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Электронная книга - «Die Klinik». Краткое содержание книги:

Boston, Suffolk General Hospital: Hier praktizieren Adam Silverstone, der vielversprechende Operateur und Wissenschaftler, Rafael Meomartino, ein kubanischer Aristokrat und ehemaliger Playboy, und der Farbige Spurgeon Robinson. Sie alle unterliegen der unerbittlichen Aufsicht von Dr. Longwood. Eines Tages pflanzt Meomartino einem jungen Mädchen eine Niere ein und gibt sie in die Obhut von Silverstone. Alles verläuft gut, aber dann stirbt das Mädchen über Nacht. Dr. Longwood wittert einen Kunstfehler und sucht einen Schuldigen ...
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Fünf Ave Maria und fünf Bußgebete, mein Sohn.

Ich habe meinen Körper mißbraucht, Vater.

Fünf Ave Maria und fünf Bußgebete. Kämpfe gegen die Schwäche des Fleisches, mein Sohn.

Bei Hochzeiten und Begräbnissen war die Familie an den Prunk der Kathedrale in Havanna gewöhnt, aber zu den gewöhnlichen Gelegenheiten fühlte sich Rafe in der kleinen Kirche zu Hause, die am Tage seiner Geburt von den Arbeitstrupps seines Vaters erbaut worden war. Wenn er in dem dunklen feuchten Inneren vor der Gipsstatue seines Schutzheiligen kniete, verrichtete er seine Buße und bat dann den Erzengel um Fürsprache gegen einen tyrannischen Lehrer, ihm Latein lernen zu helfen, ihn vor Guil-lermo zu schützen.

Als Rafe jetzt Schenkel an Schenkel mit seiner schlafenden Frau lag, der er vor einer Stunde kalte, verzweifelte Liebe geschenkt hatte, dachte er an den heiligen Raphael und wünschte brennend, wieder zwölf Jahre alt zu sein.

In Harvard hatte er seinen Glauben aufgegeben. Es war lange her, daß er gebeichtet hatte, Jahre, seit er mit einem Priester aufrichtig gesprochen hatte.

Heiliger Raphael, betete er in das dunkle Zimmer. Zeig mir, wie ich ihr helfen kann.

Hilf mir zu sehen, wo ich sie im Stich gelassen habe, warum ich ihren Durst nicht stillen kann, warum sie zu anderen Männern geht.

Silverstone, dachte er.

Er war ein besserer Mann und ein besserer Chirurg als Silverstone, und dennoch bedrohte Silverstone seine Existenz auf beiden Gebieten.

Er lächelte freudlos und dachte, daß Longwood sichtlich entschieden hatte, es gäbe schlimmere Dinge als einen Kubaner in der Familie. Der Alte war beim Anblick von Liz und Silverstone entsetzt gewesen. Seit jener Nacht war er Rafe gegenüber fast herzlich und freundlich gewesen, als versuchte er anzudeuten, daß er wußte, wie schwierig seine Nichte war.

Jetzt aber setzte ihn Longwood täglich stärker unter Druck, um sicherzustellen, daß er, und nicht Silverstone, die Dozentur bekam.

Meomartino quälte sich mit Zweifeln an sich selbst.

Heiliger Raphael, sagte er. Bin ich nicht Mann genug? Ich bin Arzt. Ich weiß doch, daß sie, sowie wir miteinander fertig sind, befriedigt ist.

Zeige mir, was ich tun muß. Ich verspreche, daß ich beichten gehe, kommuniziere, daß ich wieder ein echter Katholik werde.

Es war still in dem dunklen Zimmer, bis auf das Geräusch ihres tiefen Atmens.

Er erinnerte sich, daß er trotz all seinem Knien vor der Statue in Latein durchgefallen, daß sein Körper von Guil-lermo gewöhnlich grün und blau geschlagen worden war, bis er stark genug war, um seinen älteren Bruder zu besiegen.

Der heilige Raphael hatte auch damals nicht geholfen.

Am Morgen ging er mit müden Augen ins Krankenhaus und kämpfte sich durch die frühen Stunden. Seine Stimmung war schon schlecht, als er die Hausärzte durch die Morgenvisite führte, und sie besserte sich nicht, als er James Roche erreichte, einen neunundsechzigjährigen Herrn mit vorgeschrittenem Dickdarmkrebs, der für den nächsten Morgen sehr früh zur Operation eingeteilt war.

Während Schwestern und Diätspezialisten mit Tabletts durch die Höhlen der Abteilung eilten, umriß Meomartino den Fall, mit dem die meisten Hausärzte schon vertraut waren, und wollte eben einige Lehrfragen stellen.

Aber er hörte mitten im Satz zu sprechen auf.

»Cristos, ich kann es nicht glauben.«

Mr. Roche aß eben sein Mittagessen. Auf seinem Teller lagen Huhn, Kartoffeln, grüne Bohnen.

»Dr. Robinson, wieso ißt dieser Mann das hier?«

»Ich habe keine Ahnung«, sagte Spurgeon. »Die Anordnung, seine Diät zu ändern, steht im Buch. Ich habe sie selbst eingetragen.«

»Bitte geben Sie mir das Auftragsbuch.«

Als er es öffnete, stand tatsächlich die Anordnung drinnen, in Robinsons sauberer, beherrschter Handschrift, aber es besänftigte seinen Zorn nicht.

»Mr. Roche, was hatten Sie zum Frühstück?« fragte er.

»Übliches Frühstück. Obstsaft, ein Ei, Haferflocken. Und ein Glas Milch.«

»Streichen Sie seinen Namen vom Operationsprogramm«, sagte Meomartino. »Setzen Sie ihn für übermorgen an, verdammt.«

»Oh, und Toast auch«, sagte der Patient.

Meomartino sah die Hausärzte an. »Können Sie sich vorstellen, was geschehen wäre, wenn wir den Dickdarm beim Vorhandensein dieses kompakten Stuhls aufgemacht hätten? Können Sie sich vorstellen, durch einen solchen Mist hindurch Blutgefäße abzuklemmen? Können Sie sich das Übermaß an Infektionsmöglichkeiten vorstellen? Nein, wahrscheinlich können Sie es erst, wenn Sie es selbst erlebt haben.«

»Doktor«, sagte der Patient ängstlich, »soll ich den Rest stehenlassen?«

»Sie lassen sich Ihr Huhn jetzt gut schmecken«, sagte er. »Morgen früh werden Sie die Diät bekommen, die Sie heute hätten bekommen sollen, eine flüssige Diät. Wenn irgend jemand versucht, Ihnen morgen etwas Festeres als Gelee zu geben, essen Sie es nicht und lassen Sie mich sofort holen, comprende?«

Der Mann nickte.

Seltsamerweise wußte keine der Schwestern, wer Mr. Roche das Frühstück und Mittagessen serviert hatte.

Zwanzig Minuten später saß Meomartino in seinem Büro. Er bereitete eine Dienstbeschwerde gegen die unbekannte Schwester vor, welche die beiden Tabletts ser-viert hatte, und unterzeichnete sie mit einem zornigen Gekritzel.

Nachmittags kam ein Anruf von Longwood.

»Ich bin durchaus nicht glücklich über die Zahl der Bewilligungsscheine für Obduktionen, die Sie abgeliefert haben.«

»Ich habe mein Bestes getan«, sagte er.

»Surgical Fellows an anderen Stationen haben doppelt soviele Bewilligungen erhalten wie Sie.«

»Vielleicht gab es auf ihren Stationen mehr Todesfälle.«

»An unserer eigenen Abteilung hat ein anderer Chirurg in diesem Jahr weitaus mehr Bewilligungen bekommen als Sie.«

Er brauchte Longwood nicht nach dem Namen des Chirurgen zu fragen. »Ich werde mir in Zukunft größere Mühe geben«, sagte er.

Kurz darauf kam Harry Lee ins Büro.

»Ich habe soeben eins aufs Dach gekriegt, Harry. Dr. Longwood will mehr Obduktionsbewilligungen von mir haben. Ich werde diesen Anschnauzer an jeden Hausarzt weitergeben, der an einem meiner Fälle arbeitet.«

»Wir sind nicht jedesmal, wenn wir einen Patienten verloren haben, vor der Familie auf die Knie gefallen«, sagte der chinesische Facharztanwärter. »Das wissen Sie selbst. Wenn sie einer Obduktion zugestimmt haben, dann haben wir ihre Unterschriften bekommen. Wenn sie triftige persönliche Gründe für die Ablehnung haben ...« Er zuckte die Achseln.

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