Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-05006-1
- Переводчик: Michael Kubiak
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.
»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG
Die Dämmerung brach gerade an, als Abner Marsh aus der Kapitänskajüte geholt wurde. Der Morgennebel lag wie ein Tuch auf dem Fluß, graue Dunstschleier schwebten und tanzten wie Rauchschwaden über dem Wasser und schlängelten sich zwischen den Geländern und Säulen des Dampfers hindurch und zuckten und wanden sich dabei wie lebende Wesen, die bald vom Licht der Morgensonne verbrannt werden und verenden sollten. Damon Julian sah den rosigen Schimmer im Osten und blieb im Halbdunkel seiner Kabine. Er schob Marsh durch die Tür. »Bring den Kapitän in seine Kabine, Billy«, sagte er, »setz ihn dort fest bis zum Einbruch der Dunkelheit. Würden Sie uns die Ehre geben und uns beim Abendessen Gesellschaft leisten, Captain Marsh?« Er lächelte. »Ich wußte, Sie würden kommen.«
Sie warteten draußen. Sour Billy, in einem schwarzen Anzug und einer karierten Weste, saß in seinem Sessel, dessen Lehne er gegen die Wand gekippt hatte, auf dem Texasdeck und säuberte sich die Fingernägel mit seinem Messer. Er stand auf, als sich die Tür öffnete, warf das Messer lässig hoch und fing es wieder auf. »Jawohl, Sir, Mister Julian«, sagte er und richtete den Blick seiner eisfarbenen Augen auf Marsh.
Er hatte zwei Begleiter mitgebracht. Die Angehörigen des Nachtvolkes, die Billy geholfen hatten, Marsh von der Eli Reynolds zu holen, hatten sich in ihre Kabinen zurückgezogen, um dem Kontakt mit der Morgensonne zu entgehen, daher hatte Billy, wie es schien, zwei Vertreter des Flußgesindels gerufen. Als Julian die Kabinentür schloß, traten sie vor. Einer war ein stämmiger Junge mit ausgefranstem braunen Schnurrbart, in dessen Gürtel, der aus einem einfachen Strick bestand, ein Eichenknüppel steckte. Der andere war ein Riese und das häßlichste verdammte Wesen, das Abner Marsh je gesehen hatte. Er mußte über zwei Meter groß sein, doch er hatte einen winzigen Kopf, verkniffene Augen, schartige Zähne und überhaupt keine Nase. Abner Marsh starrte ihn wie gebannt an.
»Gaffen Sie Noseless nicht so aufdringlich an!« warnte Sour Billy. »Das ist nicht besonders höflich, Cap’n.« Als wollte er damit die Warnung unterstreichen, packte Noseless Marshs Arm und verdrehte ihn so grob, daß es weh tat. »Ein Alligator hat ihm die Nase abgebissen«, erklärte Sour Billy. »Es war nicht seine Schuld. Halt Cap’n Marsh nur gut fest, Noseless. Cap’n Marsh springt besonders gern in den Fluß, und das können wir im Augenblick nicht zulassen.« Billy kam herüber und bohrte Marsh das Messer weit genug in die Magengrube, so daß er die Spitze auf der Haut spürte. »Sie schwimmen besser, als ich dachte, Cap’n. Das liegt wohl an dem vielen Fett, damit geht man nicht so schnell unter.« Er drehte das Messer plötzlich und schnitt einen Silberknopf von Marshs Jacke. Er fiel klappernd auf das Deck und rollte umher, bis Sour Billy den Fuß darauf setzte. »Heute wird nicht geschwommen, Cap’n. Wir werden Sie jetzt hübsch ins Bett legen. Sie bekommen sogar Ihre eigene Kabine. Und glauben Sie nicht, daß Sie sich von dort wegschleichen können. Mag sein, daß das Nachtvolk schläft, aber Noseless und ich werden den ganzen Tag draußen Wache halten. Kommen Sie schon!« Billy schnippte das Messer in die Luft, ließ es geschickt in die Nackenscheide gleiten und wandte sich um. Er ging nach achtern voraus, während Noseless Marsh vor sich her stieß und der dritte Mann die Nachhut bildete.
Sie bogen um eine Ecke auf dem Texasdeck und stießen beinahe mit Toby Lanyard zusammen.
»Toby!« rief Marsh aus. Er versuchte, noch einen Schritt zu tun, doch Noseless verdrehte ihm den Arm ein Stück, und Marsh stöhnte vor Schmerzen auf und blieb stehen.
Sour Billy Tipton verharrte ebenfalls mitten im Schritt und starrte sein Gegenüber an. »Was, zum Teufel, hast du hier oben zu suchen, Nigger?« schnappte er.
Toby sah ihn nicht an. Er stand da in einem zerschlissenen braunen Anzug, hatte die Hände auf dem Rücken verschränkt, hielt den Kopf gesenkt und scharrte nervös mit einem Schuh auf dem Deck herum.
»Ich habe gefragt: Was hast du verdammter Nigger hier zu suchen?« wiederholte Sour Billy seine Frage mit drohender Stimme. »Warum bist du nicht in der Küche angekettet? Entweder ich bekomme gleich eine Antwort, oder es geht dir schlecht.«
»Angekettet!« brüllte Marsh.
Darauf hob Toby Lanyard endlich den Kopf und nickte. »Mister Billy sagt, ich bin wieder Sklave, meine Freiheitspapiere sind nichts wert. Er legt uns alle in Ketten, wenn wir nicht arbeiten.«
Sour Billy Tipton griff sich in den Nacken und zückte das Messer. »Wie bist du losgekommen?« wollte er wissen.
»Ich hab’ seine Ketten zerrissen, Mister Tipton«, erklang eine Stimme über ihnen. Sie schauten alle hinauf. Auf dem höchsten Teil des Texasdecks stand Joshua York und blickte auf sie herab. Sein weißer Anzug leuchtete in der Morgensonne, und sein graues Cape flatterte im Wind. »Und jetzt«, sagte York, »laßt Captain Marsh freundlicherweise los!«
»Es ist doch Tag«, sagte der stämmige Junge und wies mit seinem Eichenknüppel auf die Sonne. Seine Stimme klang angsterfüllt.
»Verschwinden Sie lieber«, sagte Sour Billy Tipton zu York, wobei er den Kopf in den Nacken legen mußte, um den Störenfried erkennen zu können. »Wenn Sie irgendwelche Dummheiten machen, rufe ich Mister Julian.«
Joshua York lächelte. »Tatsächlich?« fragte er und schaute zur Sonne. Sie war jetzt deutlich zu sehen als brennendes gelbes Auge inmitten von roten und orangefarbenen Wolken. »Meinst du, er kommt heraus?«
Sour Billys Zunge tanzte nervös über die Lippen. »Sie machen mir nicht angst.« Er packte das Messer fester. »Der Tag ist angebrochen, und Sie sind ganz allein.«
»Nein, das ist er nicht«, sagte Toby Lanyard. Seine Hände tauchten hinter dem Rücken auf. Eine hielt ein Fleischerbeil und die andere ein langes Tranchiermesser mit gezackter Klinge. Sour Billy starrte den Neger verblüfft an und wich einen Schritt zurück.
Abner Marsh warf einen verstohlenen Blick über die Schulter. Noseless blickte immer noch mit zusammengekniffenen Augen zu Joshua hinauf. Sein Griff hatte sich etwas gelockert. Marsh erkannte seine Chance. Mit aller Kraft warf er sich nach hinten gegen den Riesen, und Noseless geriet ins Stolpern und stürzte. Abner Marsh ließ sich einfach auf ihn fallen, mit seinen gesamten dreihundert Pfund Lebendgewicht, und der Riese knurrte, als wäre er gerade von einer Kanonenkugel getroffen worden, und sämtliche Luft wurde ihm zischend aus dem Wanst getrieben. Marsh riß den verdrehten Arm los und rollte sich seitlich ab. Er hielt mit dem Rollen gerade noch rechtzeitig inne — ein Messer steckte plötzlich federnd wenige Zentimeter vor seinem Gesicht in den Decksbohlen. Marsh schluckte krampfhaft, dann lächelte er. Er riß die Klinge heraus und kam auf die Füße.
Der Mann mit dem Knüppel hatte zwei schnelle Schritte vorwärts getan und sich dann eines Besseren besonnen. Nun wich er wieder zurück, und Joshua sprang schneller, als Marsh überhaupt denken konnte, landete hinter dem Mann, wehrte einen wilden Hieb mit dem Eichenknüppel ab, und plötzlich lag der stämmige Junge auf dem Deck, bewußtlos. Marsh hatte den Schlag, der das ausgelöst hatte, nicht gesehen.