Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
Er schwang die Beine aus dem Bett und trank, auf der Kante sitzend, den restlichen Tee. Bei jeder Bewegung roch er den Schweiß in seinem Pyjama, dessen Stoff klamm an seiner Haut klebte. Er fühlte sich schwach, merkwürdig zittrig, als hätte er ein schweres Fieber durchgemacht, von dem er sich erst zu erholen begann.
Frances sagte: »Ich mache dir jetzt erst einmal ein ordentliches Frühstück, Malcolm, keine labberigen Cornflakes heute.«
»Ich muss duschen«, sagte er statt einer Antwort.
»Wunderbar. Dann habe ich gut Zeit.« Sie war schon auf dem Weg zur Tür.
»Fran«, sagte er, um sie aufzuhalten, und als sie stehen blieb:
»Das alles ist wirklich nicht nötig.«
»Nicht nötig?« Sie neigte den Kopf zur Seite. Das rote Haar - mit dem Mittel gefärbt, das er ihr einmal im Monat bei Boots holen musste, weil sie meinte, die Haarfarbe ihrer Tochter nachahmen zu können, was nie glückte - war sorgsam frisiert, und sie hatte den Gürtel ihres Morgenrocks zu einer tadellosen Schleife gebunden.
»Ich meine, lass es gut sein«, sagte er. »Du brauchst nicht -«
Was denn? Was brauchte sie nicht zu tun? Wenn er es aussprach, würde sie das auf einen Weg führen, den sie beide nicht betreten wollten. Er sagte also nur: »Du brauchst mich nicht zu verwöhnen. Die Cornflakes tun's auch.«
Sie lächelte. »Das weiß ich, Schatz. Aber ein richtiges Frühstück ab und zu ist doch was Schönes. Und du bist doch nicht in Eile, oder?«
»Der Hund muss noch raus.«
Ich gehe mit ihm, Malcolm. Aber genau das würde sie natürlich nicht sagen. Schon gar nicht nach den fehlgeschlagenen Plänen des gestrigen Tages bezüglich des Gartens. Zwei Niederlagen hintereinander wären eine allzu schwere Kränkung, das würde sie nicht riskieren. Webberly verstand es. Das war es ja, er hatte es immer verstanden! Darum war er auch jetzt nicht überrascht, als sie sagte: »Warten wir doch einmal ab, wie wir mit der Zeit hinkommen. Ich denke, sie wird reichen. Und wenn nicht, kannst du ja Alfies Spaziergang ein bisschen abkürzen. Er wird's überleben, wenn du mit ihm ausnahmsweise nur bis zur Ecke und zurück gehst.«
Sie gab ihm einen liebevollen Kuss auf den Scheitel und ging hinaus. Keine Minute später hörte er sie in der Küche rumoren. Sie begann zu singen.
Er stand vom Bett auf und schlurfte müde ins Badezimmer. Es roch muffig wie immer, vom verschimmelten Kitt rund um die Wanne und von den Stockflecken im Duschvorhang, der längst ausgewechselt hätte werden müssen. Webberly schob das Fenster ganz auf und stellte sich davor, um die feuchte Morgenluft einzuatmen, die einen langen, kalten und nassen Winter ankündigte. Er dachte an Spanien, Italien, Griechenland, an all die warmen sonnigen Gegenden der Welt, die er niemals sehen würde.
Ungeduldig schlug er sich die verlockenden Bilder aus dem Kopf, trat vom Fenster weg und zog seinen Pyjama aus. Er drehte das heiße Wasser auf, bis der Dampf in dichten Schwaden aus der Wanne aufstieg, ließ dann kaltes Wasser nachlaufen, um die Temperatur zu regulieren, und stieg ins Bad.
Während er sich einseifte, dachte er über die unbestreitbar vernünftige Frage seiner Tochter nach, warum er nicht darauf bestand, dass Frances sich wieder in psychiatrische Behandlung begab. Was konnte es schaden, Fran das vorzuschlagen? In den vergangenen zwei Jahren war nicht eine Bemerkung über ihre Schwierigkeiten über seine Lippen gekommen. Wäre es denn so verwerflich, wenn er sie jetzt, nach fünfundzwanzigjähriger Ehe und im Angesicht seines baldigen Rückzugs aus dem Berufsleben, darauf hinwiese, dass sie sich auf ein neues Leben würden einstellen müssen, und sie - Fran - sich Hilfe holen müsse, um mit ihrem Problem umgehen zu lernen, wenn sie gemeinsam dieses neue Leben mit allem, was es zu bieten hatte, genießen wollten? Wir wollen doch reisen, Frannie, könnte er sagen. Stell dir vor, ein Wiedersehen mit Spanien, denk an Italien, an Kreta. Ach was, wir könnten sogar alles hier verkaufen und aufs Land ziehen. Davon haben wir doch früher immer geträumt.
Ihr Mund würde sich bei seinen Worten zu einem Lächeln verziehen, doch in den Augen würde sich die beginnende Panik spiegeln. »Aber, Malcolm«, würde sie sagen, die Finger verkrampft - um den Rand ihrer Schürze, den Gürtel ihres Morgenrocks, die Manschette ihrer Bluse. »Aber, Malcolm!«
Vielleicht würde sie bei der Erkenntnis, dass es ihm ernst war, sogar einen Versuch machen, ihre Ängste zu bezwingen. Wie vor zwei Jahren. Und es würde heute so enden wie damals: in Panik und Tränen; mit einem Anruf wildfremder Leute bei der Polizei; mit Rettungswagen, Sanitätern und Polizei, die am Supermarkt angerückt waren, wohin sie sich im Taxi hatte bringen lassen, um zu beweisen, was sie gesagt hatte: »Ich schaffe es, Schatz.« Wie damals würde ein Aufenthalt im Krankenhaus folgen, eine Zeit der Ruhigstellung, eine Intensivierung aller ihrer Ängste. Sie hatte sich gezwungen, aus dem Haus zu gehen, weil sie es ihm recht machen wollte. Es hatte damals nicht geklappt, es würde auch heute nicht klappen.
»Sie muss selbst wünschen, wieder gesund zu werden«, hatte der Psychiater ihm erklärt. »Ohne den eigenen Wunsch entsteht kein Druck. Und der innere Druck, der die Wiederherstellung der Gesundheit fordert, kann nicht künstlich erzeugt werden.«
Die Jahre verstrichen. Das Leben ging weiter, ihre Welt schrumpfte. Und die seine mit. Manchmal glaubte Webberly, er würde in der Enge dieser Welt ersticken.
Er blieb lange im Wasser liegen, er wusch sich das schütter werdende Haar. Als er fertig war und aus der Wanne stieg, umfing ihn die eisige Kälte des Badezimmers, da das Fenster immer noch weit offen stand und Morgenluft hereinließ.
Frances hatte Wort gehalten. Ein großes Frühstück erwartete ihn, als er in die Küche kam. Es duftete verlockend nach gebratenem Schinkenspeck, und Alfie saß neben dem Herd und beäugte hoffnungsvoll die Bratpfanne, aus der Frances die knusprigen Speckscheiben nahm. Doch der Tisch war nur für eine Person gedeckt.
»Isst du nichts?«, fragte Webberly seine Frau.
»Ich lebe, um dir zu dienen.« Sie gestikulierte mit der Bratpfanne. »Du brauchst es nur zu sagen, und du bekommst deine Frühstückseier, wie du sie haben willst. Ich richte mich ganz nach dir. In allem.«
»Ist das dein Ernst, Fran?« Er zog seinen Stuhl heraus.
»Gekocht, gerührt oder gebraten«, erklärte sie. »Ganz wie es dir beliebt.«
»Wie es mir beliebt.«
Er hatte keinen Appetit, aber er aß. Er kaute und schluckte, ohne viel zu schmecken. Nur die Säure des Orangensafts nahm er wahr.
Frances schwatzte. Ob er nicht auch fände, dass Randy ein bisschen zu füllig sei? Sie sage ja nicht gern etwas, aber ob er nicht auch der Meinung sei, das Kind hätte ein bisschen zu viel Babyspeck auf den Knochen für ein junges Mädchen ihres Alters? Und was er zu ihrem neuesten Plan sage, für ein Jahr in die Türkei zu gehen? Ausgerechnet in die Türkei. Aber sie habe ja ständig irgendwelche Rosinen im Kopf, da sei es wahrscheinlich völlig überflüssig, sich aufzuregen. Trotzdem, ein junges Mädchen ihres Alters… ganz allein in der Türkei? Das sei doch unvernünftig, das könne nicht gut gehen. Als sie im vergangenen Jahr davon gesprochen habe, für ein Jahr nach Australien zu gehen, sei das schlimm genug gewesen - so weit weg von der Familie! Aber die Türkei? Nein. Das müssten sie ihr ausreden. Und habe Helen Lynley neulich Abend nicht hinreißend ausgesehen?
»Sie gehört zu den Frauen, die alles tragen können. Natürlich kommt es auch darauf an, wo man kauft. In französischen Modellen sieht man einfach - na ja, man sieht eben aus wie alter Adel, Malcolm. Und sie kann es sich ja leisten, französisch einzukaufen, nicht wahr? Kein Mensch achtet darauf, wo sie einkauft. Da hat sie's besser als unsere spießige alte Queen, die immer aussieht, als hätte ein englischer Polsterer sie ausstaffiert. Tja, es stimmt schon, Kleider machen Leute.«