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Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:

Hinter diesem harmlosen Titel verbirgt sich ein aufregender Kriminalfall, bei dem die Brüder Kip zu Unrecht beschuldigt werden. Aber wie wollen sie ihre Unschuld an dem Mord am Kapitän ihres Schiffes beweisen? Alles spricht gegen sie, bis der Reeder Hawkins seine detektivischen Nachforschungen aufnimmt und verblüffende Details entdecken kann, die schließlich zur Ermittlung der Täter führen.
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Kein Mensch dachte natürlich daran. daß der Gouverneur in der scheinbar so klar liegenden Angelegenheit an die Königin gehen, noch daran, daß Hawkins zu diesem Zwecke so drängende Schritte bei jenem getan haben könnte.

Die Einwohnerschaft Hobart-Towns rechnete also darauf, daß die Vollziehung des Urteils demnächst stattfinden werde, und es ist von der angelsächsischen, wie von der lateinischen Rasse bekannt, daß solch aufregende Ereignisse bei beiden eine unwiderstehliche, ungesunde Neugier entfesseln.

Erfolgt nach englischem Gesetze das Henken Verurteilter jetzt nicht mehr auf einem öffentlichen Platze, sondern nur in Gegenwart dazu berufener Zeugen, so ist das als ein Fortschritt zu bezeichnen. Die Menschenmenge sammelt sich bei solchen Gelegenheiten aber nichtsdestoweniger in der Nähe des betreffenden Gefängnisses.

So strömten auch vom 7. März an, noch vor dem Aufgange der Sonne, ja meist schon in den ersten Stunden nach Mitternacht, hier zahllose Neugierige zusammen, um die schwarze Flagge, das Zeichen einer vor sich gehenden Hinrichtung, hissen zu sehen.

Natürlich befanden sich darunter Flig Balt und Vin Mod, doch auch Len Cannon und seine Kameraden, die alle Hobart-Town noch nicht verlassen hatten. Der Bootsmann und sein Spießgeselle wollten die schwarze Flagge nach Vollstreckung des Urteils mit eigenen Augen niederholen sehen. Dann erst waren sie ja sicher, daß andere für ihr Verbrechen gebüßt hatten. Dann war an eine Wiederaufnahme des Verfahrens nicht mehr zu denken, und die Elenden kehrten mit ihren Gefährten nach der Schankstube in den »Fresh-Fishs« zurück, die gestohlenen Piaster in Whisky und Gin umzusetzen.

Weder Frau Gibson noch deren Sohn wollte in dieser Zeit in Hobart-Town bleiben; beide gedachten erst nach dem traurigen Abschluß der Angelegenheit dahin zurückzukehren. Als Nat diese Absicht gegen Hawkins äußerte, begnügte sich der Reeder zu antworten.

»Du hast recht, Nat. es ist besser so!«

Seit der Urteilsverkündung war Hawkins wiederholt den Matrosen Hobbes, Wickley und Burnes, sowie dem Schiffsjungen Jim begegnet. Die wackeren Leute hatten sich noch nach keiner neuen Anmusterung umgesehen, und vielleicht wollten sie sogar warten, bis der »James-Cook« unter einem neuen Kapitän wieder auslaufen sollte.

Sie wußten übrigens, daß sie auf Herrn Hawkins rechnen konnten, wenn dieser für die Brigg oder ein anderes Schiff seines Hauses neue Mannschaft suchte. Es versteht sich von selbst, daß sie mit Flig Balt, Vin Mod und mit ihren anderen Genossen von der alten Besatzung der Brigg jeden Verkehr abgebrochen hatten.

Der 19. März war herangekommen; in der Stadt begann man sich zu wundern, daß der Befehl zur Hinrichtung noch immer nicht eingetroffen war, ein Umstand, der Flig Balt und Vin Mod in deren persönlichem Interesse natürlich beunruhigte. Übrigens hatten sie, wenn die Hinrichtung für längere Zeit aufgeschoben würde, den Entschluß gefaßt, Hobart-Town zu verlassen, und im Hinblick hierauf suchten sie schon nach einem bald zum Auslaufen fertigen Schiffe.

Da traf im Laufe des 25. eine vom Lord chief-justice abgesandte Depesche an Se. Exzellenz den Gouverneur von Tasmanien ein.

Dessen Gesuch hatte vor Ihrer Majestät der Königin von England und Kaiserin von Indien Gnade gefunden: die über die Gebrüder Kip verhängte Todesstrafe war in die zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verwandelt worden.

Achtes Kapitel.

Port-Arthur

Einen Monat nach dem Tage, wo den zum Tode Verurteilten eine Strafverwandlung zugebilligt worden war, arbeiteten zwei Männer unter der Fuchtel der Profose der Strafanstalt von PortArthur.

Die beiden Gefangenen gehörten nicht derselben Rotte an. Einer von dem anderen getrennt und verhindert, auch nur zwei Worte oder einen Blick zu wechseln, gehörten sie nicht einmal derselben Tischgenossenschaft an und teilten auch nicht dieselbe Zelle. Sie gingen, jeder nach seiner Seite, bekleidet mit der schimpflichen Jacke des Galeerensträflings zu ihrer Arbeit hinaus, immer überhäuft von dem Schmähen und den Beleidigungen jenes Haufens von Banditen, die Großbritannien nach seinen kolonialen Strafanstalten verschickt. Jeden Morgen verließen sie das Bagno und kehrten, erschöpft von der Anstrengung und nur unzureichend mittels grober Nahrung erhalten, erst am Abend dahin zurück. Dann sachte jeder sein Feldbett zur Seite eines anderen, mit Ketten gefesselten Sträflings auf und bemühte sich - meist vergeblich - sein Elend in einigen Stunden unruhigen Schlafes zu vergessen. Brach der junge Tag an, so gingen sie, jetzt in der erstickenden Hitze des Sommers, später in der furchtbaren Kälte des Winters, aufs neue an die Arbeit, bis zu der ersehnten Stunde, wo der Tod sie einst aus diesem elenden Leben erlösen würde.

Die beiden Männer waren die Gebrüder Kip, die man vor drei Wochen nach der Strafanstalt von Port-Arthur übergeführt hatte.

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war Tasmanien bekanntlich von den niedrigst stehenden Völkerschaften der Erde bewohnt, von Leuten, die sozusagen auf der Grenzlinie zwischen Menschheit und Tierreich standen.

Die ersten Europäer aber, die nach dieser großen Insel kamen, waren kaum mehr wert, als jene wilden Urbewohner. Nach ihnen trafen aber Auswanderer ein. deren Fleiß mit der Zeit das traurige Land zu einer der blühendsten Kolonien umschuf.

Jener Zeit hatte Großbritannien schon eine gleichartige Anstalt in Botany-Bai an der Ostküste Australiens, des späteren Neusüdwales, gegründet. Da es nun vermuten konnte, daß die Franzosen beabsichtigten, eine ähnliche Strafanstalt auf tasmanischem Boden zu errichten, beeilte es sich, ihnen ebenso zuvorzukommen, wie das später auf Neuseeland geschah.

Gegen Mitte des Jahres 1803 landete John Bowin, der Sydney mit einer Abteilung Kolonialtruppen verlassen hatte, am linken Ufer des Flusses Derwent, zwanzig Seemeilen oberhalb seiner Mündung an einer Stelle, die »Ridens« genannt wurde. Er brachte dahin eine Anzahl Verurteilter, deren Zahl im folgenden Jahre, unter Leutnant-Colonel Collins, auf vierhundert anstieg.

Dieser Offizier verließ aber Ridens wieder und legte den Grund zu Hobart-Town am anderen Ufer des Derwent, an einer Stelle, wo ein Flüßchen Süßwasser lieferte, und im Hintergrunde der Bai Sullivan Cove, worin selbst Schiffe von großem Tonnengehalt einen vortrefflichen Ankerplatz fanden. Die neue Stadt gewann schnell an Ausdehnung, und zwischen den Wohn- und Geschäftsgebäuden, die sehr bald entstanden, erhob sich gleich zu Anfang das Bagno, das von vier hohen Mauern aus granitharten Steinen umschlossen wird.

Dreierlei Elemente trifft man in der Bevölkerung Tasmaniens an: die Freien, das sind Einwanderer, Kolonisten, die das Vereinigte Königreich freiwillig verlassen haben; Freigelassene, das sind die Deportierten, denen man auf Grund besonders guten Verhaltens einen Teil der Strafe geschenkt hatte oder deren Strafzeit abgelaufen war, und endlich die Sträflinge, das sind die Deportierten, die von der Stunde ihrer Ausschiffung an unter der Bewachung des Oberaufsehers oder Kommissars der Anstalt stehen.

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