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Die Vereinigung jiddischer Polizisten

Электронная книга - «Die Vereinigung jiddischer Polizisten». Краткое содержание книги:

Mit Detective Meyer Landsman, Polizist im Morddezernat des jüdischen Distrikts Sitka in Alaska, geht es bergab: Seine Ehe ist am Ende, er trinkt, beruflich steckt er in einer Sackgasse. Und nun wurde in dem schäbigen Hotel, in dem er neuerdings wohnt, auch noch ein Mord begangen. Landsman soll ermitteln. Scheinbar eine reine Routinesache. Doch der Tote ist der drogensüchtige Sohn des Rabbis von Sitka, in dem man den Messias vermutete. Der Fall strotzt vor Ungereimtheiten. Als von oben die Anweisung kommt, den Fall unverzüglich zu den Akten zu legen, recherchiert Landsman auf eigene Faust und gerät bald in ein Wespennest aus politischen Intrigen und religiösem Wahn. Denn der Mord wurde in politisch brisanten Zeiten begangen: Sitka soll in Kürze seinen eigenständigen Status verlieren, den Bewohnern droht erneut Vertreibung und Heimatlosigkeit.
Mit einem jüdischen Staat am Rande des ewigen Eises hat Michael Chabon ein irrwitziges literarisches Szenario für seinen packenden Whodunnit geschaffen: »Michael Chabon erzählt eine fesselnde Kriminalgeschichte und erfindet dabei augenzwinkernd die Geschichte des 20. Jahrhunderts neu«, schreibt Simone von Buren in der ›NZZ am Sonntag‹.
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»Nein«, sagt Berko, und dann, noch wütender: »Nein.« Etwas weniger als eine Minute lang lauscht er der Argumentation seiner Frau. Landsman hat keine Ahnung, was sie zu ihm sagt, ob sie ihm aus dem Lehrbuch professionellen Verhaltens, der Fibel des Anstands und der Vergebung predigt oder aus dem Buch der Pflichten eines Sohnes gegenüber seinem Vater, die alles andere übersteigen und hinter sich lassen. Schließlich schüttelt Berko einfach nur den Kopf. Er schaut auf den alten Juden, der ausgestreckt auf dem Rücksitz liegt. »Na gut.«

Dann klappt er das Telefon zu.

»Du kannst mich am Krankenhaus absetzen«, sagt er in besiegtem Tonfall. »Ruf mich bloß an, wenn du dieses Arschloch von Litvak findest.«

37.

»Ich muss mit Katherine Sweeney sprechen«, sagt Bina ins Telefon. Sweeney, die stellvertretende Staatsanwältin der Vereinigten Staaten, ist ehrlich und kompetent und hört sich möglicherweise an, was Bina zu sagen hat. Landsmans Hand schießt über den Schreibtisch, mit einer Fingerspitze unterbricht er die Verbindung. Bina starrt ihn mit einem langsamen Flügelschlag ihrer Augenlider an. Er hat sie überrascht. Eine seltene Leistung.

»Die stecken dahinter«, sagt Landsman mit dem Finger auf der Taste.

»Kathy Sweeney steckt dahinter?«, fragt Bina, den Hörer noch immer am Ohr.

»Hm, nein. Das glaube ich nicht.«

»Die amerikanische Staatsanwaltschaft in Sitka steckt dahinter?«

»Vielleicht. Nein, wahrscheinlich nicht.«

»Aber das Justizministerium schon, meinst du.«

»Ja. Ich weiß nicht. Tut mir leid, Bina. Ich weiß einfach nicht, wie weit das geht.«

Binas Überraschung verblasst; ihr Blick ist ruhig und unerschrocken.

»Gut, Meyer. Jetzt hör mir mal zu. Als Erstes nimmst du deinen behaarten Ekelfinger von meinem Telefon.«

Landsman zieht das anstößige Gliedmaß zurück, bevor die Laserstrahlen aus Binas Augen es sauber am Knöchel durchtrennen können.

»Fass nie wieder mein Telefon an, Meyer.«

»Nie wieder.«

»Wenn die Geschichte wahr ist, die du mir da erzählt hast«, sagt Bina mit dem Tonfall eines Lehrers in einem Raum voller unterbelichteter Fünfjähriger, »dann muss ich das Kathy Sweeney sagen. Wahrscheinlich auch dem Außenministerium. Vielleicht muss ich mich sogar ans Verteidigungsministerium wenden.«

»Aber —«

»Ich weiß nämlich nicht, ob dir das bewusst ist, Meyer, aber das Heilige Land gehört nicht zu unserem Bezirk.«

»Sicher, Bina, natürlich. Aber hör zu. Irgendein einflussreicher Mensch, ein Mensch mit sehr viel Einfluss, hat sich an der Datenbank der Flugsicherheitsbehörde zu schaffen gemacht und die Akte verschwinden lassen. Und jemand mit großem Einfluss hat dem Rat der Tlingit versprochen, dass der Stamm den Distrikt zurückbekommt, wenn Litvak eine Weile von Peril Strait aus operieren darf.«

»Hat Dick das gesagt?«

»Er hat es angedeutet. Und bei allem Respekt vor den Lederers aus Boca Raton, aber ich bin mir sicher, dass diese einflussreichen Personen Schecks für die geheime Seite dieser Operation ausgestellt haben. Für die Ausbildungseinrichtung. Für Waffen und Unterhalt. Viehzucht. Die stecken dahinter.«

»Die amerikanische Regierung.«

»Das will ich damit sagen.«

»Weil sie der Meinung ist, es wäre eine richtig gute Idee, wenn eine Horde verrückter Jids in Palästina rumläuft, Schreine in die Luft jagt, Messias folgt und den Dritten Weltkrieg auslöst.«

»Die Regierung ist so irre, Bina. Das weißt du. Vielleicht hofft sie sogar auf den Dritten Weltkrieg. Vielleicht will sie einen neuen Kreuzzug anzetteln. Vielleicht glaubt sie, Jesus kommt zurück, wenn das alles passiert. Oder vielleicht hat es nichts mit alldem zu tun, sondern es geht nur um Öl, wer weiß, um Versorgungssicherheit bis in alle Ewigkeit. Ich weiß es nicht.«

»Eine Regierungsverschwörung, Meyer.«

»Ich weiß, wie sich das anhört.«

»Sprechende Hühner, Meyer.«

»Tut mir leid.«

»Du hast es versprochen.«

»Ich weiß.«

»Wenn du wieder mit deinem Auto anfängst«, sagt sie, »muss ich dir in den Arsch treten. Und wenn du noch einmal mein Telefon anfasst, Meyer, erschieße ich dich.«

Sie greift zum Hörer und ruft die stellvertretende Staatsanwältin an.

»Bina, bitte! Leg den Hörer auf.«

»Ich bin mit dir in vielen dunklen Ecken gewesen, Meyer Landsman«, sagt sie. »Aber in diese komme ich nicht mit.«

Landsman findet, dass er ihr deswegen keinen Vorwurf machen kann.

Als Sweeney ans Telefon geht, informiert Bina sie über die Eckpfeiler von Landsmans Märchen: Ein Verbover und eine Gruppe messianischer Juden haben sich zusammengetan und bereiten ein Attentat auf einen wichtigen muslimischen Schrein in Palästina vor. Das Übernatürliche und die rein spekulativen Elemente lässt Bina aus. Den Tod von Naomi Landsman und Mendel Shpilman erwähnt sie nicht. Sie lässt es gerade so weit hergeholt klingen, dass es noch glaubhaft ist.

»Ich muss sehen, ob wir vielleicht diesen Litvak aufspüren können«, sagt sie zu Sweeney. »Gut, Kathy. Danke. Ich weiß, stimmt. Ich hoffe es.«

Bina legt auf. Sie nimmt eine Schneekugel mit der Skyline von Sitka vom Schreibtisch, schüttelt sie und schaut dem Schneetreiben zu. Alles andere hat sie aus dem Büro entfernt, den Nippes, die Fotos. Nur die Schneekugel ist noch da, und an der Wand hängen gerahmt ihre Schaffelle. Ein Gummibaum, ein Ficus und eine weißgefleckte rosa Orchidee in einem grünen Glastopf. Alles ist noch immer so anziehend wie ein Bus von unten. Mittendrin sitzt Bina in einem neuen grimmigen Hosenanzug, das Haar aufgetürmt und mit Klammern, Gummibändern und anderen nützlichen Utensilien aus ihrer Schreibtischschublade vor der Auflösung bewahrt.

»Sie hat nicht gelacht«, sagt Landsman. »Oder?«

»Dafür ist sie nicht der Typ«, sagt Bina. »Nein, sie will mehr Informationen. Wie dem auch sei, ich hatte das Gefühl, dass sie den Namen Alter Litvak nicht zum ersten Mal hört. Sie meinte, wenn wir ihn finden, würde sie ihn vielleicht auch ganz gerne mal verhören.«

»Buchbinder«, sagt Landsman. »Dr. Rudolf Buchbinder. Du weißt schon, er kam gerade aus dem Polar-Shtern, als du reingingst.«

»Der Zahnarzt unten von der Ibn-Ezra Street?«

»Er hat mir erzählt, er würde nach Jerusalem umziehen«, sagt Landsman. »Ich hab gedacht, er redet wieder Blödsinn.«

»Dieses Institut soundso«, erinnert sich Bina.

»Mit M.«

»Mirjam.«

»Moriah.«

Sie geht an ihren Computer und findet im Verzeichnis der nicht im Telefonbuch gelisteten Nummern einen Eintrag des Instituts Moriah auf der Max Nordau Street 822, sechste Etage.

»Achthundertzweiundzwanzig«, sagt Landsman. »Hm.«

»Ist das nicht in deiner Gegend?« Bina wählt die gefundene Telefonnummer.

»Direkt gegenüber«, sagt Landsman und kommt sich ein wenig dumm vor. »Das Hotel Blackpool.«

»Anrufbeantworter«, sagt sie. Mit einer Fingerspitze unterbricht sie den Anruf und tippt vier Nummern ein. »Gelbfish hier.«

Sie ordnet an, die Türen und Eingänge des Hotel Blackpool von Streifenpolizisten und Zivilbeamten observieren zu lassen.

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