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Электронная книга - «Witiko». Краткое содержание книги:

An seinem monumentalen Werk über die Gründungsgeschichte des Königreiches Böhmen im 12. Jahrhundert arbeitete Stifter zehn Jahre lang wie »ein Pflugstier«. Durch den Romanhelden Witiko, der stellvertretend für den sittlich handelnden Menschen steht, wird das grandiose Historiengemälde zum Bildungsroman, als dessen Meister sich der Autor mit seinem ›Nachsommer‹ in die Literaturgeschichte eingeschrieben hatte.
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»Wir werden hinaus gehen, wie wir in der heutigen Nacht hinaus gegangen sind«, sagte Diepold.

Die Herzogin ritt herzu. Sie war im Waffenkleide, ihr goldenes Haar deckte ein glänzender Helm, und in der Hand hatte sie ein gezogenes Schwert.

Hinter ihr ritten mehrere Herren des Hofes und andere Männer. Alle waren bewaffnet. Neben ihr ritt Dimut in ihrem gewöhnlichen Waffenkleide.

»Diepold«, rief die Herzogin, »ich bringe Krieger, und werde noch mehrere bringen, ich will eingereiht sein unter die Verteidiger der Stadt.«

»Hohe Herzogin«, sagte Diepold, »es geschehe nach deinem Sinne.«

Nun kamen auch Männer und Jünglinge der Stadt, und verlangten unter die Verteidiger aufgenommen zu werden.

Diepold sagte es zu, und wies sie an Plätze zur Einteilung.

Erst gegen den Abend sänftigte sich das Feuer, und in der Nacht wurde ihm Einhalt getan.

Am vierten Tage darnach kamen die Feinde wieder gegen die Mauern. Sie waren um viele mehr als das erste Mal, und führten eine große Zahl von Wagen mit sich, auf denen Erkletterungsgeräte, Leitern, Schilde, Bergen, Dinge, um den Boden zu erhöhen, und anderes waren. Eine größere Menge von Bogenschützen war aufgestellt, eine größere Menge von Männern rannte gegen die Mauern, und sie suchten mit größerer Heftigkeit und größerer Eifrigkeit empor zu dringen. Aber die Verteidiger waren auch schneller und unermüdlicher, in dichter Menge stürzten die Abwehren hinunter, in ununterbrochener Reihe flogen die Geschosse hinaus, und wenn man die Krieger wechseln wollte, ließen sie es nicht zu. Aus der Stadt rannten Menschen herbei, und trugen in ihren Händen oder in ihren Kleidern Steine, Ziegel, Eisen, Blei, daß es auf die Feinde geworfen würde, wenn etwa der Vorrat der Krieger nicht ausreichen sollte. Die Herzogin war mit ihrer Schar auf den Zinnen, und eines Augenblickes ritt sie auch zu allen Kriegern. Ihre Augen waren glänzender und ihre Wangen röter als sonst. Dimut folgte ihr, und auch ihre Augen waren glänzender und ihre Wangen röter. Sie kam zu Jurik, der die Seinigen befehligte, sie kam zu Chotimir, der unter seinen Männern war. Sie grüßte und wurde gegrüßt. Sie kam zu Diwiš, der seine Balkengerüste ordnete. Er grüßte sie ernst. Sie kam zu Lubomir, der unter seinen Zupenleuten stand, und dicke Bolzen versendete. Er neigte sich ehrerbietig. Sie kam zu Bolemil. Er saß neben der großen Schleuder, und befehligte. Seine Haube war ihm entfallen, und seine weißen Haare glänzten in der Luft. Er neigte sein Haupt vor der Herzogin, und fuhr fort zu befehlen. Sie kam zu dem Bischofe, der seine Männer leitete. Sie kam zu Milota. Sie kam zu den Waldleuten. Rowno trat einen Augenblick vor, zu grüßen. Die Männer des Waldes warfen Dinge gegen die Feinde, von denen man glaubt, daß sie von Menschenhänden nicht zu bewältigen sein könnten. Sie kam zu dem jungen Ben, zu Zdeslaw, Casta, und den weitern. Die Feinde mußten von ihrem Beginnen ablassen, Diepold verfolgte sie mit großen Scharen, und tötete viele, und ein Wehegeschrei und ein Geschrei des Zornes war unter den Verfolgten und Verfolgern.

Nun begannen die Feinde andere Arbeiten in ihrem Lager. Sie machten Wälle, Bollwerke und Gräben gegen die Stadt, als wollten sie gegen die Veste eine zweite Veste errichten. Sie bauten Bergen aus Balken und Bäumen, und arbeiteten hinter den Bergen. Und wenn ein Werk aus Erde fertig war, so schoben sie die Bergen näher gegen die Stadt, und vergrößerten das Werk. Sie gruben auch Gräben mit Wällen, um sich in den Gräben der Stadt zu nähern.

Diepold ließ seine Mauern verbessern. Die Männer mauerten an schwachen Stellen eine zweite Mauer hinter der ersten, Verbalkungen, Bergen, Schutzwerke und neue Schleuderwerke wurden erbaut, und die Zimmerer, Schmiede, Pechgießer, Waffenmeister, Flechter, Pfeil- und Lanzendreher und alle, die in Pflicht genommen waren, arbeiteten rastlos.

Mit Greifzangen ließ Diepold Geräte und Dinge, welche die Feinde an den Mauern gelassen hatten, herauf nehmen, und was man nicht herauf nehmen konnte, wurde durch Feuer zerstört.

Alle Wurfdinge, welche tauglich erachtet wurden, sandte man gegen die Feinde, und sie sandten ihre Wurfdinge gegen die Stadt. Und oft ging Diepold mit Kriegern aus den Seinigen aus der Stadt, und kämpfte in dem Felde. Wenn er eine Stelle erkundigt hatte, die ihm eines Angriffes wert erschien, machte er mit Kohle eine Angriffszeichnung auf dem Tische, erklärte den Seinigen die Zeichnung, und brach dann mit einer Schar aus dem Tore, überfiel die Stelle auf Wegen, die ihm bekannt waren, und schlug mit Lanzen, Spießen, Keulen, Schwertern, Messern, was diese Waffen erzwingen konnten, und drängte mit Kraft gegen den Feind, so stark sie die Seinigen zu erregen vermochten. Die Männer faßten sich so nahe, als sie sich fassen konnten, an Riemen der Rüstungen, an Säumen der Gewänder, mit den Armen an den Armen, Brust gegen Brust, Körper an Körper, wie wütende kämpfende Brüder, wie Söhne der nämlichen Fluren, die mit Söhnen der nämlichen Fluren kämpfen. Und nach dem Kampfe eilte er wieder mit den Seinen in die Stadt.

So dauerte es eine Zeit.

Endlich stellten die Feinde ihre großen Geräte, die sie zusammen gebracht oder neu gebaut hatten, und die Diepold nicht hatte hindern können, in die Erdwerke gegen die Mauern, die gegen sie befestigst worden waren. Und nun begannen sie die größten Wurfdinge gegen die Mauern zu schleudern, um sie zu zertrümmern. Von kleineren Geräten sandten sie Geschosse gegen die Verteidiger der Zinnen. Diepold sandte seine großen Geschosse gegen die Werke der Feinde, und die kleinen gegen die Angreifer. Wenn sich an einem Platze die Mauer zu lockern begann, ließ er Rahmen mit Geflechten über die Stelle hängen, und wenn die Geflechte sich zerfaserten, erneuerte er sie, und wenn die Feinde gerade dahin ihre Würfe richteten, ließ er dicke Stierhäute hinab, und brachte immer neue solche Häute.

Und die Nacht unterbrach nicht die Bemühungen, sie dauerten fort, und dauerten Tage und Nächte, und wenn kurze Fristen eintraten, so endeten sie bald wieder, und der Drang, zu gewinnen und zu verteidigen, kam mit erneuerter Kraft an ihre Stelle.

Die Führer, der alte Lubomir, der alte Diwiš, Wšebor, Preda gaben sich der Sache hin, der alte Bolemil gab das Teilchen seiner Tage, die ihm noch gegeben waren, preis, die Äbte waren da, der Bischof Otto, und Jurik und Gervasius und Nemoy und alle andern. Die Krieger wurden in ihren Anstrengungen abgelöst, die Führer nicht.

Die Herzogin befehligte ihre Schar Kriegsleute wie ein Mann, sie leitete mit Diepold die ganze Verteidigung. Dann ging sie zu den Kriegern, und sprach mit ihnen. Dimut war bei ihr. Sie ließ oft, wenn die Mauer Schaden litt, durch hinab gelassene Pechpfannen und andere Dinge Rauch erregen, und die Männer arbeiten. Fast alle Menschen der Stadt halfen bei der Verteidigung. Die Pflege der Verwundeten ging ununterbrochen fort.

Der Priester aus dem Zupenhause von Daudleb war stets bei Lubomir. Er suchte keine Bergen auf, sondern er führte hier einen Verwundeten abseits, um ihn zu verbinden, er trachtete dort etwas herbei zu schaffen, das man bedurfte, er sprach einem, der gestürzt war, Trost in das Angesicht, oder in die Ohren, wenn seine Augen aus Schwäche schon geschlossen waren, oder er suchte sonst Beistand zu leisten, wie er konnte.

Endlich griff man zu dem Feuer. Die Feinde sendeten brennende Pfeile, glühendes Eisen, lodernde Pechkugeln und andere Zündstoffe gegen die Zinnen, um Brand zu erregen, oder die Männer zu schädigen. Diepold ließ brennendes Harz, ölgetränkte brennende Ballen, glühende Metalle, flammende Balken und ähnliches in die Werke der Feinde werfen. Und wenn auf den Zinnen Feuer aufloderte, ließ man es durch nasse Zottentücher, Sandsäcke, Wassergüsse oder, wie man konnte, löschen. So taten auch die Feinde.

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