Der Findling
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Детские и приключения
Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:
- Und gar nichts thun?,
- O, etwas zu thun giebt es immer, Bob.«
Man »thut« ja doch auch etwas, wenn man, wie hier, eine hübsche Stadt von fünfundzwanzigtausend Einwohnern besucht, die am Ufer des mit einer Brücke von neununddreißig Bogen überspannten Suir liegt. Waterford ist überdies ein ziemlich lebhafter Hafenplatz, was unsern jungen Handelsmann stets interessierte - der bedeutendste des östlichen Munster und mit regelmäßiger Schiffsverbindung mit Liverpool, Bristol und Dublin.
Nach Auffindung eines passenden Gasthofs, in dem der Karren eingestellt wurde, begaben sich beide Knaben nach den Quais, wo sie einige Stunden umherspazierten. Bei dem Anblick der ein- und auslaufenden Schiffe konnte ihnen ja keine Langeweile ankommen.
»Ei, rief Bob, wenn wir jetzt zufällig Grip wieder träfen!
- Nein, Bob, das ist nicht möglich. Der »Vulcan« geht in Waterford nicht vor Anker, und meiner Berechnung nach muß er jetzt weit fort, an der Küste Amerikas sein.
- Da draußen? fragte Bob, der nach dem entfernten Horizonte hinwies.
- Ja. nur noch weiter; ich glaube aber, er wird in Dublin zurück sein, wenn wir daselbst eintreffen.
- Wie freue ich mich, Grip wiederzusehen! rief der kleine Knabe. Ob er dann wohl immer noch so schwarz aussieht?
- Höchst wahrscheinlich.
- Ach, deshalb kann man ihn doch lieb haben!
- Gewiß, Bob; er hat mich, als ich recht unglücklich war, auch so herzlich geliebt..
- Ja, so wie Du mich!« antwortete das Kind, dessen Augen dankbar erglänzten.
Hätte Findling mehr Eile gehabt, Dublin zu erreichen, so hätte er sich hier auf einem Passagierdampfer, der zwischen Waterford und der Hauptstadt verkehrt, einschiffen können. Der Fahrpreis ist ein sehr niedriger. Da der Waarenkarren ausverkauft war, wäre dieser an Bord geschafft worden, die beiden Knaben hätten dafür, so wie für Verdeckplätze für sich (und den Hund) nur einige Schillinge zu zahlen gehabt und wären binnen zwölf Stunden an ihr Reiseziel gekommen. Außerdem wäre es ein herrliches Vergnügen gewesen, auf einem großen Dampfer über den St. Georgscanal auf dem schönen irischen Meere fast stets angesichts der Küste dahinzugleiten.
Das war gewiß verlockend. Findling blieb jedoch besonnen wie immer und es erschien ihm gar nicht angezeigt, vor der Rückkehr Grips in Dublin einzutreffen. Grip kannte die Stadt, er würde die beiden Kinder durch das Häusermeer lootsen, das ihrer regen Phantasie noch weit ausgedehnter erschien, so daß sie sich nicht darin verirrten. Warum hätten sie auch die so einträgliche Landreise unterbrechen sollen? Die Empfindung für das Richtige, die Findling von jeher auszeichnete, überwog auch den Reiz einer so verlockenden Seefahrt. Nachdem er Bob nicht ohne Mühe zu einer verständigeren Auffassung der Verhältnisse bekehrt hatte, wurde denn beschlossen, die Reise auf dem Küstenlande von Leinster in der bisherigen Weise fortzusetzen.
Drei Tage später sehen wir die beiden also in der Grafschaft Wexford wieder, wo Birk den aufs neue assortierten Karren unverdrossen weiter zog. Ein Maulesel, selbst ein Pferd hätte keine besseren Dienste leisten können. Ging es zu sehr bergaufwärts, dann spannte sich freilich Bob mit an die Deichsel und Findling schob, sich mit der Schulter anstemmend, von rückwärts, so gut er konnte.
Im Hintergrunde der Bai von Waterford verläßt die Landstraße die vielfach von Buchten und kleinen Fjorden eingeschnittene Küste, und damit verloren sie den Theil des Meeres aus den Augen, wo das Cap Carnsore, die äußerste Spitze des Grünen Erin, am weitesten in den St. Georgscanal vorspringt.
Zu beklagen brauchten sie sich deshalb nicht. Statt durch einen wilden, öden Landstrich zu verlaufen, berührt die Straße Dörfer und Weiler und verbindet sie viele Pachtgüter miteinander, wo die verschiedenen Waaren des Wanderladens zu hohen Preisen an den Mann zu bringen waren. In Wexford langte Findling auch erst am 27. Mai an, obgleich die Luftlinie zwischen hier und Waterford nur etwa dreißig Meilen mißt. Freilich war der Karren genöthigt gewesen, nach rechts und links vielfach vom geraden Wege abzuweichen.
Wexford ist ein Städtchen von zwölf- bis dreizehntausend Seelen. Es liegt am Flusse Sancy, nahe der Mündung desselben, und macht den Eindruck, als wäre eine kleine englische Stadt mitten in eine irische Grafschaft versetzt worden. Das kommt daher, daß Wexford der erste Waffenplatz war, den die Engländer hierzulande inne hatten, und der Ort hat dann, zur Stadt aufgewachsen, seine ursprüngliche Physiognomie beibehalten. Findling erstaunte nicht wenig, hier so viele Ruinen, verfallene Wälle und zerstörte
Vertheidigungswerke zu sehen. Er kannte aber die Geschichte dieser Gegend zur Zeit Georgs III. nicht, wo hier, während der erbitterten Kämpfe zwischen Protestanten und Katholiken, schreckliche Metzeleien auf beiden Seiten, Feuersbrünste und Verwüstungen zur Tagesordnung gehörten. Vielleicht war es besser, daß er hiervon nichts wußte, denn es sind entsetzliche Erinnerungen, die auf so vielen Seiten der irischen Geschichte mit Blut geschrieben stehen. Das konnte er noch zeitig genug kennen lernen. wenn er dazu Muße hatte.
Von Wexford aus mußte sich der wohlausgestattete Wagen wieder von der Küste entfernen, die er erst fünfzehn Meilen weiter hin, in der Nähe des Hafens von Arklow, wieder treffen sollte. Das war, und zwar aus zwei Gründen, nicht zu bedauern.
Ersteas beherbergt dieser Theil der Grafschaft eine dichtere Bevölkerung und hat auch viel mehr Dörfer und Einzelgüter, wohl infolge der Bahnlinie, die Wexford über Arklow und Wicklow mit Dublin in Verbindung setzt.
Zweitens ist das Land hier ausnehmend schön. Der Weg verläuft durch üppige Wälder mit mächtigen Buchen und Eichen, darunter die im gaelischen Lande so bemerkenswerte schwarze Eiseneiche. Die Landschaft war von der Slaney, der Ovoca und deren Nebenflüssen ebenso reich bewässert, wie sie zur Zeit der religiösen Zwistigkeiten mit Blut begossen wurde. Und gerade dieser Theil des irischen Bodens, der an Schwefel und Kupfer so reich ist, auf den so viele Wasseradern von den nahen Bergen herabrieseln, die sogar etwas Gold führen -dieser besonders begünstigte Theil mußte zum Schauplatz der wildesten Kämpfe werden. Die Spuren davon erkennt man noch heute in Ennscarthy, in Ferns und in andern Orten bis nach Arklow hin, wo die Söldner des Königs Georg von dreißigtausend Rebellen - so nannte man die, die ihr Vaterland und ihren Glauben vertheidigten - aufs Haupt geschlagen wurden.
Zu einem Aufenthalt im Hafen von Arklow glaubte Findling seinem Personal - wenn man Birk als Person zählt - einen Rasttag aufnöthigen zu müssen.
Arklow mit fünftausend Einwohnern ist ein Fischerort mit regem Leben. Den Hafen schließen breite Sandbänke vom hohen Meere ab. Am Fuße mit grünen See-Eichen bedeckter Felsen werden hier viele Austern gefangen, die an Ort und Stelle natürlich billig zu haben sind.