Der Hypnotiseur
- Автор: Кеплер Ларс
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:
»Mach das nicht nochmal«, sagte Lydia leise.
»Was?«
»Komm nicht zu meinem Haus«, sagte sie.
»Du kannst dich auf mich verlassen«, fuhr Eva fort. »Charlotte und ich sind schon beste Freundinnen. Sie kocht für mich, und ich pflücke Blumen, die sie auf den Tisch stellen kann.«
Es zuckte in Evas Lippen, als sie sich erneut Lydia zuwandte:
»Ich habe für Kasper, deinen Jungen, etwas zum Spielen gekauft, es ist nur eine Kleinigkeit, ein lustiger Ventilator, der aussieht wie ein Hubschrauber, mit dessen Propeller man sich Luft zufächeln kann.«
»Eva«, sagte Lydia drohend.
»Er ist völlig ungefährlich, man kann sich daran nicht wehtun, Ehrenwort.«
»Du kommst nicht zu mir nach Hause«, erklärte Lydia. »Hast du mich verstanden?«
»Heute nicht, das geht nicht, ich wollte zu Marek, ich glaube nämlich, dass er Gesellschaft braucht.«
»Eva, du hast gehört, was ich gesagt habe«, beharrte Lydia.
»Heute Abend komme ich ohnehin nicht dazu«, erwiderte Eva Blau lächelnd.
Lydias Gesicht wurde weiß und angespannt. Sie stand abrupt auf und verließ den Raum. Eva blieb sitzen und sah ihr nach.
Simone war noch nicht gekommen, als man mich zu dem Tisch führte, auf dem ein Zettel mit unserem Namen in einem Glas platziert war. Ich setzte mich und überlegte, ob ich vorab schon einmal einen Drink nehmen sollte. Es war zehn nach sieben. Ich hatte einen Tisch im Restaurant KB reserviert. Ich hatte Geburtstag und war gut gelaunt. Wir kamen in letzter Zeit nur noch selten dazu, zusammen auszugehen, weil sie mit ihrem Galerieprojekt und ich mit meiner Forschung beschäftigt war. Wenn wir einen Abend gemeinsam verbrachten, entschieden wir uns oft dafür, mit Benjamin auf der Couch zu sitzen und mit ihm einen Film zu sehen oder ein Videospiel zu spielen.
Mein Blick schweifte über die Bilderkakophonie an der Wand: schlanke, geheimnisvoll lächelnde Männer und üppige Frauen. Das Wandgemälde war eines Abends nach einer Versammlung des Künstlerverbands in der oberen Etage entstanden. Grünewald, Chatam, Högfeldt, Werkmäster und die anderen großen Modernisten hatten zusammengearbeitet. Simone wusste vermutlich genau, wie es entstanden war, und ich schmunzelte bei dem Gedanken, dass sie mir eine Vorlesung darüber halten würde, wie diese gefeierten Männer ihre Kolleginnen systematisch an den Rand gedrängt hatten.
Es war zwanzig nach sieben, als ich ein Martiniglas mit Wodka, einigen Spritzern Noilly Prat und einer langen Spirale aus Limettenschale bekam. Ich beschloss, noch etwas zu warten, bis ich Simone anrief, und versuchte, mich nicht zu ärgern.
Ich nippte an meinem Drink und machte mir allmählich Sorgen. Widerwillig zog ich mein Handy heraus, wählte Simones Nummer und wartete.
»Simone Bark.«
Sie klang zerstreut, es hallte in der Leitung.
»Sixan, ich bin’s. Wo bist du?«
»Erik? Ich bin in der Galerie. Wir streichen und …«
Es wurde still. Dann hörte ich Simone aufstöhnen.
»Oh nein. Nein. Du musst mir verzeihen, Erik. Ich habe es völlig vergessen. Es ist den ganzen Tag wahnsinnig viel los gewesen, der Klempner und der Elektriker und …«
»Dann bist du noch in der Galerie?«
Ich konnte die Enttäuschung in meiner Stimme nicht verbergen.
»Ja, ich bin über und über mit Gips und Farbe beschmiert …«
»Aber wir wollten doch essen gehen«, sagte ich matt.
»Ich weiß, Erik. Entschuldige. Ich hab es vergessen …«
»Jedenfalls haben wir einen schönen Tisch bekommen«, ergänzte ich sarkastisch.
»Es hat keinen Sinn, dass du auf mich wartest«, seufzte sie, und obwohl ich hörte, wie traurig sie war, konnte ich meine Wut nicht unterdrücken.
»Erik«, flüsterte sie ins Telefon. »Verzeih mir.«
»Ist schon okay«, sagte ich und beendete das Gespräch.
Es hatte keinen Sinn, woanders hinzugehen. Ich war hungrig und befand mich in einem Restaurant. Rasch winkte ich den Kellner zu mir und bestellte als Vorspeise einen Teller mit eingelegten Heringen und ein Bier, als Hauptspeise knusprig gebratene Entenbrust mit gewürfeltem Speck an einer Orangensauce und ein Glas Bordeaux und zum Abschluss einen Gruyère Alpage mit Honig.
»Sie können das andere Gedeck abräumen«, sagte ich dem Kellner, der mir einen mitleidigen Blick zuwarf, als er mir von dem tschechischen Bier einschenkte und Hering und Knäckebrot auf den Tisch stellte.
Ich hätte mir gewünscht, wenigstens meinen Notizblock dabeizuhaben, um beim Essen etwas Nützliches tun zu können.
Plötzlich klingelte mein Handy in der Jacketttasche, und die freudige Vorstellung, dass Simone sich womöglich einen Scherz mit mir erlaubt hatte und im nächsten Moment in der Tür stehen würde, tauchte auf und verschwand augenblicklich wieder wie ein Dunsthauch.
»Erik Maria Bark«, sagte ich und hörte, wie monoton meine Stimme klang.
»Hallo, hier ist Maja Swartling.«
»Maja, hallo«, sagte ich kurz angebunden.
»Ich wollte dich fragen … Oh, es ist ganz schön laut bei dir, passt es gerade nicht?«
»Ich sitze im KB«, antwortete ich. »Ich habe Geburtstag«, ergänzte ich, ohne zu wissen warum.
»Oh, na dann herzlichen Glückwunsch, es scheinen ja einige Leute an deinem Tisch zu sein.«
»Ich bin allein«, erwiderte ich einsilbig.
»Erik … es tut mir leid, dass ich versucht habe, dich zu verführen. Ich schäme mich zu Tode«, beteuerte sie leise.
Ich hörte, dass sie sich am anderen Ende der Leitung räusperte und neutral zu klingen versuchte, als sie weitersprach:
»Ich wollte dich fragen, ob du die Abschrift meines ersten Gesprächs mit dir lesen möchtest. Sie ist fertig, und ich möchte sie bei meinem Betreuer einreichen, aber wenn du sie vorher durchsehen willst, dann …«
»Leg sie mir doch bitte in mein Fach«, sagte ich.
Wir verabschiedeten uns, und ich leerte mein Bierglas, das der Kellner mitnahm, um praktisch sofort mit der Entenbrust und dem Rotwein zurückzukehren.
Ich aß, erfüllt von einer traurigen Leere, und war mir der Mechanik des Kauens und Schluckens und des gedämpften Kratzens meines Bestecks auf dem Teller übertrieben bewusst. Ich trank mein drittes Glas Wein und ließ die Bilder an der Wand zu den Menschen in meiner Therapiegruppe werden. Die korpulente Dame, die genüsslich ihre dunklen Haare im Nacken bündelte, sodass sich ihre üppigen Brüste hoben, war Sibel. Der schlaksige, furchtsame Mann im Anzug war Pierre. Jussi stand hinter einer seltsamen grauen Form versteckt, und Charlotte saß elegant gekleidet und aufrecht an einem runden Tisch mit Marek, der einen kindischen Anzug trug.
Ich weiß nicht, wie lange ich dort gesessen und die Wandgemälde angestarrt hatte, als ich hinter mir eine atemlose Stimme hörte:
»Gott sei Dank, du bist noch da!«
Es war Maja Swartling.
Sie lächelte breit, umarmte mich, und ich erwiderte ihre Umarmung steif.
»Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Erik.«
Der Geruch ihrer dichten schwarzen Haare stieg mir in die Nase, und irgendwo in ihrem Nacken verbarg sich ein schwacher Duft von Jasmin.
Sie zeigte auf den Stuhl mir gegenüber.
»Darf ich?«
Ich dachte, dass ich sie abweisen und ihr klarmachen sollte, dass ich mir geschworen hatte, mich nicht mehr mir ihr zu treffen. Sie hätte eigentlich wissen müssen, dass es verkehrt war, zu mir zu kommen. Aber ich zögerte, denn ich musste mir trotz allem eingestehen, dass es mich freute, etwas Gesellschaft zu bekommen.
Sie stand neben dem Stuhl und wartete auf eine Antwort.
»Es fällt mir schwer, nein zu sagen, wenn du etwas von mir willst«, antwortete ich und hörte, wie zweideutig das klang. »Ich meine nur …«
Sie setzte sich, winkte den Kellner heran und bestellte ein Glas Wein. Dann sah sie mich pfiffig an und legte eine Schachtel vor meinen Teller.