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Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]

Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:

Abner Marsh, Flußschiffer auf dem Mississippi und ein Koloß von einem Mann, steht nach der Flutkatastrophe von 1857 vor dem wirtschaftlichen Ruin. Da bietet ihm der Aristokrat Joshua York die Partnerschaft an, um das schnellste Dampfschiff auf dem Mississippi bauen zu lassen. Für den Kapitän scheint sich ein Traum zu verwirklichen.
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.

»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
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»Los!« rief Sour Billy Tipton.

»Verdammter Kerl«, knurrte Abner Marsh.

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG

An Bord des Raddampfers Ozymandias
Mississippi River, Oktober 1857

Abner Marsh hatte Dunkelheit erwartet, doch als Sour Billy ihn durch die Tür der Kapitänskabine stieß, erstrahlte der Raum im warmen Lichtschein der Öllampen. Die Kabine wirkte verstaubter, als Marsh sie in Erinnerung hatte, doch ansonsten war alles so geblieben, wie Joshua es sich eingerichtet hatte. Sour Billy schloß die Tür, und Marsh war mit Damon Julian allein. Er packte seinen Hickorystock fester — Billy hatte das Gewehr in den Fluß geschleudert, Marsh jedoch gestattet, seinen Stock zu holen — und machte ein finsteres Gesicht. »Wenn Sie die Absicht haben, mich zu töten, dann kommen Sie und versuchen es«, sagte er. »Ich bin jetzt nicht in der Stimmung für alberne Spiele.«

Damon Julian lächelte. »Sie töten? Warum, Captain? Ich wollte Sie eigentlich zum Dinner einladen.« Ein silbernes Tablett stand auf dem schmalen Tisch zwischen den großen Ledersesseln. Julian hob den Deckel, und darunter kamen ein Teller mit Brathuhn und Blattgemüse, weißen Rüben und Zwiebeln sowie ein Stück Apfelkuchen mit Quark zum Vorschein. »Wein ist auch da. Bitte, nehmen Sie Platz, Captain.«

Marsh blickte auf das Essen und nahm den appetitlichen Duft wahr. »Demnach ist Toby noch am Leben«, stellte er mit plötzlicher Gewißheit fest.

»Natürlich ist er das«, sagte Julian. »Wollen Sie sich nicht setzen?«

Marsh trat wachsam vor. Er hatte keine Vorstellung, was Julian im Schilde führte, aber er versuchte es kurz zu ergründen und entschied dann, daß es ihm eigentlich gleichgültig war. Vielleicht war das Essen vergiftet, aber das ergab keinen Sinn, sie hatten sicherlich einfachere Methoden, ihn zu töten. Er setzte sich und griff nach einer Hühnerbrust. Sie war noch heiß. Er biß hungrig hinein und erinnerte sich daran, wie lange es her war, seit er eine anständige Mahlzeit zu sich genommen hatte. Möglich, daß er schon bald sterben müßte, aber dann würde der Tod ihn wenigstens mit vollem Bauch antreffen.

Damon Julian, eine elegante Erscheinung in einem braunen Anzug mit goldener Weste, verfolgte Marshs Mahlzeit mit einem belustigten Lächeln in dem bleichen Gesicht. »Wein, Captain?« war alles, was er fragte. Er füllte zwei Gläser und trank genußvoll einen Schluck.

Nachdem Abner Marsh den Kuchen verzehrt hatte, lehnte er sich in seinem Sessel zurück und rülpste, dann verzog er finster das Gesicht. »Ein üppiges Mahl«, sagte er widerstrebend. »Nun, warum bin ich hier, Julian?«

»An dem Abend, an dem Sie sich so hastig verabschiedeten, Captain, da versuchte ich Ihnen lediglich mitzuteilen, daß ich mit Ihnen reden wollte. Sie hatten es vorgezogen, mir nicht zu glauben.«

»Sie haben verdammt recht, daß ich Ihnen nicht glaubte«, sagte Marsh. »Und ich tue es noch immer nicht. Aber nun habe ich zu der Angelegenheit nicht viel zu sagen, daher reden Sie.«

»Sie sind sehr mutig, Captain Marsh. Und stark. Ich bewundere Sie.«

»Ich kann nicht behaupten, daß ich viel für Sie übrig habe.«

Julian lachte. Sein Gelächter perlte wie Musik. Seine dunklen Augen funkelten. »Amüsant«, sagte er. »Soviel Frechheit.«

»Ich weiß nicht, warum Sie versuchen, mich einzuwickeln, aber ich werde Ihnen bei nichts helfen. Alles Brathuhn der Welt schaffte es nicht, daß ich vergesse, was Sie mit dem armen Säugling und mit Mister Jeffers getan haben.«

»Sie scheinen zu vergessen, daß Jeffers mich kurz vorher mit einem Degen durchbohrt hatte«, sagte Julian. »Und so etwas nimmt niemand so leicht hin.«

»Das Kind hatte keinen Degen.«

»Ein Sklave«, sagte Julian gleichgültig. »Eine Sache, tote Substanz, nach den Gesetzen Ihres Landes. Minderwertig laut dem Urteil Ihrer eigenen Leute. Ich habe ihm ein Leben in Ketten erspart, Captain.«

»Fahren Sie zur Hölle!« fluchte Marsh. »Es war nur ein armseliger Säugling, und Sie haben ihm die Hand abgeschnitten, als wäre es ein Hühnerkopf, und dann haben sie den Schädel zerquetscht. Er hat Ihnen nichts getan.«

»Nein«, sagte Julian, »ebensowenig hat Jean Ardant Sie oder Ihre Leute behelligt. Und trotzdem haben Sie und Ihr Maat ihm den Schädel eingeschlagen, während er schlief.«

»Wir hatten ihn für Sie gehalten.«

»Aha«, sagte Julian. Er lächelte. »Dann war es also ein Fehler. Aber ob Sie nun aus einem Irrtum heraus handelten oder nicht, Sie haben auf jeden Fall einen Unschuldigen abgeschlachtet. Aber Sie scheinen sich in keiner Weise schuldig zu fühlen.«

»Er war kein Mensch. Er war einer von Ihrer Sorte. Ein Vampir.«

Julian schüttelte stirnrunzelnd den Kopf. »Bitte. Ich teile Joshuas Abneigung gegen diesen Begriff.«

Marsh hob die Schultern.

»Sie widersprechen sich selbst, Captain Marsh«, stellte Julian fest. »Sie halten mich für böse, weil ich das tue, was Sie ohne Hemmungen ebenfalls tun — nämlich denen das Leben nehmen, die nicht so sind wie Sie. Nun gut. Sie verteidigen Ihre eigene Art. Darunter zählen Sie sogar die farbigen Rassen. Sehen Sie, das bewundere ich. Sie wissen, wer Sie sind, Sie kennen Ihren Standort, Ihre Natur. So soll es auch sein. Sie und ich, wir sind uns darin gleich.«

»Ich bin in gar nichts so wie Sie«, sagte Marsh.

»Oh, aber das sind Sie! Wir stellen uns unserer Natur, Sie und ich, wir versuchen nicht, etwas zu sein, das wir nicht sind, was wir niemals sein sollten. Ich verachte die Schwachen, die Wechselbälge, die sich so sehr hassen, daß sie unter dem Zwang stehen, vorzugeben, sie seien etwas anderes. Sie empfinden genauso.«

»Das tue ich nicht.«

»Nein? Warum hassen Sie Sour Billy sosehr?«

»Er ist nichtswürdig.«

»Natürlich ist er das!« Julian wirkte überaus amüsiert. »Der arme Billy ist schwach und giert danach, stark zu sein. Er täte alles, um zu meinem Volk zu gehören. Wirklich alles. Ich habe andere gekannt wie ihn, viele andere. Sie sind nützlich, oftmals unterhaltsam, aber niemals liebenswert. Sie verachten Billy, weil er unsere Rasse imitiert und sich an Ihren eigenen Leuten vergreift, Captain Marsh. Der liebe Joshua empfindet genauso und begreift nicht, daß er in Billy sozusagen sein Ebenbild vor sich hat.«

»Joshua und Billy Tipton sind sich in nichts gleich«, sagte Marsh mit Nachdruck. »Billy ist verschlagen wie ein Wiesel. Joshua hat vielleicht einige schlimme Dinge getan, aber er versucht, sie wiedergutzumachen. Er hätte euch allen geholfen.«

»Er hätte uns zu dem gemacht, was Sie sind, Captain Marsh, Ihre eigene Nation ist sich in der Frage der Sklaverei schrecklich uneins, einer Sklaverei, deren Basis einzig und allein die Rasse ist. Angenommen, Sie könnten das beenden. Angenommen, Sie wüßten eine Methode, wie Sie über Nacht jeden Weißen pechschwarz machen können. Würden Sie es tun?«

Abner Marsh machte ein finsteres Gesicht. Ihm gefiel die Vorstellung, plötzlich pechschwarz zu sein, überhaupt nicht, aber er erkannte, worauf Julian hinauswollte, und in diese Richtung wollte er eigentlich auch nicht. Daher schwieg er.

Damon Julian trank seinen Wein und lächelte. »Aha«, sagte er, »Sie begreifen. Sogar Ihre Abolitionisten geben zu, daß die farbigen Rassen minderwertig sind. Sie würden keinen Sklaven dulden, der so zu tun versucht, als sei er weiß, und sie wären entrüstet, wenn ein Weißer aufgefordert würde, ein Elixier zu trinken, das ihn schwarz färbte. Ich habe dieses Sklavenkind nicht aus Bosheit getötet, Captain Marsh. Ich habe es getan, um Joshua zu treffen, den lieben Joshua. Er ist wunderschön, aber er stößt mich ab.

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