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Die drei Musketiere

Электронная книга - «Die drei Musketiere». Краткое содержание книги:

Der junge, draufgängerische d’Artagnan aus der Gascogne macht sich 1625 auf den Weg nach Paris und wird zum Freund dreier Musketiere. Diese sind der prahlsüchtige, naiv-heldische Porthos, der undurchschaubare Athos, ein edler Ritter, dessen Ehe gescheitert ist, sowie Aramis, ein ehemaliger Geistlicher. Alle vier kämpfen gegen die Leibgarde des Staatsmanns und Kardinals Armand-Jean Richelieu (1585 bis 1642) und dessen Spionin Mylady de Winter.
Mylady jedoch ist Athos’ Ex-Frau, die sich zu einem intrigenreichen Kampf gegen die Musketiere rüstet: Sie soll im Auftrag Richelieus die Königin Anna von Österreich und spanische Gemahlin Ludwigs XIII. bloßstellen. Ihr wird ein Liebesverhältnis mit dem Herzog von Buckingham nachgesagt. Dieser soll auf Geheiß des eifersüchtigen Richelieu durch Mylady de Winter ermordet werden, weil er sich zuvor mit den Protestanten von La Rochelle, wo die Musketiere zu Helden aufgestiegen waren, verbündet hatte. Richelieu fädelt daraufhin weitere Intrigen ein …
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Der Musketier, nachdem er einen Händedruck und ein Lächeln mit ihm ausgetauscht hatte, kam ihm indessen zuvor.

«Ich war gestern sehr betrunken, mein lieber d'Artagnan, «rief er,»ich fühlte dies heute Morgen an meiner immer noch etwas schweren Zunge und an meinem aufgeregten Pulse. Ich wette, daß ich tausenderlei närrische Dinge preisgegeben habe.«

Während er diese Worte sprach, schaute er seinen Freund so fest an, daß dieser dadurch in Verlegenheit gerieth.

«Nicht doch, «erwiederte d'Artagnan,»und wenn ich mich recht erinnere, so habt Ihr nichts Außerordentliches gesprochen.

«Ah, Ihr setzt mich in Erstaunen. Ich glaubte Euch eine höchst klägliche Geschichte erzählt zu haben, «und dabei sah er den jungen Mann an, als wollte er in der Tiefe seiner Seele lesen.

«Meiner Treu', «sprach d'Artagnan,»es scheint, ich war noch betrunkener als Ihr, da ich mir gar nicht mehr erinnern kann.«

Athos ließ sich nicht mit diesen Worten abspeisen, sondern versetzte:

«Es kann Euch nicht entgangen sein, mein lieber Freund, daß jeder seine eigene Art von Trunkenheit bat: der Eine, eine lustige, der Andere eine traurige. Ich habe sie traurige Trunkenheit, und wenn ich einmal weingrün bin, so ist es meine Manier, alle trübselige Geschichten zu erzählen, die mir meine alberne Amme in das Hirn gepflanzt hat. Das ist mein Fehler, ein Hauptfehler, ich gestehe es zu; aber abgesehen davon bin ich ein guter Trinker.«

Athos sagte dies auf eine so natürliche Weise, daß d'Artagnan in seiner Ueberzeugung erschüttert wurde.

«O! das ist es, in der That, «sprach der junge Mann, der hinter die Wahrheit zu kommen suchte.»Dergleichen ist es. Ich erinnere mich, wie man sich eines Traumes erinnert, daß wir von Gehenkten gesprochen haben.«—»Ah, Ihr seht wohl, «sagte Athos erbleichend, während er zu lächeln suchte,»ich wußte es, die Gehenkten sind mein Alp.«—»Ja, ja, «entgegnete d'Artagnan,»das Gedächtnis kehrt wieder bei mir ein: es war die Rede… wartet nur… es war die Rede von einer Frau.«—»Seht, «erwiederte Athos beinahe bleifarbig geworden,»das ist meine große Geschichte von der blonden Frau. Wenn ich diese erzähle, bin ich bis zur Bewußtlosigkeit betrunken.«—»Ja, das ist es, «sagte d'Artagnan,»die Geschichte von der blonden Frau, groß und schön mit blauen Augen.«—»Ja, und gehenkt.«—»Durch ihren Gatten, der ein hoher Herr von Eurer Bekanntschaft war, «fuhr d'Artagnan, seinen Freund fest anschauend, fort. — »Seht Ihr, wie man einen Menschen bloßstellen kann, wenn man nicht mehr weiß, was man sagt, «fuhr Athos fort und zuckte die Achseln, als ob er sich selbst bemitleidete.»Gewiß, ich will mich nicht mehr betrinken, d'Artagnan, es ist eine gar zu schlechte Gewohnheit. Bald hätte ich vergessen, «fügte er hinzu,»ich danke Euch für das Pferd, das Ihr mir mitgebracht habt.«—»Gefällt es Euch?«—»Ja, aber es ist kein Pferd für Strapazen.«—»Ihr täuscht Euch. Ich habe zehn Meilen in weniger als anderthalb Stunden mit ihm ge macht, und es schien nicht mehr ermüdet, als wenn es einmal auf der Place Saint-Sulpice im Kreise umher geritten worden wäre.«—»Ei, ei, das ist sehr ärgerlich.«—»Aergerlich?«—»Ja, ich habe mich desselben entäußert.«—»Wie dies?«—»Hört: als ich diesen Morgen um sechs Uhr erwachte, schlieft Ihr wie ein Dachs, und ich wußte nicht, was ich machen sollte. Ich war noch ganz verdumpft von unserer gestrigen Schwelgerei. Ich ging in den großen Saal hinab und sah einen von unfern Engländern, der mit einem Roßtäuscher um ein Pferd handelte. Dem seinigen war ein Blutgesäß gesprungen. Ich nähere mich ihm und sage, als ich gewahr wurde, daß er hundert Pistolen für einen Schweißfuchs bot: ›Bei Gott, mein edler Herr, ich habe auch ein Pferd zu verkaufen.‹ — ›Und zwar ein sehr schönes,‹ sprach er. ›Ich habe es gestern gesehen. Der Knecht Eures Freundes führte es an der Hand.‹ — ›Glaubt Ihr, es sei hundert Pistolen werth?‹ — ›Ja. Wollt Ihr es mir um diesen Preis geben?‹ — ›Nein, aber ich spiele mit Euch darum.‹ — ›Wie?‹ — ›Mit Würfeln.‹ —»Gefugt gethan, und ich habe das Pferd verloren. «Doch hört wohl, «fuhr Athos fort,»die Decke habe ich wieder gewonnen.«

D'Artagnan machte eine ziemlich verdrießliche Miene.

«Das ist Euch unangenehm?«sprach Athos.

«Allerdings, ich muß es Euch gestehen, «erwiederte d'Artagnan.»Dieses Pferd sollte dazu dienen, uns an einem Schlachttag kenntlich zumachen; es war ein Pfand, ein Andenken. Athos, Ihr habt Unrecht gehabt.«

«Ei, mein lieber Freund, versetzt Euch an meine Stelle, «entgegnete der Musketier,»ich langweilte mich zum Sterben, und dann auf Ehre, ich liebe die englischen Pferde nicht. Hört, wenn es sich nur darum handelt, von irgend Jemand erkannt zu werden, so wird der Sattel genügen. Er ist auffallend genug. Was das Pferd betrifft, so werden wir irgend eine Entschuldigung finden, um sein Verschwinden zu rechtfertigen. Was Teufels! ein Pferd ist sterblich. Gesetzt, das meine hätte den Wurm oder den Rotz bekommen!«

D'Artagnan's Antlitz erheiterte sich nicht.

«Es ist mir verdrießlich, «fuhr Athos fort,»daß Ihr so viel auf diese Thiere zu halten scheint, denn ich bin mit meiner Geschichte noch nicht zu Ende.«—»Was habt Ihr weiter noch gemacht?«—»Nachdem ich mein Pferd verloren hatte, neun gegen zehn, (seht, was für ein Wurf!) kam mir der Gedanke, um das Eurige zu spielen.«—»Ja, aber es blieb doch hoffentlich bei dem Gedanken?«—»Nein, ich brachte ihn sogleich in Ausführung.«—»Ah, den Henker!«rief d'Artagnan unruhig. — »Ich spielte und verlor.«—»Mein Pferd?«—»Euer Pferd, sieben gegen acht; um ein Auge… Ihr kennt das Sprichwort?«—»Athos, ich schwöre, Ihr seid nicht bei Vernunft.«—»Mein Lieber, das hättet Ihr mir gestern sagen sollen, als ich Euch die tollen Geschichten erzählte, und nicht heute. Ich verlor es also sammt Sattel und Zeug.«—»Aber das ist abscheulich!«—»Nur Geduld, Ihr habt Unrecht. Ich wäre ein vortrefflicher Spieler, wenn ich nicht hartnäckig würde, aber das ist der Fall, wie beim Trinken. Ich wurde also hartnäckig.«—»Aber um was konntet Ihr denn spielen? Es blieb Euch ja nichts mehr übrig.«—»Allerdings, mein Freund, es blieb Euch noch der Diamant übrig, der an Eurem Finger glänzt und den ich gestern bemerkt hatte.«—»Dieser Diamant!«rief d'Artagnan, und fuhr mit der Hand an seinen Ring. — »Und da ich Kenner bin, insoferne ich einige für eigene Rechnung besessen hatte, schätzte ich ihn auf tausend Pistolen.«—»Ich hoffe «sprach d'Artagnan halbtodt vor Schrecken,»Ihr erwähntet meines Diamants nicht?«—»Im Gegentheil, lieber Freund, Ihr begreift doch, daß dieser Diamant unser einziges Rettungsmittel war. Mit ihm konnte ich unser Reitzeug, unsere Pferde, und sogar Geld für die Reise wieder gewinnen.«—»Athos, Ihr macht mich zittern!«rief d'Artagnan. — »Ich sprach also von Eurem Diamant mit meinem Gegenspieler, der ihn ebenfalls wahrgenommen hatte. Was Teufel, mein Lieber, Ihr tragt an Eurem Finger einen Stern des Himmels und wollt, man soll nicht darauf aufmerksam werden? Unmöglich.«—»Vollendet, mein Lieber, vollendet!«sprach d'Artagnan,»denn auf Ehre, Ihr bringt mich um mit Eurer Kaltblütigkeit.«—»Wir theilten also diesen Diamant in zehn Theile von je hundert Pistolen.«—»Ah, Ihr wollt scherzen und mich auf die Probe stellen, «sagte d'Artagnan, den der Zorn zu ersticken drohte. — »Nein, ich scherze nicht, Mord und Teufel! Ich hätte Euch wohl sehen mögen! Vierzehn Tage lang hatte ich kein menschliches Antlitz zu Gesicht bekommen, und war durch dieses ewige Umarmen der Weinflaschen rauhborstig geworden.«—»Das ist kein Grund, um meinen Ring auf das Spiel zu setzen, «entgegnete d'Artagnan, die Hand krampfhaft zusammenpressend. — »Hört also das Ende. Zehn Theile zu hundert Pistolen, ohne Revanche. Auf dreizehn Würfe verlor ich Alles. Auf dreizehn Würfe! Dreizehn ist immer eine Unglückszahl für mich gewesen; es geschah am 13. Juli, daß…«—»Tod und Teufel!«rief d'Artagnan aufspringend; die Geschichte dieses Tages machte ihn die des vorhergehenden vergessen. — »Geduld, «sprach Athos,»ich hatte einen Plan. Der Engländer war ein Original. Ich sah ihn am Morgen mit Grimaud plaudern, und dieser meldete mir, er habe ihm den Antrag gemacht, er möge in seine Dienste treten. Ich spiele mit ihm um Grimaud, den stillschweigenden Grimaud, in zehn Portionen getheilt.«—»Ah, Gottes Wunder!«rief d'Artagnan und brach in ein lautes Gelächter aus. — »Grimaud selber, hört Ihr wohl, und mit den zehn Theilen von Grimaud, der nicht ganz einen Dukaten werth ist, gewinne ich den Diamant wieder. Sagt mir also noch einmal, die Beharrlichkeit sei keine Tugend.«—»Meiner Treue! das ist drollig!«rief d'Artagnan getröstet, und hielt sich vor Lachen die Seiten. — »Ihr begreift, daß ich, als ich mich wieder bei Kräften fühlte, abermals um den Diamant zu spielen anfing.«—»Ah, Teufel!«sagte d'Artagnan verdüstert. — »Ich gewann Euer Reitzeug wieder und dann Euer Pferd, dann mein Reitzeug, dann mein Pferd, und verlor abermals. Kurz, ich habe Euer Reitzeug wieder bekommen und das meinige. Und so stehen nun die Sachen. Das war ein vortrefflicher Wurf, und ich blieb dabei.«

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