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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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»Sie wollen ja nach Petersburg fahren und Ihre Karriere wechseln. Apropos, ist das wahr, ich habe gehört, Sie hätten die Absicht, zum Zwecke einer Denunziation hinzureisen, in der Hoffnung, Verzeihung zu erlangen, wenn Sie alle andern angäben?«

Der Hauptmann öffnete den Mund, riß die Augen auf und antwortete nicht.

»Hören Sie mal, Hauptmann,« begann auf einmal Stawrogin außerordentlich ernst, indem er sich zu dem Tische vorbeugte. Er hatte bis dahin gewissermaßen zweideutig gesprochen, so daß Lebjadkin, der sich in die Rolle eines Narren eingelebt hatte, bis zum letzten Augenblicke immer noch ein wenig ungläubig gewesen war: ob sein Herr wirklich ärgerlich sei oder nur Spaß mache, ob er wirklich die böse Absicht habe, die Ehe zu veröffentlichen, oder nur scherze. Jetzt aber war Nikolai Wsewolodowitschs ungewöhnlich strenge Miene so überzeugend, daß dem Hauptmann sogar ein Schauer über den Rücken lief. »Hören Sie mal, sagen Sie die Wahrheit, Lebjadkin: haben Sie eine Denunziation eingereicht oder noch nicht? Haben Sie wirklich schon etwas getan? Haben Sie vielleicht in Ihrer Dummheit einen Brief abgeschickt?«

»Nein, ich habe noch nichts getan, und ... ich habe auch gar nicht daran gedacht,« erwiderte der Hauptmann, starr vor sich hinblickend.

»Nun, daß Sie nicht daran gedacht hätten, das lügen Sie. Deswegen erbaten Sie sich ja auch das Reisegeld nach Petersburg. Wenn Sie nicht geschrieben haben, haben Sie nicht hier zu jemand so etwas geschwatzt? Sagen Sie die Wahrheit; ich habe etwas gehört.«

»In betrunkenem Zustande, zu Liputin. Liputin ist ein Verräter. Ich habe ihm mein Herz ausgeschüttet,« flüsterte der arme Hauptmann.

»Ach was, Herz! Man darf kein Dummkopf sein. Wenn Sie einen solchen Gedanken hatten, so mußten Sie ihn für sich behalten; heutzutage schweigen verständige Menschen und plaudern nicht.«

»Nikolai Wsewolodowitsch,« begann der Hauptmann zitternd; »Sie selbst sind ja an nichts beteiligt gewesen; gegen Sie kann ich ja nichts ...«

»Ihre Melkkuh würden Sie ja natürlich nicht zu denunzieren wagen.«

»Nikolai Wsewolodowitsch, urteilen Sie selbst, urteilen Sie selbst! ...«

Und nun erzählte der Hauptmann in heller Verzweiflung und unter Tränen hastig, wie es ihm in den ganzen letzten vier Jahren ergangen war. Es war die alberne Geschichte eines Dummkopfes, der sich in eine Sache, die nicht für ihn paßte, eingelassen und infolge seiner Trunksucht und seines Bummellebens den Ernst derselben bis zum letzten Augenblicke kaum begriffen hatte. Er erzählte, er habe sich schon in Petersburg anfangs einfach aus Freundschaft, wie ein richtiger Student, obwohl er kein Student gewesen sei, hinreißen lassen und, ohne etwas davon zu verstehen, »in aller Unschuld« allerlei Papiere auf den Treppen ausgestreut, dutzendweis an den Türen und Klingeln hinterlassen, statt der Zeitungen hindurchgeschoben, ins Theater mitgenommen, dort in die Hüte hineingetan und den Leuten in die Taschen gesteckt. Dann habe er auch angefangen, Geld von ihnen anzunehmen; »denn mit meinen Mitteln war es gar zu kläglich bestellt!« In zwei Gouvernements habe er in den einzelnen Kreisen »allen möglichen Schund« verbreitet.

»Oh, Nikolai Wsewolodowitsch!« rief er aus. »Am meisten war ich darüber empört, daß dies den bürgerlichen Gesetzen und namentlich den vaterländischen Gesetzen durchaus zuwiderlief! Da stand auf diesen Blättern plötzlich gedruckt, die Bauern sollten mit Heugabeln ausziehen und nicht vergessen, daß, wer am Morgen arm ausziehe, am Abend als reicher Mann nach Hause zurückkehren könne, – nun denken Sie einmal an! Ich selbst zitterte dabei, aber ich verbreitete die Blätter. Oder es waren da auf einmal fünf, sechs Zeilen an ganz Rußland, in denen es ohne Weiteres hieß: ›Schließt schnell die Kirchen, schafft Gott ab, hebt die Ehen auf, vernichtet das Erbrecht, ergreift die Messer!‹ und weiß der Teufel was sonst noch. Mit diesem fünfzeiligen Blatte wäre es mir beinah schlimm gegangen; denn bei einem Regimente prügelten mich die Offiziere durch; indes ließen sie mich noch laufen, Gott lohne es ihnen! Und im vorigen Jahre wäre ich beinah abgefaßt worden, als ich Fünfzigrubelscheine französischen Fabrikats an Korowajew ablieferte; aber Gott sei Dank, Korowajew ertrank damals gerade in betrunkenem Zustande in einem Teiche, und da konnten sie mir nichts beweisen. Hier bei Wirginski verkündigte ich die Freiheit der sozialistischen Frau. Im Juni habe ich wieder im Kreise B*** Flugblätter verbreitet. Sie sagen, sie werden mich noch weiter dazu zwingen ... Peter Stepanowitsch teilt mir auf einmal mit, ich müsse gehorchen; er droht mir schon lange. Und wie hat er mich damals am Sonntag behandelt! Nikolai Wsewolodowitsch, ich bin ein Sklave, ein Wurm, aber kein Gott; nur dadurch unterscheide ich mich von Derschawin1. Aber mit meinen Mitteln ist es gar zu kläglich bestellt!«

Nikolai Wsewolodowitsch hatte aufmerksam zugehört.

»Vieles davon habe ich nicht gewußt,« sagte er. »Mit Ihnen konnten sie natürlich alles mögliche anfangen ... Hören Sie,« fuhr er nach kurzer Überlegung fort, »wenn Sie wollen, so sagen Sie ihnen doch (ich meine denjenigen, mit denen Sie da bekannt sind), Liputin hätte gelogen, und Sie hätten, in der Annahme, daß ich ebenfalls kompromittiert sei, mich nur durch eine Denunziation einschüchtern wollen, um auf diese Weise von mir mehr Geld herauszuquetschen ... Verstehen Sie?«

»Nikolai Wsewolodowitsch, Täubchen, droht mir wirklich von jenen Menschen Gefahr? Ich habe nur darum so ungeduldig auf Sie gewartet, um Sie danach zu fragen.«

Nikolai Wsewolodowitsch lächelte.

»Nach Petersburg wird man Sie allerdings nicht reisen lassen, auch wenn ich Ihnen das Reisegeld gäbe ... Übrigens, es ist Zeit, daß ich zu Marja Timofejewna gehe.«

Er stand vom Stuhle auf.

»Nikolai Wsewolodowitsch, wie ist es aber mit Marja Timofejewna?«

»So, wie ich Ihnen gesagt habe.«

»Ist das wirklich wahr?«

»Glauben Sie es immer noch nicht?«

»Werden Sie mich wirklich wegwerfen wie einen alten abgetragenen Stiefel?«

»Ich werde einmal sehen,« erwiderte Nikolai Wsewolodowitsch lachend. »Nun, lassen Sie mich zu ihr!«

»Befehlen Sie nicht, daß ich mich vor die Haustür stelle, ... damit ich nicht unversehens etwas mit anhöre ... denn die Zimmer sind sehr klein.«

»Das ist richtig; stellen Sie sich vor die Haustür! Nehmen Sie meinen Schirm!«

»Ihren Schirm? ... Ist der nicht zu schade für mich?« fragte der Hauptmann süßlich.

»Jeder Mensch ist einen Regenschirm wert.«

»Da haben Sie in knappster Form das Minimum der Menschenrechte definiert ...«

Aber er redete nur noch mechanisch; er war durch diese Nachrichten zu sehr niedergedrückt und vollständig aus der Fassung geraten. Und dennoch begann fast in demselben Augenblicke, als er vor die Haustür trat und den Schirm aufspannte, sich in seinem leichtsinnigen, schlauen Kopfe wieder der stets beruhigend wirkende Gedanke Bahn zu brechen, daß man ihn zu überlisten suche und ihn belüge, und daß, wenn dem so sei, er sich nicht zu fürchten brauche, sondern die andern vor ihm Furcht hätten.

»Wenn sie lügen und mich zu überlisten suchen, warum tun sie es dann eigentlich?« diese Frage ging ihm durch den Kopf. Die Veröffentlichung der Ehe erschien ihm als eine Albernheit. »Allerdings ist bei diesem seltsamen Menschen alles möglich; er lebt nur, um anderen Leuten zu schaden. Aber wie, wenn er sich selbst fürchtet, nach dem Affront vom Sonntag, und sich so fürchtet wie sonst noch niemals? Da kommt er nun hergelaufen, um zu versichern, daß er es selbst veröffentlichen werde, aus Furcht, daß ich es veröffentliche. Ei, ei, schieße keinen Bock, Lebjadkin! Und warum kommt er heimlich bei Nacht, während er doch selbst die Publikation wünscht? Wenn er sich aber fürchtet, so hat sich diese Furcht jetzt eingestellt, gerade jetzt, gerade vor einigen Tagen ... Ei, ei, tu nur keinen falschen Schritt, Lebjadkin! ...«

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