Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Was soll das bedeuten? dachte Sachar. Er schickt mich spazieren; das war noch nicht da!
»Ich werde lieber am Sonntag fortgehen, Ilja Iljitsch ...«
»Wirst du gehen?« begann Oblomow, sich mit zusammengepreßten Zähnen Sachar nähernd. Sachar verschwand, und Oblomow rief Anissja herein.
»Geh auf den Markt«, sagte er ihr, »und kaufe zum Mittagessen ein ...«
»Ich habe alles eingekauft; das Essen wird bald fertig sein ...« begann die Nase.
»Schweig und gehorche!« fuhr Oblomow sie so an, daß Anissja Angst bekam.
»Kaufe ... Spargel ...« schloß er nach einer Weile, da ihm nichts einfiel, was er holen lassen konnte.
»Wo bekommt man denn jetzt Spargel, Väterchen? Das gibt es doch jetzt nicht ...«
»Marsch!« schrie er, und sie lief fort.
»Laufe, so schnell du kannst!« schrie er ihr nach. »Und schau dich nicht um; von dort mußt du aber so langsam als möglich zurückkehren und darfst nicht vor zwei Stunden hier sein!«
»Was soll das heißen?« sagte Sachar zu Anissja, ihr vor dem Tore begegnend. »Er hat mich spazieren fortgejagt und hat mir zwanzig Kopeken gegeben! Wohin soll ich spazieren gehen?«
»Das ist die Sache des Herrn!« bemerkte die findige Anissja. »Geh zu Artemij, dem gräflichen Kutscher, und bewirte ihn mit Tee, er hält dich immer frei; und ich laufe auf den Markt.«
»Was heißt das, Artemij?« fragte Sachar auch ihn. »Der Herr hat mich spazieren fortgejagt und hat mir ein Trinkgeld gegeben ...«
»Vielleicht will er sich selbst einen Rausch antrinken?« fiel es Artemij ein. »Da hat er auch dir was gegeben, damit du ihn nicht beneidest. Komm!«
Er blinzelte Sachar zu und wies mit dem Kopf auf irgendeine Straße hin.
»Komm!« wiederholte Sachar und winkte gleichfalls mit dem Kopf nach derselben Straße hin.
»So etwas! Er hat mich spazieren fortgejagt!« krächzte er leise lächelnd.
Sie gingen fort, und Anissja lief bis zum ersten Kreuzweg, setzte sich in einen Graben am Zaune und wartete, was geschehen würde.
Oblomow lauschte und wartete. Jetzt ergriff jemand den Ring an der Pforte, und in demselben Augenblick ertönte das verzweifelte Bellen und begann das Springen des Hundes an der Kette.
»Der verfluchte Hund!« sagte Oblomow zähneknirschend, griff nach dem Hut, stürzte zur Pforte hin, öffnete sie und trug Oljga fast in seinen Armen bis zur Stiege.
Sie war allein. Katja erwartete sie im Wagen, in der Nähe des Tores.
»Du bist gesund? Du liegst nicht zu Bett? Was ist mit dir?« fragte sie schnell, ohne den Mantel und den Hut abzulegen und ihn vom Kopf bis zu den Füßen betrachtend, als sie sich in seinem Arbeitszimmer befanden.
»Es geht mir schon wieder besser, die Halsentzündung ist ... fast ganz vorüber«, sagte er, seinen Hals berührend und leicht hüstelnd.
»Warum bist du gestern nicht gekommen?« fragte sie, ihn so forschend anblickend, daß er kein einziges Wort aussprechen konnte.
»Wie hast du dich zu einer solchen Handlung entschließen können, Oljga?« begann er entsetzt. »Weißt du denn, was du tust? ...«
»Lassen wir das jetzt!« unterbrach sie ihn ungeduldig. »Ich frage dich: Was bedeutet es, daß du dich nicht sehen läßt?«
Er schwieg.
»Hast du vielleicht ein Gerstenkorn?«
Er schwieg.
»Du warst nicht krank. Du hast keine Halsschmerzen gehabt!« sagte sie mit gefurchten Brauen.
»Nein«, antwortete Oblomow mit der Stimme eines Schulknaben.
»Du hast mich betrogen!« Sie blickte ihn erstaunt an. »Warum?«
»Ich werde dir alles erklären, Oljga!« rechtfertigte er sich.
»Ein wichtiger Grund hat mich daran verhindert, während dieser zwei Wochen zu dir zu kommen ... ich habe mich gefürchtet ...«
»Wovor?« fragte sie, sich setzend und Hut und Mantel ablegend.
Er nahm ihr beides ab und legte es auf den Diwan.
»Vor dem Klatsch und der Verleumdung ...«
»Du hast dich aber nicht davor gefürchtet, daß ich die ganze Nacht nicht schlafen, Gott weiß woran denken werde und erkranken kann?« sagte sie, ihn mit einem forschenden Blick streifend.
»Oljga, du weißt nicht, was hier bei mir vorgeht!« sagte er, aufs Herz und auf den Kopf zeigend. »Ich bin vor Unruhe wie im Feuer. Weißt du nicht, was geschehen ist?«
»Was ist noch geschehen?« fragte sie kalt.
»Wie weit das Gerücht von dir und mir gedrungen ist! Ich wollte dich nicht aufregen und habe gefürchtet, mich bei dir blicken zu lassen.«
Er erzählte ihr alles, was er von Sachar und Anissja gehört hatte, erwähnte auch das Gespräch der beiden Gecken und schloß, indem er sagte, daß er seit der Zeit nicht schlafe, daß er in jedem Blick eine Frage, einen Vorwurf oder neckische Andeutungen auf ihre Zusammenkünfte sehe.
»Aber wir haben ja beschlossen, noch diese Woche mit ma tante zu sprechen!« entgegnete sie. »Dann müssen diese Gerüchte doch verstummen ...«
»Ja; aber ich wollte bis zum Empfang des Briefes der Tante noch nichts sagen. Ich weiß, daß sie mich nicht über meine Liebe, sondern über das Gut ausfragen und sich in Details einlassen wird; ich kann ihr das alles aber nicht erklären, bevor der Nachbar mir geantwortet hat.«
Sie seufzte.
»Wenn ich dich nicht kennen würde, könnte ich Gott weiß was glauben!« sagte sie nachdenklich. »Du hast mich durch Klatschgeschichten der Lakaien zu beunruhigen gefürchtet? Ich höre auf, dich zu verstehen.«
»Ich dachte, ihre Gespräche würden dich aufregen. Katja, Marfa, Sjemjon und dieser Dummkopf Nikita sagen Gott weiß was ...«
»Ich weiß längst, was sie sagen!« bemerkte sie gleichgültig.
»Wie, du weißt es?«
»Ja! Katja und die Kinderfrau haben es mir längst mitgeteilt; sie haben mich über dich ausgefragt und mir gratuliert ...«
»Sie haben dir wirklich gratuliert?« fragte er entsetzt. »Was hast du dazu gesagt?«
»Ich habe ihnen gedankt; ich habe der Kinderfrau ein Tuch geschenkt, und sie hat mir versprochen, ins Sergiuskloster zu Fuß hinzugehen. Ich habe Katja versprochen, mich für sie zu verwenden und sie mit dem Konditor zu verheiraten; sie hat ihren eigenen Roman ...«
Er sah sie mit erschrockenen und erstaunten Augen an.
»Du kommst jeden Tag zu uns; es ist also sehr natürlich, daß die Dienstboten davon sprechen«, fügte sie hinzu. »Sie sind immer die ersten. Mit Sonitschka war es ganz ebenso; warum erschreckt dich das so?«
»Also daher stammen die Gerüchte!« sagte er gedehnt.
»Sind sie denn unbegründet? Es ist ja wahr!«
»Es ist wahr!« wiederholte Oblomow weder fragend noch verneinend. »Ja«, fügte er dann hinzu, »du hast wirklich recht; ich will aber nicht, daß sie von unseren Zusammenkünften etwas erfahren, darum fürchte ich mich ...«
»Du fürchtest dich und zitterst wie ein Knabe ... Ich begreife nicht! Stiehlst du mich denn?«
Es war ihm unbehaglich; sie blickte ihn aufmerksam an.
»Höre einmal!« sagte sie. »Es steckt irgendeine Lüge, irgend etwas anderes dahinter ... Komm zu mir und erzähle alles, was du auf dem Herzen hast. Du hättest einen, zwei Tage, vielleicht eine Woche aus Vorsicht nicht kommen können; du hättest mir aber doch schreiben und alles mitteilen können. Du weißt, ich bin kein Kind mehr, und es ist nicht mehr so leicht, mich durch einen Unsinn zu verwirren. Was bedeutet das?«
Er sann nach, küßte ihr dann die Hand und seufzte.
»Weißt du, Oljga, ich glaube, daß es folgendes ist«, sagte er. »Meine Phantasie ist während dieser ganzen Zeit so von Angst um dich erfüllt, mein Verstand quält sich so mit Sorgen, mein Herz schmerzt mir vor bald sich verwirklichenden und bald dahinschwindenden Hoffnungen und Erwartungen, und mein ganzer Organismus ist erschüttert; er erstarrt und verlangt wenigstens zeitweise nach Ruhe.«