Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1964
- Язык: немецкий
- Год: Verlag Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
Mit aller Kraft drückte er gegen die beiden Vorsprünge.
Über ihm blitzte etwas auf. Instinktiv duckte er sich.
Stille.
Er hob den Kopf.
Die Tür war verschwunden!
An Stelle des metallenen Fünfecks erblickte er etwas Blaßblaues, das durchsichtig zu sein schien. Als habe eine Gazehaut das Metall ersetzt.
Melnikow, Knjasew und alle andren im Raumschiff hörten Wtorow schreien, voller Verzweiflung, wie es ihnen schien: „Licht! Licht!“ Jetzt sah er es! Sah es ganz deutlich!
Das Etwas war keine blaue Gazehaut! Vor ihm befand sich eine fünfeckige Öffnung, durch die von irgendwoher aus dem Innern des Raumschiffes gedämpftes Licht drang. Ein Zweifel war ausgeschlossen: es handelte sich um Licht. Sein matter Schein ruhte auf den Stämmen der Bäume und auf der metallenen Oberfläche der Röhre.
Licht! Wie war das möglich? Konnte denn eine wie auch immer geartete künstliche Lichtquelle Jahrtausende überdauern?
Wtorow stand erstarrt, ohne auf die Fragen der Kameraden zu antworten, die wie ein Hagel auf ihn niederprasselten.
Er kam erst zu sich, als sich ihm eine Hand auf die Schulter legte. Es war Melnikow, der zu ihm getreten war.
Wie fasziniert starrte auch Melnikow auf das geheimnisvolle, unbegreifliche Licht und drückte Wtorows Schulter immer stärker.
„Was ist das?“ flüsterte er. „Wo kommt das her?“ „Ich weiß nicht“, antwortete Wtorow mechanisch.
„Wissen Sie es wirklich nicht?“ ließ sich Paitschadses spöttische Stimme vernehmen. „Dann sagen Sie wenigstens, was Sie sehen.“ „Licht!“ „Na und?“ Melnikow holte tief Luft und berichtete von der rätselhaften Erscheinung. Lange kam keine Antwort. Schließlich hörten sie Belopolski sagen: „Es besteht kein Zweifel, daß …“ Und wieder Schweigen.
„Nun, die Tür ist offen“, sagte Melnikow. „Also hinein!“ Auf alles wären sie bei diesem längst ausgestorbenen Raumschiff von einem unbekannten Planeten gefaßt gewesen, selbst auf das Unwahrscheinlichste und Überraschendste, nur nicht auf Licht, den Begleiter des Lebens! Das grenzte an ein Wunder!
„Also hinein“, wiederholte Melnikow, doch fehlte seiner Stimme die gewohnte Entschlossenheit.
Schweigend setzte Wtorow die Leiter an.
Er sah, daß Melnikow — ein Urbild von Kaltblütigkeit, Mut und Willensstärke und nach allgemeiner Ansicht ein Mann ohne Nerven — unschlüssig war und es nicht über sich zu bringen schien, den Fuß auf die unterste Sprosse zu setzen. Und ganz plötzlich wurde sich der junge Ingenieur bewußt, daß keine Macht der Welt ihn selber zwingen könnte, als erster die Leiter hinaufzusteigen.
Kein lebendiges Wesen, sei es auch die scheußlichste Ausgeburt der Phantasie, hätte ihn abgeschreckt. Dieses „übernatürliche“ Licht jedoch raubte ihm die Willenskraft, unüberwindliche Furcht lähmte sein Hirn.
Eine Minute verrann.
„Also hinein!“ sagte Melnikow zum drittenmal und kletterte rasch die Leiter hinauf.
Gebeugt verschwand er in der Türöffnung. Gleich darauf ertönte seine Stimme: „Beeilen Sie sich!“ Augenblicklich war die Furcht verschwunden. Wtorow folgte seinem Vorgesetzten. Die Öffnung war für ihn entschieden zu klein, er mußte sich tief bücken.
Melnikow stand nah an der Tür.
Wtorow richtete sich auf, blickte um sich und fühlte, wie ihm schwindlig wurde.
Was war das? Wohin waren sie beide geratend Scheinbar gab es hier weder Fußboden noch Decke noch Wände. Überall nur Undefinierbares, Verschwommenes und — Lebendiges. Von allen Seiten schloß sie etwas Unfaßbares ein, das unaufhörlich die Farbe wechselte, in allen Schattierungen des Regenbogens schillerte und funkelte, als spiegele es sich in sich selbst wider, und ein wildes Farbenchaos erzeugte.
Überall — oben, unten, ringsum — bewegten sich groteske buntscheckige Gestalten von … Menschen, gebrochene und verzerrte Ebenbilder des Herren der Erde in unvorstellbaren Posen.
Melnikow hob die Hand, als wolle er sich vor dem Anblick schützen, und sofort wiederholte die ganze Geisterschar die Bewegung.
„Es sind unsere eigenen Spiegelbilder“, sagte er leise und mit sichtlicher Erleichterung.
Augenscheinlich bestanden die Wände, die Decke und der Fußboden aus einer Art von Spiegeln. Jede Bewegung Melnikows und Wtorows rief eine Antwortbewegung hervor, die sich, wohin sie auch blickten, unzählige Male wiederholte. Aber warum waren die Spiegelbilder gebrochen und verzerrt?
In der Mitte des Raums, vielleicht aber auch vor einer der Wände (sie hatten jedes Gefühl für Perspektive und Entfernung verloren) stand — worauf, blieb ein Rätsel — eine steinerne Schale, der einzige reale und unbewegliche Gegenstand in dem geisterhaften Farbchaos. Sie sah genauso aus wie jene, die Wtorow auf der Waldschneise gesehen hatte und die dann zerschellt war. Am Rande zierten sie Darstellungen von Körpern eines einfachen kubischen Systems.
Über der Schale stand eine ebenmäßige blaßblaue Flamme, in der Art, wie sie ein dünner Film brennenden Spiritus erzeugt.
Von ihr ging das unbegreifliche Licht aus.
„Konstantin Jewgenjewitsch!“ sagte Melnikow so leise, daß er kaum zu hören war.
Doch das Raumschiff verfügte über starke Empfänger.
„Ich höre“, antwortete Belopolski.
„Eine steinerne Schale!“ „Das habe ich erwartet.“ „Aber darin brennt ein Feuer!“ „Daran ist nichts Außergewöhnliches. Die Zeit hätte die künstliche Flamme aus der Erinnerung der Venusianer längst getilgt, wenn ihre Schalen nicht erst vor relativ kurzer Zeit erloschen wären. Aber berichten Sie bitte, was Sie sehen.“ Belopolskis ruhige Stimme brachte die beiden Kundschafter endgültig wieder zu sich. Sie hatten ein chemisches Rätsel vor sich, nichts weiter. Das Geheimnis des „ewigen“ Feuers würde die Wissenschaft schon lüften.
„Berichten! Das ist nicht so einfach!“ antwortete Melnikow.
„Besser nachher, wenn wir wieder zurück sind.“ „Dann können wir unseren Bericht auch mit Aufnahmen illustrieren“, fügte Wtorow hinzu, der sich wieder seines Fotoapparates erinnert hatte.
Ruhiger geworden, sahen sie sich nun gründlicher um.
Die vielfach reflektierten Spiegelbilder an den fortwährend die Farbe wechselnden Wänden, an Boden und Decke irritierten sie zwar, doch allmählich gewöhnten sie sich daran.
Der Raum war, abgesehen vom Fußboden, gewölbt und setzte sich aus spitzwinkligen Facetten von merkwürdiger Form zusammen, die zu einem ungewöhnlichen Muster verflochten waren. Der Fußboden war eben und wie aus Glas. Die Schale schien in der Mitte zu stehen.
„Gehen wir näher ran“, schlug Melnikow zögernd vor.
„Bitte“, stimmte Wtorow noch zaghafter zu.
Doch keiner von beiden rührte sich von der Stelle. Melnikow sann über etwas nach, und sein Kamerad brachte nicht den Mut auf, als erster von der Tür wegzugehen.
Wtorow hörte Melnikow etwas von Metallwänden murmeln.
„Konstantin Jewgenjewitsch“, sagte er laut. „Von hier führen keine Türen ins Innere des Raumschiffs. Aber vielleicht entdecken wir doch noch welche. Die Wände scheinen aus Metall zu sein. Die Funkverbindung kann abreißen. Wenn das geschieht, machen Sie sich keine Sorgen!“ „Wir werden es versuchen“, antwortete Paitschadse an Belopolskis Stelle.
„Seien Sie vorsichtig“, sagte Belopolski.
Melnikow und Wtorow entfernten sich von der Tür. Doch kaum hatten sie den ersten Schritt getan, als sie hinter sich ein leises Geräusch vernahmen — als sei etwas Metallenes heruntergefallen.
Erschrocken drehten sich beide um. Die Türöffnung war verschwunden! Wo sie eben noch durch das dunkle Fünfeck den Venuswald gesehen hatten, schillerten jetzt ebenfalls spitzwinklige Facetten.
Alles war in eins verflossen!