Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
Die Hunde bellten inzwischen noch lauter, ihr Instinkt trieb sie offenbar längs der Uferwand hin. Einer davon stürzte sich in den Strudel der Wellen, doch folgte keiner der anderen seinem Beispiele.
Eben jetzt gab auch der Oberaufseher Befehl, den nach unten führenden Weg wieder herauf zu kommen, und bald verminderte sich der Lärm, das Gebell wurde schwächer und die Stimme der Verfolger unverständlich. Nur das Meer schlug noch laut gurgelnd an die felsige Uferwand an.
Dreizehntes Kapitel.
Gerettet!
Die Gefahr war einstweilen vermindert, beseitigt aber nicht. Nach der Durchsuchung des Waldes wurde die der Küste jedenfalls wieder aufgenommen.
Es sei hier nochmals darauf hingewiesen, daß Entweichungen aus Port-Arthur immer nur gelungen waren, wenn sie auf dem Wasserwege ausgeführt werden konnten. Entweder hatten sich die Sträflinge dazu eines Bootes bemächtigen können oder selbst ein solches notdürftig zusammengezimmert, wenn es nur ausreichte, sie nach einer anderen Stelle der Storm-Bai zu tragen. Jeder Versuch, über die Landenge hinweg zu entkommen, mußte von vornherein als verfehlt gelten. So wurden denn auch alle Flüchtlinge, die sich in den Wäldern verborgen hielten, stets - wenn auch zuweilen erst nach einigen Wochen - wieder eingefangen. Der Kapitän-Kommandant wußte das recht gut, und die Nachforschungen nach Entsprungenen wurden deshalb stets im Walde vorgenommen, wenn die Witterungsverhältnisse ein Entkommen auf dem Wege des Meeres auszuschließen schienen.
Da jetzt der Wind immer mehr abflaute und eine Landung an der Küste leichter möglich wurde, war mit Sicherheit zu erwarten, daß Aufseher und Polizeisoldaten schon morgen alle Buchten daran besichtigen würden.
Das sagten sich O'Brien, Macarthy und Farnham natürlich auch selbst, und es erfüllte sie mit begreiflicher, großer Besorgnis. Wie endlos erschienen ihnen die Stunden des heutigen Nachmittags, wo sie, ohne daß ein weiterer Zwischenfall eingetreten wäre, auf jedes Geräusch von außen lauschten, wo sie manchmal Schritte auf dem. Strande oder das Bellen der wilden Doggen zu hören vermeinten und jeden Augenblick fürchteten, die Hunde auftauchen und sich auf sie stürzen zu sehen.
Zuweilen wuchs auch wieder ihre Hoffnung. Ohne sich aus der Höhle zu wagen, konnten sie die Bai in großem Umfange übersehen und die Schiffe beobachten, die draußen auf offener See vorüberzogen. Da tauchten einzelne Segler auf, bald nachdem der als schwache Brise wehende Wind nach Norden umgeschlagen war. Andere liefen, nach Umschiffung des Kap Pillar, gegen den Wind aufkreuzend ein. Von der ersten Mitteilung Walters her wußte Farnham, daß das für die Flüchtlinge auf der Reede von Hobart-Town eingetroffene amerikanische Schiff der Dampfer »Illinois« war. Er und seine Gefährten suchten also nach einer Rauchsäule am Horizont, einer Rauchsäule, die sich in südlicher Richtung zurückwand und die das Nahen des unter so unendlichen Gefahren erwarteten Schiffes ankündigte.
Und doch war das noch zu zeitig. Von Hobart-Town bis zur Saint-Jamesspitze sind es ungefähr zwanzig englische Meilen (32 km). Es genügte, wenn die »Illinois« die Reede gegen sechs Uhr abends verließ. Man konnte ja auf dem Schiffe nicht so unklug sein, sich der Landspitze eher zu nähern, als die Dunkelheit gestattete, das Boot zur Aufnahme der Flüchtlinge abzusenden.
»Ja, weiß man denn überhaupt an Bord, daß wir haben entweichen können? fragte Macarthy.
- Daran ist nicht zu zweifeln, antwortete Farnham. Schon sind wir sechsundzwanzig Stunden an der bestimmten Stelle, und seit diesem Morgen muß sich die Nachricht von unserer Flucht in Hobart-Town verbreitet haben. Der Gouverneur erhielt sie jedenfalls durch eine Depesche, und Walter wird sich, wie ich annehme, beeilt haben, auf die »Illinois« zu kommen. Hat der Dampfer auch gestern wegen schlechten Wetters nicht auslaufen können, so wird er doch jetzt nicht zögern, nach der Halbinsel zu kommen.
- Es ist bereits fünf Uhr, bemerkte O'Brien, und binnen anderthalb Stunden wird es die Dunkelheit sehr erschweren, die Saint-Jamesspitze zu erkennen. Wie könnte der Kapitän der »Illinois« dann ein Boot dahin abgehen lassen?
- Ich setze mit Bestimmtheit voraus, erwiderte Farnham, daß er seine Maßregeln schon mit Rücksicht darauf getroffen haben wird. Er oder irgend ein Matrose an Bord kennt jedenfalls die ganze Küste der Halbinsel, selbst die Nacht wird ihn nicht in Verlegenheit setzen...
- Eine Rauchwolke!« rief da Macarthy.
Über dem Horizonte, dessen purpurgesäumte Wolken die Sonne verschleierten, stiegen eben die höchsten Wirbel einer Rauchsäule auf.
»Ist es der Dampfer?. Ist es die »Illinois«?« rief O'Brien, der schon nach dem Strande hinausgestürmt wäre, wenn Farnham ihn nicht zurückgehalten hätte.
Die Storm-Bai wird gewöhnlich von vielen Schiffen, meist von Dampfern, befahren. Ob nun der, der jetzt in Sicht kommen sollte, nicht nach Südosten steuern würde, um auf die offene See zu gelangen, das ließ sich ebenso wenig entscheiden, wie man schon sagen konnte, ob er hier auf die Küste zuhalten werde.
Noch nie war die Erregung der Flüchtlinge so lebhaft gewesen wie jetzt, nicht einmal als die Verfolger den Pfad nach dem Vorlande herunterkletterten und die Hunde sich darauf zu zerstreuen drohten, niemals aber waren sie anderseits von so froher Hoffnung erfüllt gewesen. Die Rauchwolke zog sichtlich nach Südosten hin. Vor Verlauf einer halben Stunde, also noch bei genügendem Tageslichte, mußten sie den Dampfer über der Linie zwischen Himmel und Wasser auftauchen sehen. Bei dem schwachen Rauche, der von ihm ausging schien es nicht, als ob er mit voller Kraft führe. Wenn es die »Illinois« war, warum hätte sie auch Volldampf nehmen sollen?? Bei Anbruch der Nacht mußte das Schiff ja dennoch bis auf wenige Kabellängen an die Saint-Jamesspitze herangekommen sein. Dann konnte das Boot abstoßen ohne die Gefahr, bemerkt zu werden.
Plötzlich stieß O'Brien einen verzweifelten Schrei aus:
»Es ist es nicht!, Das ist nicht die 'Illinois!'
- Und warum nicht? fragte Farnham.
- Da, seht nur hier!«
Der Dampfer hatte eben seine Richtung geändert und kam nicht weiter auf die Küste zu. Er manövrierte wie die Schiffe, die das Kap Pillar peilen und aufs hohe Meer zu steuern suchen.
Und nach diesem tödlichen Ausharren einen ganzen Tag lang, kam jetzt die Nacht heran!, Erloschen war die Hoffnung, daß die Stunde der Rettung nahe sei, daß jenes Schiff sie an Bord nehmen werde! Es entfernte sich von der Halbinsel und dampfte aufs hohe Meer hinaus.