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Электронная книга - «Autobiographische Schriften». Краткое содержание книги:

Autobiographische Schriften
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»Wenn ich die Wache hatte, unterhielt ich mich gern mit denjenigen unter den jungen Leuten, deren Zuneigung ich besaß. Aber ich muß gestehen, keine einzige dieser Plaudereien hat einen so tiefen Eindruck auf mich gemacht, wie meine Unterhaltungen mit Dostojewski. Er sprach immer leise, langsam, mit Pausen, und zwar tat er das aus anscheinend physischen Gründen – vielleicht infolge einer organischen Eigenart seines Brustbaues oder seiner Atmungsorgane,« (es sei hier an die plötzliche Heiserkeit erinnert, von der sein Bruder Andrei berichtet) »... keineswegs etwa deshalb, weil er sich rhetorisch schön, gewählt und überzeugend ausdrücken wollte. Auch die einfachste Erinnerung aus seiner Kindheit, wie irgend eine unwichtige geschichtliche Begebenheit wurden von ihm langsam, doch vorzüglich wiedergegeben, eben mit dieser besonderen ihm eigenen Beseelung. Ich glaube, er war sich auch selbst bewußt, welch einen Eindruck seine Erzählungen auf den Zuhörer machten, und sprach deshalb gerne von allem mit dem gleichen gefangennehmenden Zauber, – obschon nicht selten in seinen Worten eine gewisse Galle zu bemerken war, aber dafür lag in Dostojewskis Erzählungen ebensoviel Wärme wie Wahrheit.

»... Ort unserer Unterhaltungen war größtenteils das sogenannte Dujour-Zimmer, dessen Fenster auf den kleinen Hof gingen: Der Dienstraum des wachthabenden Offiziers. Ich muß bemerken, daß sich damals über die Vorgeschichte des Ingenieur-Palais (des ehemaligen Michail-Palais) noch manches Interessante als mündliche Überlieferung erhalten hatte. Dieses Palais war denn auch oft der Gegenstand meiner Unterhaltung mit Dostojewski, in dessen Erinnerung sich die historische Topographie des Gebäudes, dessen Architektur ihm sehr gefiel, mit aller Deutlichkeit erhielt:Dies bestätigen auch die Notizbuchaufzeichnungen seiner Frau. O. M. so daß er wußte, wo früher der Thronsaal gewesen war, wo sich eine geheime Wendeltreppe befand, oder ein längst vermauerter Gang zu einer Tür unten am Kanal, auf dem einst an dieser Stelle ein Boot befestigt war...

»Doch am häufigsten unterhielten wir uns über das Gegenwärtige, über das Leben in der Schule, den sogenannten Geist der Anstalt, das Erziehungssystem und Ähnliches. War doch dieses ausschließlich militärische System, dieses rauhe Verhalten der älteren Schüler zu den jüngeren, die Strenge der Vorgesetzten – bei völliger Ausschaltung eines zusammenfassenden Verfahrens in der Beurteilung der allgemeinen Werte eines Schülers – der Hauptgrund jenes geheimen Mißtrauens, ja Hasses der Schüler gegen ihre Lehrer, der jede Beziehung zwischen ihnen zerstörte. Bei Dostojewski konnten es schließlich noch andere, mir unbekannte Umstände oder Lebenserfahrungen gewesen sein, die jedes Zutrauen zu den Menschen in ihm vernichteten – all das lastete wohl schwer auf der Seele des äußerst feinfühligen Jünglings, der in den Menschen vor allem Barmherzigkeit und Rechtlichkeit suchte... Nichtsdestoweniger erinnerte er sich gerne jener Zeit in der Anstalt und jener ehemaligen Lehrer, deren Namen von allen mit Dankbarkeit genannt werden, – tat es selbst dann noch, als in seiner Stimme schon der Ton des scheidenden Menschen mitklang: in seinen Augen erschien dann plötzlich der frühere Glanz, wenn auch nur auf eine kurze Zeit.«

Jedenfalls dürfte man nach richtiger Abschätzung alles Guten und alles Bösen, das Dostojewski in der Ingenieurschule erlebte, wohl kaum jener Auffassung zustimmen können, nach der die Worte des Helden der »Aufzeichnungen aus dem Dunkel der Großstadt« (»Fluch dieser Schule, diesen schrecklichen Sträflingsjahren!« usw.) sich unmittelbar auf Dostojewskis persönliche Erinnerung an seine in der Ingenieurschule verbrachten Jahre beziehen sollen. Und dasselbe ließe sich wohl auch von den Äußerungen dieses Helden über seine Mitschüler sagen; – ausgenommen vielleicht die eine Schilderung des lebensklugen Strebens der Mitschüler nach Erfolg und »Laufbahn«, – und im Gegensatz dazu die eigene schweigsame Einsamkeit mitten unter ihnen... Im übrigen ist der Held des »Dunkel« doch in nur sehr geringem Grade Dostojewski selbst ähnlich.

Am 5. August 1841 wurde er zum Fähnrich ernannt, mit Belassung in der Anstalt, um den Offizierskursus zu vollenden. In einem Briefe vom 22. Dezember 1841 schreibt er an den Bruder, der trotz seiner schwierigen Vermögenslage im Begriff steht, zu heiraten: »Lieber, mein Lieber! Wenn du wüßtest, wie glücklich es mich macht, Dir wenigstens ein wenig helfen zu können. Mit welcher Wonne schicke ich Dir diese Kleinigkeit,Hundertundfünfzig Rubel. O. M. die Dir vielleicht etwas Ruhe geben kann. Es ist wenig, ich weiß. Aber was soll ich tun, wenn ich mehr, bei Gott, Bruder, wirklich nicht schicken kann... Ich habe ja noch Andrjuscha bei mir und habe für ihn zu sorgen; nach Moskau zu schreiben geht aber so bald nicht an – die denken sonst Gott weiß was...«Gemeint ist der Vormund und dessen Familie. O. M. Weiter spricht er von angestrengtem Lernen – »... will doch nicht seine Reputation verlieren und so paukt man denn, zwar mit Ekel, aber man paukt... Andrjuscha ist krank, ich selbst bin äußerst zerrüttet... Daß ich ihn zum Examen vorbereiten muß, daß er überhaupt bei mir lebt,Der jüngere Bruder blieb bis zum Dezember 1842 bei ihm. E.K.R. bei mir, der ich frei sein, allein sein, unabhängig sein will, ist für mich unerträglich. Mit nichts kann man sich beschäftigen, mit nichts zerstreuen«...

Aus diesem Briefe geht hervor, daß Fjodor Michailowitsch damals bereits in einer eigenen Wohnung lebte und von dort aus die Vorlesungen der Offiziersklassen besuchte, mit denen das erwähnte Lernenmüssen in Zusammenhang steht. Seine wirtschaftliche Lage hätte gut sein können, denn sein Vormund schickte ihm, in auffallendem Gegensatz zu seinem Verhalten dem älteren Bruder gegenüber, seit seiner Beförderung zum Offizier stets pünktlich die ihm zukommende Summe.

Nach den Aussagen Dr. Riesenkampfs erhielt Dostojewski damals, sein Gehalt mitgerechnet, gegen 5000 Rubel im Jahre. Doch da er fürs Praktische äußerst wenig Sinn hatte, war er meist ohne Geld. Er begann seine eigene Wirtschaft damit, daß er sich in der Wladimirstraße im Hause des Postdirektors Prjänischnikoff eine große Wohnung für 1200 Rubel mietete, bloß weil der Besitzer ihm gefiel. In dieser großen Wohnung aber gab es dafür an Möbeln nur einen alten Diwan, einen Schreibtisch und ein Paar Stühle. Übrigens gefiel ihm auch der gutmütige Gesichtsausdruck seines Burschen Ssemjon so sehr, daß er trotz aller Warnungen vor dessen langen Fingern seelenruhig immer nur antwortete: »... er doch stehlen; davon werde ich schon nicht bankrott werden.« Aber schließlich war dies doch der Fall und Dostojewski geriet buchstäblich in Schulden. Infolgedessen sah er sich gezwungen, seine Neigung zur Literatur zu verwerten, und das tat er denn auch, mit prosaischer Berechnung des Verdienstes, zum Teil in gemeinsamer Arbeit mit seinem Bruder.

Nachdem Dostojewski am 11. August 1842 nach bestandener Prüfung zum Unterleutnant befördert worden war, wurde er im folgenden Jahre, am 12. August 1843, nach Beendung des ganzen wissenschaftlichen Lehrplanes in der oberen Offiziersklasse, zum aktiven Dienst im Ingenieurkorps des Petersburger Ingenieurkommandos abkommandiert und der Abteilung für Zeichner im Ingenieur-Departement zugeteilt.

Aber der Widerspruch zwischen der Pflicht, zeichnen zu müssen, und dem Drang, schriftstellerisch tätig zu sein, begann sich alsbald geltend zu machen.

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