Witiko
- Автор: Штифтер Адальберт
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Witiko». Краткое содержание книги:
Dann ging er mit allen, die um ihn waren, zu den Verwundeten und Kranken in die Verpflegungshäuser. Dann ordnete er an, daß Erquickung an Speise und Trank, reichlicher und besser als zu anderen Zeiten, an die Krieger komme.
Nach einer Zeit ritt eine Schar von Feinden gegen die Mauern, mit schwarzen Fahnen, welche die Bitte anzeigten, daß ihnen gestattet werde, ihre Toten und Verwundeten weg zu bringen. Diepold ließ eine schwarze Fahne der Gewährung errichten. Sogleich gingen die Feinde daran, die Ihrigen zu bergen. Die Männer auf den Mauern sahen auf sie, und konnten die Gewänder erkennen, wie sie in dem einen oder in dem andern Striche des Landes getragen wurden, und wenn einer Verwandte unter ihnen gehabt, und auf sie hinab gesehen hätte, so hätte er ihre Angesichter zu erkennen vermocht.
Am Abende des Tages wurde ein ernster Lobgesang in der Kirche des heiligen Veit gehalten. Diepold, die Herzogin, und alle Führer wohnten bei, und so viele Krieger, als die Kirche zu fassen vermochte. Die Waldleute knieten in ihren rauhen Gewändern auf dem Boden der Kirche.
Als die Nacht anbrach, ging man, die Wurfdinge zu ergänzen, daß sie zum Gebrauche wieder hergerichtet wären.
An dem nächsten Tage begannen die Feinde nichts gegen die Stadt.
Da der Abend gekommen war, ließ Diepold die Führer rufen, und eröffnete ihnen, wie er wisse, daß an dem Felde, auf welchem die Feinde gelagert seien, sich eine Wiese befinde, die Sumpf und Moor habe, daß das Lager gegen die Wiese weniger befestigt und bewacht sei. Er aber wisse einen festen Weg durch den Sumpf und das Moor, und ein vertrauter Mann habe noch in diesen Tagen Rütchen auf den Weg gesteckt. Er wolle in der Nacht mit einer Schar durch den Sumpf gehen, und das Lager überfallen, und so viel Schaden tun, als er könne. Und wenn er zurück ginge, wolle er die Verfolger in den Sumpf locken. Die Führer möchten die Männer wählen, die sich zu dem Unternehmen melden. Um Mitternacht ist die Versammlung bei dem Herzogstuhle.
Die Führer entfernten sich.
Als die Mitternacht gekommen war, standen die Männer an dem Herzogstuhle. Es waren mehr als not tat. Diepold las sie aus, erklärte ihnen die Sache, und sagte: »Unser Wort heißt: Wladislaw, und das Wort zur Umkehr heißt: Gertrud.«
Hierauf gingen sie gegen das Tor, gefolgt von einem Häuflein Reiter, das Jurik führte. Das Tor öffnete sich. Außerhalb desselben stellte Diepold das Häuflein Reiter auf. Dann ging er mit den Männern gegen die Wiese. Auf derselben gingen sie gegen den Sumpf, und dann auf dem festen Wege in den Sumpf hinein. Der Mann, welcher die Ruten gesteckt hatte, ging als Führer zwischen zwei Kriegern mit. Sie kamen auf dem Wege bis an das Lager. Dort war eine Umzäunung von Pflöcken, die in die Erde getrieben waren. Diepold hieß mit Brechstangen Pflöcke ausheben. Die Werkleute schritten daran. Da lehnte der Schmied von Plan seine Keule seitwärts, faßte einen Pflock mit seinen Händen, und zog ihn heraus, dann einen zweiten, dann einen dritten, und so fort. Als er zwanzig ausgezogen hatte, sagte Diepold, es sei genug, ließ einen Pflock über der Umzäunung als Zeichen erhöhen, und führte seine Männer durch die Lücke ein. Nach einer Weile fanden sie drei Männer, die im Grase standen, und von denen sie nicht erkannt wurden, sie nahmen dieselben mit. Bald gelangten sie zu Lichtern. Da scholl ihnen entgegen: »Konrad.«
Sie riefen: »Wladislaw«, und rannten gegen die Feinde.
Da standen Wachen, sie wurden niedergeworfen. Dann standen wieder solche, sie wurden wieder niedergeworfen. Dann kamen sie zu Gezelten, und wenn Männer aus denselben eilten, oder von der Erde empor sprangen, wurden sie gestürzt, oder weiter getrieben. Ein Schreien erhob sich, und pflanzte sich in das Lager hinein fort. Diepold verbot, etwas anzuzünden, daß seine Schar von dem Scheine nicht erhellt werde. Der Fliehenden wurden immer mehr, und wenn einige Haufen sich widersetzten, wurden manche aus ihnen niedergestreckt, und die andern zurückgedrängt. Diepold war stets hinter ihnen, und schlug sie, und es durfte zwischen den Fliehenden und den Verfolgern kein Raum entstehen. So drang er in das Wirrsal der Feinde, wie eine Meereswoge gegen den kiesreichen Strand dringt, und alles mitnimmt.
Da wurde in dem Lager ein Lichtschein in gerader Richtung. An dem Scheine bewegten sich Lichter hin und wider, und glänzten Waffen. Die Feinde hatten eine Reihe gebildet.
»Gertrud«, rief nun Diepold.
»Gertrud«, riefen die Männer sich zu.
Und sie wendeten sich, und rannten gegen die Umzäunung zurück.
Sie hörten hinter sich Kriegsruf und das Dröhnen von Schritten.
Da kamen sie an ihre Öffnung, warfen den erhöhten Pflock herab, und drangen hinaus. Sie gingen auf ihrem festen Wege in langer Zeile dahin. Bald hörten sie hinter sich ein Geschrei, wie wenn jemand von Entsetzen ergriffen wird, dann hörten sie Rufe der Weisungen und Mahnungen, und dann, wie sie immer weiter vorschritten, hörten sie nichts mehr. Da sie an dem Rande der Wiese ankamen, schollen zu ihrer Rechten Hufschläge, und an dem Tore fanden sie feindliche Reiter mit den Reitern Juriks im Kampfe. Sie griffen von hinten an, die Feinde, an den zwei Enden gedrängt, verwirrten sich, suchten seitwärts zu entkommen, und litten Schaden, da die einen den Hang empor ritten und überschlugen, die andern den Hang hinunter ritten, und stürzten. Diepold und Jurik verfolgten sie, wie es möglich war, dann kehrten sie um, und gönnten ihren Kriegern die Ruhe des Teiles der Nacht.
Als der Morgen des nächsten Tages angebrochen war, sahen sie die Feinde in ihrem Lager an der Wiese eifrig arbeiten. Bald sonderte sich ein Haufen Krieger ab, und ging in Schiffen über die Moldau in den rechten Burgflecken. Ihm folgten noch andere. Dann erhob sich Rauch an verschiedenen Stellen des Burgfleckens, und Häuser brannten, und das Feuer wurde immer größer, und die Einwohner bestrebten sich, zu löschen.
Die Männer auf den Mauern schrien: »Die Tiere, die Scheusale, die Wölfe, wenn wir einen fangen, sollen wir ihn töten, und keiner, wenn Tausende in unsere Hände kommen, soll das Leben behalten.«
Leute aus der Stadt rannten herzu, und riefen: »Diepold, lasse uns hinaus gehen, und sie morden, vernichten, vertilgen, und wenn es auch unser und aller deiner Krieger Tod wäre.«