschiff auf dem Mississippi bauen zu lassen. Für den Kapitän scheint sich ein Traum zu verwirklichen.
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.

»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
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Ich stand da, mit der Tasse in der Hand, schaute mich verständnislos um, und meine Nase füllte sich mit dem Geruch … diesem Geruch, ich brauche kaum zu erwähnen, daß der Geruch furchtbar war, er … aber ich glaube, das können Sie sich vorstellen. Ich stand inmitten diese grauenvollen Infernos und beobachtete das quälend langsame Heraussickern aus dem Wasserkühler. Ich hatte das Gefühl, als würde ich gleich ersticken. Mein Grauen, diese Wut, ich spürte … wie es in mir hochstieg. Ich schleuderte die Tasse quer durch die Kabine, und ich schrie.

Dann begannen die Laute. Flüstern, Klopfen, Betteln, Jammern, Drohungen. Stimmen, Abner, lebendige Menschenstimmen. Ich schaute mich um, und mir wurde noch elender. Mindestens ein Dutzend Kabinen war zugenagelt worden, und die Bewohner waren darin gefangen. Und warteten, so wußte ich, auf heute oder auf morgen abend. Julians lebendige Vorratskammer. Ich fing an zu zittern. Ich ging zur nächsten Tür und fing an, die Bretter herunterzureißen, die sie geschlossen hielten. Sie lösten sich mit lautem Quietschen und Knarren, fast wie mit einem Schmerzensschrei. Ich war immer noch mit dieser Tür beschäftigt, als er meinte: ›Lieber Joshua, hör sofort damit auf. Armer verirrter Joshua, komm zu uns zurück!‹

Als ich mich umwandte — waren sie plötzlich. Julian lächelte mich an, Sour Billy stand neben ihm, und die anderen, alle anderen, sogar meine eigenen Leute, Simon, Smith und Brown, alle, die noch übrig waren … schauten mich an. Ich schrie sie an, wild und unkontrolliert. Sie waren meinesgleichen, und dennoch hatten sie das getan, Abner. Ich war so voller Haß und Abscheu …

Später, mehrere Tage später erfuhr ich dann die ganze Geschichte, erhielt ich Kenntnis vom vollen Umfang von Julians Wahnsinn. Vielleicht war es meine Schuld, in gewisser Weise. Indem ich Sie und Toby und Mister Framm rettete, verursachte ich den Tod von mehr als hundert unschuldigen Passagieren.«

Abner Marsh schnaubte. »Nein«, sagte er, »was geschehen ist, ist allein Julian zuzuschreiben. Es war Julian, der es getan hat, und er muß sich dafür verantworten. Sie waren ja noch nicht einmal in der Nähe, also machen Sie sich auch keine Vorwürfe, hören Sie?«

Joshuas graue Augen waren voller Sorgen. »Das habe ich mir selbst schon mehrmals gesagt«, meinte er. »Lassen Sie mich meine Geschichte beenden. Folgendes war geschehen: Julian war an diesem Abend erwacht und hatte festgestellt, daß wir verschwunden waren. Er raste vor Wut. Er war wie ein wildes Tier. Seine Wut läßt sich wohl mit Worten nicht ausdrücken. Vielleicht war es auch der rote Durst, der in ihm erwachte, nach all den Jahrhunderten. Außerdem muß es für ihn ausgesehen haben, als stünde eine allgemeine Vernichtung bevor. Seine Lotsen waren weg. Der Dampfer konnte sich ohne Lotsen überhaupt nicht vom Fleck rühren. Und er muß gewußt haben, daß Sie vorhatten, zurückzukehren, bei Tag anzugreifen und ihn zu vernichten. Er vermutete wohl nicht, daß statt dessen ich zurückkäme. Zweifellos haben mein Verrat und Valeries Flucht ihn mit Angst erfüllt, mit Ungewißheit, was als nächstes geschehen konnte. Er hatte die Kontrolle verloren. Er war Blutmeister, und dennoch haben wir alle gegen seinen Willen gehandelt. In der langen Geschichte des Nachtvolkes ist so etwas bisher noch nie geschehen. Ich denke, daß in jener schrecklichen Nacht Damon Julian den Tod sah, nach dem er sich sehnte, den er aber auch gleichzeitig fürchtete.

Wie ich später erfuhr, drängte Sour Billy, daß sie alle an Land gehen und sich trennen sollten. Sie wollten getrennt weiterziehen und sich später in Natchez oder in New Orleans treffen. Das wäre vernünftig gewesen. Aber Julian war nicht mehr ansprechbar. Er hatte soeben die Hauptkabine betreten, der Wahnsinn loderte in seinen Augen, als ein Passagier auf ihn zutrat und sich beschweren wollte, daß der Dampfer längst Verspätung und sich einen ganzen Tag nicht von der Stelle gerührt habe. ›Aha‹, sagte Julian, ›dann müssen wir schnell etwas unternehmen.‹ Er ließ das Schiff etwas weiter in die Flußmitte manövrieren, damit niemand an Land konnte. Danach kehrte er in die Hauptkabine zurück, wo die Passagiere zu Abend aßen, trat zu dem Mann, der sich beschwert hatte, und tötete ihn vor den Augen aller Anwesenden.

Dann begann das Gemetzel. Natürlich schrien die Leute, rannten davon, versteckten sich und schlossen sich in ihren Kabinen ein. Aber es gab keinen sicheren Ort. Und Julian setzte seine Macht ein, benutzte seine Stimme und seine Augen und schickte seine Leute los zum Töten. Ich glaube, die Fiebertraum hatte an jenem Abend etwa hundertdreißig Passagiere an Bord sowie zwanzig Angehörige meines Volks, einige getrieben vom roten Durst, andere von Julians Einfluß. Aber der Durst kann in solchen Momenten furchtbar sein. Wie ein Fieber kann er von einem zum anderen springen, bis alle davon verzehrt werden. Sour Billy veranlaßte die Männer, die er in Natchez‐under‐the‐Hill angeheuert hatte, ebenfalls in den Kampf einzugreifen. Er sagte ihnen, es sei Teil eines Plans, die Passagiere auszurauben und zu töten, und daß sie sich nachher die Beute teilen würden. Als meine Leute sich schließlich auch gegen ihre menschlichen Helfer wandten, war es zu spät.

Es passierte, während wir in jener letzten Nacht oben am Balkon standen und uns unterhielten, Abner. Die Schreie, das Gemetzel, Julians wilde Todeszuckungen. Nicht alles verlief ganz nach seinem Willen. Die Passagiere wehrten sich. Ich erfuhr, daß praktisch jeder meiner Leute irgendwelche Wunden davontrug, obgleich die natürlich sofort wieder verheilten. Vincent Thibaut wurde ins Auge geschossen, und er starb. Katherine wurde von zwei Heizern gepackt und in einen Ofen gestopft. Sie verbrannten sie, ehe Kurt und Alain einschreiten konnten. Demnach fanden zwei meiner Leute den Tod. Zwei von uns und weit über hundert von Ihrer Rasse. Die Überlebenden wurden in ihren Kabinen eingesperrt.

Als es vorüber war, begann für Julian das Warten. Die anderen waren voller Angst und wollten fliehen, aber das ließ Julian nicht zu. Er wollte entdeckt werden, so glaube ich. Man erzählt sich, er habe von Ihnen gesprochen, Abner.«

»Von mir?« Marsh war wie vom Donner gerührt.

»Er versprach Ihnen angeblich, daß der Fluß die Fiebertraum niemals vergessen werde. Er lachte und meinte, er habe sein Versprechen wohl gehalten.«

In Abner Marsh wallte Wut auf und brach in einem Fluch aus ihm heraus. »Er soll zur Hölle fahren!« sagte er mit seltsam ruhiger Stimme.

»Genau das«, sagte Joshua York, »geschah damals. Aber ich hatte davon keine Ahnung an jenem Abend, als ich zur Fiebertraum zurückkehrte. Ich wußte nur, was ich mit eigenen Augen gesehen hatte, was ich roch, was ich vermuten und mir zusammenreimen konnte. Und ich war wie besessen, wild. Ich riß die Bretter an den Kabinentüren herunter, wie ich erzählte, und dann war Julian da, und plötzlich konnte ich nur noch schreien, und ich schrie ihn an. Ich wollte Rache. Ich wollte ihn töten, wie ich noch niemals jemand hatte umbringen wollen, ich wollte seinen bleichen Hals aufreißen und wollte sein verdammtes Blut schmecken! Meine Wut … ach, Worte können es nicht beschreiben!

Julian wartete, bis ich mit dem Schreien aufhörte, und dann sagte er ruhig: ›Zwei Bretter sind noch an Ort und Stelle, Joshua. Mach sie los und laß die Leute heraus. Du mußt sehr viel Durst haben.‹ Sour Billy kicherte. Ich sagte nichts. ›Mach weiter, lieber Joshua‹, meinte Julian. ›Heute wirst du wirklich wieder zu uns zurückkehren und uns in Zukunft nie mehr verlassen. Fahr fort, Joshua! Befrei ihn! Töte ihn!‹ Und seine Augen hielten mich fest. Ich spürte ihre Kraft, spürte, wie sie mich zu ihm hinzogen, mir seinen Willen aufzwangen. Sobald ich sein Blut wieder gekostet hätte, würde ich ihm gehören, mit Leib und Seele, für immer. Er hatte mich ein dutzendmal geschlagen, mich gezwungen, vor ihm niederzuknien, bereit, ihm mein Blut anzubieten. Aber er hat es nie geschafft, mich soweit zu bringen, daß ich tötete. Es war der letzte Schutzwall für alles, was ich war, woran ich glaubte und was ich zu tun versuchte, und nun rissen seine Augen diesen Schutzwall nieder, und dahinter warteten nur noch Tod, Blut, Grauen und die endlose leere Nacht, die schon bald mein Leben bestimmen sollte.«

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