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Электронная книга - «Witiko». Краткое содержание книги:

An seinem monumentalen Werk über die Gründungsgeschichte des Königreiches Böhmen im 12. Jahrhundert arbeitete Stifter zehn Jahre lang wie »ein Pflugstier«. Durch den Romanhelden Witiko, der stellvertretend für den sittlich handelnden Menschen steht, wird das grandiose Historiengemälde zum Bildungsroman, als dessen Meister sich der Autor mit seinem ›Nachsommer‹ in die Literaturgeschichte eingeschrieben hatte.
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»Da hast du ja wieder eine Fiedel«, sagte Witiko.

»Ich habe niemals etwas so Schönes gesehen«, antwortete Tom Johannes, »und wenn ich daran kneipe, so klingt sie, wie gar keine geklungen hat. Ich werde jemanden in Plan unterrichten, daß er sie streichen lerne, damit wir auch hören, wie sie singt.«

»Du wirst sie schon selber streichen, daß sie singt«, sagte Witiko.

»Ach, Witiko«, sprach der Fiedler, »du bist doch ein Tor.«

»Wir werden sehen, ob ich ein Tor bin«, sagte Witiko.

Er zeigte nun auch manches von dem, was er von dem Herzoge erhalten hatte, und es wurden die Pferde herbei geführt, daß die Waldleute sie sähen. Sie waren ganz gleich lichtbraun, und mit Silber gezäumt. Raimund führte sie hierauf wieder in das Priesterhaus.

Jeder der Knaben Osels ritt auf einem weißen Pferdchen herum, das er von dem Herzoge erhalten hatte.

Witiko hieß nun die Seinen sich zum Abzuge in die Heimat rüsten, und sagte, daß er sie bis zu ihren Häusern führen werde.

In dem Lager auf dem großen Marktplatze wurden die Gezelte abgebrochen, und die Krieger bereiteten sich zum Fortziehen. Die Männer von Budissin gingen in der Richtung nach ihrer Heimat davon, und die Lechen ordneten die Ihrigen zum Heimwege, nur diejenigen, welche mit dem Herzoge zu der Hochzeit Heinrichs, des Markrafen von Österreich, nach Frankfurt zu gehen gesonnen waren, richteten ihre Kostbarkeiten zu dem Zuge.

Die Führer gingen gegenseitig zu einander, um Abschied zu nehmen. Sie reichten sich mannigfaltige Geschenke. Witiko ging zu den älteren, und dann zu seinen jungen Freunden. Er brachte manchem etwas mit, und empfing von manchem etwas. Bolemil gab ihm den wohlgegliederten Waffenrock, den Dalimil auf dem Wysoka getragen hatte, daß er ihn als Erinnerung an jenen Tage bewahre, an welchem er die Lücke des Verrates ausgefüllt hat, und dadurch sein Kampfnachbar geworden ist. Lubomir gab ihm ein Schwert mit einem Silbergürtel.

An alle Stellen, auf denen Männer waren, die fortziehen wollten, wurden Nahrungsmittel gebracht, daß sie sich für ihren Weg versehen konnten.

Der Herzog ordnete noch manches, setzte Diepold zu seinem Stellvertreter ein, und ging mit der Herzogin und mit einem großen Geleite auf seinen Zug zur Hochzeit seines Schwagers Heinrich.

Witiko verkaufte noch das lahme Pferd, welches Raimund während der Belagerung Prags gepflegt hatte, und kaufte für den Knecht Jakob ein anderes.

Dann begannen die Männer des Waldes gegen den Mittag des Landes zu ziehen.

Rowno zog mit den Seinen zuerst davon. Dimut ritt auf ihrem Pferde neben ihm. Das weiße Pferd wurde von einem Manne Rownos geführt. Dann ging Hermann von Attes, dann Wyhon von Prachatic.

Die Leute Witikos richteten auch ihr Letztes zu ihrem Heimzuge. Sie bargen oder nähten gar ihr Hauptgeld in ihre Gewänder, sie füllten ihre Säcke mit Nahrung und anderen Dingen, und hängten daran noch allerlei seltsame Sachen aus der Lagerbeute oder Werkzeuge. Sie kauften Honigbrote und Brote aus Weizenmehl, geflochtene und gebackene Kränzlein für die Kinder, dann Hausgeschirre, besonders gar schöne runde gedrechselte Holzkrüge und anderes Geräte, wohl auch Stoffe zu Schleifen und Latzen. Und dann gingen sie an der Burg Wyšehrad vorüber in der Richtung gegen ihren Wald dahin.

Witiko führte sie auf dem Wege, den er eingeschlagen hatte, da er von Wladislaw fort gegangen war, als derselbe den Herzogstuhl bestiegen hatte. Er ritt in seinem Ledergewande auf seinem grauen Pferde, und jedes der braunen Pferde wurde von einem Knechte geführt. Saumpferde trugen alles größere Gepäcke.

Gegen den Abend des sechsten Tages kamen sie an der Rückseite des Kreuzberges von Plan an. Die Leute hatten auf ihre Zurückkunft gewartet, und von dem Berge gegen den Wald ausgeschaut. Jetzt liefen sie ihnen entgegen. Die Männer aber, die von dem Kriege kamen, hielten vor dem Berge an, setzten sich in das Gras, zogen ihre Stiefel aus, hingen dieselben auf ihre Schäfte oder Stäbe oder Schwerter, und zogen barfüßig in die Kirche. Witiko ritt aber als Führer in seiner Bekleidung vor ihnen, und gab das Pferd vor der Kirche zum Halten. In der Kirche harrte der Pfarrer auf die Männer, segnete sie beim Eingange, sprach dann vor dem Altare ein Dankgebet. Dann wendete er sich um, und hielt eine Festrede. Er ermahnte die Männer, sie sollen Gott preisen, der sie erhalten hat, sollen der Toten gedenken, und sollen durch den erlangten Reichtum nicht übermütig und leichtfertig werden. Beim Ausgange segnete er sie wieder.

Außerhalb der Kirche begannen nun die Männer erst über alles zu sprechen. Die Ihrigen und andere umringten sie, und Freuden und Reden wurden getauscht. Die Männer drängten sich dann zu Witiko, verabschiedeten sich, und zerstreuten sich in ihre Wohnungen.

Witiko ritt in das steinerne Haus.

Er verteilte an diesem Tage noch das Geld, welches ihm der Kammerschreiber für die Streiter auf dem Wysoka und die Angehörigen der Toten mitgegeben hatte, er tröstete die Mutter Norberts und Wolfgangs, und besuchte den Pfarrer. Am nächsten Morgen ging er auf den Kreuzberg, und sah auf den Wald des schwarzen Sees und auf den Wald des heiligen Thomas.

2. In einfachen Gewändern

Witiko blieb eine Woche in dem steinernen Hause und bei den Männern von Plan. Dann ritt er in das Kloster an der Sazawa zu Silvester. Er fand ihn in dem Garten mit Gemüsepflege beschäftigt.

Als der Greis den Jüngling erblickte, sagte er: »Kömmst du zu mir, Witiko?«

»Ich bin zu Euch gekommen«, antwortete Witiko.

»So sei gegrüßt, und folge mir in meine Stube«, sagte Silvester.

»Ich folge Euch«, sagte Witiko.

Silvester streifte noch einige Erde, die an seinem Gewande klebte, ab, und schlug den Weg gegen die Mauern des Gebäudes ein. Witiko ging hinter ihm her.

Das Gemach Silvesters erreichte man durch einen Gang, welcher von den Beeten des Gartens gerade in das Gebäude führte. Die zwei Männer kamen zuerst in eine kleine Vorhalle mit steinernem Fußboden, in welcher sich nichts befand als ein Wasserbecken von dunkelrotem Marmor, in das ein feiner Strahl aus einer Röhre in der Mauer nieder floß. Aus der Vorhalle traten sie in die Zelle. Sie war nicht groß. In ihr stand das hohe Kreuzbild des Heilandes, welches Witiko, da er in der Sendung Sobeslaws in Prag war, in dem Bischofhause neben der Tür gesehen hatte, durch welche die Bischöfe Silvester und Zdik heraus getreten waren. Sonst standen einfache Geräte da, und die zwei Fenster sahen auf die Bäume und Gesträuche des Gartens hinaus.

»Setze dich auf eines dieser Gesiedel«, sagte Silvester.

Witiko tat es. Dann setzte sich Silvester auf ein anderes, und sprach: »Ich sage dir noch einmal einen Gruß in dem Herrn, daß du zu mir gekommen bist. Kann ich dir einen Dienst erweisen?«

»Ich bin zu Euch gekommen«, entgegnete Witiko, »weil mich der Dank an Euch bindet, welchen ich damals nur kurz erweisen konnte, als ich von Wladislaw ging, da er den Herzogstuhl bestiegen hatte, und ich bin zu Euch gekommen, weil mich die Liebe an Euch bindet; denn Ihr habt in jener Versammlung auf dem Wyšehrad, heiliger Vater, die besten Worte geredet.«

»Nenne mich nicht einen heiligen Vater«, antwortete Silvester, »es wäre wie Hohn und Spott; ich bin in meinen Werken ein gebrechlicher Mensch, ich konnte die Worte nicht finden, jene Versammlung zu bewegen, und kann meine Klosterbrüder nicht leiten, sie lieben mich, und folgen mir nicht. Die Gemüse gedeihen leidlich, wenn ich sie begieße, und ihnen die gehörige Erde gebe. Ich bin nicht einmal ein rechter Gärtner für den folgsamen Kohl und die gelben Blumen.«

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