Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Nein, nein, das ist schon richtig.«
»Sie hätte auf jeden Fall irgendwie mit Eugenie Davies Kontakt aufnehmen müssen, nachdem sie aus dem Gefängnis entlassen worden war. Kann ja sein, dass wir bei der Durchsicht der Telefonunterlagen eine freudige Überraschung erleben und feststellen werden, dass Eugenie Davies und Katja Wolff in den letzten zwölf Wochen aus Gründen, die absolut im Dunkeln liegen, endlose Telefongespräche miteinander geführt haben. Aber wenn uns diese Unterlagen nichts dergleichen bringen, dann bleibt nur die Möglichkeit, dass jemand ihr von hier aus nach London gefolgt ist. Und Sie wissen ja wohl so gut wie ich, welcher Jemand das mit Leichtigkeit hätte bewerkstelligen können, oder?« Sie wies auf die Tür der Buchhandlung, von der das Bin-gleich-zurück-Schild inzwischen entfernt worden war.
»Sehen wir mal, was Major Wiley uns zu sagen hat«, meinte Lynley und öffnete die Tür.
Ted Wiley war damit beschäftigt, einen Karton voll neuer Bücher auszupacken und diese auf einem Tisch auszulegen, auf dem ein von Hand beschriftetes Schild »Neuerscheinungen« ankündigte. Er war nicht allein im Laden. Hinten saß in einem bequemen Sessel eine Frau mit einem Paisleykopftuch, die genüsslich Tee aus einer Thermosflasche trank und dazu in einem Buch las, das sie aufgeschlagen auf den Knien liegen hatte.
»Ich habe Ihren Wagen gesehen, als ich zurückkam«, bemerkte Wiley, während er drei Bücher aus dem Karton hob und jedes mit einem Tuch abstaubte, bevor er es auf den Tisch legte. »Und - was haben Sie bis jetzt herausgefunden?«
Interessant, die Fähigkeit dieses Mannes, zu kommandieren und zu fordern, dachte Lynley. Er schien anzunehmen, die Londoner Beamten wären nur mit der Absicht nach Henley gekommen, ihm Bericht zu erstatten. »Es ist noch zu früh, um irgendwelche Schlüsse zu ziehen, Major Wiley«, sagte er. »Wir stehen ja noch ganz am Anfang unserer Ermittlungen.«
»Eines weiß ich jedenfalls«, erklärte Wiley. »Je länger sich diese Sache in die Länge zieht, desto unwahrscheinlicher wird es, dass Sie das Schwein fassen. Sie müssen doch Anhaltspunkte haben. Einen Verdacht. Irgendetwas.«
Lynley hielt ihm die Fotografie von Katja Wolff hin. »Haben Sie diese Frau schon einmal gesehen? Hier in der Gegend vielleicht. Oder irgendwo anders im Ort?«
Wiley griff in die Brusttasche seines Jacketts und zog eine dunkle Hornbrille heraus, die sehr schwer wirkte. Mit einer Hand klappte er sie auf und setzte sie auf seine große, rote Nase. Gut fünfzehn Sekunden lang musterte er das Bild Katja Wolffs mit zusammengekniffenen Augen, bevor er sagte: »Wer ist das?«
»Sie heißt Katja Wolff. Das ist die Frau, die Eugenie Davies' Tochter ertränkt hat. Kennen Sie sie?«
Noch einmal betrachtete Wiley das Bild. Sein Gesichtsausdruck verriet, wie gern er diese Frau wiedererkannt hätte, vielleicht um der Qual des Nichtwissens, wer die Frau, die er geliebt hatte, überfahren und getötet hatte, ein Ende zu machen, vielleicht aber auch aus einem ganz anderen Grund. Schließlich schüttelte er den Kopf und gab Lynley das Foto zurück.
»Was ist mit dem Kerl?«, fragte er. »Mit dem Audi. Er war wütend, sage ich Ihnen. Völlig außer sich. Das war deutlich zu sehen. Und wie er dann davongebraust ist… Er war genau der Typ, der den Kopf verliert und gewalttätig wird. Wehe, er bekommt nicht, was er will, dann schlägt er zu. Und zurück bleibt meistens eine Leiche. Oder mehrere. Sie wissen, was ich meine. Hungerford. Dunblane.«
»Wir haben ihn nicht ausgeschlossen«, sagte Lynley.
»Die Kollegen in London überprüfen sämtliche AudiBesitzer in Brighton. Wir müssten eigentlich bald etwas Konkretes haben.«
Wiley brummte und nahm seine Brille ab.
»Sie haben uns erzählt«, sagte Lynley, »dass Mrs. Davies etwas mit Ihnen besprechen wollte. Wenn ich Sie recht verstanden habe, sagte sie ausdrücklich, sie habe Ihnen etwas mitzuteilen. Haben Sie eine Ahnung, worum es sich gehandelt haben könnte, Major Wiley?«
»Nein.« Wiley griff nach einer nächsten Ladung Bücher. Er überprüfte die Schutzumschläge, ging sogar so weit, jedes Einzelne aufzuschlagen und mit den Fingern über die Innenklappe zu streichen, als suchte er nach Mängeln.
Lynley dachte derweilen über die Tatsache nach, dass ein Mann es im Allgemeinen spürt, wenn die Frau, die er liebt, seine Gefühle nicht erwidert. Genau wie ein Mann wahrnimmt - gar nicht umhin kann, es wahrzunehmen -, wenn die Leidenschaft der Frau, die er liebt, zu erkalten beginnt. Manchmal macht er sich etwas vor, leugnet die Tatsachen bis zu dem Moment, wo er nicht mehr lügen oder fliehen kann. Aber im Unterbewussten weiß er schon lange, dass etwas nicht stimmt. Es offen auszusprechen, allerdings, ist qualvoll. Und manche Männer sind nicht bereit, solche Qual auf sich zu nehmen, und wählen einen anderen Weg, um mit den Gegebenheiten fertig zu werden.
»Major Wiley«, sagte Lynley. »Sie haben gestern die Mitteilungen auf Mrs. Davies' Anrufbeantworter gehört. Sie haben die Männerstimmen gehört. Es wird Sie daher sicher nicht überraschen, wenn ich frage, ob Sie es für möglich halten, dass Mrs. Davies neben der Beziehung zu Ihnen noch eine andere unterhielt und eventuell darüber mit Ihnen sprechen wollte.«
»Ja, daran habe ich gedacht«, sagte Wiley leise. »Ich habe keinen anderen Gedanken mehr im Kopf seit - ach, verdammt!« Er schüttelte den Kopf und schob eine Hand in seine Hosentasche, um ein Taschentuch herauszuholen. Er schnauzte sich so laut, dass die lesende Frau hinten im Sessel den Kopf hob. Sie schaute sich um, bemerkte Lynley und Barbara Havers und sagte: »Major Wiley? Ist alles in Ordnung?«
Er nickte, hob beschwichtigend eine Hand und drehte sich so, dass sie sein Gesicht nicht sehen konnte. Ihr schien diese Antwort zu genügen, denn sie wandte sich wieder ihrer Lektüre zu, als Wiley mit gesenkter Stimme zu Lynley sagte: »Ich komme mir wie ein Vollidiot vor.«
Lynley wartete auf mehr. Barbara klopfte mit dem Bleistift auf ihr Heft und runzelte die Stirn.
Wiley nahm all seine Entschlossenheit zusammen und berichtete ihnen, was für ihn offensichtlich das Schlimmste war: von den Abenden, die er damit zugebracht hatte, Eugenie Davies von seinem Wohnungsfenster aus zu beobachten, von einem Abend im Besonderen, an dem seine Wachsamkeit belohnt worden war.
»Es war ein Uhr nachts«, sagte er. »Es war der Kerl mit dem Audi. Und so, wie sie sich ihm gegenüber verhielt… Ja, es ist so, ich habe sie geliebt, und sie hatte einen anderen. Ob es das war, worüber sie mit mir sprechen wollte, Inspector? Ich weiß es nicht. Ich wollte es damals nicht wissen, und ich möchte es jetzt nicht wissen. Wozu auch?«
»Um ihren Mörder zu finden«, sagte Barbara.
»Sie glauben, ich war es?«
»Was für einen Wagen fahren Sie?«
»Einen Mercedes. Da draußen steht er, vor dem Laden.«
Barbara warf Lynley einen fragenden Blick zu, und der nickte. Sie ging zur Straße hinaus, und die beiden Männer sahen schweigend zu, wie sie das Auto einer gründlichen Inspektion unterzog. Es war schwarz, aber die Farbe war ohne Belang, wenn kein Schaden feststellbar war.
»Ich hätte ihr niemals etwas angetan«, sagte Wiley leise. »Ich habe sie geliebt. Ich denke, auch bei der Polizei weiß man, was das bedeutet.«
Und wozu es führen kann, dachte Lynley, aber er sagte nichts, wartete schweigend, bis Barbara die Untersuchung des Wagens abgeschlossen hatte und zu ihnen zurückkehrte. Er ist sauber, sagte ihr Blick. Lynley sah ihr an, dass sie enttäuscht war.
Wiley merkte, was vorging, und gönnte sich die Genugtuung zu sagen: »Ich hoffe, Sie sind zufrieden. Oder wollen Sie mich auch noch auf den Prüfstand stellen?«
»Sie möchten doch bestimmt, dass wir unsere Arbeit tun«, versetzte Barbara.
»Dann tun Sie sie«, erwiderte Wiley. »In Eugenies Haus fehlt ein Foto.«
»Was für ein Foto?«, fragte Lynley.