Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Das Einzige, auf dem das kleine Mädchen allein zu sehen ist.«
»Warum haben Sie uns nicht schon gestern darauf aufmerksam gemacht?«
»Weil es mir erst heute Morgen aufgefallen ist. Sie hatte sie alle auf den Küchentisch gestellt, in drei Reihen von jeweils vier Stück. Aber sie hatte dreizehn Bilder von ihren Kindern im Haus - zwölf, die beide zeigen, und eines von der Kleinen allein. Wenn sie das eine nicht wieder nach oben gebracht hat, dann ist es weg.«
Lynley sah Barbara an. Die schüttelte den Kopf. In keinem der drei Räume im ersten Stockwerk des Häuschens hatte sie ein Foto gefunden.
»Wann haben Sie dieses besondere Foto zuletzt gesehen?«, fragte Lynley.
»Ich habe sie immer alle gesehen, jedes Mal, wenn ich drüben war. Sie standen nicht wie gestern in der Küche versammelt, sie waren überall im Haus verteilt - im Wohnzimmer, oben, im Treppenflur, in ihrem Nähzimmer.«
»Vielleicht hat sie dieses eine weggebracht, um es neu rahmen zu lassen«, meinte Barbara. »Oder sie hat es weggeworfen.«
»Das hätte sie nie getan«, sagte Wiley im Brustton der Überzeugung.
»Dann hat sie es vielleicht verschenkt oder ausgeliehen.«
»Ein Foto ihrer Tochter? Wem denn?«
Das war eine Frage, die beantwortet werden musste.
Wieder draußen auf der Straße, schlug Barbara eine weitere Möglichkeit vor. »Sie kann das Bild weggeschickt haben. An ihren Mann vielleicht, was meinen Sie? Hatte er Bilder von der Kleinen in seiner Wohnung, als Sie bei ihm waren, Inspector?«
»Ich habe keines gesehen. Es waren nur Aufnahmen des Sohnes da.«
»Na bitte. Wir wissen, dass die beiden miteinander gesprochen hatten. Über Gideons Lampenfieber, richtig? Warum nicht auch über die Kleine? Kann doch sein, dass er seine Frau um ein Bild des Kindes bat und sie es ihm geschickt hat. Ob es so war, sollte sich leicht feststellen lassen.«
»Aber finden Sie es nicht seltsam, dass er nirgends im Haus ein Bild der Tochter hatte, Havers?«
»Sicher! Aber die Menschen sind nun mal seltsam«, antwortete Barbara. »Nach so langer Zeit bei der Truppe müssten Sie das doch wissen.«
Dagegen konnte Lynley nichts vorbringen. »Sehen wir uns auf jeden Fall noch einmal in ihrem Haus um«, sagte er, »um ganz sicherzugehen, dass das Foto nicht da ist.«
Es war nur eine Sache von Minuten, Major Wileys Aussage zu überprüfen und bestätigt zu finden. Die zwölf Fotografien waren die einzigen Bilder im Haus.
Lynley und Barbara standen im Wohnzimmer und berieten sich darüber, als Lynleys Handy klingelte. Es war Eric Leach, der von der Dienststelle Hampstead aus anrief.
»Wir haben was«, sagte er ohne Umschweife und unverkennbar befriedigt, sobald Lynley sich meldete. »Der Audi aus Brighton und unser Cellnet-Kunde gehören zusammen.«
»Ian Staines?« sagte Lynley, dem sofort der Name zu der Cellnet-Nummer einfiel. »Ihr Bruder?«
»Ganz recht.« Leach gab Lynley die Adresse, und der schrieb sie sich auf der Rückseite einer seiner Geschäftskarten auf.
»Knöpfen Sie sich den Mann vor«, sagte Leach. »Was haben Sie über die Wolff?«
»Nichts.« Lynley berichtete kurz von ihren Gesprächen mit den Mitgliedern des Altenklubs und mit Major Wiley, dann kam er auf die verschwundene Fotografie zu sprechen.
Der Chief Inspector bot eine andere Erklärung an. »Sie könnte das Foto nach London mitgenommen haben.«
»Um es jemandem zu zeigen?«
»Damit wären wir wieder bei Pitchley.«
»Aber weshalb sollte sie ihm das Foto zeigen wollen? Oder gar schenken?«
»Wer weiß«, sagte Leach. »Nehmen Sie ein Foto von dieser Davies mit. Im Haus gibt es doch bestimmt eines. Sonst wird dieser Wiley eines haben. Zeigen Sie's im Valley of Kings und im Comfort Inn. Vielleicht erinnert sich dort jemand an sie.«
»In Begleitung von Pitchley?«
»Er bevorzugt ältere Semester, wie wir wissen.«
Nachdem die Polizeibeamten gegangen waren, ließ Ted Wiley sein Geschäft in Mrs. Dildays Obhut. Der Vormittag war ruhig gewesen, und der Nachmittag versprach, nicht aufregender zu werden, und deshalb hatte er nicht die geringsten Bedenken, aus dem Laden zu verschwinden und während seiner Abwesenheit seine lesefreudige Kundin nach dem Rechten sehen zu lassen. Es wurde ohnehin langsam Zeit, dass sie etwas tat, um sich das Privileg zu verdienen, jeden Bestseller zu lesen, ohne je mehr zu kaufen als eine Grußkarte. Erbarmungslos riss er sie aus ihrer Lektüre, erklärte ihr kurz die Bedienung der Registrierkasse und ging dann in seine Wohnung hinauf.
P. B. lag dösend in einem Fleckchen wässrigen Sonnenscheins. Er stieg über sie hinweg und setzte sich an Connies alten Sekretär, in dem er die Prospekte für die kommende Opernsaison in Wien, Santa Fé und Sydney aufbewahrte. Er hatte gehofft, eine dieser Städte würde mit ihren Festspielen den romantischen Hintergrund zur Festigung seiner innigen Beziehung zu Eugenie abgeben. Sie würden, hatte er sich vorgestellt, nach Österreich, Amerika oder Australien reisen, um durch den gemeinsamen Genuss der Musik von Rossini, Verdi oder Mozart ihr Glück zu beflügeln und ihre Liebe zu vertiefen. Langsam und vorsichtig hatten sie sich in drei langen Jahren diesem Ziel genähert, indem sie ein gemeinsames Haus aus Zärtlichkeit, Hingabe, Zuneigung und gegenseitiger Unterstützung errichtet hatten. Alles andere, was zu einer Beziehung zwischen Mann und Frau gehörte - vor allem der Sex -, würde sich mit der Zeit ganz von selbst einstellen.
Ted hatte es nach Connies Tod und den hartnäckigen Nachstellungen der Frauen, denen er sich als Witwer ausgesetzt gesehen hatte, als ungeheure Erleichterung empfunden, einer Frau zu begegnen, die sich Zeit lassen und eine Basis schaffen wollte, bevor sie seine Geliebte wurde. Jetzt aber, nach dem Besuch der beiden Polizeibeamten, musste er sich endlich eingestehen, woran er bis zu diesem Augenblick nicht einmal zu denken gewagt hatte: dass Eugenies Zögern, ihr sanftes und stets liebenswürdiges: »Ich bin innerlich noch nicht bereit, Ted«, in Wirklichkeit nichts anderes hieß, als dass sie für ihn nicht bereit gewesen war. Was sollte es sonst bedeuten, dass ein Mann sie angerufen und eine Nachricht voller Verzweiflung hinterlassen hatte, morgens um ein Uhr aus ihrem Haus gekommen war, sie auf dem Parkplatz des Sixty Plus Club abgepasst und gebettelt hatte, wie ein Mann nur bettelt, wenn es um alles - insbesondere seine Gefühle - geht? Es gab auf diese Fragen nur eine Antwort, und er wusste sie.
Was war er für ein Narr gewesen! Anstatt Eugenie dankbar zu sein, dass sie ihn nicht unter Druck setzte, seine Männlichkeit zu beweisen, hätte er augenblicklich argwöhnen müssen, dass sie anderswo gebunden war. Aber genau das war ihm vor lauter Erleichterung darüber, Georgia Ramsbottoms aggressiven sexuellen Forderungen entronnen zu sein, gar nicht in den Sinn gekommen.
Sie hatte ihn gestern Abend angerufen. »Teddy, es tut mir so Leid. Ich habe heute mit der Polizei gesprochen, und man sagte mir, dass Eugenie… Liebster Teddy, kann ich irgendetwas für dich tun?«, hatte sie teilnehmend gefragt und war doch nicht im Stande gewesen, ihren Triumph zu verbergen. »Ich komme auf der Stelle zu dir«, hatte sie erklärt. »Keine Widerrede. Du brauchst das nicht allein zu tragen.«
Er hatte keine Chance gehabt, zu protestieren, und nicht den Mut, vor ihrer Ankunft zu verschwinden. Kaum zehn Minuten später kam sie hereingerauscht und stellte ihm eine Auflaufform mit ihrer Spezialität, einem Shepherd's Pie, auf den Tisch. Mit schwungvoller Geste zog sie die Alufolie ab, um das Meisterwerk ihrer Kochkunst zu enthüllen, das, wie er sah, widerlich perfekt war, mit akkuraten kleinen, von der Gabel gezogenen Furchen in der Kartoffelpüreedecke, die wie kleine Wellen aussahen. Mit einem Lächeln sagte sie: »Er ist nicht mehr ganz heiß, aber wenn wir ihn in die Mikrowelle schieben, ist er im Nu wieder warm. Du musst etwas essen, Teddy. Ich weiß doch, dass du keinen Bissen zu dir genommen hast. Nicht wahr?«