Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Was ich also vor der Polizei aussagte -«
Er winkte mit einer beschwichtigenden Geste ab. »Ich habe das Protokoll Ihrer Aussage damals gelesen und habe es noch einmal gelesen, als Sie mich angerufen hatten. Es war selbstverständlich Bestandteil der Klageschrift, aber niemals hätte ich allein auf Grund Ihrer Aussage Anklage erhoben.« Er lächelte. »Mein Gott, Sie waren damals acht Jahre alt, Gideon. Ich hatte einen gleichaltrigen Sohn und natürlich meine Erfahrungen mit Jungs dieses Alters. Ich musste die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Katja Wolff in den Tagen vor dem Tod Ihrer Schwester Sie vielleicht aus irgendeinem Grund ausgeschimpft und bestraft hatte und Sie sich vielleicht etwas ausgedacht hatten, um sich an ihr zu rächen, ohne sich klar zu machen, was Ihre Aussage bei der Polizei bedeuten würde.«
»Da hast du's, Gideon«, sagte Libby.
»Sie haben keinen Grund, sich an Katja Wolffs Schicksal schuldig zu fühlen«, sagte Cresswell-White. »Sie hat sich selbst weit mehr geschadet, als Sie ihr.«
20. Oktober
War es also Rache, oder war es wirklich Erinnerung, Dr. Rose? Und wenn es Rache war - wofür? Soweit ich mich entsinnen kann, war Raphael der Einzige, der mich je bestrafte, und dann stets damit, dass er mich dazu verdonnerte, mir ein Musikstück anzuhören, das ich nicht gut genug gespielt hatte, und das war ja eigentlich keine richtige Strafe.
War das Erzherzog-Trio eines der Stücke, die Sie sich anhören mussten?
Ich kann mich nicht erinnern. Aber andere Stücke habe ich noch im Kopf: Lalo, Kompositionen von Saint-Saéns und Bruch.
Und haben Sie diese anderen Stücke schließlich gemeistert?, fragen Sie. Konnten Sie sie spielen, nachdem Sie sie sich angehört hatten?
Selbstverständlich. Ja. Ich habe sie alle gespielt.
Aber nicht das Erzherzog-Trio?
Ich habe das Stück nie gemocht.
Wollen wir darüber sprechen?
Worüber denn? Das Erzherzog-Trio gibt es nun mal. Ich habe es nie gut gespielt. Jetzt kann ich nicht einmal mehr das Instrument spielen. Und im Moment sieht es nicht so aus, als würde ich je wieder spielen. Hat also mein Vater Recht? Ist das hier nur Zeitverschwendung? Stecke ich lediglich in einer Nervenkrise, die mir allen Mut geraubt hat und mich veranlasst, anderswo nach einer Lösung zu suchen? Sie wissen, was ich meine: Das Problem auf die Schultern eines anderen abwälzen, damit ich mich nicht selbst damit befassen muss. Reichen wir es doch an die Psychotherapeutin weiter, mal sehen, was sie damit anfängt.
Glauben Sie das, Gideon?
Ich weiß nicht, was ich glauben soll.
Nach dem Gespräch mit Cresswell-White fuhren wir nach Hause. Ich merkte, dass Libby glaubte, alle meine Probleme wären gelöst, weil der Anwalt mir die Absolution erteilt hatte. In unbeschwertem Ton teilte sie mir mit, wie sie »Rock, diesem Fiesling, einheizen« würde, sobald er das nächste Mal ihren Lohn einbehielte, und wenn sie die Hand nicht am Schalthebel brauchte, ließ sie sie auf meinem Knie liegen. Sie hatte sich angeboten zu fahren, und ich hatte das Angebot gern angenommen. Cresswell-Whites Absolution hatte die Kopfschmerzen nicht lindern können, und in diesem Zustand gehörte ich nicht hinters Steuer.
Am Chalcot Square angekommen, parkte Libby den Wagen und wandte sich mir zu. »Hey«, sagte sie, »du weißt jetzt, was du wissen wolltest, Gideon. Keine Zweifel mehr. Komm, das müssen wir feiern.«
Sie neigte sich zu mir, zog meinen Kopf zu sich her und berührte mit ihren Lippen meinen Mund. Ich spürte ihre Zunge auf meinen Lippen und öffnete sie und ließ mich von ihr küssen.
Warum?, fragen Sie.
Weil ich glauben wollte, was sie gesagt hatte: Dass ich jetzt Gewissheit hätte.
War das der einzige Grund?
Nein. Natürlich nicht. Ich wollte normal sein.
Und?
Na schön, ich brachte so etwas wie eine Reaktion zu Stande. Es sprengte mir zwar fast den Schädel, aber ich zog Libby an mich und schob meine Finger in ihre Haare. So blieben wir, während wir mit unseren Zungen so eine Art Balztanz aufführten. Ich schmeckte den Kaffee, den sie bei Cresswell-White getrunken hatte, und sog das Aroma tief in mich ein, weil ich hoffte, dass der plötzliche Durst, den ich verspürte, zu dem Hunger führen würde, den ich seit Jahren nicht mehr erlebt hatte. Ich wünschte mir diesen Hunger, Dr. Rose. Ich meinte, ihn haben zu müssen, um zu wissen, dass ich lebendig war.
Eine Hand immer noch in ihrem Haar, drückte ich sie an mich und küsste ihr Gesicht. Ich ließ meine Hand zu ihrer Brust hinuntergleiten und spürte durch ihr T-Shirt hindurch, wie die Brustwarze hart wurde und sich aufrichtete. Ich streichelte und drückte sie, um ihr Schmerz und Lust zu bereiten, und sie stöhnte. Libby kletterte von ihrem Sitz zu mir herüber und setzte sich rittlings auf meinen Schoß. Sie küsste mich, sie strich mit beiden Händen über meine Brust, sie leckte mir den Hals. Sie nannte mich Süßer und Schatz und Gid und knöpfte mein Hemd auf, während ich drückte und streichelte. Ihr Mund lag auf meiner Brust, und ihre Lippen wanderten abwärts, und ich wünschte mir so sehr, zu fühlen, darum stöhnte ich laut auf und drückte mein Gesicht in ihr Haar.
Da nahm ich den Duft wahr: frische Minze, von ihrem Shampoo wahrscheinlich. Ich war auf einmal nicht mehr im Auto. Ich war hinten im Garten unseres Hauses in Kensington. Es war Sommer, und es war Nacht. Ich habe ein paar Minzblätter gepflückt und rolle sie zwischen meinen Händen, um den Duft freizusetzen. Ich höre die Geräusche, bevor ich die Menschen sehe. Es klingt wie das Schmatzen zufriedener Esser. Genau dafür hielt ich es, bis ich die beiden in der Dunkelheit am Ende des Gartens erkennen kann. Ein heller Schimmer, das Blond ihres Haares, zieht meine Aufmerksamkeit auf sich.
Sie stehen an den Backsteinschuppen gelehnt, in dem die Gartengeräte untergebracht sind. Er steht mit dem Rücken zu mir. Ihre Hände umfassen seinen Kopf. Eines ihrer Beine ist erhoben und umschlingt seine Hüfte, während sie sich in rhythmischen Zuckungen bewegen. Sie hat den Kopf zurückgeworfen, und er küsst ihren Hals. Ich kann nicht erkennen, wer er ist, aber sie erkenne ich. Es ist Katja, die Kinderfrau meiner kleinen Schwester. Er ist einer der Männer aus dem Haus.
Nicht ein anderer Bekannter von Katja?, fragen Sie. Nicht vielleicht ein Fremder von außerhalb?
Wer denn? Katja hat keine Bekannten, Dr. Rose. Sie verkehrt mit niemandem außer der Nonne aus dem Kloster und einer jungen Frau, die sie hin und wieder besucht. Sie heißt Katie. Und das da draußen in der Dunkelheit ist nicht Katie. Ich erinnere mich nämlich an Katie, großer Gott, ich erinnere mich tatsächlich! Sie ist dick und witzig, und sie kleidet sich fantasievoll. Sie steht in der Küche und erzählt, während Katja Sonia füttert, und sagt, Katjas Flucht aus Ostberlin wäre eine Metapher für einen Organismus, nur sagte sie nicht Organismus, sondern Orgasmus, sowieso das Einzige, wovon sie ständig spricht.
Gideon, sagen Sie mir, wer war der Mann? Sehen Sie sich seine Figur an, sehen Sie sich sein Haar an.
Ihre Hände umschließen seinen Kopf. Und er ist vornübergebeugt. Ich kann sein Haar nicht erkennen.
Sie können nicht? Oder wollen Sie nicht? Wie ist es, Gideon?, können Sie nicht oder wollen Sie nicht?
Ich kann nicht. Ich kann nicht.
Haben Sie den Untermieter gesehen? Ihren Vater? Ihren Großvater? Raphael Robson? Wer ist der Mann, Gideon?
Ich weiß es nicht!
Dann zog Libby mich noch fester an sich, und griff mit beiden Händen zu, um das zu tun, was jede normale Frau tut, wenn sie erregt ist und ihre Erregung teilen möchte. Sie lachte, so ein atemloses Lachen, und sagte: »Ich kann nicht glauben, dass wir das in deinem Auto tun.« Dann schob sie meinen Gürtel aus der Schließe, öffnete ihn, öffnete die Knöpfe am Bund meiner Hose, griff zum Reißverschluss und hob ihren Mund wieder zu meinem.