Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Русская классическая проза » Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne)

Электронная книга - «Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne)». Краткое содержание книги:

Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne)
1 ... 104 105 106 107 108 109 110 111 112 ... 166
Перейти на страницу:

»Haben Sie es heute dem Porfirij gesagt ... daß ich in die Wohnung kam?« rief er aus, durch den plötzlichen Einfall überrascht.

»Was für einem Porfirij?«

»Dem Untersuchungsrichter.«

»Ich hab' es ihm gesagt. Die Hausknechte wollten damals nicht hingehen, darum ging ich selbst hin.«

»Heute?«

»Ein Weilchen vor Ihnen war ich dort. Und ich hörte alles, wie er Sie quälte.«

»Wo? Was? Wann?«

»Gleich nebenan, hinter dem Verschlag habe ich die ganze Zeit gesessen.«

»Wie? Also waren Sie die Überraschung? Wie ist es nur möglich? Ich bitte Sie!«

»Als ich sah,« begann der Kleinbürger, »daß die Hausknechte auf meine Worte hin nicht hingehen wollten, weil es, wie sie sagten, spät sei und er vielleicht auch böse werden könnte, daß sie um eine solche Stunde gekommen sind, ärgerte ich mich und konnte nicht mehr schlafen und begann mich zu erkundigen. Und nachdem ich mich gestern erkundigt hatte, ging ich heute hin. Wie ich zum erstenmal kam, war er nicht da; eine Stunde später – ließ man mich nicht vor, und wie ich zum drittenmal kam, da empfing er mich. Ich fing an, ihm alles zu erzählen, und er fing an, im Zimmer hin und her zu rennen und sich mit der Faust vor die Brust zu schlagen. ›Was macht ihr mit mir,‹ sagte er, ›ihr Räuber? Hätte ich das gewußt, so würde ich ihn durch die Polizei geholt haben!‹ Dann lief er hinaus, rief einen anderen herbei und redete mit ihm in einer Ecke, und dann wandte er sich wieder an mich, und fing an, mich auszufragen und zu schimpfen. Er machte mir viele Vorwürfe; ich aber berichtete ihm alles und sagte, daß Sie mir auf meine gestrigen Worte nichts zu antworten wagten und daß Sie mich nicht wiedererkannt hätten. Und er fing wieder an, hin und her zu laufen und sich mit der Faust vor die Brust zu schlagen und zu wüten; als man aber Sie anmeldete, sagte er mir: ›Geh hinter den Verschlag, sitze da und rühr dich nicht, was du auch hörst!‹ Und er brachte mir auch einen Stuhl hin und schloß mich ein; ›vielleicht werde ich dich noch brauchen‹, sagte er mir. Als man aber den Nikolai brachte, ließ er mich gleich nach Ihnen heraus und sagte: ›Ich werde dich noch mal vorladen und werde dich noch verhören ...‹«

»Hat er den Nikolai in deinem Beisein verhört?«

»Gleich nachdem er Sie herausließ, ließ er auch mich heraus und fing den Nikolai zu verhören an.«

Der Kleinbürger hielt inne und verbeugte sich plötzlich wieder, wobei er mit dem Finger den Boden berührte.

»Verzeihen Sie mir die Verleumdung und die Bosheit.«

»Gott wird's verzeihen.«

Kaum hatte er das gesagt, verneigte sich der Kleinbürger wieder tief, doch diesmal nicht bis zur Erde; dann wandte er sich langsam um und verließ das Zimmer.

– Alles hat zwei Enden, jetzt hat alles zwei Enden! – wiederholte Raskolnikow vor sich hin und ging aus dem Zimmer, rüstiger denn je. – Jetzt wollen wir noch kämpfen! – sagte er sich mit boshaftem Lächeln, als er die Treppe hinunterging. Sein Ärger richtete sich gegen ihn selbst; mit Verachtung und Beschämung erinnerte er sich seiner »Kleinmütigkeit«.

Fünfter Teil

I

Der Morgen, der auf die für Pjotr Petrowitsch verhängnisvolle Aussprache mit Dunjetschka und Pulcheria Alexandrowna folgte, wirkte auch auf ihn erschütternd. Zu seinem größten Leidwesen war er gezwungen, das, was ihm noch gestern als ein, wenn auch sich tatsächlich abgespielt habendes, doch beinahe phantastisches und unmögliches Ereignis erschienen war, als eine vollzogene und unwiderrufliche Tatsache anzusehen. Die schwarze Schlange der gekränkten Eitelkeit nagte die ganze Nacht an seinem Herzen. Gleich nachdem er aufgestanden war, blickte er in den Spiegel. Er fürchtete, daß ihm in der Nacht die Galle übergelaufen sei. Aber in dieser Hinsicht war vorläufig alles in Ordnung, und nachdem Pjotr Petrowitsch sein edles, weißes, in der letzten Zeit etwas verfettetes Antlitz betrachtet hatte, fand er für einen Augenblick Trost in der vollen Überzeugung, irgendwo eine andere Braut, vielleicht sogar eine bessere, finden zu können; aber er ließ diesen Gedanken sofort fallen und spuckte energisch auf die Seite, wodurch er ein stummes, doch sarkastisches Lächeln bei seinem jungen Freunde und Zimmergenossen Andrej Ssemjonowitsch Lebesjatnikow weckte. Pjotr Petrowitsch bemerkte dieses Lächeln und kreidete es sofort seinem jungen Freunde an. In der letzten Zeit hatte er ihm schon recht viel angekreidet. Seine Wut verdoppelte sich, als er plötzlich einsah, daß er Andrej Ssemjonowitsch eigentlich nichts über seine gestrigen Erfolge hätte mitzuteilen brauchen. Das war der zweite Fehler, den er gestern in der Erregung und Gereiztheit, aus übermäßiger Expansivität begangen hatte. Diesen ganzen Morgen folgte wie absichtlich eine Unannehmlichkeit auf die andere. Selbst im Senat erwartete ihn ein Mißerfolg in einer Sache, um die er sich bemühte. Besonders hatte ihn der Wirt der Wohnung gereizt, die er angesichts der baldigen Heirat gemietet hatte und auf eigene Rechnung instandsetzen ließ. Dieser Wirt, ein reichgewordener deutscher Handwerker, wollte um keinen Preis von dem soeben abgeschlossenen Vertrag zurücktreten und verlangte die Bezahlung der im Vertrage vorgesehenen Entschädigung, obwohl Pjotr Petrowitsch ihm die Wohnung beinahe ganz neu instandgesetzt zurückgab. Ebenso wollte man auch im Möbelgeschäft keinen einzigen Rubel von der Anzahlung für die bereits gekauften, aber noch nicht in die Wohnung geschafften Möbel zurückzahlen.

– Ich werde doch nicht der Möbel wegen heiraten! – sagte sich Pjotr Petrowitsch, mit den Zähnen knirschend; zugleich erwachte in ihm eine neue verzweifelte Hoffnung: – Ist denn alles in der Tat so unwiderruflich verloren und erledigt? Soll ich nicht noch einmal versuchen? – Der Gedanke an Dunjetschka saß ihm wie ein Splitter im Herzen. Mit Qual ertrug er diesen Augenblick, und wenn er jetzt Raskolnikow durch einen bloßen Wunsch hätte töten können, so hätte Pjotr Petrowitsch diesen Wunsch unverzüglich ausgesprochen.

– Es war auch ein Fehler, daß ich ihnen gar kein Geld gab – dachte er, als er nun traurig in das kleine Zimmer Lebesjatnikows zurückkehrte: – Und warum bin ich, zum Teufel, so ein Jude geworden?! Es war sogar gar keine Berechnung dabei! Ich hatte die Absicht, sie in Armut zu halten und sie so weit zu bringen, daß sie mich für ihre Vorsehung halten, sie aber stellen so was an! ... Pfui! ... Nein, hätte ich während dieser ganzen Zeit beispielsweise fünfzehnhundert Rubel für die Mitgift, für Geschenke, für allerlei Schächtelchen, Necessaires, Anhängsel, Stoffe und sonstigen Kram aus dem Geschäft von Knoop oder aus dem Englischen Magazin ausgegeben, so stünde die Sache besser und ... sicherer! Dann hätten sie mir nicht so leicht absagen können! Diese Leute sind doch so, daß sie es unbedingt für ihre Pflicht gehalten hätten, mir im Falle einer Absage die Geschenke und das Geld zurückzugeben; die Rückgabe würde ihnen aber schwer fallen und leid tun! Auch das Gewissen würde ihnen zugesetzt haben: wie kann man bloß einen Menschen davonjagen, der bisher so freigebig und feinfühlend war? ... Hm! Das war ein Fehler von mir! –

Pjotr Petrowitsch knirschte noch einmal mit den Zähnen und nannte sich auf der Stelle einen Dummkopf – natürlich nur bei sich.

Nachdem er zu diesem Schlusse gekommen war, kehrte er noch doppelt so wütend und gereizt nach Hause zurück, als er fortgegangen war. Die Vorbereitungen zum Totenmahl im Zimmer Katerina Iwanownas erregten zum Teil seine Neugier. Von diesem Totenmahl hatte er schon gestern manches gehört; er glaubte sich sogar erinnern zu können, daß man auch ihn eingeladen hatte, aber bei seinen anderen Sorgen hatte er das alles überhört. Er erkundigte sich schnell bei der Frau Lippewechsel, die in Abwesenheit Katerina Iwanownas (die auf dem Friedhof war) das Tischdecken besorgte, und erfuhr, daß das Totenmahl sehr feierlich sein würde, daß fast alle Mieter, darunter auch solche, die den Verstorbenen gar nicht gekannt hatten, eingeladen seien, daß sogar Andrej Ssemjonowitsch Lebesjatnikow, trotz seines kürzlichen Streites mit Katerina Iwanowna, eingeladen sei, und schließlich, daß auch er selbst, Pjotr Petrowitsch, nicht nur eingeladen sei, sondern als der beinahe vornehmste Gast unter allen Mietern sogar mit großer Ungeduld erwartet werde. Auch Amalia Iwanowna selbst war trotz aller vorgefallenen Unannehmlichkeiten mit großer Ehre eingeladen worden, und darum wirtschaftete und bemühte sie sich jetzt fast mit Genuß: außerdem war sie festlich geputzt, obwohl in Trauer, und hatte lauter neue und seidene Sachen an, worauf sie sehr stolz war. Alle diese Tatsachen und Nachrichten brachten Pjotr Petrowitsch auf einen gewissen Gedanken, und er kehrte etwas nachdenklich in sein, das heißt Andrej Ssemjonowitsch Lebesjatnikows Zimmer zurück. Er hatte nämlich erfahren, daß unter den Eingeladenen sich auch Raskolnikow befand.

1 ... 104 105 106 107 108 109 110 111 112 ... 166
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)