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Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]

Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:

Abner Marsh, Flußschiffer auf dem Mississippi und ein Koloß von einem Mann, steht nach der Flutkatastrophe von 1857 vor dem wirtschaftlichen Ruin. Da bietet ihm der Aristokrat Joshua York die Partnerschaft an, um das schnellste Dampfschiff auf dem Mississippi bauen zu lassen. Für den Kapitän scheint sich ein Traum zu verwirklichen.
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.

»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
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Joshua York unterbrach seinen Bericht und senkte den Blick. In seinen Augen hatte ein umwölkter und undeutbarer Ausdruck gelegen. Abner Marsh sah zu seiner Verwunderung, daß Joshuas Hand zitterte. »Joshua«, sagte er, »was immer geschehen ist, es liegt jetzt dreizehn Jahre zurück. Es ist vorbei, versunken wie jene Leute, die Sie in England getötet haben. Und Sie hatten nie eine Wahl. Sie haben mir doch erklärt, daß man nicht ohne eigene Entscheidung gut oder böse ist. Sie sind niemals so, wie Julian ist, ganz gleich, ob Sie den Mann umbrachten oder nicht.«

York blickte ihm in die Augen und lächelte seltsam. »Abner, ich habe den Mann nicht getötet.«

»Nein? Was dann …«

»Ich habe mich dagegen gewehrt«, sagte Joshua. »Ich war wütend, Abner. Ich schaute ihm in die Augen, und ich verabscheute ihn. Ich kämpfte gegen ihn an. Und diesmal gewann ich. Wir standen volle zehn Minuten lang da, und schließlich riß Julian sich los, zähnefletschend, und wich über die Treppe zu seiner Kabine zurück, und Sour Billy rannte hinter ihm her. Meine Leute standen da und starrten mich verblüfft an. Raymond Ortega trat vor und forderte mich heraus. Keine Minute verging, und er kniete vor mir. ›Blutmeister‹, sagte er und senkte den Kopf. Dann, nacheinander, knieten auch die anderen nieder. Armand und Cara, Cynthia, Jorge und Michel LeCouer, sogar Kurt, alle. Simons Gesicht leuchtete triumphierend. Auch die anderen freuten sich. Julian hatte ein schlimmes Regiment geführt. Nun waren sie frei. Ich hatte Damon Julian besiegt, trotz seiner Kraft, trotz seines Alters. Ich war wieder der Anführer meiner Leute. Dann begriff ich, daß ich vor einer Entscheidung stand. Wenn ich mich nicht beeilte, würde die Fiebertraum entdeckt, und Julian und ich und unsere gesamte Rasse müßten sterben.«

»Was haben Sie getan?«

»Ich suchte Sour Billy. Er war trotz allem als Maat erfahren. Er stand vor Julians Kabine, verwirrt, feige. Ich übertrug ihm die Verantwortung über das Hauptdeck und erklärte den anderen, sie sollten seinen Befehlen gehorchen. Sie arbeiteten. Als Heizer, als Maschinisten, als Mechaniker. Mit Billys Hilfe, der Todesängste litt und seine Befehle gab, heizten wir ein. Wir verbrannten Holz und Talg und Leichen. Schlimm, ich weiß, aber wir mußten die Toten verschwinden lassen, oder wir hätten ohne Risiko an keinem Holzplatz mehr anlegen können. Ich ging ins Ruderhaus und übernahm das Steuer. Dort oben war wenigstens niemand ums Leben gekommen. Das Schiff fuhr bei gelöschter Beleuchtung los, damit niemand uns sehen konnte. Manchmal mußten wir die Fahrrinne ausloten und kamen nur langsam voran, aber dann, als der Nebel sich hob, schafften wir ein zügiges Tempo und waren so schnell, daß Sie auf Ihr Schiff stolz gewesen wären. Wir überholten einige Dampfer in der Dunkelheit, und ich grüßte sie mit der Dampfpfeife, und sie pfiffen zurück, aber niemand kam nahe genug heran, um unseren Namen zu lesen. Der Fluß war in dieser Nacht fast leer wegen des Nebels. Ich war ein tollkühner Lotse, aber die Alternative wären für uns die Entdeckung und der sofortige Tod gewesen. Als die Dämmerung anbrach, waren wir noch immer auf dem Fluß unterwegs. Ich ließ ihnen keine Ruhepause. Billy ließ Planen um das Hauptdeck spannen als Schutz vor der Sonne. Ich blieb im Ruderhaus. Wir passierten New Orleans bei Sonnenaufgang, fuhren weiter stromabwärts und bogen in ein Bayou ein. Es war schmal und seicht und stellte den schwierigsten Teil unserer Reise dar. Wir mußten ständig das Lot ausbringen. Aber schließlich erreichten wir Julians alte Plantage. Erst dann zog ich mich in meine Kabine zurück. Ich war schrecklich verbrannt. Wieder einmal.« Er lächelte bitter. »Ich schien mir das zur Gewohnheit gemacht zu haben«, sagte er. »Am nächsten Abend schaute ich mir Julians Land an. Wir hatten den Dampfer an einem halbverfaulten Floß festgemacht, aber er war zu auffällig. Wenn Sie nach Cypress Landing gekommen wären, hätten Sie ihn sofort gefunden. Ich wollte ihn aber auch nicht zerstören, da wir ihn vielleicht noch brauchen würden, dennoch wußte ich, daß es besser war, ihn zu verstecken.

Ich fand eine Lösung. Die Plantage hatte früher einmal Indigo produziert. Dann hatten die Eigentümer vor mehr als fünfzig Jahren begonnen, statt dessen das gewinnträchtigere Zuckerrohr anzubauen, und Julian hatte sich natürlich um gar nichts gekümmert; aber südlich des Haupthauses fand ich die alten Indigogruben an einem Wasserweg, der zum Bayou führte. Es war ein stilles, abgelegenes Gewässer, zugewachsen und stinkend. Indigo ist nichts Angenehmes. Der Kanal war kaum breit genug für die Fiebertraum und ganz eindeutig nicht tief genug.

Daher ließ ich den Kanal ausgraben. Wir entluden den Dampfer und schufen im Unterholz eine Lichtung und fällten die Bäume, die den Kanal einengten. Einen Monat Arbeit hatten wir, Abner, fast jede Nacht. Und dann lenkte ich den Dampfer durch das Bayou, bugsierte ihn in den Seitenarm. Als wir Grundberührung hatten, stoppte ich ihn. Aber nun war das Schiff praktisch unsichtbar. In den folgenden Wochen sperrten wir den Seitenarm ab und legten ihn trocken. Nach etwa einem Monat stand die Fiebertraum auf feuchtem schlammigen Grund, verhüllt von Eichen und Zypressen, und niemand wäre auf die Idee gekommen, daß dort einmal ein Gewässer existiert hatte.«

Abner Marsh runzelte mißbilligend die Stirn. »Das ist aber kein schönes Ende für ein Dampfschiff«, knurrte er bitter. »Vor allem nicht für die Fiebertraum. Sie hätte etwas Besseres verdient.«

»Ich weiß«, sagte Joshua, »aber ich mußte an die Sicherheit meiner Leute denken. Ich hatte meine Wahl getroffen, Abner, und als alles vollbracht war, war ich zufrieden. Niemand würde uns finden. Die meisten Leichen waren verbrannt oder beerdigt. Julian hatte sich seit dem Abend seiner Niederlage kaum mehr blicken lassen. Er verließ seine Kabine nur, um zu essen. Sour Billy war der einzige, der mit ihm redete. Er hatte Angst und gehorchte ihm noch. Die anderen folgten mir und tranken mit mir. Ich hatte Billy befohlen, mein Elixier aus Julians Kabine zu holen und in das Regal hinter der Bar im Hauptsalon zu stellen. Wir tranken jeden Abend zum Abendessen davon. Nur ein Problem gab es noch zu lösen, ehe ich mir Gedanken über die Zukunft meiner Rasse machen konnte — unsere Gefangenen, jene Passagiere, die die Nacht des Schreckens überlebt hatten. Wir hatten sie in ihren Gefängnissen gelassen, während wir arbeiteten, aber keinem war ein Haar gekrümmt worden. Wir versorgten sie mit Speisen und Getränken. Ich redete sogar mit ihnen und versuchte sie zu überzeugen, aber es war sinnlos — wenn ich ihre Kabinen betrat, gerieten sie vor Entsetzen in Panik. Ich hatte keine Lust, sie für immer eingesperrt zu lassen, aber sie hatten alles gesehen, und ich wußte nicht, wie ich sie gefahrlos laufen lassen sollte.

Dann löste sich das Problem von selbst. Eines Nachts verließ Damon Julian seine Kabine. Er lebte immer noch auf dem Dampfer, ebenso ein paar andere, nämlich die, die ihm am nächsten gestanden hatten. Ich war in dieser Nacht mit einigen anderen an Land gegangen und arbeitete im Haupthaus, das Julian schändlich hatte verkommen lassen. Als ich zur Fiebertraum zurückkehrte, stellte ich fest, daß zwei Gefangene aus ihren Kabinen herausgeholt und getötet worden waren. Raymond, Kurt und Adrienne saßen mit den Leichen im großen Salon und labten sich an ihnen, und Julian residierte am Kopf der Tafel.«

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