Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Die Luft hatte sich als keimfrei erwiesen, es bestanden keine Bedenken, sie zu atmen. Die Gravitation war merklich geringer als die der Erde und damit auch als jene, die wir künstlich auf dem Raumschiff aufrechterhalten hatten. Diese Verhältnisse waren aber für uns keine Überraschung, denn wir hatten von vornherein nur Planeten in Frage gezogen, auf denen wir ohne Hilfsmittel leben konnten. Rätsel bereitete uns die Zusammensetzung des Bodens; sie hatte keine Ähnlichkeit mit dem Chemismus, wie wir ihn von der Erde und den erforschten Planeten her kennen. Die Grundsubstanz schien ein kohle- und siliziumhaltiges Mineral zu sein. Die Festigkeit war nicht allzu groß, der Schmelzpunkt niedrig.
Aber die Zusammensetzung des Bodens konnte uns gleichgültig sein. »Was soll das alles«, sagte Boyd, »wir sind doch keine Naturwissenschaftler!« Nun erst gab Mischa nach. »Von mir aus bestehen keine Bedenken. Also, fahren wir los.«
Wir hatten gelost: Mischa und Naomi mußten im Schiff bleiben. Wenn wir auch nicht mit Überraschungen rechneten, so wollten wir nicht unvorsichtig sein.
Wir andern setzten uns ins Schwebeboot und fuhren mit mäßiger Geschwindigkeit auf die Hügelkette zu. Zwar hatten wir lange genug darüber diskutiert, wie wir uns den Fremden gegenüber verhalten sollten, doch waren die Ergebnisse dürftig. Das einzige Hilfsmittel, mit dem wir uns ausgerüstet hatten, war ein kleiner Kommunikator, in dem wir die Grammatik und das Vokabular eingespeichert hatten, das wir während unserer Funkkontakts gelernt hatten. Wir hatten uns gefragt, ob wir Waffen mitnehmen sollten, doch die Abstimmung hatte dagegen entschieden.
Obwohl wir es zu verbergen versuchten, waren wir unruhig. Wir alle befanden uns zum ersten Mal in einer solchen Situation: Wir trafen mit Wesen zusammen, über die wir nichts wußten, nichts über ihr Aussehen, nichts über ihr Verhalten, nichts über ihre Absichten. Wir waren in derselben Lage wie Urmenschen, die sich einer fremden Siedlung nähern und nicht wissen, ob sie auf Kannibalen oder Götter treffen. Ich hätte mir niemals gedacht, wie drückend Unsicherheit sein kann.
In einer solchen Situation läßt sich auch kein Plan zurechtzimmern. Wie sollten wir auftreten? Was für Vorsichtsmaßnahmen konnten wir ergreifen? »Geben wir uns nicht völlig in ihre Hand?« fragte Boyd – nachdenklicher, als er sonst war.
»Es bleibt uns nichts übrig – auch wenn es uns nicht paßt«, antwortete Ingrid.
»Jetzt wird sich eben herausstellen, ob wir flexibel genug sind, uns einer unvorhersehbaren Sachlage anzupassen«, sagte ich, aber ich war weit weniger sicher, als ich mich gab. Es dauerte fast zwei Stunden, bis wir den Kamm der Hügelkette erreichten. Vor uns lag ein weites Tal, der Grund war eingeebnet und dort lagen die Anlagen, in denen wir die Wohnbauten der Fremden vermuteten.
Der Anblick war freundlich. Die Gebäude waren von einem farbigen Ring umgeben, blaue und grüne Töne herrschten vor, dazwischen gab es Sprenkel von rot, lila, purpur und gelb. Es bestand kein Grund, die Weiterfahrt zu verzögern, und wir setzten uns wieder in Bewegung.
Den Weg ins Tal brachten wir rascher hinter uns als den Aufstieg – auf dem Luftkissen fuhren wir wie auf einem Schlitten abwärts. Je näher wir an die Anlagen herankamen, um so vorherrschender wurde der Eindruck des Anheimelnden und Lieblichen. Die Umgebung der Gebäude war nichts anderes als ein ringförmiger Garten oder Park. Es gab moos- und farnartige Pflanzen, die sich polsterförmig in alle Mulden des weiß und grau geschichteten Gesteins setzten. An langen Halmen hingen Schmetterlingsblüten, von einem leichten Wind sanft bewegt. Darüber schwebten Tiere (oder Pflanzen?), die von der Form her an treibende Meerestiere, die fragilen Körper von Tintenfischen oder Quallen, erinnerten, aber sie waren bunt gemustert, mit sternförmiger Symmetrie, die Ränder dunkel, das Innere in leuchtenden Farben.
Es gab auch Wege durch die Gärten, allerdings zu schmal für unser Luftkissenboot. Freilich hätten wir auch über die Pflanzen fahren können, aber das wäre nicht ohne Schäden abgegangen, und das wollten wir um jeden Preis vermeiden.
Mischa setzte das Boot sanft auf eine Einebnung im Felsuntergrund ab, wir stiegen aus. Das Gefühl der Beklommenheit war gewichen, wir waren guter Dinge, voll gespannter Erwartung. Die Fremden mußten Wesen sein, die Verständnis hatten für Harmonie und Schönheit. Konnten sie böse sein?
»He, was ist das?« Es war Ingrid, die uns aus der Ruhe riß. Sie wies nach oben: Etwa vier oder fünf Meter über unseren Köpfen schwebten graubraune Spindeln, etwa kopfgroß, offenbar in schneller Rotation, wie man aus der verwischten Oberflächenstruktur ersehen konnte. Sie unterschieden sich so auffällig von den Formen der Tiere und Pflanzen, paßten so wenig an diesen Ort, daß sie uns sofort als Drohung erschienen. Als wir sie entdeckt hatten, blieben sie nur noch einige Sekunden über unseren Köpfen hängen, dann bewegten sie sich unversehens in einer schräg anlaufenden Kurve aufwärts und verschwanden aus unserem Blickfeld.
Wir waren stehengeblieben, stritten über die seltsamen Gebilde. Boyd hielt sie für Tiere und meinte, wir sollten uns nicht um sie kümmern. Nuru meinte, es könnten Waffen sein und riet, bei den Fremden zu protestieren. Ingrid vermutete, es handelte sich um Beobachtungssonden – man müsse den Einheimischen zugestehen, daß sie auch uns gegenüber vorsichtig waren.
Nach einer Weile setzen wir unseren Weg zu Fuß fort. Seit dem Auftauchen der seltsamen Gebilde waren wir nicht mehr so unbefangen und schauten uns immer wieder um, besonders, als wir später, in Nähe, der Häuser, zwischen mannshohen Büschen dahingingen, die die Sicht unterbanden. Ganz plötzlich standen wir vor einem Gebäude, nur einige Schritte davon entfernt.
»Da! Seht!« – mehrere von uns riefen gleichzeitig, alle sahen es. Die Wände des Bauwerks waren durchsichtig, an der anderen Seite drängten sich Gestalten an der Wand, starrten zu uns herüber – es waren, soweit man durch die trüben Wände erkennen konnte, Menschen oder zumindest menschenähnliche Wesen. Ihr Verhalten ließ zwar auf Erstaunen schließen, war aber in keiner Weise bedrohlich. Wir traten einige Schritte näher, und sahen, daß die Gesichter freundlich waren. Einige winkten uns zu.
»Hat man uns erwartet?« fragte Ingrid.
Boyd zuckte die Schultern. »Kommt!«
Wir sahen uns nach einer Tür um. Nur wenige Meter seitwärts war ein Eingang, er schien unversperrt und wir traten langsam hinzu. Nuru war der erste, der sich ins Innere wagte, er ging einige Schritte vor, dann drehte er sich um und winkte uns. Wir folgten ihm …
Hier im Inneren war es hell, fast so hell wie außen – die Decken bestanden aus demselben rötlich durchsichtigen Material wie die Wände. Nur die Böden waren undurchsichtig, eine Art ungleichmäßiger schwarzbrauner Kacheln.
Und dann standen wir den Bewohnern dieses Gebäudes gegenüber. Es war eine kleine Rasse, aber es handelte sich zweifellos um Menschen. Sie sahen ein wenig exotisch aus, die Haut war hellbraun, die Haare weißblond oder weiß. Sie trugen sie in der Mitte gescheitelt, die Frauen hielten sie mit Stirnbändern zusammen. Sie hatten lose Gewänder an, Röcke und Umhänge. Ihre Füße waren bloß – Ingrid, die neben mir stand, stieß mich verstohlen an und flüsterte mir zu: »Sie haben nur vier Zehen!« Dadurch erst aufmerksam geworden, musterte ich ihre Hände – sie hatten auch nur vier Finger. Aber das war auch das einzige, was sie von uns – zumindest äußerlich – grundlegend unterschied.
Wir standen uns ein wenig zögernd gegenüber, wobei mir vorkam, als bereitete den andern die Begegnung lang nicht soviel Erstaunen wie uns. Als wir noch ein wenig näher kamen, hoben sie ihre linken Arme hoch und zeigten uns die Handflächen; darin lagen schwarz glänzende Plättchen. Ein Gruß? Ein Erkennungszeichen? Auch wir hoben die Hände zum Gruß. Einer der Männer trat vor und sagte etwas zu uns … Es klang angenehm, ein fast singender Ton mit vielen Vokalen, aber wir verstanden natürlich nichts. Boyd zog sein Taschensprechgerät heraus und stellte die Verbindung mit dem kleinen Kommunikator her, den wir im Luftkissenboot zurückgelassen hatten. Er sprach einige Worte hinein – einen Gruß, einen Dank für die freundliche Aufnahme … Nach Bruchteilen von Sekunden kam die tonale Umsetzung der Modulationsfrequenzen, wie wir sie während unseres Funkkontakts aufgenommen hatten, aber wir merkten es sofort: Diese Sprache war nicht die gleiche wie jene, die diese Menschen sprachen. Das Unverständnis sah man auch ihren Gesichtern an.