Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Man kann sich vorstellen, wie gut diese vortrefflichen Tiere empfangen wurden. Mit ihnen würde das Fuhrwerk seinen Marsch durch den Uralpaß wieder aufnehmen können. Wo die Abhänge zu steil anstiegen, würde alle Welt mit an den Rädern schieben; und so würde Herr Cascabel im stande sein, einen effektvollen Einzug auf dem Marktplatze von Perm zu halten.
Was ihn indessen betrübte, das war, daß die Belle-Roulotte ihren einstigen Glanz einigermaßen eingebüßt hatte. Ihre Bretterwände waren von den wilden Raubtieren arg zerkratzt und zerbissen worden, nachdem schon früher Sturm und Unwetter und die Unbilden einer so anstrengenden Reise sie entfärbt und beinahe unkenntlich gemacht hatten. Die Schneewehen hatten das Wappen der Cascabels halb verwischt. Wie vieler Farbe und Vergoldung würde es bedürfen, um ihr ihren ursprünglichen Glanz zurückzugeben! Inzwischen blieben die gründlichsten Reinigungen seitens Clous und Cornelias erfolglos.
Um zehn Uhr wurden die Renntiere angespannt und man setzte seinen Weg fort. Da der Paß fühlbar aufwärts stieg, folgten die Männer zu Fuß.
Das Wetter war schön und die Hitze in diesem hochgelegenen Teil der Bergkette ziemlich erträglich. Aber wie oft man dem Gespann zu Hilfe kommen, wie oft man die bis an die Naben im Geleise versinkenden Räder freimachen mußte! Bei jeder jähen Wendung der Schlucht mußte man die Belle-Roulotte stützen und vor dem Anprall an die Felsenkanten zu bewahren suchen.
Diese Pässe des Ural sind nicht von Menschenhänden angelegt. Die Natur allein hat den Bergwassern ene Bahn durch diese gewundenen Schluchten erschlossen. Ein kleiner Nebenfluß der Sosva rieselte hier gen Westen hinab. Hie und da breitete sein Bett sich soweit aus, daß nur ein schmaler und regelloser Pfad an seinem Rande übrig blieb. Bald stiegen die Böschungen steil empor und ließen das felsige Erdreich durch einen Schleier von Moosen und Steinpflanzen hindurchblicken. Bald waren die sanft abfallenden Bergländen mit Fichten und Tannen, Birken und Lärchenbäumen und anderen, den nordeuropäischen Gegenden eigenen Baumgattungen besäet. Und in der Ferne, von Wolken umgeben, hoben sich die schneebedeckten Kämme ab, welche die Sturzbäche dieses Bergsystems speisten.
Am ersten Tage, während dessen sie diesen augenscheinlich wenig frequentierten Paß verfolgte, begegnete die kleine Truppe keinem Menschen. Ortik und Kirschef schienen den Weg ganz gut zu kennen. Indessen mochten sie doch an zwei oder drei Stellen, wo die Straße sich teilte, schwanken. Denn sie machten dort Halt und besprachen sich leise mit einander, -was nicht verdächtig erscheinen konnte, da niemand den geringsten Grund hatte, an ihrer Zuverlässigkeit zu zweifeln.
Trotzdem beobachtete Kayette sie unermüdlich, ohne daß sie es wahrnahmen. Jene geheimen Gespräche sowohl als gewisse Blicke, die sie mit einander tauschten, erregten ihren Argwohn immer mehr. Sie aber ahnten nicht im entferntesten, daß die junge Indianerin einen Beweggrund habe, ihnen zu mißtrauen.
Als der Abend kam, wählte Herr Sergius einen Rastplatz am Ufer des Flüßchens. Nach beendigtem Mahle übernahm Herr Cascabel, Kirschef und Clou-de-Girofle die von der Vorsicht gebotene Aufgabe, abwechselnd Wache zu halten. Nach den Anstrengungen des Tages und der Schlaflosigkeit der vorhergehenden Nacht war es einigermaßen verdienstlich von ihnen, nicht auf ihrem Posten einzuschlafen.
Am folgenden Morgen nahmen sie ihren Marsch durch die gleichzeitig steiler und enger werdende Schlucht wieder auf. Dieselben Schwierigkeiten wie am gestrigen Tage, welche dieselben Anstrengungen erheischten. Demzufolge legte man in vierundzwanzig Stunden nur zwei bis drei Meilen zurück. Aber man hatte das für den Uralübergang vorausgesehen und damit gerechnet.
Mehr als einmal waren Herr Sergius und sein Freund Jean versucht, irgend ein schönes Stück Wild durch die Laubgänge zu verfolgen, die aus der Schlucht abzweigten. Im Dickicht sah man ganze Rudel von Elentieren, Damhirschen und Hafen vorüberziehen. Cornelia würde frisches Wildbret nicht verachtet haben.
Aber wenn es auch nicht an Wild mangelte, so war doch, wie man weiß, die Munition während des Kampfes mit den Wölfen gänzlich erschöpft worden und konnte erst im nächsten Marktflecken erneuert werden. Einstweilen waren die Flinten zum Schweigen verurteilt und Wagram blickte seinen jungen Herrn umsonst so fragend an, als ob er sagen wolle:
»Ei, ei!. man jagt also nicht mehr?«
Und doch ereignete sich ein Zwischenfall, welcher den Gebrauch von Feuerwaffen vollkommen gerechtfertigt haben würde.
Es war drei Uhr nachmittags, die Belle-Roulotte bewegte sich einen felsigen Abhang hinan, als ein Bär auf dem jenseitigen Ufer des Flüßchens erschien.
Es war ein großes Tier, auf welches man durch das bedeutsame Bellen der beiden Hunde aufmerksam wurde. Aufrecht sitzend, wiegte es seinen mächtigen Kopf und schüttelte seinen braunen Pelz, indem es die vorüberziehende Karawane betrachtete.
Verspürte es Luft, dieselbe anzugreifen? War es ein Blick der Neugier oder der Begehrlichkeit, welchen es auf das Gespann und seine Führer warf?
Jean hatte Wagram und Marengo Schweigen auferlegt; da man unbewaffnet war, fand er es überflüssig, dieses furchtbare Tier zu reizen. Warum sollte man Gefahr laufen, seine vielleicht friedfertige Stimmung in eine feindselige zu verwandeln, wo es ihm ein Leichtes sein würde, das diesseitige Flußufer zu erreichen?
So betrachtete man einander dann ruhig, wie Reisende, deren Wege sich kreuzen; und Herr Cascabel beschränkte sich darauf, zu bemerken:
»Wie schade, daß wir diesen prächtigen Meister Petz vom Ural nicht in unsere Gewalt bekommen können! Welch eine Rolle er unter unserem Personal spielen würde!«
Aber es hätte seine Schwierigkeiten gehabt, diesem Bären eine Anstellung bei der Truppe anzubieten. Ohne Zweifel zog er das Waldleben dem Jahrmarktsleben vor; denn er stand auf, schüttelte nochmals seinen dicken Kopf und trabte von dannen.
Da indessen ein Gruß des anderen wert ist, schwenkte Xander höflich den Hut, eine Aufmerksamkeit, welche Jean gern durch einen Flintenschuß ersetzt hätte.
Um sechs Uhr abends machte man ungefähr unter denselben Umständen wie am vorhergehenden Tage Halt. Am nächsten Morgen um fünf Uhr Aufbruch und mühsamer Tagemarsch. Fortwährende Anstrengungen, aber keine Unfälle.
Jetzt war das schwerste gethan, denn die Belle-Roulotte befand sich auf dem höchsten Punkte des Passes. Der Weg senkte sich thalwärts und führte über die westlichen Abhänge hinunter gen Europa.
An jenem Abend - dem sechsten Juli - hielt das sehr ermüdete Gespann am Eingange einer stark gewundenen
Schlucht, die zur Rechten von einem dichten Walde begrenzt war