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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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»Wenn ich gläubig wäre, so würde ich dies ohne Zweifel auch jetzt wiederholen; ich habe nicht gelogen, als ich wie ein Gläubiger sprach,« erwiderte Nikolai Wsewolodowitsch sehr ernst. »Aber ich versichere Ihnen, daß diese Reproduktion meiner früheren Gedanken bei mir eine sehr unangenehme Empfindung hervorruft. Können Sie nicht damit aufhören?«

»Wenn Sie gläubig wären?!« schrie Schatow, ohne auf die Bitte seines Gastes die geringste Rücksicht zu nehmen. »Aber haben Sie nicht zu mir gesagt, wenn man Ihnen mathematisch bewiese, daß die Wahrheit außerhalb Christi liege, so würden Sie doch lieber bei Christus bleiben wollen als bei der Wahrheit? Haben Sie das gesagt? Haben Sie es gesagt?«

»Aber gestatten Sie auch mir endlich die Frage,« versetzte Stawrogin mit erhobener Stimme: »wozu soll dieses ganze intolerante, boshafte Examen führen?«

»Dieses Examen wird für alle Zeit ein Ende haben, und Sie werden nie wieder daran erinnert werden.«

»Sie bleiben hartnäckig bei Ihrer Meinung, daß wir uns außerhalb von Raum und Zeit befinden.«

»Schweigen Sie!« schrie Schatow. »Ich bin dumm und ungeschickt; aber mag mein Name im Fluche der Lächerlichkeit untergehen! Erlauben Sie mir, vor Ihren Ohren Ihre damalige Anschauung in den Hauptzügen zu wiederholen ... Oh, nur zehn Zeilen, nur den zusammenfassenden Schluß.«

»Tun Sie es, vorausgesetzt, daß das dann wirklich der Schluß ist ...«

Stawrogin machte eine Bewegung, als wollte er nach der Uhr sehen; aber er beherrschte sich und unterließ es.

Schatow bog sich wieder auf dem Stuhle nach vorn und wollte einen Augenblick lang sogar schon wieder den Finger aufheben.

»Kein einziges Volk,« begann er, als läse er Zeile für Zeile aus einem Manuskripte ab, und fuhr gleichzeitig fort, Stawrogin drohend anzublicken, »kein einziges Volk hat sich jemals nach den Prinzipien der Wissenschaft und der Vernunft organisiert; dafür hat es niemals ein Beispiel gegeben, außer auf ganz kurze Zeit, aus Dummheit. Der Sozialismus muß schon seinem Wesen nach Atheismus sein; denn er hat das gleich von vornherein ausdrücklich ausgesprochen, daß er eine atheistische Institution ist und sich ausschließlich nach den Prinzipien der Wissenschaft und der Vernunft organisieren will. Vernunft und Wissenschaft haben im Leben der Völker immer, jetzt und vom Anfang aller Dinge an, nur eine Stellung zweiten Ranges, eine dienende Stellung eingenommen, und so wird es auch bis zum Ende aller Dinge bleiben. Es ist eine andere Kraft, durch die sich die Völker bilden und bewegen, eine befehlende und herrschende Kraft, deren Ursprung aber unbekannt und unerklärlich ist. Das ist die Kraft des unstillbaren Verlangens, das bis ans Ende gehen möchte und doch zugleich das Ende verneint. Das ist die Kraft der ununterbrochenen, unermüdlichen Bejahung der eigenen Existenz und der Verneinung des Todes; es ist der Geist des Lebens, wie die Schrift sagt, die ›Ströme lebendigen Wassers‹, mit deren Versiegen die Offenbarung St. Johannis so droht. Es ist ein ästhetisches Prinzip, wie die Philosophen sagen, oder, was damit identisch ist, ein ethisches Prinzip. Ich nenne es ganz einfach ›das Suchen nach Gott‹. Das Ziel einer jeden Volksbewegung, bei jedem Volke und in jeder Periode seines Daseins, ist einzig und allein das Suchen nach Gott, nach seinem Gott, unbedingt nach seinem eigenen Gott, und der Glaube an ihn als an den einzig wahren. Gott ist die synthetische Persönlichkeit des ganzen Volkes, von seinem Beginn bis zu seinem Ende. Noch nie ist es vorgekommen, daß alle oder viele Völker einen gemeinsamen Gott gehabt hätten; sondern ein jedes hat immer seinen besonderen gehabt. Es ist ein Symptom des Schwindens der Nationalität, wenn die Götter anfangen gemeinsam zu werden. Wenn die Götter gemeinsam werden, so sterben die Götter und der Glaube an sie mitsamt den Völkern selbst ab. Je stärker ein Volk ist, um so ausschließlicher gehört ihm sein Gott. Noch niemals hat es ein Volk ohne Religion gegeben, das heißt ohne den Begriff des Guten und des Bösen. Jedes Volk hat seine besonderen Begriffe von Gut und Böse und sein besonderes Gutes und Böses. Wenn die Begriffe des Guten und des Bösen bei vielen Völkern gemeinsam zu werden anfangen, dann sterben die Völker ab, und der Unterschied zwischen Gut und Böse fängt selbst an, sich zu verwischen und zu verschwinden. Niemals ist die Vernunft imstande gewesen, das Böse und das Gute zu definieren oder auch nur das Gute vom Bösen zu scheiden, nicht einmal annähernd; vielmehr hat sie beides immer in schmachvoller, kläglicher Weise miteinander vermischt; und die Wissenschaft hat ganz plumpe Antworten auf diese Frage gegeben. Besonders hat sich dadurch die Halbwissenschaft ausgezeichnet, die furchtbarste Geißel der Menschheit, schlimmer als Pest, Hunger und Krieg, die vor unserem jetzigen Jahrhundert unbekannt war. Die Halbwissenschaft ist ein Despot, wie es bisher noch nie einen ärgeren gegeben hat, ein Despot, der seine Priester und Sklaven hat, ein Despot, vor dem alle sich in Liebe und mit einem früher undenkbaren Aberglauben beugen; ja selbst die Wissenschaft zittert vor ihm und zeigt ihm gegenüber eine schmähliche Nachgiebigkeit. All das sind Ihre eigenen Worte, Stawrogin, mit Ausnahme dessen, was ich über die Halbwissenschaft gesagt habe; das sind meine Worte, weil ich selbst nur ein Halbgebildeter bin und sie darum ganz besonders hasse. An Ihren eigenen Gedanken aber und sogar an Ihren Worten habe ich nichts geändert, kein einziges Wort.«

»Ich glaube nicht, daß es ohne Veränderungen abgegangen ist,« bemerkte Stawrogin vorsichtig. »Sie haben das, was ich seinerzeit sagte, mit feurigem Interesse aufgenommen und, ohne es zu merken, es mit feurigem Interesse umgeändert. Schon allein, daß Sie Gott zu einem bloßen Attribut der Nationalität erniedrigt haben ...«

Er hatte auf einmal angefangen, Schatow eine besondere, gesteigerte Aufmerksamkeit zuzuwenden, und zwar nicht sowohl seinen Worten als seiner Person.

»Ich erniedrige Gott zu einem Attribut der Nationalität!« rief Schatow. »Vielmehr hebe ich das Volk zu Gott hinauf. Und ist es denn auch jemals anders gewesen? Das Volk ist der Körper Gottes. Jedes Volk ist nur so lange ein Volk, als es seinen besonderen Gott hat und alle übrigen Götter auf der Welt unversöhnlich ausschließt, nur solange es daran glaubt, daß es durch seinen Gott alle übrigen Götter besiegen und aus der Welt vertreiben wird. So haben alle gedacht, solange die Welt steht, wenigstens alle großen Völker, alle, die einige Bedeutung hatten, alle, die an der Spitze der Menschheit standen. Gegen die Tatsachen läßt sich nicht ankämpfen. Die Hebräer haben nur dazu gelebt, um den wahren Gott zu erwarten, und haben der Welt den wahren Gott hinterlassen. Die Griechen vergötterten die Natur und vermachten der Welt ihre Religion, das heißt die Philosophie und die Kunst. Rom vergötterte das Volk im Staate und vermachte den Völkern den Staat. Frankreich ist im Laufe seiner ganzen langen Geschichte lediglich eine Inkarnation und Entwicklung der Idee des römischen Gottes gewesen, und wenn es schließlich seinen römischen Gott in den Abgrund geworfen und sich dem Atheismus ergeben hat, der bei ihnen vorläufig Sozialismus heißt, so ist das einzig und allein deswegen geschehen, weil der Atheismus immerhin gesunder ist als der römische Katholizismus. Wenn ein großes Volk nicht glaubt, daß es im alleinigen und ausschließlichen Besitze der Wahrheit ist, wenn es nicht glaubt, daß es allein fähig und dazu berufen ist, durch seine Wahrheit alle andern von den Toten aufzuerwecken und zu retten, dann verwandelt es sich sogleich in ethnographisches Material und hört auf, ein großes Volk zu sein. Ein großes Volk kann sich niemals mit einer Rolle zweiten Ranges in der Menschheit begnügen, nicht einmal mit einer solchen ersten Ranges, sondern es verlangt unbedingt und ausschließlich den ersten Platz einzunehmen. Ein Volk, das diesen Glauben verliert, ist kein Volk mehr. Aber es gibt nur eine Wahrheit, und folglich kann nur ein einziges Volk den wahren Gott haben, wenn auch die übrigen Völker ihre eigenen, großen Götter haben mögen. Der einzige ›Träger des wahren Gottesglaubens‹ ist das russische Volk und ... und ... halten Sie mich denn wirklich für einen solchen Dummkopf, Stawrogin,« brüllte er plötzlich wütend, »daß ich nicht sollte beurteilen können, ob das, was ich in diesem Augenblicke sage, altes, wertloses Geschwätz ist, wie es auf allen Mühlen der Slawophilen in Moskau gemahlen wird, oder etwas vollkommen Neues, das letzte Wort, das einzige Wort der Erneuerung und Auferstehung, und ... und was schert mich jetzt in diesem Augenblicke Ihr Lachen! Was schert es mich, daß Sie mich gar nicht, gar nicht verstehen, auch nicht ein Wort, auch nicht einen Laut! ... Oh, wie verachte ich in diesem Augenblicke Ihr stolzes Lachen und Ihren stolzen Blick!«

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